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Pröll: „Die SPÖ sieht die ÖBB als Vorfeldorganisation“

28.05.2010 | 18:42 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Finanzminister Pröll sagt, dass auch Stiftungen ihren Beitrag leisten müssen. Überweisungen von Privaten wären von einer etwaigen Finanztransaktionssteuer freilich ausgenommen, so Pröll weiter.

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„Die Presse“: Wie hält es die ÖVP nun mit der Finanztransaktionssteuer? Können Sie sich wie manche in Ihrer Partei und wie die SPÖ den nationalen Alleingang vorstellen?

Josef Pröll: Nein, den sehe ich nicht. Die Finanztransaktionssteuer kann nur im europäischen Kontext diskutiert werden. Viele Länder wollen sie, etwa die Deutschen, für einen österreichischen Alleingang gibt es keine Notwendigkeit. Es wäre für den ohnehin kleinen und sensiblen Finanzplatz Wien ein falsches Signal, damit würden wir ihn riskieren. Wir waren uns auch in der Regierung einig, dass die Steuer auf europäischer Ebene kommen soll.

 

Das heißt, Sie sehen keine Notwendigkeit für ein EU-weites Volksbegehren, das Werner Faymann plant.

Pröll: Nein, wir sind bereits auf diesem Weg. Wir brauchen keine teure Kampagne zur Absicherung unseres Plans. Wir wissen, was wir wollen.

 

Wen soll denn diese Transaktionssteuer genau treffen? Alle?

Pröll: Es wird natürlich keine Steuer auf Überweisungen von Privaten geben. Es soll sie auf internationale Geldgeschäfte und Aktienspekulationen geben, bei den Veranlagungen der Pensionskassen müssen wir vorsichtig sein. Wir besprechen das gerade im Finanzministerium. Europa kann das jedenfalls einführen, ohne Schaden zu nehmen. Auch Brasilien hat so eine Steuer; das Land ist auch groß genug, auch wenn diese Streuer nicht sehr ergiebig ist.

 

Brasilien wird von Lula, einem deklarierten Linken und Gewerkschafter, regiert. Was ist das für ein Vorbild für einen Finanzminister und ÖVP-Chef?

Pröll: Ich habe schon in der Perspektiven-Gruppe der ÖVP eine Einführung der Tobin-Tax angesprochen. Es geht uns nicht um Ideologie, sondern um Gerechtigkeit. Alle müssen ihren Anteil zur Bewältigung unserer Probleme leisten. Am wichtigsten ist es aber sicher, die Ausgabendynamik in den Griff zu bekommen.

 

Stimmt, davon hört man aber weniger. Was planen Sie denn nun?

Pröll: Alle Minister müssen mit dem Budgetgesetz, das bis 2014 die Ausgaben begrenzt, planen und auskommen. Das ist ein Spardruck, der öffentlich noch weit unterschätzt wird. Mit der ÖVP wird es jedenfalls keinen Euro mehr geben, etwa durch ein Nachtragsgesetz.

 

Sie haben einmal ausgeschlossen, dass die Steuern erhöht werden. Genau das passiert nun.

Pröll: Es stimmt, dass man diese meine Aussagen durchaus kritisch sehen kann. Ich bin aber der Juniorpartner in der Regierung, in einer Rolle, die ich mir nicht ganz freiwillig ausgesucht habe. Es werden jedenfalls Kosten reduziert. Ich habe damals versucht, nicht sofort eine Steuerdebatte vom Zaun zu brechen.

 

Ihre Aussage war also strategischer Natur, um die SPÖ im Zaum zu halten.

Pröll: Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es den Sozialdemokraten um die Einnahmen geht, mir geht es um die Ausgaben.

Das heißt, ein Finanzminister muss manchmal lügen.

Pröll: Er soll nicht lügen, aber er soll sich strategisch immer richtig verhalten.

Wenn alle sparen müssen, betrifft das auch die Stiftungen.

Pröll: Ich warte auf inhaltliche Vorschläge der SPÖ. Ich kann nicht 60 Milliarden Stiftungsvermögen aufs Spiel setzen, das durch eine plötzliche massive Besteuerung aus Österreich weg wäre. Aber alle werden ihren Anteil tragen. Das steht außer Zweifel.

Wieso sind Sie aus dem ÖBB-Aufsichtsrat beleidigt ausgestiegen? Nur wegen einer Position?

