26.05.2012 21:26 | Meine Presse Merkliste 0

Die wundersame Bilanzierung der Asfinag

10.05.2010 | 18:49 |   (Die Presse)

Trotz Verkehrsrückgangs konnte die Asfinag 2009 Gewinn einfahren. Dass die Schulden dennoch stiegen, ist systemimmanent. Zusätzliche Belastung bringt der Asfinag heuer – wie schon 2009 – die Nordautobahn A5.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien (jaz). Wirtschaft ist in ihren Grundzügen einfach: Umsatz minus Aufwand ergibt Gewinn oder Verlust. Und wenn ein Unternehmen regelmäßig Gewinne einfährt, dann kann es sein Fortbestehen sichern, ohne sich verschulden zu müssen. Allerdings gibt es auch Firmen wie die staatliche Autobahngesellschaft Asfinag. Die hat zwar jedes Jahr Gewinne in ihren Büchern stehen, trotzdem muss sie sich ständig verschulden, um überleben zu können.

So auch im Jahr 2009. Die Mauterlöse fielen zwar aufgrund des geringeren Lkw-Verkehrsaufkommens um rund neun Prozent. Unter dem Strich konnte aber immer noch ein positives Ergebnis von 290 Mio. Euro verbucht werden. Dennoch musste sich die Asfinag im Ausmaß von 399 Mio. Euro neuerlich verschulden. In Summe beträgt der Schuldenberg der Autobahngesellschaft bereits 11,3 Mrd. Euro – Tendenz steigend.

Der Grund für diesen betriebswirtschaftlichen Widerspruch ist die Konstruktion der Asfinag. Sie ist kein herkömmliches Unternehmen, sondern wurde von der Politik geschaffen, um die Kosten für den Autobahnbau außerhalb des Staatsdefizits und somit außerhalb der Maastricht-Kriterien zu halten.

So besteht ein erheblicher Teil der Erlöse von 2,124 Mio. Euro aus der „Weiterverrechnung neu gebauter Straßen an den Bund“. Die Asfinag erhält dafür das „Fruchtgenussrecht“, auf diesen Straßen künftig Maut einheben zu dürfen. Dieses Recht hat zwar einen bilanziellen Wert, bringt aber nicht sofort „cash-wirksame“ Einnahmen.

Die Aufwände für Material, Personal, Zinsen und Steuern müssen indes gleich bezahlt werden. Im Endeffekt gibt die Asfinag pro Jahr für Neubau und Erhaltung der Straßen sowie Zinsen mehr aus, als sie durch Mauten, Raststätten und Verkehrsstrafen einnimmt.

Laut Verkehrsministerium soll sich dieses Verhältnis in Zukunft einmal drehen. Wenn sämtliche Neubauprojekte abgeschlossen sind, sollen die Mauteinnahmen die Ausgaben übersteigen. Allerdings ist offen, wann dieser Zeitpunkt kommen wird. Ein konkretes Zieljahr konnten die Asfinag-Vorstände Klaus Schierhackl und Alois Schedl bei der Präsentation der Bilanz nicht nennen. Aufgrund der gefallenen Mauteinnahmen sei man zur Zeit aber dabei, „sämtliche Bauprojekte auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen und Prognosen über die künftige Verkehrsentwicklung zu erstellen“.

Konkrete Ergebnisse sollen im Spätsommer vorliegen. Bis dahin steigen aber die Zinszahlungen für die Schulden weiter an. Schon bisher gibt die Asfinag mehr Geld für Zinsen aus als für die Sanierung der Autobahnen.

 

Nordautobahn erhöht Schulden

Zusätzliche Belastung bringt der Asfinag heuer – wie schon 2009 – die Nordautobahn A5. Diese wurde vom privaten Baukonsortium Bonaventura vorfinanziert und wird aufgrund der Inbetriebnahme nun in die Asfinag-Bücher übernommen. 2010 werden die Schulden daher um 970 Mio. Euro auf 12,3 Mrd. Euro steigen.

Allerdings profitiert die Asfinag von der leichten Erholung der Wirtschaft. Zwischen Jänner und April nahm das Verkehrsaufkommen wieder um fünf Prozent zu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

3 Kommentare
Fipo1
11.05.2010 09:45
1 0

Augenauswischerei

Die heutigen verantwortlichen Politiker streuen uns nichts als Salz in die Augen. Wir rühmen uns, eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen in der EU zu haben. Wir zählen nicht die in Schulung befindlichen Arbeitslosen dazu, die gerade einen Computerführerschein machen (mit 50 !) oder einen Segelkurs (auch schon dagewesen) und wir vergessen vor allem die vielen von der öffentlichen Hand gesponserten Arbeitsplätze, die sozusagen mit unserem Geld in der Bauwirtschaft aufrechterhalten werden. Würden wir alle Baustellen der ASFINAG, der ÖBB und sonstigen steuerlich finanzierten Baustellen auf einen Schlag einstellen, würde sich unsere Arbeitslosenrate wahrscheinlich verdrei- bis vervierfachen. Nun kann man sagen, dass es für die Wertschöpfung besser ist, die Leute in Arbeit zu halten, bloß angesichts der sinnlosen Lärmschutzwände und ähnlichen Dinge mehr muß man schon hinterfragen, wie sinnvoll es ist, dafür Schulden zu machen. Wo bleiben Investitionen in Zukunftstechnologien wie Windenergie oder Fotovoltaik ? Hier Steuergelder zu investieren wäre wesentlich sinnvoller und würde die Wirtschaft auch ankurbeln. Oder sträubt sich hier die einschlägige Energielobby in Österreich ? Solche Entscheidungen würde ich mir von unseren Politikern erwarten. Aber nicht Schuldenmachen in alten Gewässern. Meine Stimme kriegen sie ohnedies nicht mehr, weil sie allesamt zu nichts taugen.

Hackinger
10.05.2010 20:53
1 0

2010 werden die Schulden daher um 970 Mio. Euro auf 12,3 Mrd. Euro steigen.

Die nächste Katastrophe und Pleite ist schon vorprogrammiert und ein weiteres Hilfspaket - natürlich bezahlt durch die Steuerzahler - ist schon zu erkennen.


Antworten Gast: Gast20100511
11.05.2010 10:20
0 0

Re: 2010 werden die Schulden daher um 970 Mio. Euro auf 12,3 Mrd. Euro steigen.

Das schlimme daran ist, das der Steuerzahler (bzw. der Autofahrer) dafür schon zahlt, nur ist die MöSt nicht zweckgebunden, sondern versickert im allgemeinen Budget ...

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.