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Geschäfte mit Freunden: Eine Chronologie

22.12.2010 | 12:18 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die Buwog-Affäre spült immer neue lukrative Deals im Umfeld des Finanzressorts an die Oberfläche, bei denen Peter Hochegger, Walter Meischberger, Karl-Heinz Grasser und Freunde eine Schlüsselrolle spielen.

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Wien. Da staunten die Ermittler der Staatsanwaltschaft Wien nicht schlecht: Als sie sich im Zuge der Untersuchung des Constantia/Immofinanz-Skandals den früheren Immoeast-Finanzvorstand Christian Thornton vorknöpften, plauderte dieser aus der Schule. Im Auftrag von Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics habe er in Tranchen insgesamt 9,61 Mio. Euro an eine Firma des PR-Unternehmers Peter Hochegger auf Zypern gezahlt. Es sei ein Erfolgshonorar für Hocheggers Tätigkeit im Rahmen der Buwog-Privatisierung gewesen, dafür seien fiktive Rechnungen und Honorarnoten erstellt worden – für Leistungen, die nie erbracht worden seien.

Die Buwog-Affäre war „geboren“, und die Räder der Justiz begannen zu mahlen. Wenige Wochen und eine Sachverhaltsdarstellung der Grünen später stand fest: Der „Nebenschauplatz“ des Immofinanz-Skandals ist ein Wirtschaftskrimi wie er seinesgleichen sucht. Im Mittelpunkt des Netzwerks: der damalige Finanzminister, Karl-Heinz Grasser. Die Provision ging übrigens nicht nur an Grasser-Freund Hochegger, sondern auch an den Grasser-Trauzeugen Walter Meischberger.

Das Lobbyisten-Duo, das die Provision zu versteuern „vergaß“, zählte mit Grasser bald ebenso zu den Beschuldigten wie Grassers damaliger Kabinettchef, Heinrich Traumüller, sowie der Grasser-Intimus und Immobilien-Tycoon Ernst Karl Plech, der Buwog-Aufsichtsrat war. Bei den umfangreichen Ermittlungen, die sukzessive ausgeweitet wurden, geht es um Untreue, Steuerhinterziehung, Amtsmissbrauch sowie Absprachen bei Vergabeverfahren. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Die Buwog-Affäre spülte sukzessive auch andere – nicht weniger brisante – Geschäfte hoch, bei denen Hochegger, Meischberger, Grasser und Freunde eine Schlüsselrolle spielten. Offenbar kurbelte das Stichwort „Astropolis“ – so hieß die Hochegger-Firma in Zypern – das Erinnerungsvermögen von „Zeitzeugen“ an. Der ehemalige Kabinettchef im Infrastrukturministerium, Willibald Berner, sprach bei einer Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft sogar von einem „Masterplan“ von Grasser und Co. bei Privatisierungen und anderen Projekten.

Eines dieser Projekte ist der „Terminal Tower“ in Linz. Das Bürohaus, das von der Porr Solutions, der Raiffeisen Leasing und der Raiffeisen-OÖ-Tochter Real Treuhand errichtet wurde, sollte die neue Heimstätte für die Finanzlandesdirektion Oberösterreich werden. Was dann letztlich 2005 auch so geschah. Allerdings galt es zuvor, die stockenden Verhandlungen mit der Finanzbehörde wieder in Gang zu bringen, die sich offenbar zierte, in den Koloss einzuziehen. Ein „wertvoller Tipp“ an die Beteiligten wirkte Wunder: Man möge doch 200.000 Euro an eine zypriotische Firma zahlen. Zufällig hieß die Firma Astropolis.

 

Ein Einkaufszentrum in Rumänien

Zwischen der Porr Solutions und der Astropolis gibt es aus den Jahren 2005 und 2007 Verträge und Rechnungen. Über genau 200.000 Euro. Im Vertrag heißt es: „für die Erstellung einer Studie zur bestmöglichen Vorgangsweise bei der Evaluierung der neuen Märkte im Hinblick auf beabsichtigte Projektentwicklungen insbesondere im Bereich Büro-, Hotel-, Logistik- und Einkaufszentrenimmobilien“. Eine umfassende Beschreibung für eine große Aufgabe, für die interessanterweise nur zwei Monate Zeit vereinbart worden waren. Jedenfalls zahlte die Porr die vereinbarte Summe. Der Konzern, gegen dessen Exchef Horst Pöchhacker inzwischen ebenfalls ermittelt wird, bestritt jeglichen Zusammenhang.

