Die Arbeitslosigkeit sinkt in Österreich massiv auf derzeit 5,7 Prozent, "nur" noch 212.000 Menschen suchen einen Job - es waren schon über 300.000. Allerdings scheuen derzeit offenbar viele Unternehmen Fixanstellungen. Denn seit Jahresanfang ist die Zahl der Leiharbeiter in Österreich von 50.000 auf 80.000 gestiegen, berichtet das Ö1-Morgenjournal. Gefragt seien Leiharbeiter derzeit vor allem in der Autozuliefer- und Lebensmittelindustrie.
Schnell anheuern, schnell loswerden
Unternehmen können Leiharbeiter unkompliziert anheuern und auch schnell wieder loswerden. Pichorner verweist darauf, dass Verleihfirmen auch die gesamte Personalauswahl ("Recruiting") für die Unternehmen übernehmen. Zugleich betont er, dass die Leiharbeiter gleich hoch bezahlt werden wie das Stammpersonal in den betroffenen Unternehmen. Auch sonst achte man auf gleiche Arbeitsbedingungen.
Arbeitnehmer zweiter Klasse?
Für die Gewerkschaft sind Leiharbeiter Mitarbeiter zweiter Klasse. Rene Schindler von der Produktions-Gewerkschaft Pro-Ge sagte Ö1, dass Leiharbeiter oft ohne notwendige Schulung gefährlichste Tätigkeiten verrichten müssen. In der Branche der Arbeitskräfteüberlasser sei die Zahl der Arbeitsunfälle "um ein Mehrfaches höher" als in anderen Branchen, verweist Schindler auf Statistiken der Unfallversicherungsanstalt (AUVA).
Leiharbeiter seien auch extrem armutsgefährdet, weil sie zwischen zwei Aufträgen in der Regel nicht weiterbeschäftigt werden. Zudem laufen sie Gefahr, ihren Job schon bei der geringsten Auffälligkeit wieder zu verlieren. Die Leihfirma könne es sich nämlich nicht leisten, einen Kunden durch auffällige Mitarbeiter zu vergraulen.
Gewerkschaft für Leiharbeiterquote
Die Gewerkschaft verlangt daher von SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer, den Anteil der Leiharbeiter gesetzlich auf zehn Prozent der Arbeitskräfte in einem Unternehmen zu beschränken. Derzeit liege man in einigen Branchen schon darüber.
"Wir fordern, dass die Unternehmer mehr Vertrauen in die österreichische Wirtschaft und in die Fähigkeiten der eigenen Betriebe und Beschäftigten haben. Derzeit fehlt dieses Vertrauen und die Betriebe setzen auf Zeitarbeiter. Dieser Praxis gehört ein Riegel vorgeschoben," betont der Chef der Gewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn etwa zur Spitzenabdeckung oder um Schwankungen auszugleichen, Leiharbeitern eingesetzt werden. Aber es könne nicht Ziel sein, dass in einzelnen Betrieben Leiharbeiter die Mehrheit der Beschäftigten stellen sollen. So werden Mitarbeiterrechte ausgehöhlt und Sozialdumping betrieben. Daher müsse der Anteil der Leiharbeitskräfte in Betrieben begrenzt werden.
WKO gegen Eingriff
Heftige Kritik an der Gewerkschaftsforderung kam heute postwendend vom Bundesvorsitzenden der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Flenreiss. Dies sei ein "Eingriff in unternehmerische Verantwortung und Planung, der aufs Strikteste abzulehnen ist".
Zeitarbeit schlechtzureden und stattdessen Klischees zu propagieren, zeuge von Unkenntnis oder nicht "zur Kenntnis nehmen wollen" dieser Beschäftigungsform, so Flenreiss. Unternehmen biete Zeitarbeit die Möglichkeit, Zeiten schwankender Auftragsauslastung flexibel zu überbrücken. Für Wiedereinsteiger bedeute Zeitarbeit etwa die Möglichkeit, rasch wieder in Beschäftigung zu kommen. Die KMU Forschung Austria habe ergeben, das 44,3 Prozent der Zeitarbeiter länger als sechs Monate in einem Versicherungsverhältnis waren. Dazu komme, so Flenreiss, dass öfter Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen bei stabiler Auftragslage von den Unternehmen direkt angestellt werden.
(Ag./Red)


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