Wien. Es war ein „ganz normales“ Investment: Als Veit Sorger – und viele andere prominente Industrielle – von Tilo Berlin auf das Projekt „Privatisierung der Hypo Alpe Adria“ aufmerksam gemacht worden ist, war weder von einem späteren Verkauf an die BayernLB die Rede noch war die angespannte Finanzlage, die sich durch die Finanzkrise noch deutlich verschärfen sollte, bekannt. Es ging einzig und allein darum, Geld in ein Projekt mit „hohem Risiko, aber auch hoher Ertragschance“ anzulegen – „wie wenn Sie Aktien kaufen“, nimmt Sorger im Gespräch mit der „Presse“ erstmals zu seinem Engagement bei der Hypo Stellung.
Das Investment ärgert den Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV) nicht. Jedoch aber, dass er jetzt in einem Zug mit Berlin als einer der „Drahtzieher“ des Hypo-Deals ins Spiel gebracht wird. Denn gerade „weil ich mir meiner Funktion in der Öffentlichkeit bewusst bin und immer für Glaubwürdigkeit eintrete“, habe er den beim Verkauf der Hypo an die BayernLB lukrierten Gewinn auf ein Treuhandkonto gelegt. Dort werde er bleiben, solange die Ermittlungen laufen. „Ich habe keine Geheimnisse und bin bereit, alle Unterlagen den ermittelnden Behörden zur Verfügung zu stellen“, sagt Sorger. Bisher sei er aber noch nicht kontaktiert worden.
Anderen Investoren, von denen er natürlich angesprochen worden sei („in Österreich kennt doch jeder jeden“), gebe er keine Ratschläge. „Jeder muss da selbst seine Position suchen, ich für mich habe das schon gemacht.“ Er habe sich zudem schon zwei Rechtsgutachten erstellen lassen, die ihm bescheinigen, dass „ich nichts falsch gemacht habe“.
Börsegang in sechs Jahren
Sorger erinnert sich: Irgendwann im Winter 2006 sei das Projekt, 25 Prozent an der Hypo zu kaufen, bekannt geworden. Er sei von Tilo Berlin aufmerksam gemacht worden, der ihm schon aus seinen Karriereanfängen in Deutschland ein Begriff gewesen sei. Und Wolfgang Kulterer (bis Herbst 2006 Hypo-Chef, Anm.). „Den hab ich damals gar nicht gekannt und inzwischen nur einmal gesehen“, erklärt Sorger.
In dem Informations-Memorandum sei von der guten Ertragskraft und den aufgrund der Ostfantasie guten Aussichten der Hypo die Rede gewesen. Außerdem habe auf Basis einer vertieften Prüfung (Due Diligence) eine Bewertung vorgelegen. Und als Zukunftsszenario sei in sechs Jahren (also 2012, Anm.) der Börsegang projektiert gewesen. Dass die Zahlen falsch gewesen sein könnten? – „das konnte ich damals und kann ich auch heute nicht beurteilen“, meint Sorger und verweist darauf, dass „Sie auch bei einem Aktienkauf den Fundamentaldaten trauen müssen“.
Also stieg Sorger ein – mit minimalen 0,25Prozent. Das war's auch schon, dann habe er sich um die Sache nicht mehr gekümmert. Ja, ein paar Namen anderer Investoren habe er natürlich gehört, „aber interessiert hat mich das nicht“. Genauso wenig kann er sich erinnern, dass das Projekt unter dem Codenamen „Project Knox“ gelaufen sein soll.
Erst „Mitte 2007 oder noch später“ habe er von den Verkaufsplänen an die BayernLB erfahren. In Verhandlungen sei er nie eingebunden gewesen. „Wir – die Investoren – wurden dann aufgefordert, dem Verkauf zuzustimmen, Berlin brauchte 75Prozent“, erzählt Sorger. Da gleichzeitig schon Jubelmeldungen der Bayern über ihre Rückkehr nach Österreich (nach dem Rückzug aus der Bawag Ende 2006) kursierten, habe man zugestimmt. Außerdem sei man ja mit einer ordentlichen Verzinsung ausgestiegen.
Lückenlose Aufklärung
Gerüchte, wonach die Investoren nur ihre Namen gegeben hätten, das Geld aber von der Flick-Stiftung, deren Vorstand Kulterer ist, gekommen sei, dementiert Sorger aufs Heftigste. „Ich kann alle Geldflüsse nachweisen, meine Überweisung und die Rücküberweisung.“ Dass die Causa Hypo zum Kriminalfall geworden ist, gefällt Sorger genauso wenig wie, dass die Bank ein Sanierungsfall ist, für den der Staat einspringen musste.
Noch sei nichts bewiesen, daher könne auch er kein Urteil abgeben. „Aber ich bin dafür, dass alles lückenlos aufgeklärt wird.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2010)
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