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Post-Chef: „Einzelne Gewerkschafter sind Scharlatane“

24.03.2010 | 18:18 |  HEDI SCHNEID UND JAKOB ZIRM (Die Presse)

Post-Chef Georg Pölzl beklagt „Populismus und Panikmache“ beim Sparkurs. Dieser sei notwendig, um auf Liberalisierung und Konkurrenz durch E-Mail zu reagieren. Wachsen will die Post vor allem im Paketbereich.

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„Die Presse“: Wann haben Sie zum letzten Mal einen Brief geschrieben?

Georg Pölzl: Gestern. Zwei private Briefe sogar.

 

Generell verliert der Brief an Popularität, E-Mail legt zu. Laut einer Post-Studie wird das Volumen von rund einer Mrd. Briefe pro Jahr bis 2025 um zwei Drittel sinken.

Pölzl: Das ist keine autorisierte Studie des Hauses. Solche Aussagen sind ein reines Ratespiel. Faktum ist, dass wir 2009 sechs Prozent des Briefvolumens verloren haben und wir künftig von einem Rückgang zwischen vier und sechs Prozent pro Jahr ausgehen. Wo sich das einpendelt, kann man seriös nicht sagen.

 

Klar ist, dass die Post unter doppeltem Druck steht – einerseits durch elektronische Medien wie E-Mail und anderseits durch mehr Konkurrenz im Rahmen der Liberalisierung. Wie reagieren Sie darauf?

Pölzl: Der Postmarkt ist sehr dynamisch. Während Liberalisierung und elektronische Substitution die Post negativ treffen, bietet der Internethandel neue Chancen. In unserer neuen Strategie betreffen daher drei von vier Handlungsfeldern Wachstumsmöglichkeiten. Im vierten Feld geht es um die Anpassung der Kostenstruktur. Wir können die Post nicht auf Kurs halten, ohne da radikal ranzugehen. Wir sind entschlossen und gezwungen, die Kosten drastisch zu verringern. Allerdings kann die Post nicht allein durch eine Kürzung der Kosten erfolgreich sein.

 

Reden wir über die Kosten. Sie haben gesagt, die Post müsse pro Jahr 800 bis 900Mitarbeiter abbauen. Welchen Zielwert steuern Sie an?

Pölzl: Einen Zielwert gibt es nicht. Wir müssen effizienter werden und vor allem mit den Fixkosten runter. Briefträger und Verteilzentren haben wir, egal, wie viele Briefe verschickt werden.

 

Können Sie diese Anpassung der Kosten konkretisieren?

Pölzl: Wenn wir über Kosten reden, sind wir schnell bei Personalkosten. Das gefällt mir auch nicht, aber es ist nun einmal so. Hohe Personalkosten haben wir in der Zustellung und im Filialnetz.

 

Es ist ja kein Geheimnis, dass in diesen Bereichen vor allem unkündbare Beamte arbeiten...

Pölzl: Wir müssen diesen Menschen eine Perspektive bieten, die über den Tellerrand Post hinausgeht. Sie müssen sich damit anfreunden, zu einer anderen Behörde oder einem anderen Unternehmen zu wechseln. Das ist ja eigentlich das Normalste auf der Welt.

 

Bisher sind erst rund 150Postler zur Polizei gewechselt.

Pölzl: Ja, das ist noch viel zu wenig. Wir haben im Moment kaum Mobilität bei Mitarbeitern im Beamtenstatus. Die Menschen nehmen die Sache noch nicht ernst genug.

 

Warum ist das so?

Pölzl: Weil das ein gelerntes Verhalten ist. Nach dem Motto: Am Ende des Tages wird es schon noch ein besseres Angebot geben. Das können wir uns aber schlicht nicht leisten.

 

Wie kann man das ändern?

Pölzl: Indem man mit den Leuten redet und sagt: „Ihr wollt doch nicht 20Jahre nur herumsitzen.“ Diese Menschen haben ja nichts falsch gemacht, ihren Job gibt es einfach nicht mehr. Allerdings wird ihnen suggeriert: „Für euch darf sich trotzdem nichts verändern. Schuld ist nur das Management, dem die großen Ideen fehlen“. Etwa, wie man aus dem Postamt den besseren Libro macht. Da werden völlig falsche Illusionen geweckt. Das halte ich für unverantwortlich. Die Leute werden an der Nase herumgeführt.


