26.05.2012 21:24 | Meine Presse Merkliste 0

Österreich: Staat mit 200 Milliarden verschuldet

21.04.2010 | 18:52 |   (Die Presse)

Der Rechnungshof sieht die ernste Lage bei den Staatsfinanzen und urgiert eine Verwaltungsreform. Jeder zehnte Steuer-Euro geht schon für Zinsen auf.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien (ju). Die Staatsfinanzen sind in einem ernsten Zustand. Wie ernst, das hat der Rechnungshof im gestern veröffentlichten „Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2009“ festgestellt: Die Schulden explodieren, die Zinsen für die Staatsschuld werden bald 15Prozent der Staatseinnahmen auffressen, der sogenannte „Primärsaldo“ ist erstmals seit 1996 negativ. Das heißt, dass die Zinsbelastung bereits höher als die Neuverschuldung ist, der Staat also sozusagen bereits Substanz verbraucht.

Dazu explodieren – wegen des Bankenrettungspakets – die Haftungen, die der Bund übernommen hat. Die sind mit 124,5 Milliarden Euro beängstigend auf dem Weg in Richtung Staatsschuldenstand. Fazit der Rechnungshofexperten: Zur „Erreichung einer nachhaltigen Budgetsanierung“ seien „strukturelle Konsolidierungsmaßnahmen – insbesondere im Rahmen des Verwaltungsreformprozesses – unabdingbar.“

Die Staatsschulden selbst sieht der Rechnungshof auf Rekordkurs: Sie haben Ende 2009 erstmals die Grenze von 200 Milliarden Euro durchbrochen. Nach oben, versteht sich. Für diese Schulden musste der Bund im Vorjahr schon 6,7 Milliarden Euro aufwenden, also insgesamt 9,7Prozent seiner Einnahmen.

Es wird aber noch viel dicker kommen: Die Staatsverschuldung steigt nämlich weiter. Und auch die derzeit sehr niedrigen Zinsen werden das tun. Im „Finanzrahmen 2013“ sind deshalb schon jetzt 11,4 Milliarden Euro für Zinsen vorgesehen. Das wären dann 15,2Prozent des erwarteten Gesamtbudgets.

Drama außerhalb des Budgets

Das eigentliche Drama spielt sich aber außerhalb des eigentlichen Budgets ab: Die hohe Verschuldung ausgelagerter Unternehmen wie ÖBB und Asfinag wird ja durch Bundesgarantien abgedeckt. Und ein Großteil der Bankenrettung läuft auch außerbudgetär über Garantien. Diese Staatsgarantien sind im Banken-Krisenjahr 2008 um 25,6 Milliarden Euro – also um mehr als ein Viertel – auf 116,6 Milliarden Euro hochgeschnalzt und 2009 noch einmal auf 124,5 Milliarden Euro weiter gestiegen.

 

Eine Banken-Bundesbahn

Garantien müssen nicht schlagend werden. Aber wenn sie das tun, dann geht das eins zu eins ins Budgetdefizit. Da kommen in Einzelfällen durchaus schwindelerregende Beträge zusammen: Für die zusammengekrachte und notverstaatlichte Gemeindefinanzierungsbank Kommunalkredit etwa haftet der Bund mit neun Milliarden Euro. Die Kommunalkredit ist damit eine Art Banken-Bundesbahn: Für die schwer verschuldete ÖBB-Infrastruktur haftet der Bund derzeit in ähnlichem Ausmaß. Dort allerdings für mehr oder weniger sinnvolle Investitionen, und nicht für frühere Spekulationsverluste in Zypern.

Für alle Banken zusammen betragen die Bundeshaftungen 27,6 Milliarden Euro. 4,7 Milliarden Euro davon entfallen auf die Raiffeisen Zentralbank, 4,4 Milliarden auf die Erste Group. Allerdings: Die Banken müssen – im Gegensatz zur ÖBB – dafür Haftungsentgelte an den Bund abliefern. Was im Rechnungshofbericht nicht steht: Indirekt ist das „Gefährdungspotenzial“ noch viel höher. Das Land Kärnten könnte seine immer noch bestehende 19-Milliarden-Haftung für die Hypo Alpe Adria nie und nimmer schultern. Weil es aber kein geordnetes Insolvenzverfahren für Bundesländer gibt, würde die Last im – derzeit freilich unwahrscheinlichen – Fall des Falles wohl beim Bund hängen bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

