Wien (eid).Die AUA schreibt zwar nach wie vor rote Zahlen (siehe Grafik), allerdings wird das Ziel, heuer kein Geld mehr zu verbrennen, mit einem positiven Cashflow erreicht werden. Zudem soll 2011 auch ein positives Betriebsergebnis (Ebit) erwirtschaftet werden. Trotz der Belastungen von zehn bis 15 Mio. Euro durch die Flugsperren infolge des Vulkanausbruchs hat die Lufthansa-Tochter im ersten Halbjahr 2010 das operative Minus deutlich reduzieren können. „Unsere Sparpakete beginnen, voll zu greifen, gleichzeitig erholt sich der Luftverkehr“, fasste AUA-Vorstand Andreas Bierwirth am Donnerstag die beiden wichtigsten Faktoren für die Ergebnisverbesserung zusammen.
Der Erfolg der unter deutschem Druck forcierten Sanierungsanstrengungen hat sich erstmals ab dem zweiten Quartal gezeigt. Die Maßnahmen umfassen einen Personalabbau von 7500 auf 6000 Mitarbeiter, einen fünfprozentigen Gehaltsverzicht über fünf Jahre, die Neuausrichtung des Streckennetzes mit der Streichung unrentabler Routen sowie Zugeständnisse von Flughafen und Austro Control. Flog die AUA bis März noch einen Verlust von 64,8 Mio. Euro ein, gab es von April bis Juni nur mehr ein Minus von 2,3 Mio. Euro. „Wäre die Vulkanasche nicht gewesen, hätten wir im zweiten Quartal ein positives Betriebsergebnis erreicht“, sagte Bierwirth.
Osteuropa auf dem Tiefpunkt
Der Aufwärtstrend soll sich im dritten und vierten Quartal verstärken. Im Gesamtjahr sollen die Kosten um 250 Mio. Euro gesenkt und die Passagierzahl um gut eine Million gesteigert werden. Bierwirth warnte dennoch vor allzu großer Euphorie: „Wir sind noch nicht saniert“, spielte er auf die Aussage von Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch an, die ihn schwer unter Beschuss brachte. Man sei auf gutem Weg, schon zu Jahresmitte sei der Cashflow positiv gewesen. „Aber wir dürfen nicht vergessen, von welchem Niveau wir kommen.“ Im Vorjahr hat die AUA 326 Mio. Euro Verlust eingeflogen. Auch wenn es sehr gut laufe, werde man die Nulllinie beim Betriebsergebnis nicht erreichen.
Außerdem gebe es genügend externe Risikofaktoren (Währungsschwankungen, Schuldenprobleme in wichtigen Reiseländern wie Griechenland, steigende Treibstoffpreise, Vulkanausbrüche), weshalb er keine über die oben genannten Ziele hinausgehende Prognose abgebe. Außerdem sei in Ost- und Südosteuropa – dem Kernmarkt der AUA schlechthin – der Tiefpunkt zwar erreicht, aber es zeichne sich noch keine Erholung ab. Zudem habe Erzkonkurrent Niki Lauda mit seiner Billigairline „Niki“ just in Osteuropa expandiert, weshalb die AUA die Ticketpreise senken musste.
Dass Bierwirth und sein Vorstandskollege Peter Malanik noch einiges an Aufräumarbeiten zu erledigen haben, zeigt ein Vergleich mit dem Musterknaben im Lufthansa-Konzern, der Swiss: Die Schweizer Fluglinie erwirtschaftete mit derselben Zahl von rund 7600Mitarbeitern um ein Drittel mehr Umsatz und wies einen satten Gewinn aus (siehe Grafik).
Die AUA und British Midland (bmi) werden die Konzernmutter Lufthansa auch im Gesamtjahr belasten, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Allerdings wird ein deutlich niedriger Verlust als im Vorjahr erwartet. Die AUA wird nach Einschätzung von Gemkow schneller wieder in die Gewinnzone zurückkehren als die Schwester BMI.
Lufthansa hebt Gewinnprognose
Die deutlich anziehende Nachfrage im Langstrecken- und Frachtgeschäft soll das Minus jedoch ausgleichen. Konzernweit rechnet die Lufthansa daher mit einem operativen Ergebnis im Rahmen der Analystenerwartungen, die derzeit bei knapp 400 Mio. Euro liegen. Zuletzt hatte die Airline noch ein Ebit über dem Vorjahresniveau von 130 Mio. Euro prognostiziert. An der Börse legte die Lufthansa-Aktie prompt um gut drei Prozent zu.
Die Lufthansa profitierte zwar auf der Langstrecke von der Rückkehr der Geschäftsreisenden in die Businessclass, aber auf der Kurz- und Mittelstrecke schlagen der Preisverfall und der Sparkurs der Passagiere negativ zu Buche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2010)
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