Euro rutscht in Richtung "fairer Wechselkurs"

01.06.2010 | 19:01 |   (Die Presse)

Gerüchte um eine bevorstehende Rückstufung Frankreichs und Italiens ließen am Dienstag den Euro neuerlich abstürzen. Als größeres Problem wird allerdings die europäische Schuldenkrise gesehen.

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Wien/Frankfurt (red./ag). Wegen des Montagsfeiertags in den wichtigsten Finanzmärkten USA und Großbritannien schlägt die Aussage des französischen Haushaltsministers François Baroin, er mache sich Sorgen um das französische AAA-Kreditrating, mit einem Tag Verspätung auf die Märkte durch. Dafür aber um so heftiger: Der Euro fiel am Dienstag kurzzeitig von 1,2306 auf 1,2111 Dollar – und damit auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Und die europäischen Börsen, die die Baroin-Aussage am Montag noch ignoriert hatten, knickten deutlich ein.

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Baroin hatte, wie berichtet, Sonntagabend erklärt, es werde für Frankreich schwer werden, sein Toprating zu behalten. Das sorgte für unbestätigte Gerüchte an den Finanzmärkten, wonach Frankreich sein AAA schon Ende dieser Woche verlieren könnte.

In den Gerüchten war auch die Rede davon, dass ebenso die italienische Staatsschuld abgewertet werden könnte. Italien hat (hinter Griechenland) die zweithöchste Verschuldung der Euroländer, ist aber bisher nicht in der ersten Reihe der Rückstufungskandidaten gestanden. Ein unerwarteter Anstieg der Arbeitslosenrate im April nährt nun die Befürchtung, dass sich die Wirtschaft schlechter als vorhergesagt entwickelt. Ein nicht geringer Teil der Schuldenreduzierungspläne der Eurostaaten basiert aber auf wieder anspringendem Wirtschaftswachstum.

Die zuletzt von mehreren Prognoseinstituten genährte Hoffnung auf eine bessere Konjunktur hat auch noch von einer anderen Seite einen Dämpfer erhalten: In China ist der Einkaufsmanagerindex überraschend stark gefallen. Das wird als Zeichen dafür gewertet, dass die anhaltende Krise in Europa nun auch die chinesische Wirtschaft, die als Lokomotive der Weltkonjunktur galt, zu bremsen beginnt. Dies könnte das Wachstum in ganz Asien dämpfen, hieß es. Auch diese Meldung trug dazu bei, dass die Finanzmärkte in Europa in die Knie gingen.

Devisenhändler meinten am Dienstag, der Euro bewege sich nun auf seinen „fairen“ Wechselkurs zum Dollar zu, habe ihn aber noch nicht erreicht. Mit knapp über 1,21 liegt der Kurs nun ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Allzeittief aus dem Jahr 2000 (0,8230 Cent) und dem All Time High von Juli 2008 (1,6038 Dollar).

Experten waren davon ausgegangen, dass ein der Kaufkraft entsprechender Wechselkurs bei rund 1,20 Dollar liegen müsste. So gesehen hätte sich der Eurokurs jetzt normalisiert. Der Wechselkurs an sich macht den europäischen Währungspolitikern deshalb auch wenig Kopfzerbrechen.

 

Neue Milliarden-Abschreibungen

Größere Unruhe herrscht wegen der hinter dem Kursrückgang stehenden Probleme: Zu hohe Staatsverschuldung und eine ausgewachsene Bankenkrise. Die ist (obwohl die von vielen Risken befreiten Banken wieder Gewinne ausweisen) noch lange nicht vorbei: Nach Angaben der EZB werden die Banken der Eurozone 90 bis 105 Mrd. Euro abschreiben müssen. Sollten Staaten in ernstere Probleme kommen, wäre der Abschreibungsbedarf sogar noch deutlich höher.

An den europäischen Börsen standen deshalb am Dienstag besonders die Werte der Großbanken stark unter Druck. Betroffen waren vor allem französische Banktitel. Banken aus Frankreich halten sehr hohe Volumina an Staatsanleihen aus dem zurückgestuften Spanien und aus Italien.

