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Veit Sorger: „Ich habe nichts falsch gemacht“

04.01.2010 | 18:18 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Der Industriellen-Präsident verteidigt sein Investment bei der Hypo Alpe Adria und hat sich mit Rechtsgutachten abgesichert.

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Wien. Es war ein „ganz normales“ Investment: Als Veit Sorger – und viele andere prominente Industrielle – von Tilo Berlin auf das Projekt „Privatisierung der Hypo Alpe Adria“ aufmerksam gemacht worden ist, war weder von einem späteren Verkauf an die BayernLB die Rede noch war die angespannte Finanzlage, die sich durch die Finanzkrise noch deutlich verschärfen sollte, bekannt. Es ging einzig und allein darum, Geld in ein Projekt mit „hohem Risiko, aber auch hoher Ertragschance“ anzulegen – „wie wenn Sie Aktien kaufen“, nimmt Sorger im Gespräch mit der „Presse“ erstmals zu seinem Engagement bei der Hypo Stellung.

Das Investment ärgert den Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV) nicht. Jedoch aber, dass er jetzt in einem Zug mit Berlin als einer der „Drahtzieher“ des Hypo-Deals ins Spiel gebracht wird. Denn gerade „weil ich mir meiner Funktion in der Öffentlichkeit bewusst bin und immer für Glaubwürdigkeit eintrete“, habe er den beim Verkauf der Hypo an die BayernLB lukrierten Gewinn auf ein Treuhandkonto gelegt. Dort werde er bleiben, solange die Ermittlungen laufen. „Ich habe keine Geheimnisse und bin bereit, alle Unterlagen den ermittelnden Behörden zur Verfügung zu stellen“, sagt Sorger. Bisher sei er aber noch nicht kontaktiert worden.

Anderen Investoren, von denen er natürlich angesprochen worden sei („in Österreich kennt doch jeder jeden“), gebe er keine Ratschläge. „Jeder muss da selbst seine Position suchen, ich für mich habe das schon gemacht.“ Er habe sich zudem schon zwei Rechtsgutachten erstellen lassen, die ihm bescheinigen, dass „ich nichts falsch gemacht habe“.

 

Börsegang in sechs Jahren

Sorger erinnert sich: Irgendwann im Winter 2006 sei das Projekt, 25 Prozent an der Hypo zu kaufen, bekannt geworden. Er sei von Tilo Berlin aufmerksam gemacht worden, der ihm schon aus seinen Karriereanfängen in Deutschland ein Begriff gewesen sei. Und Wolfgang Kulterer (bis Herbst 2006 Hypo-Chef, Anm.). „Den hab ich damals gar nicht gekannt und inzwischen nur einmal gesehen“, erklärt Sorger.

In dem Informations-Memorandum sei von der guten Ertragskraft und den aufgrund der Ostfantasie guten Aussichten der Hypo die Rede gewesen. Außerdem habe auf Basis einer vertieften Prüfung (Due Diligence) eine Bewertung vorgelegen. Und als Zukunftsszenario sei in sechs Jahren (also 2012, Anm.) der Börsegang projektiert gewesen. Dass die Zahlen falsch gewesen sein könnten? – „das konnte ich damals und kann ich auch heute nicht beurteilen“, meint Sorger und verweist darauf, dass „Sie auch bei einem Aktienkauf den Fundamentaldaten trauen müssen“.

Also stieg Sorger ein – mit minimalen 0,25Prozent. Das war's auch schon, dann habe er sich um die Sache nicht mehr gekümmert. Ja, ein paar Namen anderer Investoren habe er natürlich gehört, „aber interessiert hat mich das nicht“. Genauso wenig kann er sich erinnern, dass das Projekt unter dem Codenamen „Project Knox“ gelaufen sein soll.

Erst „Mitte 2007 oder noch später“ habe er von den Verkaufsplänen an die BayernLB erfahren. In Verhandlungen sei er nie eingebunden gewesen. „Wir – die Investoren – wurden dann aufgefordert, dem Verkauf zuzustimmen, Berlin brauchte 75Prozent“, erzählt Sorger. Da gleichzeitig schon Jubelmeldungen der Bayern über ihre Rückkehr nach Österreich (nach dem Rückzug aus der Bawag Ende 2006) kursierten, habe man zugestimmt. Außerdem sei man ja mit einer ordentlichen Verzinsung ausgestiegen.

