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Leiharbeit boomt wieder: 60 Prozent mehr seit Jänner

02.08.2010 | 14:00 |   (DiePresse.com)

Derzeit beschäftigen heimische Betriebe rund 80.000 Leiharbeiter, um 30.000 mehr als zu Jahresbeginn. Unternehmen schätzen die Flexibilität, für die Gewerkschaft sind sie aber nur Beschäftigte zweiter Klasse.

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Die Arbeitslosigkeit sinkt in Österreich massiv auf derzeit 5,7 Prozent, "nur" noch 212.000 Menschen suchen einen Job - es waren schon über 300.000. Allerdings scheuen derzeit offenbar viele Unternehmen Fixanstellungen. Denn seit Jahresanfang ist die Zahl der Leiharbeiter in Österreich von 50.000 auf 80.000 gestiegen, berichtet das Ö1-Morgenjournal. Gefragt seien Leiharbeiter derzeit vor allem in der Autozuliefer- und Lebensmittelindustrie.

Schnell anheuern, schnell loswerden

Unternehmen können Leiharbeiter unkompliziert anheuern und auch schnell wieder loswerden. Pichorner verweist darauf, dass Verleihfirmen auch die gesamte Personalauswahl ("Recruiting") für die Unternehmen übernehmen. Zugleich betont er, dass die Leiharbeiter gleich hoch bezahlt werden wie das Stammpersonal in den betroffenen Unternehmen. Auch sonst achte man auf gleiche Arbeitsbedingungen.

Arbeitnehmer zweiter Klasse?

Für die Gewerkschaft sind Leiharbeiter Mitarbeiter zweiter Klasse. Rene Schindler von der Produktions-Gewerkschaft Pro-Ge sagte Ö1, dass Leiharbeiter oft ohne notwendige Schulung gefährlichste Tätigkeiten verrichten müssen. In der Branche der Arbeitskräfteüberlasser sei die Zahl der Arbeitsunfälle "um ein Mehrfaches höher" als in anderen Branchen, verweist Schindler auf Statistiken der Unfallversicherungsanstalt (AUVA).

Leiharbeiter seien auch extrem armutsgefährdet, weil sie zwischen zwei Aufträgen in der Regel nicht weiterbeschäftigt werden. Zudem laufen sie Gefahr, ihren Job schon bei der geringsten Auffälligkeit wieder zu verlieren. Die Leihfirma könne es sich nämlich nicht leisten, einen Kunden durch auffällige Mitarbeiter zu vergraulen.

Gewerkschaft für Leiharbeiterquote

Die Gewerkschaft verlangt daher von SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer, den Anteil der Leiharbeiter gesetzlich auf zehn Prozent der Arbeitskräfte in einem Unternehmen zu beschränken. Derzeit liege man in einigen Branchen schon darüber.

"Wir fordern, dass die Unternehmer mehr Vertrauen in die österreichische Wirtschaft und in die Fähigkeiten der eigenen Betriebe und Beschäftigten haben. Derzeit fehlt dieses Vertrauen und die Betriebe setzen auf Zeitarbeiter. Dieser Praxis gehört ein Riegel vorgeschoben," betont der Chef der Gewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn etwa zur Spitzenabdeckung oder um Schwankungen auszugleichen, Leiharbeitern eingesetzt werden. Aber es könne nicht Ziel sein, dass in einzelnen Betrieben Leiharbeiter die Mehrheit der Beschäftigten stellen sollen. So werden Mitarbeiterrechte ausgehöhlt und Sozialdumping betrieben. Daher müsse der Anteil der Leiharbeitskräfte in Betrieben begrenzt werden.

WKO gegen Eingriff

Heftige Kritik an der Gewerkschaftsforderung kam heute postwendend vom Bundesvorsitzenden der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Flenreiss. Dies sei ein "Eingriff in unternehmerische Verantwortung und Planung, der aufs Strikteste abzulehnen ist".

Zeitarbeit schlechtzureden und stattdessen Klischees zu propagieren, zeuge von Unkenntnis oder nicht "zur Kenntnis nehmen wollen" dieser Beschäftigungsform, so Flenreiss. Unternehmen biete Zeitarbeit die Möglichkeit, Zeiten schwankender Auftragsauslastung flexibel zu überbrücken. Für Wiedereinsteiger bedeute Zeitarbeit etwa die Möglichkeit, rasch wieder in Beschäftigung zu kommen. Die KMU Forschung Austria habe ergeben, das 44,3 Prozent der Zeitarbeiter länger als sechs Monate in einem Versicherungsverhältnis waren. Dazu komme, so Flenreiss, dass öfter Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen bei stabiler Auftragslage von den Unternehmen direkt angestellt werden.

 

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(Ag./Red)

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16 Kommentare
Gast: Versteher
07.08.2010 14:43
0 0

Wo ein Anfang ist ist auch ein Ende abzusehen !