Gewerkschaft und Politik werfen Ihnen im Gegenzug vor, dass Sie keine anderen Ideen als Zusperren hätten.

Pölzl: Das Ministerium verlangt mit Recht eine flächendeckende Post-Versorgung. Das ist auch in unserem Interesse. Wir haben heute 120Post-Filialen mehr als zu Jahresbeginn und werden das Filialnetz auch weiter ausbauen. Allerdings können wir viele Filialen wirtschaftlich nicht selbst als Postämter betreiben. Manche sind seit Jahren ständig negativ. Jeder der sagt, dass kann man ändern, indem man postfremde Dienste dort anbietet, der belügt die betroffenen Mitarbeiter.

 

Meinen Sie die Gewerkschaft?

Pölzl: Nicht die Gewerkschaft im Allgemeinen – viele verstehen auch dort, dass es eine generelle Veränderung geben muss. Aber es gibt einzelne Personen, die richtige Scharlatane und Betrüger an den Mitarbeitern sind.

 

Welche Rolle hat das Karriere- und Entwicklungscenter (KEC), in dem Postler ohne Arbeit geparkt sind? Da gibt es ja oft den Vorwurf, dass man Mitarbeiter so lange herumsitzen lässt, bis sie frustriert selbst kündigen.

Pölzl: Ich habe über nichts so viel Blödsinn gehört wie über das KEC. Da ist in der Vergangenheit sicher nicht alles optimal gelaufen, aber das KEC ist keine Mobbingveranstaltung. Wir wollen den Mitarbeitern neue berufliche Perspektiven bieten – auch im eigenen Unternehmen – und müssen unsere Ziele den Mitarbeitern besser kommunizieren. Diese dürfen sich aber auch nicht jeglicher Veränderung verschließen. Es kann nicht sein, dass wir unrentable Postämter als Beschäftigungstherapie offen halten. Ich erwarte mir aber künftig weniger Populismus und Panikmache bei diesem Thema.

 

Wo sehen Sie die Post in zehn, 20 Jahren, wo sind die großen Wachstumschancen?

Pölzl: Der Paketbereich, der sehr unter der Krise litt, hat langfristig aufgrund der Zunahme des Internethandels ein enormes Potenzial. Anders sieht das beim klassischen „Rechnungsbrief“ aus. Der wird weiter abnehmen. Dagegen wollen wir mit neuen Produkten wie dem Hybridbrief (ein Brief wird von der Post eingescannt und elektronisch weitergeleitet oder ein E-Mail wird ausgedruckt und als Brief versandt, Anm.) und DirectMail (adressierte Werbung, Anm.) punkten. Solche Hybridpost erledigen wir schon für die Uniqa und T-Mobile. Außerdem forcieren wir die Finanzdienstleistungen. Die Bawag ist ein guter Partner, aber die Zusammenarbeit muss verbessert werden. In Summe wollen wir in zwei bis drei Jahren wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Zur Person

Georg Pölzl ist seit 1.Oktober 2009 Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Post. Zuvor war der gebürtige Steirer Chef von T-Mobile Deutschland. Dort hat er erfolgreich ein konzernweites Effizienzprogramm durchgezogen. Der Hobbysegler studierte Erdölwesen an der Montanuniversität Leoben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2010)

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14 Kommentare
redalberto
27.03.2010 11:30
0 0