Interessant, dass just nachdem „Die Presse“ exklusiv über die Causa Terminal Tower berichtete (15.November 2009), ein wichtiges Dokument verschwunden sein soll. Aus einem E-Mail der Porr Solution an die Raiffeisen Leasing und den Terminal-Tower-Projektleiter (Name der Redaktion bekannt) sei ganz klar der Zusammenhang zwischen dem Terminal Tower und dem Geldfluss an die Astropolis zur „Beschleunigung“ der Mietverhandlungen angesprochen worden, erinnert sich ein Beteiligter. Dieses E-Mail sei aus allen Protokollen gelöscht.

Der „Presse“-Bericht brachte die Justizmaschinerie noch mehr in Schwung. Die Recherchen wurden ausgeweitet. Während die Porr bei ihrer Version blieb, dass Hochegger Markterkundungen für Baumärkte in Rumänien durchgeführt habe, sagte Meischberger aus, es sei um die ungarische M7-Autobahn gegangen. Darauf festigte sich der Verdacht, dass es um Scheinrechnungen für Schmiergeldzahlungen gehen könnte.

 

Bauherr Porr

Die nun von den Grünen in einer parlamentarischen Anfrage öffentlich gemachten Protokolle von Telefonaten zwischen Meischberger und Grasser bzw. Plech sprechen Bände. Sie bestätigten alles bisher Dementierte: Der Freundeskreis schnitt bei vielen Projekten mit. Immer dabei: der Baukonzern Porr. Das jüngste Beispiel: 600.000 Euro zahlte die Porr-Tochter UBM-Realitätenentwicklung an die Meischberger-Firma „Zehnvierzig“ für die Vermittlung eines Mietvertrages im Hotel Holiday Inn in München. Tatsächlich floss das Geld laut Bericht des Bundeskriminalamts für das Projekt Brehmstraße. Dort residiert nun das Zollamt Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2010)

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21 Kommentare

ich glaube den zusatz

für alle gilt die unschuldsvermutung könnte man weglassen....?

Gast: Vranz
20.01.2011 18:33
0 0

Aufgewacht !

Kleine Info aus sehr gut informierter Quelle: unter einem roten Finanzminister wurde 1997 versucht, die im Eigentum des Bundes befindlichen Eisenbahnerwohnungen (an die 20.000) ohne Ausschreibung (!!!!!!!!!!) um den stolzen Preis von ca. 13 Mio € zu verscherbeln. Da waren die 1.016 Mio € (in Worten: 1Milliarde und 16 Millionen, die Grasser und Traumüller erzielt haben, wohl doch nicht so schlecht, wie öffentlich behauptet wird ...Der Staatsanwalt sollte einmal prüfen, wer 1997 im Finanzministerium die Fäden gezogen hat ! Wo wäre die Milliarde denn versickert ? Da hätte die verbitterte und keifende Abg. Moser wirklich etwas aufzuklären !

Gast: Nick
23.12.2010 18:18
0 2

Pharisäer


Als 2006 nach der verlorenen NR-Wahl Schüssel und Grasser die Roten über- und unter dem Tisch durchgezogen haben, schaffte der längst pensionsreife Unsympathler Khol es leider, Grasser aus der ÖVP-Ecke zu ekeln.

Die linke Reichshälfte (Rot und Grün) atmeten daraufhin erleichtert auf. Als Grasser seine politischen Ämter los war und damit nicht mehr unter dem Immunitätsschutz stand, schossen sich Rot/Grün auf die moralische und psychische Vernichtung Grassers ein, weil sie wußten, dass dieser erfolgreiche Mann damals besonders bei den jungen Wählerinne und Wählern eine hohe politische Beliebtheit genoss.

Grassers Ruf musste derart geschädigt werden, dass er NIEMALS wieder in die Politik zurückkehren kann. Und damit begann eine endlose Story, in der sich die Linken auf illegale und widerliche Weise Akten über ihre Denunzianten "besorgten" und sie ebenso widerrechtlich an die große Glocke hängten.

Ein Spießrutenlauf, nach dem Motto: "Schüttet's den Grasser solange mit Dreck zu, dann glaubt auch der letzte Österreicher, dass er ja - auch wenn er gerichtlich niemals verurteilt wird - irgendetwas "gedreht" haben muss."

