Wien (eid). Eineinhalb Jahre wurde verhandelt, gefeilscht, gedroht: Jetzt setzen am Donnerstagabend fixierte Rechtsvergleiche zwischen der Immofinanz-Gruppe und der Turnauer-Holding Constantia BV sowie dem Investor Rudolf Fries einen Schlussstrich unter einen Streit, der von Malversationen in der Constantia Privatbank (CPB) und der einst von ihr gemanagten Immofinanz-Gruppe ausgelöst worden war.
Wie immer ging es auch diesmal um viel Geld: Die im Einflussbereich der Constantia BV stehende Immofinanz Beteiligungs AG (IBAG) hat 2007 eine 900 Mio. Euro schwere Anleihe begeben, die von der – inzwischen mit der Immofinanz fusionierten – Immoeast gezeichnet wurde. Tatsächlich sollen über die IBAG Gelder an Töchter der Constantia Privatbank (CPB) und „andere Dritte“ geflossen und Aktienspekulationen betrieben worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Chef der CPB und der Immofinanz, Karl Petrikovics, für den die Unschuldsvermutung gilt.
Jedenfalls sind von dem IBAG-Bond 512 Mio. Euro „verschwunden“. Nach der Entflechtung von CPB und Immofinanz-Gruppe entstand eine Forderung an die Constantia BV, Ex-Eigentümerin der CPB und noch Hauptaktionärin der Constantia Packaging.
Die Einigung sieht folgendermaßen aus:
•Die Immofinanz erhält 217 Mio. Euro in bar, den Großteil von der Constantia BV.
•Weiters erhält die Immofinanz 55 Millionen Stück eigene Aktien zurück, die „kursschonend“ verkauft werden sollen, wie Immofinanz-Chef Eduard Zehetner am Freitag gesagt hat. Im günstigen Fall könnte der Verkauf der Anteilsscheine, die rund fünf Prozent des Grundkapitals ausmachen, 165 Mio. Euro bringen.
•Außerdem übernimmt die Immofinanz 113„Leintuch-Gesellschaften“. Das sind frühere CPB-Töchter sowie Stiftungen, die zu allen möglichen Zwecken gegründet worden sind und Liegenschaften besitzen. „Wir haben ein Leintuch gebraucht, um alle Gesellschaften aufzuschreiben“, begründete Zehetner den Namen. Die Verwertung der Liegenschaften könnte noch rund 100 Mio. Euro bringen.
Fries glaubt an Kurssteigerung
Die dritte beteiligte Gruppe um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries behält ihre 56Millionen Immofinanz-Aktien und bekommt eine Ausgleichszahlung für eine Put-Option gegenüber der Constantia BV von 136 Mio. Euro. Fries ließ wissen, dass er Aktionär bleiben wolle und von substanziellen Kurssteigerungen ausgehe. Der Buchwert der Immofinanz-Aktie liegt nach der letzten Berechnung bei 5,12 Euro, der aktuelle Kurs liegt bei 2,40 Euro.
Zur Finanzierung des Deals muss die von der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac kontrollierte Constantia BV die Constantia Packaging verkaufen. Der Deal mit dem Finanzinvestor OEP soll dieser Tage erfolgen. Der Verkauf soll rund 430 Mio. Euro bringen, nicht genug, um alle Ansprüche zu befriedigen. Mit dem Deal sei sie „an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gegangen“, ließ de Castelbajac ausrichten.
„Das Wort Vergleich werden Sie von mir nicht hören“, sagte Zehetner und verwies auf die komplizierte Rechtslage. Im optimistischen Fall rechnet er, dass die Immofinanz 450 bis 460 Mio. Euro lukriert – wenn Aktienverkäufe und Immobilien abgewickelt worden sind, was noch Monate dauern dürfte.
Voraussetzung für die Generaleinigung war die Übernahme der „Aviso Zeta Bank“ – der „Bad Bank“ der früheren CPB – durch die Immofinanz um einen Euro. In ihr sind alle Altlasten geparkt, die durch die diversen Malversationen in der alten CPB/Immofinanz entstanden sind. „Nur wir können diesen Sauhaufen aufräumen“, begründete Zehetner die Übernahme. Die Immofinanz stellt mit rund 400 Mio. Euro die höchsten Forderungen an die Aviso Zeta. Diese habe er nachrangig gestellt – sie würden im Fall eines Konkurses schlagend werden. Das könnte passieren, wenn diverse Anleger mit ihren Klagen obsiegen. Zehetner: „Ich werde keinen Cent verwenden, um die Aviso Zeta zu retten.“ Allerdings geht er davon aus, dass sich die Klagen minimieren, wenn sich der Immofinanz-Kurs bessert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2010)
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