Pröll: Nein, in den ÖBB zeichnet sich schon seit Längerem ein politischer Wechsel ab, die Gewerkschaft feiert fröhliche Urständ. Die SPÖ sieht das Unternehmen als Vorfeldorganisation, und die Führung glaubt, weitermachen zu können wie bisher. Das spricht einfach dafür, dass die SPÖ auch als Einzige die volle Verantwortung übernimmt. Wir gehen in der ÖIAG einen ganz anderen Weg. Ich mische mich dort nicht ein. Ich will Dividenden für die Steuerzahler sehen. Bei den ÖBB ist das der andere Weg: Dort wird der politische Druck verstärkt. Dort werden kritische Geister nicht mehr gehört.

Die ÖBB werden also ab sofort Ihr Wahlkampfthema. Die ÖBB als Bawag auf Gleisen?

Pröll: Die ÖBB sind ein enorm wichtiges Unternehmen mit einer zentralen Stellung für Österreich. Das wird in der SPÖ so nicht gehen, dort steht der politische Einfluss im Vordergrund. Der Aufsichtsrat musste die Konsequenzen ziehen. Es kann nicht sein, dass alle sparen müssen, nur die ÖBB nicht. Dort gibt es Privilegien, die zu beseitigen sind. Aus Sicht der SPÖ sind die ÖBB offenbar von der Notwendigkeit des Sparens ausgenommen. Das kann man niemandem verkaufen. Tausende Pendler ärgern sich etwa täglich über unerträgliche Verspätungen und Bedingungen. Dafür muss jemand die Verantwortung übernehmen.


Ministerin Doris Bures will sparen und den Brennerbasistunnel nicht bauen – oder ihn zumindest bis auf Weiteres verschieben.

Pröll: Das glaube ich nicht, ich habe noch ihre Worte im Ohr, dass der Tunnel kommt. Sie hat klipp und klar gesagt, dass es keine Streichungsliste gebe. Sie wird bis Herbst evaluieren, wie schnell und in welcher Intensität es weitergeht. Wir warten auf ihre Pläne für ein wichtiges Projekt, das die Betroffenen in Tirol zu Recht erhoffen. Wenn man mit den Kosten argumentiert: Wenn man sich anschaut, wie Geld in den ÖBB wegen des Pensionssystems verbraten wird, muss dieses Projekt finanzierbar sein.

LEXIKON

Finanztransaktionssteuer

Die FTS würde Finanzbewegungen mit 0,05 bis 0,1 Prozent besteuern. Besteuert wird, so Pröll, der Aktienhandel – aber nicht „private“ Überweisungen.

Devisentransaktionssteuer

Die sogenannte Tobin-Tax würde alle grenzüberschreitenden Devisentransaktionen besteuern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2010)

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50 Kommentare
1 2
Gast: Privilegierter
29.05.2010 14:36
1 2

Gedankenanreiz

Bei den ÖBB arbeiten 42000 Österreicher, und seit heuer werde ca. 9000 Ungarer (Mav Cargo von ÖBB gekauft) dazu gerechnet. Zeitgleich leistet sich Österreich ca. 440.000 Beamte und Vertragsbedienstete,welche grossteils der ÖVP als Stimmvieh zugeordnet werden können.Als wo soll nun aus schwarzer Sicht gespart werden? Richtig, bei der Klientel der anderen,obwohl die nur ca. ein Zehntel der eigenen Wählerschaft ausmacht. Da kann man sicher GANZ TOLL einsparen Adam Riese lässt grüssen und ich auch. Habe fertig

Antworten Gast: Naja
30.05.2010 09:09
0 0

Re: Gedankenanreiz

Bei der ÖBB werden 42.000 Leute fürstlich entlohnt, ARBEITEN tun davon höchstens die Hälfte.

Antworten Gast: Naja
29.05.2010 21:09
0 0

Re: Gedankenanreiz


Bei der ÖBB werden 42.000 Leute fürstlich entlohnt, ARBEITEN tun davon höchstens die Hälfte.

0 4

„Die SPÖ sieht die ÖBB als Vorfeldorganisation“

Die SPÖ die Bundesbahn, die ÖVP die Taliban, die FPÖ die Reeperbahn, die Grünen den Orientexpress und die Orangen die Liliputbahn!
So hat jeder seine Vorfeldorganisation!