 

Kanada erhöht die Zinsen

Relativ unberührt von der globalen Krise zeigt sich Kanada: Wegen der überaus kräftigen Wirtschaftserholung im Land hat die kanadische Notenbank als erste große Zentralbank eine Leitzinserhöhung durchgeführt. Der Leitzinssatz wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent erhöht. In der restlichen industrialisierten Welt dürften solche Schritte noch lange auf sich warten lassen: Die US-Notenbank wird frühestens Ende 2010 erhöhen, die Europäische Zentralbank nicht vor Mitte 2011.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2010)

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51 Kommentare
 
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Gast: pfeifendeckl
04.06.2010 09:21
0 0

Waunn da € obstirzt, daunn iss leicht aufan follenden

Euro zum setzen, do hobm de Spekulanten no ah bissl Zeit bisah wieda auf 0,70 Dollar is.

täglich grüsst das Murmeltier

Jeden zweiten Tag hören wir vom Absturz. (im 2 bzw 3. Nachkomma Bereich). Wenn sich der Kurs kurzfristig erholt kräht kein Hahn danach.
Was den wirklichen Wechselkurs betrifft so sollte man sich an den realwirtschaftlichen Fakten orientieren. Wenn danach ginge wäre der reale Kurs um die 1,15 im Vergleich zum Dollar.
LEUTE WIR SPRECHEN VON DIFFERENZEN VON WENIGER ALS 5% seit die ganzen Spekulationen gegen den Euro angefangen haben!!!!!

Gast: arancia
03.06.2010 10:48
0 0

Wirtschaftskreislauf

Die Zinsen für Anleihen aller EUR-Staaten auf niedrigem Niveau einfrieren. Die Leitzinsen erhöhen. Die Firmen haben nicht den Umsatz um momentan überbordende Kredite bedienen zu können (Überkapazitäten abbauen, darum wirken die niedrigen Zinsen bei Firmenkrediten nicht, nur eine neue Konsumentenblase wird aufgebaut, die bei steigender Arbeitslosigkeit wie ein Bumerang wirkt). Asien sollte gleichzeitig seine Löhne anheben, mehr Soziale Strukturen einführen. Wenn wir nicht miteinander das Problem lösen, wird es in einer Katastrophe enden. Höhere Löhne in Asien + mehr Sozialsystem in Asien gleichen den höheren EUR Kurs aus + die Anleihen für die Asiaten sind gesichert. Europa hat die Möglichkeit die Schulden langfristig abzubauen und endlich die dringenden Verwaltungsstrukturmaßnahmen vorzunehmen (eventuell kleine Anpassungen im Wohlfartsstaat - Mißbrauch, zu viele Beamte zu hohe Gehälter für Beamte zu hohe Beamtenpensionen) Raubritter Spekulanten wie Goldman Sachs, die die Krise (der Realwirtschaft) noch verstärken um hohe Gewinne zu fahren, gehört die Tür gewiesen.

Gast: Günther R. Neukamp (BTSplus)
02.06.2010 15:31
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1 € unter 1,2 U$D ist...

...die beste Stimulation für den (exportorientierten) Wirtschaftsstandort Österreich!

Damit senkt man Arbeitslosenzahlen in Österreich,
und baut mittels moderater (einstelliger) Inflation Staatsschulden ab (schwächerer € = höhere Energie und Rohstoffkosten in Europa & reduzierte Kaufkraft in Europa).

Mehr Arbeit & weniger Konsum - ist leider wenig populär. Aber nur so baut man Schulden ab.

Oder ich drehe die Wachstumspirale weiter bis zur nächsten Blase. Wie wäre mit Nachhaltigkeits- statt reinem Konsumdenken!
( Edward Bernays Konzept der Beeinflussung der Massen wird leider nur von wenigen durchschaut )

Wir können uns natürlich wie USA von China auf die Schlachtbankführen lassen. In den letzten 15 Jahren hat China die US Exportvoluminas 1:1 substituiert.

USA produziert nicht mehr. Damit sind die Träume von der Erholung der US Wirtschaft wieder nur Luftschlösser auf die man nicht bauen kann.

Die Musik spielt in Asien.

Und wir importieren chinesische Produkte die unter katastrophalen Umweltbedingungen prodzuiert werden. Wir müssen exportieren und unsere Märkte vor umweltschädlich produzierten Produkten schützen (CO2 Border Tax alignment).

Kanada hat nun den Startschuss zur Inflationsrally gegeben - Bin gespannt wie lange sich die EU noch erfolgreich gegen die Inflationstendenzen stemmen kann.

Günther R. Neukamp (BTSplus)

Gast: Antichrist
02.06.2010 10:19
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ja hier wird mit dem Volk ping-pong gespielt.............

Gast: paulo
02.06.2010 09:28
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Wieso nicht gleich einen

Kurs von 0,5. Einfach nur mehr lächerlich!!!

