26.05.2012 21:21 | Meine Presse Merkliste 0

Riesen-Lkw könnten doch nach Europa kommen

17.03.2010 | 18:48 |   (Die Presse)

Studie: Gigaliner würden den Transport wieder auf die Straße holen und CO2-Emissionen steigern. Außerdem seien zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur nötig, vor allem Autobahnbrücken müssten verstärkt werden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien (jaz). Eigentlich galt das Thema als abgehakt – im Dezember 2007 lehnte eine Mehrheit der EU-Länder die Einführung sogenannter Gigaliner (Lkw mit bis zu 60 Tonnen Gewicht) ab. Im Sommer könnten die Riesen wieder aufs politische Tapet kommen, sagt Infrastrukturministerin Doris Bures.

„Die EU-Kommission hat eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben, die im Sommer vorliegen soll. Solche Studien sind oft der Anstoß für einen Richtlinienentwurf. Die EU-Kommission befürwortet die Gigaliner.“ Bures selbst hat zwei Studien beauftragt, die zu einem vernichtenden Ergebnis über die Gigaliner kommen. Diese präsentierte sie am Dienstagabend vor Journalisten.

„Auf den ersten Blick klingt die Einführung von Gigalinern genial“, sagt Andreas Käfer, einer der Studienautoren. Durch die Steigerung des Maximalgewichts von 40 auf 60 Tonnen braucht man nur mehr zwei statt drei Lkw, um dieselbe Menge an Waren zu transportieren. Dies bringt Einsparungen bei Personalkosten, aber auch beim Dieselverbrauch – weshalb Gigaliner von den Befürwortern häufig Ökoliner genannt werden.

„In Summe fallen die Kosten pro Tonnenkilometer um 20 Prozent“, sagt Käfer. Wird der Straßentransport so viel billiger, würden laut Studie um 74 Prozent weniger Waren auf Schiene transportiert. Die CO2-Emissionen würden pro Jahr um 200.000 Tonnen steigen, etwa 0,2 Prozent des jährlichen Kohlendioxidausstoßes in Österreich.

Außerdem seien zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur nötig. Vor allem Autobahnbrücken müssten verstärkt werden, um die zusätzliche Last auszuhalten, so die zweite Studie. Auch Autobahnparkplätze müssten vergrößert und zusätzliche Leitschienen gebaut werden. Insgesamt würde das Kosten von mindestens 5,4 Mrd. Euro verursachen.

 

Umstrittener Investitionsbedarf

Der zusätzliche Investitionsbedarf wird in früheren Studien allerdings anders gesehen. Demnach mache es keinen Unterschied, ob zwei 60-Tonner oder drei 40-Tonner über eine Brücke fahren, da sich die Last bei Gigalinern auch auf mehr Achsen verteile.

Auf EU-Ebene befürworten vor allem die Skandinavier die Gigaliner – in Schweden und Finnland sind sie seit Jahren Realität auf den Straßen. Inzwischen gibt es auch in Deutschland, Dänemark oder den Niederlanden Pilotversuche. Bures erhält in ihrer Ablehnung Unterstützung von unerwarteter Seite. „Wir sind ganz klar gegen Gigaliner“, sagt Wolfgang Herzer, Obmann des Fachverbands der Transporteure. „Das österreichische Straßennetz ist dafür nicht ausgelegt.“

Dass sich der Preis für die Transporte verringere, sei kein Argument. „Diesen Kostenvorteil bekommt nur der Auftraggeber.“ Ein Grund für die Ablehnung der heimischen Frächter dürfte auch sein, dass es in den Nachbarländern mehr größere Transportfirmen gibt, die sich die neuen Riesen-Lkw leichter leisten könnten. Dadurch würde der Preisdruck auf die kleinteilige heimische Transportwirtschaft steigen. Trotz aller Ablehnung erwartet Herzer, dass hierzulande künftig Gigaliner unterwegs sein werden. „EU-weit wird das nicht aufzuhalten sein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

15 Kommentare
Gast: Hubertus
18.03.2010 21:19
0 0

Unverständnis

Wieso m u ß Österreich seine Infrastruktur Gigaliner tauglich machen? Wenn sich die EU so etwas wünscht, dann soll sie dafür zahlen. Österreich soll lieber sein Infrastrukturprogramm so durchführen wie vorgesehen. Wenn es für Gigaliner nicht tauglich ist, dann wird es halt ein Fahrverbot geben. So einfach sollte das sein.

Gast: Sand
18.03.2010 10:41
0 0

Welche Nachbarländer meint er wohl?

"dass es in den Nachbarländern mehr größere Transportfirmen gibt, die sich die neuen Riesen-Lkw leichter leisten könnten"
Tschechien, Slowakien, Ungarn, Slowenien, Italien, Liechtenstein, Schweiz oder Deutschland?
Ist Österreich nicht mehr das reichste Land der Welt?