Dieses bunte treiben der Firmen zur Einsparung von qualifizierten Mitarbeitern, wirkt sich auch in Zukunft weiter auf die Lust des Arbeitens aus, Somit auch auf die Qualität und den Kaufrückgang sowie das Pleitegehen von Geschäften.
Ich denke wir sind ja alle so erwachsen und wissen was Inflationen und Kaufzurückhaltung sich auf unsere sogenannte Wirtschaft auswirkt.
Egal mit welchen Sparplänen die Regierung noch ankommt.

Arbeit heißt etwas bewegen .. und wenn sich Menschen durch Politisches Unwissen sprich unsere alte Regierung, damit meine ich opas und omas im Bundestag bei denen die Hirnzellen irgendwie aussterben keine ahung warum weshalb weswegen nicht mehr bewegen, dann wird man erst feststellen was man durch Einsparen an dem wichitgsten Faktor Mitarbeiter auslöst.

Der Mensch lässt sich nicht lange unterdrücken. die Zeit wird kommen wo auch der letzte unterdrückte zum Aufstand provoziert.
Dann kann die Regierung einpacken.

Wirtschaft fängt bei zufriedenen Menschen und ihren Käufen an zu wachsen.
Kauft keiner bricht das sogenannte System zusammen.

Es ist wie bei Kindern .. die Kochplatte ist heiß, aber das kind muss sich erst verbrennen um zu wissen, ja Papa und Mama haben recht gehabt !

soviel hierzu !

Gast: gast
02.08.2010 15:21
0 0

müsste heißen

lohndumping steigt wieder

Denker
02.08.2010 13:39
2 0

Mit der Forderung des ÖGB die Zahl der Leiharbeiten in einem Betrieb auf 10% zu beschränken

kann ich 100% solidarisieren !

Antworten Gast: ASVG-Sklave
02.08.2010 15:43
0 0

Hinter mir die Sintflut

offenbar solange nicht SIE den 10 Prozent angehören.

Eine Frechheit vom ÖGB und eine Trottelei von Ihnen.

Österreich braucht keine 10 Prozent Sklaven!

Antworten Antworten Denker
06.08.2010 18:12
0 0

Re: Lieber ASVG-Sklave, manchmal argumentieren Sie gut, des öfteren

fallen Ihnen aber nur Beleidigungen ein.

Versetzen Sie sich doch in die Lage eines Betriebsleiters mit 50 Arbeitskräften der einen Auftrag an Land zieht, der eine Personalaufstock von 3 oder 4 Personen bedingt, wobei er aber auf längere Zeit (6..9. Monate) noch nicht abgesichert ist. Soll er auf den Auftrag (und damit auch auf die Chance langfristige Arbeitsplätze zu schaffen) verzichten, Leute dauerhaft aufnehmen die er möglicherweise in ein paar Monate wieder entlassen muß um den gesamten Betrieb nicht zu gefährden oder vielleicht doch Leiharbeiter aufnehmen welche bei Erfolg dauerhaft übernommen werden können ?

Dies dürfte auch der Gedankengang des ÖGB sein, wobei ich die vorgeschlagene Begrenzung auf 10%für durchaus vernünftig und realitätsnahe erachte.

Gast: Brüder
02.08.2010 13:29
0 0

Beschönigte Arbeitslosenzahlen

......., aber wir liegen doch am 1. Platz mit der niedrigsten Arbeitslosenrate!! Eben, tausende Schulungen, geringfügige Beschäftigungen, Leiharbeiter, sehr objektiv!!!

Statistiken beschönigen und dann noch hoch hinauszuposaunen und als Erfolg zu deklarieren, ohne ROT zu werden, gemeinsam mit dem SCHWARZEN Teufel, immer mit einem hämmischen, dümmlichen Grinsen im Gesicht !

Gast: ASVG-Sklave
02.08.2010 10:48
0 1

Wer hat den Ständestaat und die verbrecherische Klassengesellschaft wieder salonfähig gemacht:

Ludwig Adam Wix.

Volkstribunal!

Gast: gast
02.08.2010 09:46
0 0

arbeitende armut..

wenn dann das krisenlüfterl weht, sind die leiharbeiter die ersten, die nackert dastehen.

da gibt es bestimmt auch leute mit familie, die diesen prekären verhältnissen mit weniger humor als verzweiflung gegenüberstehen.

ich bin bestimmt kein linker, aber-gehts der wirtschaft gut, gehts der wirtschaft gut. damit hat es sich aber auch.
ohne wirtschaft gehts uns NICHT gut, aber wenn es nur mehr um konzerninteressen geht, auch nicht.

