WIEN (cim). Die Aufgaben eines guten Managers sind leicht zu beschreiben: Er muss schauen, ob seine Mitarbeiter bei ihm einen „Arbeitsplatz“ oder einen „Einkommensplatz“ haben. Ob sie in ihrer Arbeit Sinn finden, oder ob sie nur kommen, weil sie Geld brauchen, sagt Götz Werner, Grüner der DM-Drogeriemärkte.
Wer „Einkommensplätze“ ortet, der müsse diese schleunigst zu Arbeitsplätzen machen, fordert der Millionär, der seit Jahren durch die Lande tingelt, um Stimmung für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu machen, im Rahmen des „Talk bei Henkel“ zum Thema „Ethik im Management“.
Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens sei es, „Sinn zu stiften“ und das Ziel alles Wirtschaftens müsse „der Mensch sein“ – Götz Werners Werte muten utopisch an. Aber, so Werner, einem Unternehmen sehe man sofort an, ob die Menschen dort in ihrer Arbeit Sinn finden. Das merke der Kunde, der Manager sehe es in den Bilanzen und der Entwicklung. Am schnellsten weisen das die Krankenstandstage und die Fluktuation aus.
Wenn es so einfach ist, seine Mitarbeiter glücklich zu machen und zugleich erfolgreich zu sein, warum gibt es dann Kinderarbeit, Spekulanten, die auf Kurse wetten oder eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen?, wirft Matthias Karmasin, Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaftler, ein. Schuld seien die Anreizsysteme, sagt Karmasin. Investmentbanker würden schließlich lernen, dass sich Egoismus auszahlt, Boni belohnen das. Diese Anreize, die Ausbildung und das Vorurteil, „der ethisch Gute ist der ökonomisch Dumme“ würden unverantwortliches Verhalten fördern, sagt Karmasin.
Dass dem nicht so ist, erklärt Baumax-Chef Martin Essl. Er hat vor zehn Jahren begonnen, in seinen Märkten Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz zu bieten. Seither habe sich die Fluktuation halbiert, Essl spricht von seiner „besten Investition“.
„Sofort kündigen!“
Wer sich aber in einem Unternehmen wähnt, in dem er keinen Sinn findet, dem rät Werner: Sofort kündigen! Damit sich das jeder leisten kann, fordert Werner seit Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.
„Ökonomisch geht sich das aus. Das bedingungslose Grundeinkommen würde aber einen revolutionären Wandel in unserer von Zwang gekennzeichneten Gesellschaft bedeuten“, meint Karmasin. „Die Gesellschaft würde sich dramatisch verändern: vom Müssen zum Wollen“, meint Werner.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2010)
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