20.06.2013 05:47 Merkliste 0

Verbund-Manager Christian Kern wird neuer ÖBB-Chef

04.03.2010 | 18:29 |  HANNA KORDIK (Die Presse)

Der bisherige Bahn-Boss Peter Klugar zieht sich zurück. Christian Kern, seit knapp drei Jahren Vorstand im Stromkonzern Verbund, wird den heiklen Job machen. Die ÖBB-Chefetage bleibt damit rot.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

wien. Eine schlanke Presseaussendung um 15.32 Uhr am gestrigen Donnerstag: Peter Klugar, seit Mai 2008 Chef der Bundesbahnen, hatte in dem Text kundgetan, dass er „für eine weitere Periode als Vorstandssprecher der ÖBB-Holding nicht zur Verfügung steht“. Sein Vertrag läuft im Herbst dieses Jahres aus.

Der Inhalt von Klugars Aussendung kommt ganz und gar nicht überraschend. Klugar galt von Anfang an als „Notlösung“ in den ÖBB. Im Frühling 2008 war ÖBB-Chef Martin Huber beim Eigentümervertreter – Verkehrsminister Werner Faymann – in Ungnade gefallen, und ein Nachfolger musste schleunigst her.

Vor allem einer, der im Gegensatz zu Huber der roten Reichshälfte angehört. Klugar, ein jahrelanger ÖBBler und fachlich unumstritten, war da gerade richtig.

Aber halt nicht auf Dauer: Klugar gilt generell als ziemlich introvertiert. Jedenfalls ist er keiner, der auf den Tisch haut – was in der „Schlangengrube“ ÖBB sicher erforderlich ist: Da muss einerseits politischen Begehrlichkeiten Paroli geboten werden.

Andererseits muss auch die mächtige Eisenbahnergewerkschaft im Zaum beziehungsweise bei Laune gehalten werden. Ein schwer zu meisternder Drahtseilakt – zumal die wirtschaftliche Situation der Bundesbahnen mehr als klamm ist.

 

Thema im Aufsichtsrat

Schon seit Monaten wird also nach einem geeigneten Klugar-Nachfolger Ausschau gehalten. Am kommenden Dienstag sollen im ÖBB-Aufsichtsrat Nägel mit Köpfen gemacht werden. Einen SPÖ-Kandidaten hat man auch schon an der Hand: Christian Kern, seit knapp drei Jahren Vorstand im Stromkonzern Verbund, wird den heiklen Job machen. Vor wenigen Tagen erklärte Kern zwar der „Presse“, dass er „kein Interesse an einem Jobwechsel“ habe. In den vergangenen Wochen soll es aber bereits intensive Gespräche zwischen Kern und ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker gegeben haben – in denen Kern allerdings eine Reihe von Bedingungen stellte, um das „Himmelfahrtskommando“ zu übernehmen. Kern war offenbar in einer starken Position: Die SPÖ soll sich auf den 44-jährigen Manager geradezu kapriziert haben.

 

Mächtiger neuer ÖBB-Chef

Dem Vernehmen nach soll daher all seinen Forderungen entsprochen werden: Kern wird ein Dirimierungsrecht im Vorstand erhalten, kann in Hinkunft personelle Wünsche im Konzern durchsetzen und darf bei Bestellungen in den Aufsichtsräten von ÖBB-Tochtergesellschaften mitreden. Christian Kern gilt schon lange als „Zukunftshoffnung“ der SPÖ für wirtschaftlich heikle Jobs – als Manager genießt er einen hervorragenden Ruf, in der Partei ist er auch bestens vernetzt. Zuletzt war er als Post-Generaldirektor gewünscht, Kern winkte allerdings ab.

In den ÖBB läuft also alles nach SPÖ-Plan – bis auf die gestrige Aussendung Klugars. Die war so nicht vereinbart gewesen. Am Sonntagvormittag ist nämlich SPÖ-Verkehrsministerin Doris Bures zu Gast in der Fernseh-„Pressestunde“.

Vereinbart war, dass Klugar seine öffentliche Mitteilung erst danach macht – um Bures die Gelegenheit zu geben, „ihre“ Themen im Interview unterzubringen. Doch Klugar dürfte aufgrund ständiger Querelen im Konzern der Kragen geplatzt sein. Und machte Bures einen Strich durch die Rechnung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

32 Kommentare
 
12
Gast: Ein kritischer Ausbilder
30.09.2010 18:29
0 0

wie Hr. Mag Kern hinters Licht geführt wird

Heute war hoher Besuch in der Lehrwerkstätte Floridsdorf.