Antworten Gast: Gast
18.03.2010 13:18
0 0

Re: Welche Nachbarländer meint er wohl?

Österreich das reichste Land der Welt??? Noch nie im mittleren Osten gewesen???

Allah
18.03.2010 09:59
0 0

Selten blöde

Die sollten mal nachschauen wie voll die aktuellen 40-Tonner beladen sind... meist stehen da nur 4 oder 5 Paletten rum.

JoL
18.03.2010 09:40
0 0

Wenn man ...

... statt 3 LKW's nur noch 2 LKW's braucht, dann braucht man auch, logischerweise, statt 3 Fahrern nur noch 2.

Aber wen interessieren schon ein paar arbeitslose mehr!?!

parapente
18.03.2010 09:18
1 0

Grössere LKW heisst: Weniger LKW - oder?


Hat also mit der CO²-Lüge nicht viel zu tun.

bbss22
18.03.2010 07:52
1 0

Bahn - umweltfreundlich ???

Ist die Bahn tatsächlich umweltfreundlicher, als der Straßenverkehr ?
Dazu müsste der Energieverbrauch und der Schadstoffausstoß der gesamten Bahninfrastruktur erhoben werden und mit den selben Daten des Straßenverkehrs verglichen werden und in Relation zum Güteraufkommen und Personenkilometern gesetzt werden.
Ob einer der beiden Transportsysteme dann der Vorzug gegeben werden soll, ist zusätzlich danach zu beurteilen, wie flexibel und kundenfreundlich die Leistungen angeboten werden kann; und zu welchen Kosten und zwar Gesamtkosten.
Man wird den Eindruck nicht los, als würde das Umweltargument im Bezug auf die Bahn nur vorgeschützt, um die zig-Tausenden Jobs und noch mehr Frühpensionisten der geschützten Werkstatt ÖBB zu begründen und verteidigen. Nicht von ungefähr hat eine SPÖ-Ministerin in diesem Bereich das Sagen.
Bures - die Schutzheilige der gewerkschaftlich organisierten Wenigleister

Antworten Gast: gast
18.03.2010 13:19
0 0

Re: Bahn - umweltfreundlich ???

sie dürfen nicht von den österreichischen ÖBB verhältnissen ausgehen.

Gast: schiene statt
18.03.2010 06:56
0 1

verkehrslawine?

Und die Studie soll ein gutes Argument gegen Gigaliner sein, die die böse, böse EU einführen will? Wenn ein Rückgang der Schiene auf ein Viertel (!) nur Emissionssteigerungen von 0.2% bringt, wirds ein bisschen eng für die Argumentation für die schiene (und den rießigen Investitionen/Kosten).
Was passiert, wenn dann die LKWs noch ein wenig effizienter werden? Dann ist es aus Sicht des Klimaschutzes rausgeschmissenes Geld in die Schiene zu investieren. Die Studie schaut wie ein Eigentor aus.

Antworten Gast: gast
18.03.2010 13:22
0 0

Re: verkehrslawine?

die 0.2% beziehen sich auf den gesamten CO2 ausstoß in österreich.

zahlen darf das dann der steuerzahler über die erhöhte CO2 strafsteuer.

1 0

Studie

Das einzig sinnvolle Argument gegen die 60-Tonner scheint mir der Investitionabedarf in die Infrastruktur, sofern er wirklich existiert. Die Konkurrenz-Argumente sind dieselben, mit denen man schon das Greißlersterben nicht ändern konnte.

1 0

Wer ist der Auftraggeber?

Kleine Nachhilfe in Kostenrechnung:

Transportkosten werden immer dem Produktpreis aufgeschlagen. Sind daher für Produzenten Durchläufer und werden letztendlich vom Endkunden bezahlt.

Klar, das sich Spediteure wünschen würden wenn LKW´s und die Bahn gesetzlich verboten würden, und alles in Kleinbussen transportiert werden müßte. Bei gleichen Spannen würde sich der Gewinn vervielfachen.

Antworten Gast: gast
18.03.2010 13:25
0 0

Re: Wer ist der Auftraggeber?

die infrastrukur zahlt halt der steuerzahler und nicht der, der straßen mit großen tonnenbelastungen braucht und diese im wesentlichen auch ruiniert.
und dadurch kann ein 40tonner durchaus rentabler sein als ein 60tonner.

soviel zur kostenrechnung.

Gast: Halbwissen
17.03.2010 20:47
0 1

Personenzüge einstellen !?

Ich finde man sollte überlegen ob man nicht Personenzüge durch Busse ersetzt, damit man freie Gleise für kilometerlange Züge hat. Es könnte sich für alle rechnen.

Antworten Gast: gast
18.03.2010 13:27
0 0

Re: Personenzüge einstellen !?

können sie die zusammenhänge näher erklären?

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.