Grasser: "Staatspleite Griechenlands ist einziger Weg"

Das "Glutnest Griechenland" sei so lange diskutiert worden, bis das ganze Haus gebrannt habe, sagt Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Athen hätte einen Euro-Austritt mit Schuldennachlass aushandeln sollen.

PK KARL HEINZ GRASSER ZU BUWOG
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(c) APA (Robert Jaeger)

Nach Ansicht des ehemaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser hätte die Europäische Union anstelle eines Milliarden-Hilfspakets zur Rettung des Euro einen Austritt Griechenlands aus der gemeinsamen Währung inklusive einen Schuldenverzicht aushandeln sollen. Dann hätte der Euro an Reputation und Glaubwürdigkeit gewonnen, meint Grasser in einem Interview mit dem "Wirtschaftsblatt" (Dienstag).

Das Hilfspaket sei der größte wirtschaftspolitische Fehler der Währungsunion, so der Ex-Minister. "Ich bin erstaunt, wie schlecht Europa die Krise managt - und sprachlos über das 750 Milliarden Euro Rettungspaket", sagt Grasser.

Grasser befürchtet fünf Prozent Inflation

Er, Grasser, hätte den Griechen gesagt: "Liebe Freunde, ihr verhandelt einen Schuldennachlass mit euren Gläubigern und ihr scheidet aus der Eurozone aus." Erster Kardinalfehler sei gewesen, "dass das Glutnest Griechenland so lange diskutiert wurde, bis das ganze Haus gebrannt hat bzw. brennt." Zweiter Fehler sei, "dass wir schlechtem Geld nun auch noch gutes nachschmeißen und die guten Länder das Geld ihrer Steuerzahler jenen schicken, die schlecht gewirtschaftet haben".

Von den EZB-Interventionen am Anleihenmarkt hält er nichts. "Alle Richtlinien wurden plötzlich über Bord geworfen. Unterm Strich wird auch das der kleine Mann über höhere Inflation bezahlen". Grasser befürchtet, dass die EZB ihre Zwei-Prozent-Zielmarke bei der Inflaton in den nächsten zwei Jahren nicht halten wird und hält Inflationsraten von bis zu fünf Prozent für möglich.

"Euro ist nach wie vor überbewertet"

Den Euro hält er immer noch für überbewertet. Allerdings sei es nicht ausschlaggebend, ob der Euro bei 0,80 oder 1,50 Dollar stehe. "Die entscheidende Frage ist, gelingt es uns, das Überleben der Wirtschafts- und Währungsunion zu sichern. Werden wir auch noch in fünf Jahren mit dem Euro zahlen?"

Eine Rückkehr in die Politik habe er nicht vor, so der Ex-Finanzminister: "Meine Lebensqualität ist jetzt viel höher".

(APA)

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