Wien(mac). Wozu Spekulanten fähig sind, zeigt der Brite Anthony Ward. Der Gründer des Hedgefonds Armajaro kaufte Mitte Juli 240.100 Tonnen Kakao im Wert von einer Milliarde Dollar an der Londoner Warenterminbörse. Das entspricht in etwa einem Siebentel der gesamten Jahresproduktion. In den Medien wird er seither – in Anspielung auf den James-Bond-Bösewicht aus den 60er-Jahren – nur noch „Chocfinger“ genannt.
Denn die Menge an Kakao, die der 50-Jährige gehamstert hat, reicht aus, um den Kakaomarkt ordentlich in Bewegung zu bringen. Vor allem, da sich Ward zu einem unüblichen Schritt entschlossen hat: Er ließ sich einen Großteil der Bohnen tatsächlich liefern, statt die Terminkontrakte vor Fälligkeit weiterzuverkaufen. Damit kontrolliert Ward heute den Großteil des Kakaos, der momentan in Europa auf Lager liegt.
Der Kakaopreis reagierte prompt und stieg auf den höchsten Wert seit 33 Jahren. Schön langsam werden die Schokoproduzenten unruhig, werfen dem Briten Marktmanipulation vor und fordern Reformen auf dem Londoner Handelsplatz. Anders als in den USA müssen Geschäfte an der Londoner Börse nicht veröffentlicht werden. Auch Obergrenzen, wie sie die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC großen Händlern auferlegen kann, gibt es nicht. Ward lässt all der Wirbel um seine Person kalt. Aufregend wird es für ihn erst wieder Ende September. Dann wird die nächste Kakaoernte eingefahren und der Brite erfährt, ob er mit seiner Wette tatsächlich Geld verdient hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2010)
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