EZB-Chef Trichet in Wien: „Wir drucken kein Geld“

31.05.2010 | 18:36 |   (Die Presse)

In der Europäischen Zentralbank machen sich Unstimmigkeiten über den Kauf von Anleihen verschuldeter Staaten breit. Trichet: Die EZB kaufe Anleihen nur auf dem freien Markt und nicht den nationalen Regierungen ab.

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Wien (hie). Seit ihrer Entscheidung, hoch verschuldeten Staaten Anleihen abzukaufen, steht die Europäische Zentralbank (EZB) im Kreuzfeuer der Kritik. Und diese kommt mittlerweile nicht mehr nur von Analysten und Finanzmarktexperten, sondern aus den eigenen Reihen: „Die Geldpolitik hat in der Krisenbewältigung neue Wege eingeschlagen, die ich angesichts der damit verbundenen stabilitätspolitischen Risken nach wie vor kritisch sehe“, sagte etwa Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank, am Montag.

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Weber ist als oberster Notenbanker Deutschlands EZB-Mitglied und wird als Nachfolger von EZB-Chef Jean-Claude Trichet gehandelt. Dessen Amtszeit endet kommenden Herbst. Es gelte nun, die Risken für die Preisstabilität zu minimieren, so Weber.

Trichet selbst, der das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen initiiert hat, will diese Kritik so nicht gelten lassen. Mit dem Vorwurf, die EZB verliere das Ziel der Geldwertstabilität aus den Augen, könne er nichts anfangen: „Die Umstände haben spezielle Handlungen erfordert. Aber unsere Orientierung bleibt die gleiche“, sagte Trichet am Montag im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB in Wien. Er hielt zum wiederholten Male fest, dass die EZB das Geld, das sie durch die Anleihenkäufe in den Markt pumpt, auf anderem Weg wieder abzieht und so die Auswirkungen „sterilisiert“.

Zudem bekräftigte er, dass Preisstabilität und Unabhängigkeit die grundlegenden Prinzipien der EZB seien, an denen auch das „Securities Market Programme“ (SMP) nichts ändere. „Um es in einfachen Worten zu sagen: Wir drucken kein Geld“, so Trichet.

Die EZB kaufe Anleihen nur auf dem freien Markt und nicht den nationalen Regierungen direkt ab. Er versicherte: „Wir haben unsere Entscheidung in voller Unabhängigkeit getroffen.“ Europas ranghöchster Notenbanker reagiert damit auf die Kritik, die EZB habe sich dem Druck der Politik gebeugt. So schreibt der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe, Trichet habe mit dem Tabu der EZB, Mitgliedstaaten Schuldtitel abzukaufen, auf Druck des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy gebrochen.

 

Schweigen zu den Details

In dem Bericht heißt es, die Zentralbank habe bis zum Ende der vergangenen Woche knapp 40 Mrd. Euro für den Ankauf von Staatsanleihen ausgegeben. Davon sollen 25 Mrd. Euro auf griechische Staatsanleihen entfallen.

Offiziellen Angaben der EZB zufolge hat sie im Rahmen des „Security Market Programme“ (SMP) bis jetzt 26,5 Milliarden Euro vom Anleihenmarkt genommen. Darüber hinaus will man den Bericht bei der EZB nicht kommentieren. Überhaupt hüllen sich die Notenbanker in Frankfurt gern in Schweigen, wenn es um Details zu ihren Anleihenkäufen geht.

Auch dazu, warum man die Einzelheiten unter Verschluss hält, erfährt man in der Pressestelle nichts. Finanzkreisen zufolge hält sich die EZB mit Details zurück, weil es Einfluss auf die Kurse hätte, gäbe man genauere Informationen öffentlich preis.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2010)

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17 Kommentare
Gast: Gresham
02.06.2010 20:16
1

Billiger geht's nimmer

das wäre doch viel zu teuer solche Summen als Banknoten zu drucken. Das sind nur noch digitale Einträge. Imaginäres Geld.

Antworten Gast: Kater Karlo
03.06.2010 23:58
0

Re: Billiger geht's nimmer

Eventuell wäre es an der Zeit das politische Notenmonopol in Frage zu stellen.

Die Herren Tricher und Co könnten sich ihr billiges Geld (mit dem sie die Wirtschaft zu versorgen sich rühmen) ans Bein streichen.

"Gutes" Geld würde "schlechtes" verdrängen

Antworten Antworten Gast: mit Persil gehirngewaschen
05.06.2010 04:59
0

Re: nEUROtische Photokopie des Dollars

Es ist mir ein Rätsel auf welcher Grundlage die Wirtschaftsexperten von freien Märkten fabulieren können, wenn die Grundlage dazu in jedem Fall nur eine monoplistische zentral geplante Recheneinheit sein kann.