Scharlatane

Wer sind in Wirklichkeit die Scharlatane?
Die Gewerkschaftler welche vom Bediensteten gewählt werden?
Die Manager welche von der ÖIAG bestellt werden?
Meiner Meinung nach kann nur der Manager der Scharlatan sein, welcher nur auf trockene Zahlen blickt.
Dabei auf die Mitarbeiter, welche sein großes Managergehalt überhaupt ermöglichen vergisst.
Wer nur Zahlen im Kopf hat, kann sich natürlich nicht in die schwere Rolle seiner Beschäftigten einfühlen.
Warum entscheiden sich nur wenige Beamte zur Polizei zu wechseln?
Wenn man schon bei der Post kein Spitzengehalt bekommt ( Manager ausgenommen) und dann bei der Polizei noch weniger Gehalt erhält verstehen sicherlich auch die größten Kritiker das dieses Angebot nicht anzunehmen ist.
Natürlich ist es eine schwierige Situation zur Zeit bei der Post, nur es ist zur Zeit kein ernstzunehmender Konkurent in Sicht.
Der größte Konkurrent der Briefträger ist nur die FEIBRA welche zu 100% der Post gehört. Leider kann sind die Arbeitskräfte bei der sogenannten Konkurrenz bei weitem billiger als bei der Post. Nur man sollte bedenken, die Postler geben ihr schwer verdientes Geld bei uns aus. Die billgen Arbeitskräfte fahren dann wieder nach Hause.
Wo bleibt die Politik um solche Vorgänge zu stoppen.
Ca. 52% gehört von der Post der ÖIAG.
So jetzt kann glaube ich sich jeder seine Meinung zu den Scharlatanen bilden.

draken
25.03.2010 13:46
0 0

Wenn die Gewerkschaftler..

.....Scharlatane sind, wie würden Sie dann den Aufsichtsrat, der sich trotzt hunderter Entlassungen noch selbst eine fette Aufbesserung ihrer Prämien zu genehmigen versuchten, nennen?
Ich nenne diese Personen Verbrecher am Steuerzahler!

Antworten Gast: ET
25.03.2010 18:13
0 0

Re: Wenn die Gewerkschaftler..

Sie wissen aber schon, dass bei der Post auch Gewerkschafter im Aufsichtsrat sitzen!

Es ist heute kein Unterschied zwischen dem einen Bonzen zu dem anderen Bonzen. Alles im Dunstkreis der Parteien, welche sich Österreich untertan gemacht haben.

Oder ist der Gerhard Fritz kein Gewerkschafter?

http://kurse.banking.co.at/023/Default.aspx?action=profil&id=tts-4349093&typeId=1&menuId=1&lang=de&pathName=OESTERR.%20POST%20AG"

galli leo
25.03.2010 12:50
0 0

„Einzelne Gewerkschafter sind Scharlatane“

"auch einige top-manager sind scharlatane"

und einer, der möglicherweise theoretische konzepte über das KEC gelesen (oder sogar mitverfasst) hat, aber keine ahnung von der dortigen wirklichkeit hat, kommt verdammt nahe ran an den ober-scharlatan-bereich!

Gast: Rettet das KEC
24.03.2010 22:33
0 0

www.rettetdaskec.at


Einige Gegenargumente gegen die des Herrn Pölzl,
was die Menschenlager KEC betrifft:

http://www.augustin.or.at/article1479.htm


Qualtinger
24.03.2010 20:21
0 0

p.s. Einer muss halt schuld sein!

Und wenn es das Email ist!

Das gesamte Management in einen Sack und draufhauen was das Zeug haelt.
Es trifft mit Sicherheit keinen Unschuldigen!
Q.

Qualtinger
24.03.2010 20:14
0 0

In Amerika ist die Post fester Bestandteil der Infrastruktur!

Die messen sich auch nicht mit privaten Anbietern,
denn so dumm sind nicht mal die Amerikaner!

Antworten Gast: eg
24.03.2010 20:36
1 0

Re: In Amerika ist die Post fester Bestandteil der Infrastruktur!

Zahlen Sie die Postämter, die sich nicht rechnen, dann können Sie diese "Ämter"doch übernehmen!

Antworten Antworten Qualtinger
25.03.2010 06:00
0 0

Re: Re: In Amerika ist die Post fester Bestandteil der Infrastruktur!

Gerne! Aber mit den Manager Gehaeltern der Post!

Antworten Antworten Antworten Gast: eamonclever
25.03.2010 11:21
0 0

Re: Re: Re: In Amerika ist die Post fester Bestandteil der Infrastruktur!

die paketdienste und botendienste, fahrradboten etc. wurden also ihrer meinung nach in europa erfunden?
die post ist in amerika genauso eine ansammlung von losern wie hier in österreich. Wer ist früher zur post gegangen. Alle die, die beamte werden wollten. Genau die sind heute das problem!


Gast: Neuqebauer
24.03.2010 19:34
1 0

Für das Versagen des Managements ist nicht die Gewerkschaft zur Verantwortung zu ziehen!

