Wien. Anfang Mai schlug die Staatsanwaltschaft Korneuburg am Flughafen Wien zum ersten Mal zu. Im Zuge der Ermittlungen rund um das Finanzdesaster beim Terminal Skylink durchkämmte das Landeskriminalamt (LKA) Niederösterreich bei einer Razzia Kisten mit brisantem Material. Am Donnerstag war es erneut so weit: Die Beamten des LKA statteten dem Flughafen Wien wieder einen Besuch ab: Diesmal zielte die Hausdurchsuchung auf das Büro eines hochrangigen Mitarbeiters in der Bauabteilung (sein Name ist der „Presse“ bekannt) ab. Das bestätigte der Leiter der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Karl Schober, der „Presse“.
Das Büro wurde daraufhin versiegelt, der Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert, wie ein Sprecher des Flughafens erklärte. „Wir unterstützen voll die Behörden.“
Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit mittlerweile einem Jahr in Sachen Skylink gegen den ehemaligen Flughafen-Finanzvorstand Christian Domany, die amtierenden Vorstände Herbert Kaufmann und Gerhard Schmid sowie den ehemaligen Aufsichtsratspräsidenten Johannes Coreth. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Ihnen wird Untreue im Zusammenhang mit der Kosten- und Zeitüberschreitung beim Skylink vorgeworfen. Statt 400 Mio. Euro (Stand 2005 zu Baubeginn) wird der Terminal jetzt bis zu 830 Mio. Euro kosten. Die Eröffnung soll Mitte 2012 erfolgen, ursprünglich war die Inbetriebnahme zur Fußball-Europameisterschaft geplant. Die war 2008.
Darüber hinaus laufen auch Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Personen oder Firmen, die am Bau des Skylink beteiligt waren oder sind. Laut Schober knöpft sich die Behörde vor allem die einzelnen Bauabschnitte beim Skylink genau vor. Dabei dürfte man das Projektmanagement und den Innenausbau mit der Gebäudetechnik besonders unter die Lupe nehmen.
Im Visier der Ermittler steht daher auch die Baufirma Gerstl, die bis zu der von Finanzvorstand Ernest Gabmann verhängten Bauunterbrechung im Juni 2009 als „Teilgeneralunternehmer Innenausbau“ werkte. Gabmann hat bekanntlich die Bauarbeiten gestoppt, um alle Verträge mit den bis dahin am Skylink beteiligten Firmen zu lösen und neue, günstigere Kontrakte auszuhandeln. Erst vor drei Wochen wurde der Auftrag für den Generalunternehmer Innenausbau an die Arge Swietelksy/Bögl neu vergeben.
Der nun suspendierte Flughafen-Mitarbeiter war vom Baubeginn des Skylink 2005 bis zum Vorjahr der vom Flughafen abgestellte Projektleiter. Nachdem er von Norbert Steiner abgelöst worden war, blieb er Mitarbeiter des Flughafens. Wonach das LKA im Auftrag der Staatsanwaltschaft genau gesucht hat, wollte Schober naturgemäß nicht sagen.
Aus Sitzungsprotokollen des Skylink-Teams geht jedenfalls hervor, dass der Betroffene schon im Juli 2006 Alarm schlug und der Flughafen-Führung über Planungsverzögerungen berichtete. Die Flughafenspitze unter Herbert Kaufmann will erst zum Jahreswechsel 2008/09 über Verzögerungen und Kostenüberschreitungen informiert worden sein.
Wie die „Presse“ aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird dem suspendierten Mitarbeiter jetzt vorgeworfen, seine Funktion als Projektleiter und die guten Kontakte zur Bauwirtschaft benützt zu haben, um sich privat Vorteile zu verschaffen. Der Flughafen wollte dazu keinen Kommentar abgeben, für den Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.
Zusätzliche Informationen erwartet sich Schober vom Rechnungshof (RH). „Ich habe den Rohbericht angefordert und warte genauso mit Hochspannung darauf wie der Flughafen und die Öffentlichkeit.“ Natürlich kooperiere man mit dem RH. Schober räumt aber ein, dass zwar Rechnungshof und Staatsanwaltschaft Licht ins Dunkel der versenkten Millionen bringen wollen, „aber dort, wo der Rechnungshof aufhört, fangen unsere Ermittlungen erst an“.
Sprengstoff für Wiener Wahlen
Der RH-Rohbericht soll noch im Sommer vorliegen – sehr zum Ärgernis der Wiener SPÖ und von Bürgermeister Michael Häupl, dürfte doch das brisante Konvolut Sprengstoff im Wiener Wahlkampf werden. Denn die Rathausopposition wartet nur darauf, den Skylink als Wahlkampfthema auszuschlachten. Die Länder Wien und Niederösterreich sind mit je 20 Prozent die größten Aktionäre am Flughafen und haben bei der Bestellung von Vorstand und Aufsichtsrat das Sagen. Die Vorstände Kaufmann und Schmid sind SPÖ-nahe, während Gabmann als ehemaliger Landeshauptmann-Stellvertreter in Niederösterreich dem schwarzen Lager angehört.

(Red.)

Top 10 Die meistgekauften Autos der Welt
Top 10 Das sind die zehn reichsten Familien Österreichs
Airbus Fliegen im Jahr 2050
Unternehmen Die 30 Größten Österreichs
QUIZ Kennen Sie sich in in der Wirtschaft aus?