Ich glaube das nennt man kognitive Dissonanz.

Es ist geradezu absurd wenn der das politische Monopol innehabende behauptet er sei politisch unabhängig.
Kompletter Schwachsinn jenseits von jut und böse. Meine Meinung,
Nicht überlebenswürdig in einer freien Welt.

Gast: Roland Wieser
02.06.2010 11:01
0

Gut gemacht EZB

Denn ohne den Kauf von Staatsanleihen aus verschuldeten Euroländern, stagniert die Wirtschaft, Schulden können nicht mehr bedient werden und dadurch

...fällt uns die ganze EU Hüttn zam .-)

Die bisher so konservative Politik von Leuten wie Weber brachte uns in Schwierigkeiten, da sie durch Inflationsvermeidung das Wirtschaftswachstum bremst.

Trichet möchte ich beglückwünschen und gleichzeitig auffordern die Anleihen direkt bei den Staaten zu kaufen!!

Antworten Gast: Meier
03.06.2010 13:01
0

Re: Gut gemacht EZB

Das ist ein Fehler. Konservative Geldpolitik hat zur Stabilität der DM geführt. Auch Österreich hat davon profitiert. Französische Geldpolitik hat immer zur Abwertung des Franken geführt. Das wollen wir doch nicht!

Reine Volksverarschung!

"„Um es in einfachen Worten zu sagen: Wir drucken kein Geld“, so Trichet."

Banken und Versicherungen kaufen die Ramschanleihen der faulen und disziplinlosen Südeuropäer und leiten sie als Durchgangsposten an die EZB weiter, die sie mit neugedrucktem Geld erwirbt.
"Wir drucken kein Geld."
Aber woher doch!

Gast: Gerald Nessmann
01.06.2010 15:40
1

Wieso regt man sich auf?

Das jaehrliche Neuverschuldungslimit liegt ueber dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum. Da ist ein Verfall der Waehrung und ein finanzieller Bankrott der Mitgliedsstaaten langfristig sowieso eingeplant (ausser jemand traeumt noch davon dass sozialistische Umverteilungswirtschaften ihr Neuverschuldungspotential nicht ausnutzen werden).

Nun passierts halt ein bisserl schneller, und die Loesung der EZB (oder jener die dieses 'unabhaengige' Institut kontrollieren) ist Anleihen von Mitgliedslaendern zu kaufen und uns allen zu erzaehlen, dass dies kein Gelddrucken waere weil es auf dem Saekundaermarkt passiert?

Vielleicht ist es an der Zeit die Linken aus den 'heiligen Hallen' der Wissenschaft zu verbannen, wenn solche Geistesblueten zustande kommen. Oops - war das politically incorrect?

Re: Wieso regt man sich auf?

Ein Blick darauf, wer sich aufregt, zeigt ja schon, was es geschlagen hatt.
Die Nettozahler, also die germanischen Völker dürfen den Gürtel noch enger schnallen und noch schneller hackeln bis zum Umfallen, damit die Südländer davon profitieren.
Daß vielleicht Pleitiers wie Kriechenland halt ihr Tafelsilber auch veräußern müssen, davon spricht man natürlich nicht. Nur das germanische Tafelsilber wird verkauft und dann teuer zurückgeleast.
Von seiten der Negerantenländer der Südschiene gibt es natürlich keine Aufregung darüber, daß über die schon immer ersehnte Abwertung des Euro, der von den Germanen erwirtschaftete Überschuß, noch stärker in ihre Taschen umgeleitet wird, ohne dafür etwas tun zu müssen.
Die 2% BIP, die man Griechenland über die EU-Nettozahlungen jährlich in den A... schiebt, werden bei den Budgetzahlen übrigens als Aktivposten der Griechen gezählt!

Ich vermute ja, daß Köhler deswegen den ganzen Krempel hingeschmissen hat, weil nicht mal er das mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, wie hier die Ausplünderung der Fleißigen und produktiven Völker mit einem 3. Versailles auf die Spitze getrieben werden soll.
Vielleicht ist er auch klug genug zu sehen, daß solches Unrecht auf Dauer keinen Bestand haben kann, und möglicherweise hat er auch erkannt, mit einem Trojanischen Pferd an der BRD-Regierungsspitze, der ehemaligen DDR-Mauermordpropagandistin Merkel, die Sache hoffnungslos für die Deutschen ist.

Gast: Danke SPÖVP!
01.06.2010 06:54
2

Wenn ich richtig verstehe, wird jetzt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ....