Es kann aber auch nicht sein, dass für das Versagen der Manager die Mitarbeiter bezahlen müssen. Die Verträge waren immer bekannt, die Einsatzmöglichkeiten und die Fähigkeiten der Mitarbeiter auch. Das Management hat die vorhandenen Möglichkeiten nie nützen können. Das ist sicher keine Schuld der Gewerkschaft.

Da kann er mit den Mitarbeitern noch so viel kommunizieren, es wird nichts bringen, wenn es nur um Einschnitte der Mitarbeiter geht um die Boni und Dividenden zu bezahlen.

Es kann sein, dass es noch einige Jahre dauern wird. Aber auch der Pölzl wird lernen müssen, dass er am Holzweg ist.

Antworten Gast: postbeamtinwk
25.03.2010 19:46
0 0

Re: Für das Versagen des Managements ist nicht die Gewerkschaft zur Verantwortung zu ziehen!

Ich finde es nicht richtig von Ihnen jetzt wieder auf die Beamten der Post loszugehen. Ich bin nicht zur Post gegangen, um Beamtin zu werden, sondern um im Kundendienst vereint mit Büroarbeit zu arbeiten. Leider bleibt durch die Managementstrategien in letzter Zeit der Kundendienst auf der Strecke. Jahrelang haben sich die "kleinen" Postamtsleiter abgemüht, um Erträge zu erzielen und die Kunden zufrieden zu stellen. Der Druck stieg von Jahr zu Jahr - wurde aber ausgehalten, um den Arbeitsplatz zu sichern. Nun zählen nur mehr Verkäufe und nicht der zufriedene Kunde - die Postler sollen bis zum endgülltigen Zusperren der Filiale noch motiviert sein und nur verkaufen. Und wenn zugesperrt wirde, dann sollen die Postler bei der Polizei Akten schlichten - zu einem niedrigeren Gehalt und ohne jegliche Möglichkeit zur Veränderung - wer sagt, das die Polizei nicht auch einsparen muß? Und da wundert sich der Hr. Dr. Pölzl, warum die Postler nicht wechseln wollen?

Antworten Gast: Martin S
24.03.2010 23:33
1 0

Re: Für das Versagen des Managements ist nicht die Gewerkschaft zur Verantwortung zu ziehen!

Sie plappern immer was von "Einschnitten"! Von den Mitarbeitern der Post wird nur mal verlangt, WOANDERS etwas ANDERES zu arbeiten - aber das wollen Sie ja nicht, weil da könnt ja jeder kommen! Einen Tritt in den Hintern so mancher "POstbeamter" würde Wunder wirken!

1 0

Re: Für das Versagen des Managements ist nicht die Gewerkschaft zur Verantwortung zu ziehen!

genau-seit 1996 der pta , wissen die MANAGER dass sie beamte haben. in 14 jahren ist ihnen nichts eingefallen, und nun muss alles auf dem rücken der mitarbeiter ausgetragen werden, weil unfähige rationalisierer keine tragenden strukturen für eine zukunftsträchtige strategie zusammengebracht haben. es ist immer dasselbe, die mitarbeiter sollen verzichten, die verträge der manager samt boni sind unantastbar. DAS können wir uns net leisten, hr, pölzl. was haben sie getan,um das wert zu sein? auch sie haben eterne berater zugekauft, dazu braucht man keinen multi 100.000€ verdiener, um erst wen anderen die hcken machen zu lassen. management outsourcing.... der absolute wahnsinn. wie wärs als ceo mal mit vorbildwirkung? hm? an allen management einfahrern immer die gewerkschaft anzuprangern ist auch nicht wirklich innovativ. außer zusperren und abbauen, welche wirklichen massenprodukte haben sie auf die beine gestellt? keine? aha.... ziemlich overdosed dann, die chefetage. machen sie es am besten so wie bei max-verkaufens die öst. post an DE und dann ersparen wir uns wenigstens den wasserkopf in der postgasse, samt ihnen (ps bin weder postler oder gewerkschaftler, aber auch ein consulter der u.a auch in der postgasse die oberhiasln dort kennengelernt hat. mich wundert da gar nix mehr!!!)

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