Gestern wurden wir , die Lehrlinge und das Ausbildungspersonal dahin getrimmt , Optimisten zui sein. Wir wurden beauftragt , nur positive Stimmung zu verbreiten , obwohl alle Lehrlinge wissen , bei der Ausbildung geht soviel schief wie nur denkbar möglich.
Man kann aber nur Facharbeiter werden , wenn mann praktische Erfahrungen sammeln kann.

Das ist bei uns so nicht möglich!!!
Ich finde es nur traurig , die Lehrlinge wollen wirklich etwas lernen .

ein unbekannter Kapazunder

der gleich einmal um 100 000.- mehr bekommt, als sein Vorgänger. Wir Steuerzahler habns ja. Nicht die kleinen Mitarbeiter der Bahn, sind fürs schlechte Image, des Unternehmens verantwortlich, sondern die Führungsetage steht für Misswirtschaft, in Kooperation mit der Gewerkschaft. Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken, wissen alle, ausser Dick und Doof.

Gast: Gast17
07.03.2010 16:54
1 1

Kaum steht ÖBB im Titel...

... wird auf allen österreichischen Nachrichtenseiten mit Posting-Funktion gesudert, was das Zeugs hält. Man sollte dem neuen Manager eine Chance geben, den Sauhaufen ÖBB zum besseren zu wenden, bevor man ihn inhaltlich "analysiert".

Möge es ihm gelingen, das Niveau der ÖBB auf ansatzweise schweizerische Verhältnisse zu heben. Der österreichische ÖV hätte es verdient. Ich hoffe, das wird seine Kern-Kompetenz!

2 1

Motivation

kann man von einem normalen ÖBB-MA sicher nicht verlangen. So charakterlos wie sich die Manager in den letzten Jahren bei der ÖBB aufführen ist es unmöglich eine Mannschaft zu einer Leistung zu motivieren.

Profil sucht Ausschreibung

Nachfolgend das Profil von:

Mag. Christian KERN
Mitglied des Vorstandes
Geboren 1966 in Wien

1989 Wirtschaftsjournalist

1991 Assistent des Staatssekretärs für den öffentlichen Dienst

1994 Büroleiter und Pressesprecher des Klubobmannes der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion

1997 Assistent des Vorstandes des Verbund
(Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG)

1999 Bereichsleiter "Strategisches Marketing und Verkaufssteuerung" des
Verbund

2000 Vorsitzender der Geschäftsführung der
VERBUND-Austrian Power Vertriebs GmbH

2002 Mitglied des Vorstandes der
VERBUND-Austrian Power Trading AG

2007 Mitglied des Verbund-Vorstandes

Quelle: Verbund AG

Die dafür passende Ausschreibung kann daher nur lauten:
politisch bekannt und zuordenbar
planbar
praktische Erfahrung oder Branchenerfahrung nicht unbedingt erforderlich
Vorstandserfahrungl wegen Argumentation erforderlich

Nachdem die Eigentümer durch die Auswahl der ihrer leitenden Organe meist ihre Ziele mit dem Unternehmen abbilden, lässt sich nur ableiten:
schauen, dass alles unter politischer Kontrolle bleibt, Ziel unbekannt und undefiniert.

Gute Nacht ÖBB, gute Nacht Österreich.

Antworten Gast: gast72
09.03.2010 20:55
0 0

Re: Profil sucht Ausschreibung

ergänzend: studium in germanistik und publizistik - so eine tageszeitung berichtend - absolviert ;-).

Mit der Bahn kommt man definitiv schneller ans (karriere)ziel!


Re: Profil sucht Ausschreibung

hinzuzufügen ist noch die Tatsache, das er nie die Aktentasche, die er den diversen Bonzen nachzutragen hatte, fallen lies.

1 0

ad praktische Erfahrung oder Branchenerfahrung

Draxler: praktische Erfahrung, guter Mann - Ergebnis - abgesägt durch die Politik

1 0

ad praktische Erfahrung oder Branchenerfahrung

frühere ÖBB-Chefs:
vor dem Walde: Branchenerfahrung ja, Ergebnis - Desaster
Huber: keine Branchenerfahrung, Ergebnis - Desaster

2 0

Re: ad praktische Erfahrung oder Branchenerfahrung

Bei der Huber-Truppe erlaube ich mir zu widersprechen. Das waren gevifte Praktiker - wie in die eigene Tasche gewirtschaftet oder Steuergeld hochriskant verzockt wird.