... österr. Volkswirtschaft, die ja (dank SPÖVP-Politclowns) in die EZB eingebracht wurde, in die Kassen der französischen Banken umgeleitet. Derweil kündigt man uns Sparpakete an. Danke, Politclowns!

Antworten Gast: Roland Wieser
02.06.2010 11:27
0

Re: Wenn ich richtig verstehe, wird jetzt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ....

Du Irrst!!!

2002 zum Zeitpunkt der Euroeinführung, hatten wir eine ÖVP-FPÖ Regierung.

Man sollte sich gegen das "schwarze Altsheimer" impfen lassen .-)

Antworten Antworten Gast: Hubertus
05.06.2010 22:42
1

Re: Re: Wenn ich richtig verstehe, wird jetzt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ....

Nein ,ÖVP-SPÖ. DER Finanzminister war Edlinger (der mit der Schweinderl Krawatte). Er war meines Wissens der einzige Finanzminister in EU-Gremien, der bei bilateralen Gesprächen (ausgen. den deutschen Finanzminister)einen Dolmetscher brauchte, weil er des Englischen nicht mächtig war. Aber für den Präsidenten bei Rapid hat es gereicht.

Gast: Geschichte wiederholt sich
31.05.2010 23:25
2

EZB rollt wie seinerzeit Depfa

Sterilisiert werden können die Käufe der Staatsanleihen nur, wenn die zusätzliche Liquidität fristenkongruent abgesaugt wird. Es deutet aber alles darauf hin, dass es so eben nicht gehandhabt wird. Ein Volkswirt der Société Générale spricht in diesem Zusammenhang von einem Zielkonflikt (siehe FTD von heute). Oder kann ausgeschlossen werden, dass von den Banken eines Tages keine liquiden Mittel mehr hinterlegt werden? Wenn das passiert, dann wird die EZB nicht mehr rollen können und wird genötigt sein, doch zu drucken. Das wahre Problem wurde nicht gelöst, sondern Zeit gekauft, immerhin.

Gast: mysterium
31.05.2010 23:21
3

Dieser falsche Zottel!

Von dem hören wir nur Halbwahrheiten.
1. Wir kaufen nicht von den Staaten, sondern nur auf dem freien Markt und natürlich vor allem von französischen Banken, eh klar. Hilft dem französischen Staat ja gar nicht.

Das ist Wettbewerbsverzerrung pur.

2. Wir drucken kein Geld, wir nehmen es an anderer Stelle weg, dh die Banken werden durch Ankauf der Schrottpapiere mit Geld versorgt, der Markt ausgeschaltet, das Geld aus der Realwirtschaft abgesaugt.

Das kurbelt die Wirtschaft bestimmt an.

Gast: etf
31.05.2010 20:32
2

Bilanzverschlechterung

Die selbe Bilanzausweitung wie bei den Investmentbanken (Verdoppelung der Bilanzsumme in 5 Jahren), sehen wir jetzt bei den Notenbanken.

In dem Maße die Investmentbanken ihr Risiko und ihre Bilanzsumme herunterfuhren, erhöht sich nun das Risiko bei den Notenbanken.

Die Verschuldungskrise ist nicht verschwunden, sondern hat sich nur auf eine höhere Ebene verlagert.

Gast: Bernanke Ben
31.05.2010 20:26
2

Jessas na, der Oberschnorrer Trichet.

Holt er unsere Milliarden jetzt schon persönlich ab?

Gast: Andrew
31.05.2010 20:08
3

Zentralbanker und öffentliche Lügen

"The last duty of a central banker is to tell the public the truth" - Alan Blinder, früherer Vize-Chef der Fed.

Die EZB würde gerne ihren Kuchen essen und ihn gleichzeitig behalten.
Sie "druckt" sehr wohl Geld, indem sie Euro-Staatsanleihen kauft (ob am "freien Markt" oder nicht, ist egal - am "freien Markt" füttert sie nur die Bond-Spekulanten, die ein risikoarmes Geschäft machen können).
Gleichzeitig "sterilisiert" sie und behält damit das Geld auf ihren Konten. Hilft nur den (Erst)Verkäufern, die den Mist günstig loskriegen, nicht der Realwirtschaft.
:-(


Gast: ET
31.05.2010 19:14
2

Es natürlich kein Drucken es nur ein Umbuchen!

Dieses Umbuchen wird dann einerseits in der Bilanzsumme der EZB sichtbar, andererseits aber auch in der Geldmenge.

Wenn man diese Daten beobachtet, dann wird sichtbar, dass die EZB eine exzessive Geldschöpfung betreibt, wenn auch kein "Geld gedruckt" wird.

Gelogen hat er also nicht direkt, die Wahrheit hat er aber auch nicht gesagt.


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