48 Kommentare
 
1 2
Gast: herbert
06.05.2010 12:27
0 0

wahnsinn

hier ist niemand verantwortlich jeden Geschäftsführer nimmt man sofort in persönliche Haftung FA GKK etc. was den Politkern höchstens passieren kann dass man sie nicht mehr wählt,
meiner meinung nach müssten politiker wie unternehmer mit mit ihrem Privatvermögen haften wenn etwas schief geht.

ramos
24.04.2010 21:19
0 0

Hohe Schulden, gute Zinsen

Wenns irgendwann nicht mehr geht, wirds halt eine Geldentwertung geben und somit ist der Staat die Gläubiger los. Bis es soweit ist, sollte man allerdings in Staatsanleihen veranlagen- die Steuerzahler lassen sich sicherlich noch ein paar Jahrzehnte auspressen.

bbss22
24.04.2010 17:37
0 0

Beamte, Pensionisten und Arbeitslose werden die Schulden zurückzahlen

Erst wenn der letzte Nettosteuerzahler aus dem ungeschützten Bereich arbeitslos geworden ist oder das Land verlassen hat, werden die Geschützten erkennen, dass Sie vom Geld der Anderen leben.

Gast: Schlappstruller
23.04.2010 19:00
0 0

egal

wenn ihr ( OE ) pleite seid, dann kaufen wir (D)euch auf.
Wir haben schonmal 5 ganze Bundesländer gekauft, die maroder waren als Ö

Hat auch was gutes ... eure dämlichen Geschwindigkeitslimite fallen dann weg und 90% aller eurer - rechtsstaatlich bedenklicher - Radarmessgeräte fallen dann auch in den Elektroschrott.

Antworten Gast: gast
23.04.2010 22:04
0 0

Re: egal

bevor ihr ( piefkes ) uns kaufen könntet, seit ihr längst pleite durch eure rettungspackete die ins ausland gehn etz..

unsere schulden sind im vergleich zu den USA und viele anderen Länder, auch in der EU, sind als gering zu bezeichnen möchte ich hier noch anmerken... was heißt, bevor österreich pleite ist, gibt es bereits keine währungen mehr weil zB USA pleite gegangen ist..

Gast: Bob
22.04.2010 19:11
0 0

Viele Dinge sehe ich nicht

Die Banken haben Schuld an der Miesere, warum müssen die da nicht zahlen?

Das Gegenteil passiert, alles was die vergeigt haben, trägt der Staatsbürger, so der Plan.
Die Nutzniesser aus dem Deal mit der Hypo Alpe Adria, die innerhalb kürzester Zeit 40% gemacht haben bleiben unangetastet, die gehören auch zu den zuwenigen Superreichen.

Ich sehe nicht, das es Maßnahmen gibt, die einerseits die Verursacher und andereseits einmal den Geldadel zur Kassa bittet. Es läuft alles auf die katholischen Prizipien hinaus. Die Armen geben leichter.


Gast: hubert
22.04.2010 13:54
0 0

wieso

will man da indirekt uns auf was vorbereiten, dachte die bankenrettung wäre ein gutes geschäft gewesen.
das problem an dieser ganzen sache ist das keiner persönlich haftbar gemacht wird was er da mit haftungen anrichtet, man wählt ihn halt nicht mehr das ist die einzige konsequenz.

Gast: gepoppter
22.04.2010 13:32
0 0

Liebe ÖSIANERINNEN und ÖSIANER.