Sorry GenossInnen, das ist leider die harte Wahrheit. Die hilf-, ideen- und kompetenzlose SPÖ weiß sich offenbar nicht anders zu helfen als auf diese Art...

Re: Pharisäer

hey erspar uns dein geistiges erbrechen

Gast: Schneeball
23.12.2010 09:07
0 0

KHG und so

Die Justiz könnte meinen Weihnachtsfrieden noch massiv untermauern wenn sie diese Herren noch vor Jahreswechsel in U-Haft nehmen würde. Dafür den Elsner freilassen, er wird seine unaussprechliche Arroganz zwar nicht mehr ablegen, aber ich bin der Meinung die U-Haft hat ihn schon ein wenig von seinem hohen Roß geholt. Ausserdem braucht ihn ja die Ruth. Elsner hat gebüßt das sieht man ihm an.

Gast: Vranz
23.12.2010 00:04
0 0

Rote Skandale !

"Der frühere Chef der Baugruppe PORR, Horst Pöchhacker, fungiert nach wie vor als Aufsichtsratschef der Bahn. Der Faymann-Berater wird wegen des Verdachts der Schmiergeldzahlungen als Beschuldigter geführt. Auch wegen Bestechungsvorwürfen beim Kauf der ungarischen Güterbahn wird ermittelt - für ihn gilt ebenso wie für die anderen genannten Personen die Unschuldsvermutung. Verkehrsministerin Doris Bures hält dennoch an Pöchhacker fest. Aus einem blauen Skandal unter schwarzer Kanzlerschaft droht so ein Buwog-Bahn-Blues mit Rotstich zu werden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.12.2010)"

Gast: TOM22
22.12.2010 17:42
1 0

Buwog

auch das Gutachten über die BUWOG - Wohnungen gehört von der Justiz durchleuchtet! Wieso wurde der Wert der Wohnungen mit € 300 pro m2 so niedrig bemessen !?

2 0

Wie lange braucht die Justiz noch,

um die freilaufenden feinen Herren hinter Gittern zu bringen und sie zur Schadenswiedergutmachung auf das Existenzminimum zu reduzieren? Wer verlangsamt die jahrelangen Untersuchungen, welche inoffiziellen Weisungen erteilt die Politik? Alles Fragen, die die Glaubwürdigkeit der Politik und der Justiz in der Bevölkerung erschüttern.

Antworten Gast: Rindvieh
22.12.2010 15:07
2 0

Re: Wie lange braucht die Justiz noch,

Das Mascherl, der Mohrenkopf, Waffengraf und CO. werden sicher zuhilfe parat stehen, doch es wird nicht einmal soweit kommen.

Gast: traurig
22.12.2010 09:20
1 0

Schmiergelder

Und neben den strafrechtlich relevanten Schmiergeldern an regierungsnahe Personen sollte sich die liebe Finanz überlegen, ob zB die Porr solche Zahlungen ("Provisionen") steuerlich geltend gemacht....

Gast: Nick2
22.12.2010 08:47
0 2

Schläft Herr Kräuter ?

Aufgewacht !!!
Da stehen Vorwürfe der schwersten Sorte gegen Pöchhacker und andere ÖBB-Manager im Raum (in der Politik gibt es wohl kaum etwas Verwerflicheres, Anrüchigeres und Ärgeres als illegale Praktiken bei Auftragsvergaben) und die Herren Pilz und Kräuter sind gemeinsam seit vielen Wochen auf Tauchstation (vielleicht sind sie ja nur auf ein oder mehrere Wodka gegangen , um den zunehmenden Wahnsinn der eigenen Genossen besser zu ertragen). Wo bleiben ihr öffentlicher, von tiefster Empörung getragener Aufschrei nach Sokos, Staatsanwalt, Krimimalpolizei, strengen Verhören und Kontoöffnungen, Suspendierungen und Untersuchungshaft sowie nach Schadenersatz und Untersuchungsausschüssen ??? - Es gilt die Unschuldsvermutung !

Re: Schläft Herr Kräuter ?


passiert etwas, das dir nahestehende gruppierungen/parteien in ein schlechtes licht rückt, dann zögere nicht, in einem rundumschlag andere anzupatzen!
das lenkt ab und vielleicht bleibt was hängen = standardmethode jörg haider.