0 0

gevifte Praktiker

Zustimmung - der Huber hat ja auch noch seine Frau zum Abzocken miteinbezogen.

Re: ad praktische Erfahrung oder Branchenerfahrung

Hallo K19,

nun die Branchenerfahrung ist nur ein Aspekt meiner Anmerkung, es ist nicht so einfach einen "Bundesbahnprofi" zu finden und noch dazu einen geeigneten. Ich habe vielmehr allgemeine Erfahrung bzw. Erfolgsnachweise gesucht: z.B. erfolgreiche Sanierung eines Unternehmens, erfolgreiche signifikante Ausweitung von Umsatz und Ergebnis, erfolgreiches Umsetzen eines großen Change Prozesses ...ja es wäre für mich schon "erfolgreiches längeres Arbeiten in einer Führungsposition einer relevanten messbaren Unternehmensfunktion (Finanz, Vertrieb, Produktion) ein positives Kriterium gewesen. Ich kenne Hrn. Mag. Kern nicht, vielleicht ist er ein Naturtalent, der keine Praxis braucht, für mich bleibt im Augenblick:
2 Jahre als Journalist
6 Jahre politische Assistententätigkeit (im Regelfall auch sehr publizistisch orientiert)
3 Jahre in Warteposition als Assistent bzw. in kaum messbarer Position (zumindest nicht innerhalb 1 Jahres) dann Vorstand in einem Unternehmen das auch ein politisch gesteuertes Unternehmen ist. Das ist mein Unbehagen im Zusammenhang mit den Aufgaben, die bei den ÖBB eigentlich anstehen. Aber wir werden sehen?

0 0

in Warteposition

noch eine Ergänzung:
Die Warteposition für den Vorstandsposten in der Verbund-Holding war keine ganz unbedeutende Position, sondern der Vorstandposten in der Stromgroßhandelsfirma Austrian Power Trading.
Was er bei den ÖBB machen wird - wir werden sehen (als langjähriger Pendler hoffe ich natürlich auf Verbesserungen).
Schöne Grüße

Gast: Abfertigung
05.03.2010 10:42
1 0

da fliessen wieder die Millionen

Wird der wohl vom Verbund noch eine satte Abfindung bekommen und bei den ÖBB einen Vertrag mit lukrativen Ausstiegsklauseln - wie das halt üblich ist. Und was macht die Politik?
Ja genau, so wie immer wegschauen.

Die 4 da - Reicher leben mit Martin Schlick (part1)

http://www.youtube.com/watch?v=P1-dr_zqQyA

Würden Verbund Gehälter auch bei der ÖBB bezahlt, bringt das die ÖBB in 5 Monaten komplett um, ähnlich der AUA. Gute Netzwerke , Freunderlwirtschaft , Parteispendenkultur. Viele der vor 10 Jahren neu gegründeten ÖVP FPÖ Haberer sind seither zu Millionären geworden. Am ärgsten ausbluten lassen die Großgeschäftsleute im Dunstkreis der Politik, die Wirtschaft. Tausende Arbeitslose werden von diesen Provisionsmillionen vernichtet, in die private Tasche gesteckt, oder das Geld ins Ausland transferiert.
Voraussetzung dazu: Gewerkschafter die eine Mischung aus Dummheit und Feigheit oder Blindheit an den Tag legen und die Hintergründe der Versklavung am Arbeitsplatz und den gewaltigen Mitarbeiterabbau unkommentiert lassen.
Deshalb sind Filme wie dieser schöne über Reiche eine unbedingt notwendige Bildungsmaßnahme.
Ein sehr gutes Video, über die Methoden diverser Parteiförderer, die meist Kontakte zu allen regierenden Parteien haben und deshalb zu den reichsten Österreichern zählen
http://www.youtube.com/watch?v=P1-dr_zqQyA

Dieser Polit-Zirkus,

der Unmengen an Geld und Ressourcen verschlingt, wird erst aufhören, wenn die ÖBB endgültig Pleite sind und privatisiert werden. Siehe ehemalige Verstaatlichte, Konsum, BAWAG, AUA etc. etc.