Nun haben wir den destillam super. Und sein Inhalt , der übliche, Scheiße, rinnt uns bereits in die Schlapfen. Aber es wird noch schlimmer kommen. Denn ab und an, in Hinkunft immer häufiger werden wir auch eine "Kostprobe" nehmen. Und wofür das alles?
Für ein zügelloses Tachenierer-Sozialprogramm. Nicht die Ausgaben für die beitragszahlenden Nativen sondern die für die Zugrasten und ihre Clans sind die Schwergewichte. Unser bauernschlauer Säckelwart versucht alles um uns hinters Licht zu führen. Den Willi hat man ins Eck geschubst. KHG und Wolfgang entlassen. Und nunmehr haben wir das Kastor-Pollux-Duett. Der eine ein eingefleischter Roter, der die gleiche Verschwenderpolitik verfolgt wie seine Gesinnungsgenossen seit jeher, der andere ein Agrarier, von Landvogts Gnaden in die höheren Weihen gehievt. Bauernschläue in einem modernen Gemeinwesen? Eher ein Landpommeranzen-Regierungsmodell. Da aber alle , beinahe, die die denken und zahlen weniger, mit der Ballhausplatzclique eh zufrieden sind, ist das Geschwafel obsolet. Man muß das Geld beim Fenster hinauswerfen, damit es bei der Tür wieder hereinkommt. Offenbar eine Dumpfbackenbinsenweisheit. Ob ich mich ärgere. Gewaltig. Und ich werde auch alles ausnutzen, was mir als gerupften ÖSI zusteht. Darauf kann die Löwelstraße und die Lichtenfelsgasse einen lassen. Ob wir uns jemals wieder aus der Bredouille herauswurschteln können, wird wohl sehr von unserem Vetter in Berlin abhängig sein.

Gast: pour le mèrite
22.04.2010 11:54
0 0

Pah! Lächerliche 200 Milliarden...

die Griechen und Spanier greifen uns sicher aus lauter EU Solidarität mit ein paar Milliarden unter die Arme...

Michael
22.04.2010 10:30
1 0

Gar nicht mal so schlecht

Man erkennt im Verlaufschart ganz klar die Blau-Schwarze Regierung.

Nicht dass ich deren Machenschaften billigen möchte, aber wenigstens waren deren Massnahmen wirkungsvoll.

Antworten Gast: Steuerzahler2000
22.04.2010 11:05
0 2

Wer lesen kann...

Unter Schwarz-Blau wurde am meisten ausgelagert, wenn es um Schulden ging. Eurostat hat das nachgerechnet und kommt auf die schuldenträchtigste Phase Österreichs seit 1945 - mit 2004 als besonders Highlight dank dem größten Staatsdefizit bislang (ach ja, der Pröll hat dieses Jahr den KHG übertroffen...).

1 0

Re: Wer lesen kann...

ach, steuerzahler, erst informieren- 2004 gab es tatsächlich einen ausreisser. grund dafür war die (teil-)schuldübernahme der öbb-schulden im zuge der (verunglückten) reform durch den bund.
bevor dies gemacht wurde, wurde mit eurostat kontakt aufgenommen und nach einer vorläufigen auskunft, dies werde nicht maastricht-wirksam sein, auch so gemacht. nur hat eurostat danach seine meinung geändert und nach über zwei jahren streitereien das defizit nachträglich korrigiert.

Antworten Gast: Peter
22.04.2010 10:49
0 0

Re: Gar nicht mal so schlecht

Da muß ich Ihnen zustimmen.

Böse Zungen meinen auch, daß dafür ausschließlich die Blauen verantwortlich waren, denn die Schwarzen haben, ohne die Blauen, keinerlei wirkungsvolle Maßnahmen gesetzt oder setzen können.

Antworten Antworten waxolunist
22.04.2010 14:09
1 0

Re: Re: Gar nicht mal so schlecht

Imho war ausschliesslich das Fehlen der Roten dafür verantwortlich.

Antworten Antworten Antworten Michael
22.04.2010 17:45
0 0

Re: Re: Re: Gar nicht mal so schlecht

*lol* ok, das klingt schlüssig

@ Steuerzahler: Das mit dem Auslagern verstehe ich nicht ganz. Meinen Sie damit das Verscherbeln des Familiensilbers, um das Defizit zu beschönigen? Dies ging jedoch bereits in den 90ern vonstatten.

Haider gab übrigens 2000 Grasser den Wink, auch mit dem Verkauf von Staatsbetrieben das Budget aufzubessern, wie seine Vorgänger. Ob der das nach seinem anfänglichen Zögern dann auch gemacht hat, weiss ich nicht.

