Wien (eid/APA). Wer sich vor zwei Jahren einen Goldbarren ins Depot gelegt hat, der hat jetzt leicht lachen: Er hat sein Investment mehr als verdoppelt. Der Preis für das Edelmetall rast von einem Rekordhoch zum anderen – ein Ende der Hausse ist nicht absehbar. Freitagmittag übersprang der Goldpreis erstmals zeitweise die 1000-Euro-Marke. Die Münze Österreich, die auf Hochtouren produziert, verkaufte die Feinunze am Freitag um 1045 Euro. Für ein Kilo Gold zahlte man 33.597,50 Euro. Auch in Dollar, der eigentlichen Goldwährung, gab es mit 1249,40 Dollar je Feinunze ein Hoch.
Die Griechenland-Krise hat einen doppelten Effekt auf das Edelmetall: Total verunsicherte Anleger steuern den „sicheren Hafen Gold“ an, sagt Erste-Bank-Experte Ronald Stöferle zur „Presse“. Weltweit habe die Sorge, dass das Griechenland/Euro-Rettungspaket nicht greifen könnte, einen neuerlichen Run auf Gold ausgelöst. Stöferle: „Das Vertrauen in Papierwährungen lässt nach.“ Zum anderen hat die griechische Tragödie den Euro zum Dollar auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr gedrückt.
Stöferle führt eine Reihe von Gründen an, warum sich die Preisrallye fortsetzen dürfte: •Gold wächst nicht nach: Die Goldminen sind zum Teil an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, und um neue Lagerstätten zu erschließen, muss sehr tief gebohrt werden. Schon jetzt wird aus einer Tonne Erz nur 0,8Gramm Gold gewonnen.
•Die Notenbanken, die jahrelang Gold auf den Markt geworfen haben, sind wieder zu Nettokäufern geworden.
• Private und institutionelle Investoren haben die Schmuckindustrie als traditionell größte Goldkäufer abgelöst.
•China und Indien (weltweit der größte Goldbesitzer) kaufen zu Marktpreisen. Für Stöferle ist es angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit noch nicht zu spät, jetzt noch einzusteigen. Bis Juni sollte der Goldpreis auf 1300 Dollar steigen. Von dieser Annahme geht auch Valentin Hofstätter von der RZB aus. Nur bei der Langfristprognose teilen sich die Meinungen: Während Stöferle zum Ende des derzeitigen Goldpreiszyklus, der um 2011/12 enden könnte, mit einem Goldpreis von 2300 Dollar rechnet, gibt sich Hofstätter vorsichtiger. „Damit der Goldpreis über 2000 Dollar steigt, muss wirtschaftlich schon einiges schief gehen“, glaubt er.
Weniger Spesen bei Fonds
Ob man sich tatsächlich einen Barren oder Münzen anschafft oder in „Papiergold“ investiert (Fonds wie der deutsche Xetra-Gold, der mit physischem Gold unterlegt ist) sei Geschmackssache. Bei den Exchange Traded Funds spare man sich jedoch die Lagerkosten und das Risiko großer Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreis. „Je pessimistischer jemand die Welt sieht, desto eher geht er in physisches Gold“, meint Hofstätter.
Die Münze Österreich hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen 7,6 Tonnen Gold verkauft – mehr als im ersten Quartal.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2010)
In Zahlen Die Erfolgsstory des sozialen Netzwerks
Top 10 Die meistverkauften Autos der Welt
Kreativ Die verrückte Welt der Werbung
Bis 2015 Die aussichtsreichsten Aktien
QUIZ Kennen Sie sich in in der Wirtschaft aus?