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endloses Zahlenspiel, investieren und spekulieren

. . . die Chance wittert kein "Experte", nur im Nachhinein dann sind's alle da.
Nun sollte der Export im Aufwind sein. Der Verfall des Euro könnte sich auch bei den Exportpreisen zum Vorteil sein.
Common sense, die Schulden werden noch lange nicht im Griffe sein und der Euro kann nur unten bleiben.
Zweifellos der Geschmack Europe's dominiert die Gastronomie. Die Menschen wünschen gesundes Essen; allem voran ist Obst und Gemüse.
Kenner wissen, dass Europa der Hub von mariniertem Gemüse ist und in Amerika vielleicht Sauerkraut und Rotkohl zu finden ist - that's it.
Wo bleiben die Handelsdelegierten, Kenner beider Welten, nope - selbst einmal in Europe im Export und nun Jahrzehnte hier im Schatten einer Handelsdelegation - alles nur Sesselkleber.

Gast: glaubnix
02.06.2010 06:21
1 0

Schuldenmachen auf einem andern seinen Buckel ist verbrecherisch!

Wie die selbstherrlichen Politiker das betreiben, sollten sie wie der Elstner hinter Schloss und Riegel.
Wie nennt man das, wenn auf meinen Namen Schulden gemacht werden und ich möchte das garnicht?
Jeder Österreicher ob groß ob klein wird auf diese Weise von den Politikern betrogen und beraubt!

Antworten Gast: Gruber
02.06.2010 10:07
0 0

Lacina, Grasser, Molterer, Pröll,

alle haben sie munter Schulden gemacht, der eine ehrlich, der andere verlogen....

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Re: Lacina, Grasser, Molterer, Pröll,

wer ist davon der Ehrliche?

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und das Problem: von den Schulden red't jeder

. . . doch von rückzahlen weit und breit Schweigen.

Gast: Onkel Hans
01.06.2010 20:22
4 0

Während unsere Politclowns an Steuererhöhungen tüfteln, kauft die EZB unter Trichet den französischen Banken Ramschanleihen ab!


Ich möchte auch lieber risikolos spekllieren, anstatt von unseren Politclowns abgestiert zu werden.

Man sollte eigentlich die Dummen dumm sein lassen!

Euro könnte sich nur dadurch erholen lassen, wenn in Euro-Raum mehr Wachstum gibt. Das Wachstum ist aber nicht in Sicht. Selbst die amerikanische Wirtschaft erholt sich von der Krise aber die EU muss mit Finanzproblem kaempfen! Einerseit flüchtet das Kapital aus dem EU-Raum andererseits kommt kein neues Kapital mehr. Kurz gefasst: Die EU-Bürger müssen den Gürtel immer enger schnallen!

Gast: Eurrora
01.06.2010 16:50
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Sinkender EURO kein Nachteil,

denn Exporte werden dadurch billiger ,doch chinesische Importe teurer.

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Re: Sinkender EURO kein Nachteil,

Super dann werden wir Fernost. Der Rubel(Dollar) wird rollen, alles wird gut. Bald sitzen wir auf Billionen von Dollar. Ach ich freue mich auf meinen Zeitarbeiterjob. Mattel, McD und andere Giganten werden all ihr PVC Spielzeug bei uns produzieren. Ich stolz am Fliessband für Europa. Wenn es so nicht kommt dann können wir immer noch ein paar Ws(Wasser, Wälder, Wiesen), gegen gute Dollar verkaufen. Ich biete mich an zum Verkauf, shit das bin ich ja schon.

Gast: gast
01.06.2010 16:35
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ich kenn mi nimmer aus...

Hat es nicht immer geheißen, dass es für die europäische Wirtschaft schlecht ist, wenn der Euro so teuer ist (wie er war..)?

Dann sollte es nun ja besser werden...

Ist das alles vielleicht nur eine großangelegte "Euro-Senkungs-Aktion" um die ExportWirtschaft Europas anzukurbeln?

?

Antworten Gast: gast
01.06.2010 17:13
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Re: ich kenn mi nimmer aus...

es wird auch besser.

der fetisch euro-kurs

manchmal habe ich den eindruck, dass alle, die sich so alterieren über einen weicheren euro, die ganze zeit über im nicht-euro-raum auf reisen sind.
für diese werden die reisen teurer.

aber für alle, die hauptsächlich hier leben, hier arbeiten, hier das geld ausgeben ändert sich doch (fast) nichts, wenn der euro nachgibt.

da fast 90% unseres aussenhandels mit eu-staaten erfolgen, der großteil davon mit euro-ländern, sind diese im/exporte nicht kursabhängig.
exporte in nicht-euro-länder werden erleichtert, das kann ja für die exportwirtschaft, und in weiterer folge für die gesamtwirtschaft nicht schlecht sein.
manche importe werden teurer: soweit es energie betrifft - endlich! soweit es plastikklumpert betrifft, das in fernost durch sklavenähnliche- bzw kinderarbeit erzeugt wird - gott sei dank!

aber eine frage an die untergangsphilosophen hätte ich schon: warum ist denn vor ca 8 jahren, als der euro bei 0,80 dollar notierte, unsere kleine welt nicht schon untergegangen?

