Wien (jaz). Wirtschaft ist in ihren Grundzügen einfach: Umsatz minus Aufwand ergibt Gewinn oder Verlust. Und wenn ein Unternehmen regelmäßig Gewinne einfährt, dann kann es sein Fortbestehen sichern, ohne sich verschulden zu müssen. Allerdings gibt es auch Firmen wie die staatliche Autobahngesellschaft Asfinag. Die hat zwar jedes Jahr Gewinne in ihren Büchern stehen, trotzdem muss sie sich ständig verschulden, um überleben zu können.
So auch im Jahr 2009. Die Mauterlöse fielen zwar aufgrund des geringeren Lkw-Verkehrsaufkommens um rund neun Prozent. Unter dem Strich konnte aber immer noch ein positives Ergebnis von 290 Mio. Euro verbucht werden. Dennoch musste sich die Asfinag im Ausmaß von 399 Mio. Euro neuerlich verschulden. In Summe beträgt der Schuldenberg der Autobahngesellschaft bereits 11,3 Mrd. Euro – Tendenz steigend.
Der Grund für diesen betriebswirtschaftlichen Widerspruch ist die Konstruktion der Asfinag. Sie ist kein herkömmliches Unternehmen, sondern wurde von der Politik geschaffen, um die Kosten für den Autobahnbau außerhalb des Staatsdefizits und somit außerhalb der Maastricht-Kriterien zu halten.
So besteht ein erheblicher Teil der Erlöse von 2,124 Mio. Euro aus der „Weiterverrechnung neu gebauter Straßen an den Bund“. Die Asfinag erhält dafür das „Fruchtgenussrecht“, auf diesen Straßen künftig Maut einheben zu dürfen. Dieses Recht hat zwar einen bilanziellen Wert, bringt aber nicht sofort „cash-wirksame“ Einnahmen.
Die Aufwände für Material, Personal, Zinsen und Steuern müssen indes gleich bezahlt werden. Im Endeffekt gibt die Asfinag pro Jahr für Neubau und Erhaltung der Straßen sowie Zinsen mehr aus, als sie durch Mauten, Raststätten und Verkehrsstrafen einnimmt.
Laut Verkehrsministerium soll sich dieses Verhältnis in Zukunft einmal drehen. Wenn sämtliche Neubauprojekte abgeschlossen sind, sollen die Mauteinnahmen die Ausgaben übersteigen. Allerdings ist offen, wann dieser Zeitpunkt kommen wird. Ein konkretes Zieljahr konnten die Asfinag-Vorstände Klaus Schierhackl und Alois Schedl bei der Präsentation der Bilanz nicht nennen. Aufgrund der gefallenen Mauteinnahmen sei man zur Zeit aber dabei, „sämtliche Bauprojekte auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen und Prognosen über die künftige Verkehrsentwicklung zu erstellen“.
Konkrete Ergebnisse sollen im Spätsommer vorliegen. Bis dahin steigen aber die Zinszahlungen für die Schulden weiter an. Schon bisher gibt die Asfinag mehr Geld für Zinsen aus als für die Sanierung der Autobahnen.
Nordautobahn erhöht Schulden
Zusätzliche Belastung bringt der Asfinag heuer – wie schon 2009 – die Nordautobahn A5. Diese wurde vom privaten Baukonsortium Bonaventura vorfinanziert und wird aufgrund der Inbetriebnahme nun in die Asfinag-Bücher übernommen. 2010 werden die Schulden daher um 970 Mio. Euro auf 12,3 Mrd. Euro steigen.
Allerdings profitiert die Asfinag von der leichten Erholung der Wirtschaft. Zwischen Jänner und April nahm das Verkehrsaufkommen wieder um fünf Prozent zu.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2010)

In Zahlen Die Erfolgsstory des sozialen Netzwerks
Top 10 Die meistverkauften Autos der Welt
Kreativ Die verrückte Welt der Werbung
Bis 2015 Die aussichtsreichsten Aktien
QUIZ Kennen Sie sich in in der Wirtschaft aus?