Antworten Gast: Tali-Ban
29.05.2010 16:21
0 1

Re: „Die SPÖ sieht die ÖBB als Vorfeldorganisation“

warum posten sie hier solche ergüssen, die niemanden interessieren. im forum der krone freuen sich die user bestimmt auf solche beiträge. weil, das ist genau deren niveau

0 0

„...genau deren niveau"

"...solche ergüssen..." = falsch
"...solche Ergüsse..." = richtig
Ein Fragesatz endet mit einem Fragezeichen!
"weil, das ist genau deren niveau"(sic!)
Ihre Vorfeldorganisation dürfte der "Verband Deutscher Analphabeten" sein!

2 1

Der endlose Kampf mit dem "Drachen"

Die ÖBB waren immer schon eine Vorfeldorganisation der SPÖ.
Die ÖVP kämpft seit Jahrzehnten gegen einen Drachen. Nicht einmal die sogenannte "Zerschlagung" war erfolgreich. Noch heute ist der Kampf vergebens. Wird ein Kopf abgeschlagen, wachsen drei neue "rote" Köpfe nach...

Antworten Gast: Winnetou
29.05.2010 14:38
0 2

Re: Der endlose Kampf mit dem

Und die Vorfeldorganisation der ÖVP sind der Bauern und Wirtschaftsbund. Wenn wir jetzt die Subventionen beider aufrechnen im Vergleich zur Beschäftigungszahl, würde es für die Bauern schlecht ausschauen.
Es ist auch nicht einzusehen, warum wir heimische, überteuerte, subventionierte Lebensmittel kaufen sollen, wo der Weltmarktpreis, ein ganz anderer ist.

2 0

Das ist leicht beantwortet: Ihr Vergleich hinkt gewaltig

Die relativ kleinteilig organisierten Bauern liefern das ab an Lebensmitteln, was gewünscht wird. Dazu sind sie Landschaftserhalter und ganz wesentlich für das Erscheinungsbild der Landschaft verantwortlich. Wovon der Tourismus zu großen Teilen lebt. Zum dritten ist es für einen Staat aus Sicherheitsgründen wünschenswert einen Teil seiner Nahrungsmittelproduktion im Inland zu halten.
Und: Zeigen Sie mir einen Bauern, der mit 49 in Pension gehen darf.

Winnetou
29.05.2010 18:39
0 1

Re: Das ist leicht beantwortet: Ihr Vergleich hinkt gewaltig

Nein, die gehen mit 60 in Pension, mit geringen Pensionszahlungen, bewirtschaften den Hof weiter und der Nachfolger geht arbeiten und führt den Hof offiziell weiter. Beispiele kenne ich zur Genüge.

1 0

da kommen wir dann endlich auf den Punkt

Wieviele reißen sich darum, als ÖBBler in Pesnsion zu gehen?

Wie viele reißen sich darum, als Bauern in Pension zu gehen?

Eben!

Gast: Habe meine Genossen,-genossen.
29.05.2010 10:24
1 0

Die ÖBB

ist die Vorfeldorganisation und die oberroten Wiener Linien sind der Staat im Staat. Ohne Gewerkschafts und Parteibuch dort keine Existenzberechtigung und Überlebenschance.

Gast: gast
29.05.2010 10:16
0 3

und die övp

ist die vorfeldorganisation der wirtschaftsmafia

Antworten Gast: Geisterbeschwörer
29.05.2010 13:43
1 0

Re: und die övp

Darf ich fragen, wer ihrer Meinung nach zu der "Wirtschaftsmafia" gehört? Und wo wir schon dabei sind: Haben Sie überhaupt eine Ahnung was die Begriffe "Wirtschaft" und "Mafia" bedeuten?

Antworten Antworten Gast: gast
29.05.2010 14:53
0 2

Re: Re: und die övp

ich meine es genau so wie ich es geschrieben habe schwarz brauner bildungsverlierer

Antworten Gast: pH1.5
29.05.2010 10:49
0 0

Re: und die övp

.. Wirtschaftsmafia, reife Leistung (!) - was verstehen Sie darunter?

Gast: glaubnix
29.05.2010 10:10
4 0

Mit 10 Jahren Pensionsberechtigt >> die ÖBBler!