1. pilz und kräuter sollen sich in aktionismus üben? wozu? es spricht doch eh schon ganz österreich über die nehmerqualitäten der buberlpartie.

2. waren es nicht die grünen, die via parlamentarische anfrage die durch die ermittlungsbehörden versteckten, fast ein jahr alten(!) protokolle der öffentlichkeit zugänglich machten?

Antworten Antworten Gast: Rindvieh
22.12.2010 15:27
1 0

Re: Re: Schläft Herr Kräuter ?

Äh, was kann der Pilz und der Kräuter dafür? die haben doch vom Anfang schon alles gewusst.

Und was nutzts wenn ganz Ö darüber redet und nix passiert?

Gast: nogo
22.12.2010 07:20
1 0

was ein artikel in der presse bewirken kann

"Der „Presse“-Bericht brachte die Justizmaschinerie noch mehr in Schwung. "

Leistungsfeger

Algen und 2 G

Selbstbedienung

Da ist alles klar und verwerflich,...
der Selbstbedienungsladen wurde allerdings bereits in der Ära Kreisky eröfnnet, das ist mittlerweilen leider bereits vergessen, da gab es einen Finanzminister, der nebenbei eine Steuerberatungskanzlei betrieb, der,... einen Wahlonkel hatte???,... einen Club 45,... und noch so manches,..
Frage: Wie hat es so ein SP-Finanzminister zum Paradeinstruellen geschafft, durch Fleiß, Anstand??
Ist Herr Androsch nicht der "Grasser der 1970er Jahre" ?

Re: Selbstbedienung

Mit ein bischen Recherge ließe sich auch sicherlich noch ein Fall aus den 30er Jahren zitieren, ob es jemanden interessiert ist allerdings eine andere Frage.

Fakt ist allerdings, dass das Gegenüberstellen von Straftaten nichts entschuldigt.

Schlimmer noch, die "Sauberpartei" tat genau das, was sie an der großen Koalition so kritisierte - nur sie hielt beide Hände auf ...

Gast: Rumpex Lumpex
21.12.2010 22:21
3 0

Bitte ich möcht auch

eine Studie schreiben:

Inhalt und Ausführung: "Tun sie schöne Häuser bauen, in die was die leute gerne wohnen tun."

Für diesen goldenen Rat möchte ich jetzt bitte

5 000 000 Euro.

Danke.

PS.: Schön, dass den Leistungsgedanken noch gibt.

Über den haben ja der Grasser und Konsorten auch so gern gesprochen. Damit sollte klar sein, dass ich das oben geforderte Honorar redlich verdient habe.

Diese Studie war eine Arbeit, kann ich Ihnen sagen!

Gast: Vranz
21.12.2010 21:14
1 0

Rotes Netzwerk PORR

Ja, lesen Sie doch genau:

"Während die Porr bei ihrer Version blieb, dass Hochegger Markterkundungen für Baumärkte in Rumänien durchgeführt habe, sagte Meischberger aus, es sei um die ungarische M7-Autobahn gegangen. Darauf festigte sich der Verdacht, dass es um Scheinrechnungen für Schmiergeldzahlungen gehen könnte."
Schon gehört ?
Angeblich arbeitet jetzt sogar der frühere Bundeskanzler Gusenbauer für Hochegger ! Wird schon wissen warum !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (Es gilt die Umschuldsvermutung)

Antworten Gast: gussi
22.12.2010 09:13
1 0

Re: Rotes Netzwerk PORR

ja mei .. der gussi hat ja auch auf der website von der medici bank geworben, (mit bundesadler und als bundeskanzler und dem ganzen tam tam), und den anlegern dabei ein einmaliges investmenterlebnis versprochen .

wobei .. in dem fall hat der gussi wirklich wort gehalten ....

.(waren übrigens schnell den gussi aus der site zu löschen .. hat genau einen tag gedauert, und dann war der bundesgussi weg ... )

Gast: Nick
21.12.2010 18:56
2 0

Porr und Schmiergelder ?

Wenn ich das recht verstehe, steht also der Verdacht im Raum, dass die Fa. Porr Schmiergelder gezahlt hat. Ist das nicht dann derselbe Herr Pöchhacker, der sich im Aufsichtsrat der ÖBB mit seinen einschlägigen Lobbying-Erfahrungen in Osteuropa gebrüstet hat ? Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung !

Hobbyökonom