Antworten Gast: NullBock
01.06.2010 19:46
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Re: der fetisch euro-kurs

Ein ähnlich unüberlegter und kurzsichtig seichter Beitrag wie immer von Ihnen.
Energie wird teurer, damit Transporte, damit Lebensmittel. Lebensmittelimport (von Dingen die es bei uns nicht gibt wohlgemerkt) wird teurer. Sie mögen im Euroraum kaufen, aber schon mal nachgesehen wo Ihr Fernseher, DVD-Player, Kühlschrank, Computer, Festplatte, Speicher, MP3 Player, Mobiltelefon, Autoteile, Autoreifen und Markenturnschuhe etc. produziert wurden??? schauen Sie mal bei Intersport, wieviele Schuhe da im Euroraum produziert wurden!!!Unterhaltungselektronik und Software - kommt wahrscheinlich alles aus Deutschland - schließlich kaufen Sie das ja dort im Onlineshop oder wie?!?! Warum es nicht schlimm war als der Euro 0.8$ war? Schon mal darüber nachgedacht, dass bei starkem Euro die Länder, von denen wir importiert haben, die Preise auch schneller erhöht haben, da wir das beim hohen Euro nicht so gespürt haben. Jetzt, wo der Euro fällt, spüren wir das umso stärker, da diese Länder sie Preise sicher nicht mehr senken! Aber wenn man es sich selbst schön reden kann, warum nicht.....gell!

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Re: der fetisch euro-kurs

Die Welt geht doch nicht unter, nur das Finanzsystem. Wie bei Orwel(1984) gibt es 3 Blöcke im Krieg. 1Block die Arbeit, 2 Block das Vermögen, 3 Block die Schulden.
1 sorgt für 2 und 3, 2 saugt von 1 und 3, und 3 sorgt für 2 und saugt von 1. Ergiebt
1=-4, 2=+4, 3=0
Würde die 2 für die 3 sorgen wäre es vielleicht ok, wir hätten dann halt keine Superreichen. Aber das will 1 ja nicht, wen könnte man dann noch im TV für seine Flugshow oder seine 170 meter Yacht bewundern.

Gast: Bankster Republic
01.06.2010 15:06
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Bis Weihnachten sollte es vorbei sein

Mal sehen, wie die Welt danach aussieht. Was dann zält sind Familie, Freunde, Gesundheit und Stärke. Alle anderen "Werte" werden dann nämlich wertlos sein.

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Re: Bis Weihnachten sollte es vorbei sein

Zum Glück hat niemand eine Kristallkugel. Und Faktum ist, dass viele Untergangspropheten bis heute darauf warten, dass ihre Prognosen eintreffen.

JA, einmal werden sie vielleicht recht behalten. Aber bis dahin könnte es noch dauern.

Es kann natürlich auch nicht schaden sich ein wenig auf solche Dinge vorzubereiten, aber zu tode gefürchtet ist schließlich auch gestorben...

so

ein blödsinn !!!

wir hören uns weihnachten wieder!

Gut das der Euro einaml wieder runterkommt - ganz schön schwindliche höhen hatte er bereits erleben müssen.

Der Euro ist wie ein Wanderer. Er wandert viel und genisst die gute Luft. Aber immer am Berg zu sein, ist doch nichts für ihm.

Jetzt sieht er sich einmal gemütlich das Tal an. Warum auch nicht?

Lassen wir uns aber von Verschwörungstheorethiker uns nicht unterkriegen. Elitäre Persönlichkeiten wie Herr Vranitzky sagten bereits, dass es nicht schlimm ist. Warum also die ganze Aufregung?

Europa ist gerettet. Lehnen wir uns zurück und vertrauen wir weiterhin auf Wener Faymann.

Antworten Gast: Fleischhacker
07.06.2010 05:38
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Re: Gut das der Euro einaml wieder runterkommt - ganz schön schwindliche höhen hatte er bereits erleben müssen.

.. da kann ich für meine RotSchwarzen Leberwürscht mehr verlangen, wenns auch schon a bissl riechen.

Gast: Großmann
01.06.2010 14:29
0 0

Frankreich

Regierungsmitglieder sollten lieber den Mund halten. Leider hat hier wieder jemand etwas gesagt.

 
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