Gast: Durchblick
05.03.2010 09:31
0 0

Rot durch Rot...

Dazu gibt es auch ein paar Facetten: http://www.andreas-unterberger.at/

Polit-Bagage

Wundert mich immer wieder, was diese "Top"-Manager doch für Wunderfuzzis sein müssen. Zuerst in der "geschützten Werkstatt" Kostelkas großgezogen, dann 3 Jahre zum Verbund und jetzt Boss der ÖBB. Und das mit 44 Jahren - wirklich ein Tausendsassa ;-) Aber sollte es trotzdem schief gehen, passiert ihm ja eh nix. Droht ihm höchstens ein millionenschwere Abfindung wie Huber und vermutlich auch Klugar zu erhalten und ein neuer Aufsichtsratposten wird sich schon irgendwo finden...

0 0

3 Jahre zum Verbund

Stimmt nicht, er ist sei 1997 dabei.

0 0

Der Kern des Problems

Soll keiner sagen die ÖBB funktioniert nicht oder die vielen Restrukturierungen hätten nichts gebracht. Der Fahrplan nach dem Minister und Generaldirektoren gehen oder gehen müssen wurde optimiert. Längstens zwei Jahre halten die Leute noch durch. Trotz großzügigsten Schmerzensgeldes. Verständlich.

Die schwarz/blau/orange Huber-Truppe im Verbund mit ihren Förderern Kukacka und Gorbach hat nach wenigen Jahren, ihrem kruden Weltbild entsprechender "gründlicher Arbeit", einen fulminanten Saustall hinterlassen. Schlimmer hätte es für Steuerzahler, Kunden und Beschäftigte nicht kommen können, selbst wenn ein paar Affen den Befehlsstab bei den ÖBB geführt hätten. Es spricht für die ÖVP lange an Kukacka als Aufsichtsratsvize nach Saxinger festgehalten zu haben.

Die Gefahr dauerhafter Selbstbeschädigung scheint mittlerweile auch mit höchsten Weihen aus den Parteistuben versehene Bewerber abzuschrecken. Schliesslich wurde aus einem Verkehr- ein Baukonzern mit angeschlossener Beförderungslizenz. Fachleute mit Eisenbahn-Know-How hat dort schon lange niemand vermutet.

Die Bauwirtschaft ist über die Entwicklung happy. Aus zigtausenden Fahrdienstleitern, Verschiebern und Verwaltungsbeamten Poliere, Maurer und Schalungszimmerer zu formen scheint aber ein aufreibender Job. Der anhaltende Hardcore-Service auf vielen Strecken hat Potenzial noch zahlreiche Kunden dauerhaft zu vertreiben. Der Crash ist vorprogrammiert. Ob Kern oder auch der liebe Gott bei den ÖBB antritt.

Gast: speibender regenbogen
04.03.2010 23:03
0 0

was solls...

ein seelenloser ziegelstein für einen anderen... die öbb wird trotzdem untergehen. kein noch so guter ziegelstein wird fähig genug sein, den karren aus dem dreck zu ziehen. ein ziegelstein kann halt nur irgendwo schwer herumlegen, mehr aber sicher nicht. und ob der ziegelstein dem steuerzahler via verbund schwer auf der tasche liegt, oder via öbb, ist auch schon egal.

aber ich hab das gute gefühl, daß sich die ziegelsteine in wenigen jahren nur mehr auf feisbuk gegenseitig befreundschaften und nicht mehr in irgendwelchen relevanten staatlichen funktionen. wien wird der anfang sein. 10.10.10

strom fuzzi

wird bahn fuzzi.....
unglaublich wie einfach so ein manager ausgetauscht umgetauscht werden kann

1 0

Keiner

ist daran interessiert, das Unternehmen voranzubringen. Klugar gibt es sogar zu: seine persönliche Lebensplanung...
Aber im Vergleich zu dem ÖVP-nahen Charaterschw... Huber ist Klugar ein Ehrenmann
So ist eben alles relativ.

1 0

Huber

Hat der überhaupt einen Ansatz von Charakter?

…diese kurzen Manager-Gastspiele haben den Vorteil, dass man immer alles auf den Vorgänger schieben kann


mir geht er nicht ab

wird jetzt entlich zugfahren billiger

 
12

Hobbyökonom