 

Lückenlose Aufklärung

Gerüchte, wonach die Investoren nur ihre Namen gegeben hätten, das Geld aber von der Flick-Stiftung, deren Vorstand Kulterer ist, gekommen sei, dementiert Sorger aufs Heftigste. „Ich kann alle Geldflüsse nachweisen, meine Überweisung und die Rücküberweisung.“ Dass die Causa Hypo zum Kriminalfall geworden ist, gefällt Sorger genauso wenig wie, dass die Bank ein Sanierungsfall ist, für den der Staat einspringen musste.

Noch sei nichts bewiesen, daher könne auch er kein Urteil abgeben. „Aber ich bin dafür, dass alles lückenlos aufgeklärt wird.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2010)

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24 Kommentare
Gast: migg
17.01.2010 13:17
1 0

Geldgieriges Gfrast

Veit Sorger bekommt mit seinen 68 Jahren den Hals noch immer nicht voll und wenn mann sich die Investorenliste ( Flick & Co. ) ansieht bemerkt man hier nur ein geldgieriges Gfrast, das mit ihren Siftungen herrlich in Österreich leben und wartet, daß die dummen Arbeitnehmer zu billigsten Löhnen für sie arbeiten.
Veit Sorger sagt im Fernsehen ja immer, es muß viel mehr gearbeitet werden.
Weiters gehört allen diesen Herrschaften die Finanz zu einer Nachschau nach Hause geschickt, dann ist es ihnen in Zukunft nich mehr so langweilig.

Gast: Loco
07.01.2010 15:50
1 0

0.25% vom deal pffffff:P

da is noch viel mehr :)

Gast: Loco
07.01.2010 15:43
0 0

0.25% vom deal pffffff:P

das ist nicht der den ihr sucht:)

Gast: Selbstver-Sorger
06.01.2010 23:28
1 0

wozu hat man schliesslich Freunde ....

... und ein Hundsfott, der dabei Böses denkt

Gast: Besorgter Zahlbürger
06.01.2010 11:37
1 0

Ich zähle täglich meine Sorgen ......

Wer Interessensvertreter wie Sorger und Verzetnitsch hat, bzw. hatte, braucht sich um seine Interessen keine Sorgen machen.

Gast: Ich-AG
06.01.2010 09:24
1 0

Sicher, sicher!

Alle von der ÖVP-Wirtschaftspartei können extrem gut wirtschaften.

Gast: Be-Sorger
05.01.2010 20:40
1 1

Aufforderung

Veit Sorger, Ihren Rücktritt bitte. Andererseits: spätestens seit der nKHG-Homepage-Affäre ist eine "Institution" wie die "Industriellenvereinigung" eh nicht mehr ernstzunehmen.

Antworten Gast: gast
05.01.2010 21:20
2 0

Re: Aufforderung

Und ob die Industriellenvereinigung ernst zu nehmen ist. Betrachte nur die Steuergesetzgebung von KHG und anderen. Wer trägt denn den Großteil der Steuerlast? Wie hoch ist die Kest und wie hoch sind die Stiftungssteuern? Wessen Vermögen hat in den letzten Jahren zugenommen?
Dazu kenne ich zwar nur deutsche Verhältnissen, weil Reichtum in Österreich kaum erforscht ist, aber die Ergebnisse sind sicher ganz gut auf Österreich zu übertragen:
Nur die obersten 10% haben in den letzten Jahren ihr Vermögen gesteigert!
In Österreich besitzt das oberste Prozent 27 Prozent des gesamten Finanzvermögens.
Und wenn jetzt der Schuldenberg zurückzuzahlen ist, dann wird die Mittelschicht zur Kasse gebeten, denn weiter unten gibt es nichts mehr zu holen, die sind schon ausgeblutet.
V. Sorger hat schon vorsorglich gesagt, dass eine Vermögenszuwachssteuer die Konjunktur bremsen würde und dass die Krise auch die Reichen betroffen habe und dass alle am Abbau der Schuldenberge teilzunehmen haben.