Antworten freeman
02.08.2010 12:51
0 0

Die Leiharbeit hat genau einen Grund:

Die politisch gewollte Besserstellung der Arbeitnehmers beim Kündigungsrecht. Der eine kann innerhalb der vertraglich festgelegten Fristen ohne Angabe von Gründen kündigen, der andere hat weitere Auflagen zu beachten.

Leiharbeit ist teurer als "normale Arbeit", jedoch sind die Unternehmen bereit, diesen Mehrpreis für die Gleichstellung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei der Beendigungsmöglichkeit des Dienstverhältnisses zu bezahlen.


Antworten Antworten patriot_79
02.08.2010 13:26
0 0

Re: Die Leiharbeit hat genau einen Grund:

selten so einen blödsinn gelesen!

die "braven" unternehmen zahlen den mehrbetrag also NUR um eine gleichstellung zwischen arbeitnehmer und arbeitgeber zu erreichen. wie sollte da jemand auf die idee kommen, dass zeitarbeiter neuzeit-sklaven sind?

Menschenunwürdig!

Ich selbst war ein paar Wochen bei einem "Arbeitskräfteüberlasser" in der Administration tätig und bin geradezu angewidert von dieser Form der Ausbeutung.
Personen, die sich bei derartigen Unternehmen um Arbeit bewerben sind oftmals (auch hier darf nicht verallgemeinert werden, denn es gibt mit Sicherheit positive Ausnahmen) in einer Notlage und froh darüber überhaupt irgendwie Geld verdienen zu können.
Die Arbeitskräfte werden, beinah wie modrne Sklaven, mal dahin, mal dorthin verteilt. Manche haben Glück und können zumindest davon ausgehen, immer bei dem Unternehmen arbeiten zu können. Die Bezahlung müsste sich, nach AÜG nach dem jeweiligen KV richten, tut sie aber so gut wie nie.
Und der menschliche Umgang derer, die mit der Arbeitskräfteüberlassung Geld verdienen, mit den Arbeitskräften lässt im Regelfall nicht nur zu Wünschen übrig, sondern ist unter jeder Kritik.
Diese Form der Beschäftigung ist meiner Meinung nach ein deutliches Anzeichen des Verfalls unserer Gesellschaft.

Gast: Mag. Roland R. Wieser
02.08.2010 09:41
3 1

Leiharbeit

Eine Schande!

Einerseits drückt man junge Leute in atypische, schlecht bezahlte Jobs.

Man schickt sie von einem Ort zum anderen ohne Sicherheit.

Man importiert Fachkräfte aus dem Ausland um deren ohnehin schon schwachen Lohn noch stärker zu drücken.

Will aber gleichzeitig dass diese Menschen deren Zukunft gestohlen wurde viel konsumieren und genügend Geld für die Alten in die Pensionskassen zahlen.


bufo
02.08.2010 09:36
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Flexibler Gewerkschaftler

"Unternehmen schätzen die Flexibilität, für die Gewerkschaft sind sie aber nur Beschäftigte zweiter Klasse"

Flexibilität und Mobilität ist das, was bei uns in grossem Umfang fehlt.

Es ist noch nicht ganz in den Köpfen angekommen, dass ein Berufsbild nicht mehr ein ganzes Leben anhält.
Auch wird die Arbeitsstelle regional in vielen Fällen nicht mehr ein Leben lang zur Verfügung stehen.

"Leiharbeiter seien auch extrem armutsgefährdet", sagt der Gewerkschaftler.
Wie sieht er dann Angestellte mit einem nicht abgezahlten Eigenheim bei Arbeitslosigkeit?

Gast: Markus Trullus
02.08.2010 09:15
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hat auch noch eine andere Seite

Die Sache mit den gestiegenen Unfällen kann ich aus erster Hand bestätigen. Die mit der mangelnden Qualifikation und dem massiven Qualitätsverlust in Produktion und den Produkten selbst ebenso. Eigene MA sind nicht durch Leiharbeiter ersetzbar. den Qualitätsverlust müssen die Unternehmen dann ihren Kunden erklären. Wenn nicht: sind sie irrwitzig schnell weg vom Markt. das geht blitzartig, und lässt sich selten umkehren. Aber was red ich, das ließt sowieso kein Schwein...

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na ja , ganz klar

die meisten der Leiharbeiter sind halt nicht in der Gewerkschaft.
Da müssen wir was machen, koste es was es wolle, und wenns der Arbeitsplatz ist.
ABER
hat die Gewerkschaft, welche ja nicht einen unbeträchtlichen Einfluss in der Regierung hat eigentlich schon gegen die Verschwendung unserer Steuergelder protestiert? Dies ist auch ein Grund für die absurd hohe Belastung der Einkommen.
Kann mich eigentlich nicht erinnern.

Antworten Gast: gast
02.08.2010 09:42
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Re: na ja , ganz klar

richtig. das bringt nämlich armut für alle.

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