0 0

Und der Rechnungshof prueft....

ist ja nur gut, dass die Beamten brav Ihre Berichte schreiben

0 0

Und der Rechnungshof prueft....

ist ja nur gut, dass die Beamten brav Ihre Berichte schreiben

Gast: Denker1
22.04.2010 08:50
0 0

Österreich hat nicht 200

sondern mehr 400! Mrd Schulden mit ÖBB, Asfinag, Krankenkassen etc.

Und für sämtliche Schulden übernimmt der STEUERZAHLER die Rückzahlung samt Zinsen, mit Gebühren, Abgaben und Steuern. Und schon drohen wieder neue Belastungen durch die EU.

Ausserdem warten Mio von Migranten (Roma Sinti) aus den Oststaaten, die legal in den (noch) reichen Westen, nach Österreich und D ziehen, die wir dann durchfüttern dürfen, weil sie als Minderheit von Ungarn, Rumänien etc, hinausgeekelt werden.

Gast: Pleitegeier
22.04.2010 07:16
0 0

"österreich eines der reichsten Länder"

Parallel dazu gibt es laufend Artikel/Sendungen in dem Österreich als eines der reichsten Länder der EU/Welt bezeichnet wird. Meisst dann, es es um Spenden geht, die vom Staat verdoppelt werden.

Einfach mal in Google "österreich eines der reichsten Länder" eingeben ...

0 0

Österreich ist eines der SCHULDENreichsten Länder


Österreich hat seinen Reichtum seit Kreiskys Zeiten vorgetäuscht - durch exzessive Verschuldung.

So wie der neureiche Nachbar mit dem Leasing-Audi und der Eigentumswohnung, welche der Bank gehört.

Saskatoon
22.04.2010 07:03
0 2

unglaublich wie in 10 jahren

schwarzer finanzminister, schwarzer unfähiger wirtschaftskompetenz österreich runter gewirtschaftget wurde....

Antworten Gast: gepoppter
22.04.2010 13:37
0 0

Re: unglaublich wie in 10 jahren

Solange die vereinigte Linke auf ihre Wählerdeppen zählen kann, bleibt sie weiterhin eine der "staatstragenden" Parteien. Mit Pomfünebererqualität. Die Klientel der Schwarzen nimmt nicht nur, sie gibt auch. Denn ohne sie wären wir schon längst im Arsch.

Antworten Gast: Udo J.
22.04.2010 11:07
0 0

KHG war ein FPÖ-Finanzminister.


Antworten Michael
22.04.2010 10:40
1 0

Re: unglaublich wie in 10 jahren

Wenn Sie das Chart auch ansehen, werden Sie feststellen, dass Ihre roten Protagonisten auch nicht besser gewirtschaftet haben. Die Abflachung ab 1996 ergibt sich nur aus dem Mega-Belastungspaket, dem sogenannten "Sparpaket" (Einführung Autobahnvignette etc.).

Zum Schmunzeln am Rande: Das "Sparpaket" hätte nur eine "vorübergehende Belastung" für die Steuerzahler sein sollen, bis die Schulden wieder reduziert sind. Heute sind die Schulden noch viel höher, die Belastungspakete immer noch existent und die Steuern noch höher als damals ;-)

Gast: hbm
22.04.2010 05:41
0 0

wieso wrden die schulden nicht einfach von unseren ersparnissen zurückgezahlt?

schuldenfrei in 3 tagen.
a la long hätten wir alle was davon.

denn fest steht, wir zahlen es sowieso, aber die schulden kosten uns auf jeden fall mehr als das ersparte bringt.
die einzigen, die lieber an den schulden festhalten wollen, sind die banken.

Antworten Gast: Androsch
22.04.2010 13:49
0 0

Re: wieso wrden die schulden nicht einfach von unseren ersparnissen zurückgezahlt?

Unser Erspartes ist weg, weil
a) von der Republik verkonsumiert
b) im ehem. Ostblock verliehen worden
c) im Südosten versickert
d) in Autos und Häusern insolventer Schuldner.

Unser Sozialstaat fährt gerade gegen die Wand. (Zitat Androsch)

Es sei denn wir siegen im 3. Weltkrieg, den wir gegen unsere Schuldner erklären. Danach könnten wir die Schulden-Rückzahlung als Reparation fordern.

 
1 2

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.