Gast: CARA
05.01.2010 17:09
1 0

Die asozialen Pensionisten sind schuld an der Misere, "aber nicht Veit Sorger!

So ein feiner Herr macht doch nichta falsch - da beschuldigt er doch lieber die Pensionisten, die lächerliche Pensionen bekommen und 1 % mehr "verlangen" (!), asozial zu sein, und die Beamten sind gierig und die arbeiter unbotmäßig - aber er, er, ist immer im Recht, egal was er und seine Freunderln so machen - eine Schande ist das, pfui!
http://diepresse.com/home/politik/alpbach/505446/index.do?direct=505611&_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/505611/index.do&selChannel=

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/512515/index.do?from=suche.intern.portal

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/516386/index.do?from=suche.intern.portal

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/519916/index.do?from=suche.intern.portal

http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/516406/index.do?direct=516386&_vl_backlink=/home/wirtschaft/economist/516386/index.do&selChannel=


Gast: Berlinger
05.01.2010 14:41
1 0

Bitte, danke.

Simple Frage: würde jemand gleich zwei (!) Rechtsgutachten erstellen lassen, wenn er meint, "nichts falsch gemacht zu haben“?

Anyway: Veit Sorgers offener Umgang mit dem Thema ist so aussagekräftig wie vordergründig korrekt. Diese Korrektheit erwartet als Mindestleistung die Bevölkerung, die für diese ganze Hypo-Scheisse jetzt zum Handkuss kommt, auch von allen anderen "Investoren".

Namen, Zahlen, Fakten. Die Gelder auf ein Treuhandkonto. Und dann die Ermittlungen abwarten. Bitte. Danke.

Antworten Gast: Hubertus
06.01.2010 12:21
1 0

Re: Bitte, danke.

Wieso erinnert mich V.Sorgers Stellungnahme an K. Waldheims:Ich habe nur meine Pflicht erfüllt.? Und den hrn. Kulterer kenne ich eigentlich gar nicht. Aber dafür investiere ich bei ihm Geld. Ja, so stellt man sich Wirtschaftsfachleute vor.

Stachel
05.01.2010 11:18
1 0

Am Falle S. wird sich zeigen

welchen ethischen Grundsätzen die IV und ihr Präsident verpflichtet sind. Wer so ins Gerede kommt sollte den Anstand haben, seine Organisation nicht weiter zu belasten.

Gast: fixit
05.01.2010 10:56
1 0

normales Ethik-Investment

Der Steuerzahler ist die neue Einnahmequelle für Österreichs kulturbeflissene und ach so sozial engagierte Oberschicht - dafür benötigt man auch dieses verfilzte Netzwerk aus Politik und Justiz ....
Weil das Recht Recht bleiben muss und mit Moral nichts zu tun hat !

3 0

Die IV muß handeln

Ob Sorger falsch gehandelt hat oder nicht sollen die Gerichte beurteilen aber die IV kann sich nicht leisten ein Präsidenten zu haben der sich ständig verteidigen muß und bei dem alle das Gefühl haben, daß etwas nicht stimmt. Sorger sollte seine Ämtern ruhen lassen bis die Angelegenheit geklärt ist.

Antworten Gast: Andreas
05.01.2010 10:54
1 0

Re: Die IV muß handeln

Die IV ist kein Mädchenpensionat. Klar gehts ihnen um das rentabelste Investment. Was soll dieses "nichts falsch gemacht". Die gesamte Wirtschaft ist in den Abgrund gerisse worden von denen, die nichts falsch gemacht haben. Die Realität zeigt nun neue Wertemaßstäbe, was richtig und falsch sein könnte. Die konservative Auffassung von Wirtschaft scheint eher zu dem gehören was künftig falsch ist...

Gast: Gast
05.01.2010 09:49
1 0

KHG

Anscheinend argumentieren jetzt alle, die erwischt werden, wie es Ihnen KHG vorgemacht hat. "Mein Name ist Hase, bis das Gegenteil bewiesen ist."

Steininger
05.01.2010 05:21
1 0

Jo mei,

de san olle unschuldig. Zumindest bis daß das Gericht ihnen das Gegenteil bewiesen hat. Und darauf können wir lange warten!

