Wien/Klagenfurt. Der neue Chef der Kärntner Hypo Alpe Adria, Gottwald Kranebitter, braucht für den Umbau mehr Zeit. Hypo-Aufsichtsratspräsident Johannes Ditz hatte zunächst gemeint, dass die Bank in drei Jahren „verkaufsfit“ gemacht werden soll. So schnell dürfte es nach den Worten von Kranebitter aber nicht gehen. „Je mehr Zeit wir haben, umso besser ist es für die Bank“, sagt der Generaldirektor im „Presse“-Interview. Seit Anfang April ist der frühere KPMG-Österreich-Chef für die Kärntner Skandalbank zuständig. Seinen Plänen zufolge soll das Institut in drei Jahren „nachhaltig profitabel“ sein, für den Verkauf sind „eher fünf Jahre“ erforderlich.
Den Sanierungsplan hat der Banker schon in Brüssel eingereicht. In zwei Wochen sollen die Detailverhandlungen beginnen. Im Spätsommer oder Herbst dürfte feststehen, ob die EU dazu ihren Sanktus geben wird.
Rückzug aus vielen Ländern
Laut des neuen Geschäftsplans wird sich das Institut aus folgenden Ländern zurückziehen: Ukraine, Mazedonien, Ungarn, Bulgarien und Deutschland. Dort erwirtschaftete die Hypo teilweise hohe Verluste.
Kranebitter erwartet, dass die EU auch den Verkauf der Töchter in Italien und Montenegro verlangen wird. Doch auch dieser Schritt dürfte nicht so schnell über die Bühne gehen wie ursprünglich angenommen. Denn gegenwärtig sei der Zeitpunkt für den Verkauf von Bankbeteiligungen in Osteuropa alles andere als optimal. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir für den Rückzug aus einzelnen Ländern drei Jahre brauchen“, meint der Hypo-Chef. Ob das Institut mit der Abgabe der Tochterbanken Gewinn machen wird, sei fraglich. Die „Hypo neu“ soll sich künftig auf fünf Kernmärkte beschränken: Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Das bedeutet eine drastische Reduzierung des Geschäftsvolumens. Von der Bilanzsumme von 41,1 Mrd. Euro würde nur noch etwas mehr als die Hälfte übrig bleiben. Geht alles nach Plan, soll der Verkauf der „Hypo neu“ in fünf Jahren 1,5 Mrd. Euro bis 1,6 Mrd. Euro bringen. Genauso viel hat der Staat bislang in die Rettung der Bank investiert.
Doch zunächst muss Kranebitter klären, ob die Hypo noch mehr Geld braucht. Zwar hat schon im vergangenen Herbst mit PricewaterhouseCoopers (PWC) ein externer Prüfer stichprobenartig wichtige Kreditfälle unter die Lupe genommen. Das Gutachten fiel katastrophal aus. Das Institut war daher gezwungen, die Summe der Problemkredite – im Fachjargon „Non-Performing Loans“ – auf einen Rekordwert von 7,3 Mrd. Euro zu verdoppeln. Darlehen in derselben Größenordnung wurden zur Beobachtung auf eine „Watchlist“ gestellt. „Wir wissen nicht, ob es noch mehr Leichen gibt“, so Kranebitter.
Keine Aussagen über Jobabbau
Im Zuge der Erstellung der Halbjahresbilanz wird daher eine Neubewertung des Risikos vorgenommen. „Erst dann lässt sich sagen, ob das Kapital ausreicht“, meint der Hypo-Chef.
Auch in Österreich wird das Geschäft gestrafft. In Kärnten legte die Bank kleinere Filialen zusammen. Die Zweigstellen in Linz und Innsbruck wurden geschlossen. In Wien ist die Hypo an zwei Standorten (Parkring und Stock-im-Eisen-Platz) vertreten. „Eine Filiale wird hier ausreichen“, legt sich der Generaldirektor fest.
Wie viele von den 7500 Mitarbeitern ihren Job verlieren werden, will Kranebitter nicht sagen. Denn dies hänge im Wesentlichen davon ab, wie der Verkauf der osteuropäischen Töchter ablaufen werde. Und für Österreich kündigte der Betriebsrat schon Protestmaßnahmen an, falls der Sparkurs allzu drastisch ausfallen sollte. „Notfalls wird auch gestreikt“, ist von der Personalvertretung zu hören. Schon gestartet hat der Hypo-Chef den Verkaufsprozess für jene Beteiligungen, die nicht zum Bankgeschäft gehören. Für das Schlosshotel Velden interessieren sich Investoren aus Italien und Russland. Auf absehbare Zeit sollen auch andere Immobilien und Grundstücke wie die Golfplätze, die Anteile am Congresshotel Villach, am Blumenhotel St. Veit und an den Bergbahnen Nassfeld auf den Markt kommen. Über den Kaufpreis schweigt sich Kranebitter aus. Experten zufolge dürfte die Hypo damit 60 bis 70 Mio. Euro erlösen. Unterm Strich ist das ein Verlust. Alleine in das Schlosshotel Velden wurden 100 Mio. Euro investiert.
Für die Aufarbeitung der Vergangenheit hat der Hypo-Chef ein Team von zehn Leuten eingesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Grazer Anwalt Guido Held wurden schon über 30 Anzeigen gegen ehemalige Bankmanager und Geschäftspartner eingebracht. Diese sollen dem Institut 100 Mio. Euro entzogen haben. Die Betroffenen bestreiten dies. Es gilt die Unschuldsvermutung.