Dass bei der ÖBB "nur" 17 ÖBBler mehr als der
Bundespräsident verdienen, verwenden die ÖBB-Gewerkschafter als Argument, dass viel unter 2000€ kriegen, Das ist der Privilegienstadl, den
jeder Steuerzahler mit 6 Milliarden zu tragen hat, ganz gleich ob er die Bahn braucht oder nicht.

cerumen
29.05.2010 09:48
0 2

ÖBB ist die Vorfeldorganisation der SPÖ

und die ÖVP ist die Vorfeldorganisation der Raiffeisen Bank. Der SP/ÖVP Sumpf gerhört trockengelegt ...

Antworten Gast: Gast
29.05.2010 10:10
1 0

Re: ÖBB ist die Vorfeldorganisation der SPÖ

Die RB ist aber im gegensatz zur ÖBB ein wirtschaftliches Unternehmen am freien Markt, das auch sehr gut wirtschaftet.

Antworten Antworten Gast: Ösi
29.05.2010 11:44
0 0

Re: ÖBB ist die Vorfeldorganisation der SPÖ

Die RB machts aber genauso wie der Staat und erhöht einfach ihre Gebühren und Kreditraten, senkt gleichzeitig Sparbuchzinsen und Renditen, so wie es halt für ein schönes Jahresergebnis notwendig ist.
Der Staat erhöht halt die Abgaben, Steuern und Gebühren und reduziert die "Sozialleistungsallmosen".
Und wer hat einen genug breiten Hintern um auf beiten Rössern zu sitzen? Bingo, der Pepi!!

Antworten Antworten Antworten Gast: Ösi=Dösi
29.05.2010 14:47
2 0

Re: Re: ÖBB ist die Vorfeldorganisation der SPÖ

Niemand hindert Sie, Ihr Geld (so vorhanden) von der Raika zur z.B. Bawag zu transferieren.

Aber die ÖBB ist eine Zwangsbeglückung, der wie ebenso wenig entkommen, wie der Abpressung des Zehents durch einen Raubritter.
Ich wäre allerdings froh, wenn's nur ein Zehent wäre!

Gast: Peter Schober
29.05.2010 09:30
0 2

Nach 7 Jahren schwarz-blau bemerkt die ÖVP

jetzt ganz überrascht, dass die ÖBB rot ist. Jetzt kann sie ja auch recht praktisch auf die SPÖ schieben, dass sich wieder nichts ändern wird.

In Wirklichkeit sehen beide Regierungsparteien die staatsnahe Wirtschaft als Vorfeldorganisationen und tun sich daher gegenseitig nicht weh.

cerberus
29.05.2010 08:25
0 4

Was hat Kukacka positives bei den ÖBB geleistet?

Nach dem desaströsen und teuren Gastspiel der Herren Huber und Kukacka - von Schüssels und Gorbachs Gnaden - wäre es für Pröll angebracht, aus diesen rein parteitaktisch und zum Schaden für die Steuerzahler entstandenem Disaster seine Lehren zu ziehen.
Was macht dieser dreiste Raiffeisenagent, wenn er nicht gerade Steuergelder für unsinnige Inserate beim Fenster hinauswirft?
Er greift, in diesem Fall untergriffig, den Koalitionspartner an! Gegenvorschläge? Ach ja, Privatisieren! Solang, bis das Volksvermögen von den Parteigängern verzockt worden ist und diese Betriebe ihre Aufgaben für die Bevölkerung nicht mehr voll erfüllen können. So wird staatspolitische Verantortung derzeit von der ÖVP wahrgenommen und gelebt. Ein Trauerspiel!

Privatisierungen?

Sie meinen a`la Androsch mit Salinen etcetc...

Antworten Antworten Gast: Postfuchs
30.05.2010 08:52
0 0

Re: Privatisierungen?

oder die Post à la Schüssel, wo man im Internet seine Pakete suchen muß....und die pragmatisierten Beamten nicht zustellen dürfen, weil man die Paketzustellung ausgelageret hat. Dafür dürfen sie auf Kosten der Steuerzahler im "Karrierezentrum" tarockieren. Da zeigt doch die ÖVP, wie effizient und mit welch subtiler Wirtschaftskompetenz sie Privatisierungen durchzieht!

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Österreich ist nicht reformierbar

Der SPÖVP zu erklären, daß wir uns ÖBB oder die Neugebauers nicht mehr leisten können, ist, als ob man der Mafia erklärt, sie solle gefälligst ohne Drogen u. Menschenhandel auskommen. Das System ist nicht reformierbar, alle Beteiligten stecken zu tief drinnen und haben alles zu verlieren. Es gibt keinen Ausweg, wir werden untergehen.

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