1 0

Klingt plausibel..

...aber dies oder ähnliches werden wir von den anderen Investoren auch hören. Es ist bis zum Beweis des Gegenteils zu glauben. Sein zivil- & strafrechtliches Risiko hat Veit jedenfalls minimiert.

Der Treuhanderlag macht dennoch nachdenklich. Zu wessen Gunsten wurde hinterlegt? An wen und unter welchen Bedingungen geht das Geld vom Treuhandkonto weg. Da ist doch nur denkbar: Wenn es Unregelmäßigkeiten gegeben haben sollte, verzichte ich zugunsten der Bayern. Wieso so früh, hatte er Anhaltspunkte? Wieso wurde Veit dazu nicht von der PRESSE befragt?

Man darf aber schon davon ausgehen, dass ein Teil der "Inverstoren" von allenfalls vorhandenen Insidern lediglich als (uneingeweihte) Hebel für die notwendige Mehrheit benutzt worden sind.

Aber das muss eben alles offen gelegt werden. Wer ist wann eingestiegen. In welcher zeitlicher oder sachlicher Relation zu dem Geheimtreffen, das jetzt aufgedeckt wurde.

Gerade in einem Fall wie diesem könnte ein Kronzeugenregelung grossen Aufklärungs Nutzen bringen. In der BRD gibt es sie

Iason
04.01.2010 20:05
1 0

Ob Hr. Sorger lügt?

Oder ob er nichts falsch gemacht hat, kann man relativ leicht feststellen.

Er gibt selbst zu, dass es ein hoch spekulatives Investment war.

Das bedeutet, dass ein verantwortungsbewusster (intelligenter) Investor max. 5% seines Geldvermögens in solch ein einzelnes Investment steckt.

Hat Hr. Sorger jedoch sehr viel mehr seines Geldvermögens da hineingeworfen, so kann man annehmen, dass er Insiderinfo hatte.

Dass er intelligent ist, nehme ich an, denn sonst hätte er schon lange alles verloren. Oder er macht nur solche Insidereschäfte ???

Gast: Egal
04.01.2010 19:25
3 1

Veit Sorger: nicht mehr tragbar!

Veit Sorger, ich bin ein Steuerzahler und fordere Sie auf sofort das Amt in der Industriellenvereinigung zurückzulegen, freiwillg. Überweisen Sie das Geld aus dem Hypo Verkauf dem Finanzministerium. Danke für Ihre Kooperation. Es geht hier nicht mehr um rechtliche Dinge, es geht um den Ansstand und ihre Ehre.

Antworten Gast: markus trullus
08.01.2010 19:03
0 1

Re: Veit Sorger: nicht mehr tragbar!

Wieso meinen Sie, den Chef der IV zum Rücktritt auffordern zu dürfen? Mit welcher Kompetenz? Zahlen sie in die IV? Sind Sie Mitglied? Nein? Was reden sie dann für einen Stuss! Veit Sorger ist demokratisch von den Mitgliedern der IV gewählt worden, gleich wie der Gewerkschaftschef (Vereinsgesetz!).

Antworten Gast: skydriver
05.01.2010 09:25
2 0

Re: Veit Sorger: nicht mehr tragbar!

Sorger hat seine Finger überall drinnen er ist ein Ämtermulti und hat auch bei der FIMBAG (Banken_ÖIAG) einen wesentlichen Einfluß...ein Schelm wer da schlechtes denkt!

Gast: ET
04.01.2010 19:13
1 1

Volle Hosen?

Warum wurden die Gelder sofort, und ohne Aufforderung, auf ein Treuhandkonto gelegt?

Noch nicht befragt, aber trotzdem eine Bestellung für gleich 2 Gutachten, welche einen Freibrief darstellen sollen.

Diese Reaktionen müssen eine Motivation haben. Welche Motivationen können das sein?

Antworten Gast: Hubertus
06.01.2010 12:24
1 0

Re: Volle Hosen?

Die Rechtsgutachten besagen gar nichts. Wer zahlt, schafft an. Das wissen auch die Rechtsgutachter, die ja auch Linksgutachter heißen können, je nachdem wer der Auftraggeber ist.

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