200.000 E-Autos: Ziel der Regierung nur schöner Traum

Der Bund will eine Offensive bei umweltfreundlichen Autos. Doch es fehlt das realisierbare Konzept. Mit Stand April 2010 sind auf Österreichs Straßen gerade einmal 223 Elektro- und 3559 Hybridautos unterwegs.

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(c) APA (Robert Strasser)

WIEN. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis zu einer Million Hybrid- und Elektroautos will die Regierung bis 2020 auf Österreichs Straßen fahren sehen – umweltschonend und ölsparend. Das klingt schön, und deswegen kündigen es verschiedene SP- und VP-Minister auch alle paar Monate an.

Allein: Wie man diese Zahl binnen zehn Jahren erreichen soll, bleibt ein Geheimnis. Über die Verkündigung des Ziels ist die Regierung bisher nicht hinausgekommen. Konkrete Konzepte gibt es weder im Lebensministerium von Niklaus Berlakovich (ÖVP) noch im Verkehrsressort von Doris Bures (SPÖ).

Die wären aber dringend nötig, wenn man das hochtrabende Ziel erreichen will: Denn derzeit ist man von einer Million oder auch nur von 200.000 E-Autos weit entfernt. Mit Stand April 2010 sind auf Österreichs Straßen gerade einmal 223 Elektro- und 3559 Hybridautos unterwegs. Neu zugelassen wurden im gesamten vergangenen Jahr 39 E-Autos.

 

„Viele Fragen offen“

Nicht nur Oppositionspolitiker, sondern auch Autoexperten halten daher die Ziele für „zu optimistisch“. Gabriela Moser, Verkehrssprecherin der Grünen, spricht von „illusorischen“ Vorgaben. Die Österreicher würden sich gar nicht so schnell ein neues Auto kaufen, wie das die Ziele der Regierung verlangten. Laut Autofahrerklub ÖAMTC würden sich die Österreicher alle acht Jahre ein neues Auto kaufen. „Die Regierung kann aber nicht davon ausgehen, dass jedes neu gekaufte Auto ein Elektroauto ist“, erklärt Moser.

Auch Rolf Stromberger vom Europäischen Automobil-Herstellerverband ACEA sagt über die Ziele Österreichs: „Diese rasche Entwicklung sehe ich nicht.“ Es brauche länger Zeit, um „das System hochzufahren“. Die Fahrzeughersteller müssten überhaupt erst Werke umbauen, um größere Stückzahlen von Elektroautos bauen zu können. „Für eine so rasche Entwicklung sind noch viele Fragen offen“, sagt Stromberger.

 

Teure Anschaffung

Auch bei der Bewusstseinsbildung beim Kunden. Grundsätzlich ist die Einstellung der Konsumenten gegenüber Elektroautos zwar positiv. Wenn es aber um eine konkrete Kaufentscheidung geht, kippt die Stimmung. Gerade wegen der hohen Kosten. Ein E-Auto koste zwischen 6000 und 16.000Euro mehr als ein vergleichbares Benzin- oder Dieselmodell.

Der Grund dafür sind die Batterien: Für einen Kleinwagen schlagen sie sich, je nach Produktionsvolumen, mit 10.000 bis 20.000 Euro nieder.

Trotzdem sehen Experten und auch Hersteller in E-Autos die Zukunft. Es gibt eine wahre Flut an Neuvorstellungen: Mitsubishi etwa liefert ab Herbst dieses Jahres den Kleinwagen „i MiEV“ aus, von dem zunächst 4000, ab 2011 jährlich 10.000 Stück weltweit produziert werden.

Citroën und Peugeot bringen einen „C-Zero“ bzw. „Ion“ auf den Markt. Renault hat gleich vier Elektromodelle („Twizy“, „Kangoo“, „Zoe“, „Fluence“) im Angebot, von denen ab Herbst 2011 240.000 Stück verkauft werden sollen.

Damit die Kunden zuschlagen, bedürfe es aber „starker Anreize durch die Politik“, meint Sebastian Kummer vom Institut für Transportwirtschaft an der WU Wien. Für Kummer wäre ein Anreiz zum Kauf die Einführung eines generellen Fahrverbots für Autos im ersten Wiener Bezirk in zehn Jahren – mit Ausnahme von E-Autos.

Ein Problem beim Kauf sei die Unsicherheit der Kunden: Denen fehlten nämlich die Erfahrungen mit E-Autos, beispielsweise „ob die Batterie zwei, drei oder vier Jahre hält“. Noch fehlten auch die klingenden Namen: „Die Marke ist bei Autos extrem wichtig“, sagt Kummer. Nur wenn die Kunden wüssten, dass sie ihr Auto „zu jeder beliebigen VW-Werkstätte“ zur Reparatur bringen können, würde auch die Akzeptanz steigen.

Doch die ist nicht die einzige ungelöste Zukunftsfrage der Elektromobilität. E-Autos fahren nur dann umweltfreundlich, wenn auch der Strom, der sie antreibt, von erneuerbaren Quellen kommt. Das Stromnetz in Österreich wird zu rund einem Viertel aus fossilen Quellen gespeist. Um eine bessere CO2-Bilanz zu erreichen, müsste also der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen deutlich erhöht werden.

Auf einen Blick: Ehrgeizige Ziele

Elektroautos. Verkehrs- und Umweltministerium setzen auf mehr umweltfreundliche Elektroautos. Ziel der Regierung ist es, 200.000 E-Fahrzeuge bis zum Jahr 2020 auf die Straßen zu bringen. Derzeit gibt es gerade einmal 223.

Die Regierung hat bisher weder konkrete Fördermittel zur Erreichung des ehrgeizigen Ziels genannt noch die Frage beantwortet, wie die nötige Infrastruktur geschaffen werden soll. Konkrete Konzepte fehlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2010)

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