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Schuldenerlass als Solidaritätsbeitrag

17.01.2011 | 18:42 |   (Die Presse)

Die stabilen EU-Länder sollen den Sorgenkindern einen Teil ihrer Schulden erlassen, fordert Wifo-Chef Karl Aiginger. Der Rettungsschirm müsse vergrößert werden. Auch Banken, müssten ihren Beitrag leisten.

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Wien/Hie. Rettungsschirme und Sparpakete hin oder her – die Gläubiger der europäischen Krisenländer um Griechenland und Irland werden sich damit abfinden müssen, dass sie nur einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Das glaubt zumindest Karl Aiginger, Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo): „Es ist nicht möglich, einen Schuldenberg in dieser Höhe nur durch Sparen abzubauen“, sagte er gestern, Montag, im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Ohne eine Schuldenreduzierung für Länder mit mehr als 100 Prozent Verschuldung geht es langfristig nicht.“ Die Voraussetzung müsse allerdings sein, dass sie sich bereits auf einem ernstzunehmenden Sparkurs befinden.

Die öffentliche Hand sollte den Erlass aber nicht alleine schultern: Auch private Gläubiger, wie etwa Banken, müssten ihren Beitrag leisten. Und: Die Kosten für diese „Solidaritätsleistungen“ dürften nicht auf die Konsumenten abgewälzt werden, zum Beispiel durch Steuererhöhungen. Stattdessen spricht sich Aiginger für eine Finanztransaktionssteuer aus.

 

Europa darf kein Denkmal werden

Aber mit dem Schuldenerlass ist es noch nicht getan. Auch der Euro-Rettungsschirm müsse vergrößert werden, fordert Aiginger. Derzeit hält die EU über den Rettungsfonds EFSF 440 Mrd. Euro bereit, mit der Beteiligung des Internationalen Währungsfonds sind es 750 Mrd. Euro. Alleine der Wackelkandidat Spanien hat aber 500 Mrd. Euro Schulden. „Der Rettungsschirm muss so weit aufgespannt werden, dass im Zweifelsfall auch Spanien und Italien darunter passen“, so Aiginger. Ab 2013 sollte der Rettungsfonds dauerhaft zur Verfügung stehen. „Und es wäre sinnvoll, den Schirm nicht immer zu spät aufzuspannen“, sagt Aiginger.

Das ist aber nicht seine einzige Kritik an der Wirtschaftspolitik der EU-Länder: „Europa ist definitiv nicht auf dem richtigen Kurs. Es gibt weder ein ausreichendes Wachstum noch sieht man die richtigen Akzente, um es zu stärken.“ Obwohl Europa die Krise nicht verursacht habe, sei der wirtschaftliche Einbruch größer, und das Wachstum werde auch in der Folge schwächer bleiben als in den USA. „Europa läuft Gefahr, in Asien als altehrwürdiges Kulturdenkmal betrachtet zu werden.“

Österreich steht nach Aigingers Bilanz im europäischen Vergleich gut da – hat aber nachgelassen. Die heimische Wirtschaft sei in den vergangenen zehn Jahren um kumulierte 16,5Prozent gewachsen. Das sei zwar weniger als in den 1990er-Jahren mit 28Prozent – „aber für ein Land, das sich schon im Spitzenfeld befindet, ist das eine beachtliche Leistung“. Die Schelte kam an anderer Stelle: „Die Enttäuschung des Jahrzehnts waren die Investitionen.“ Die lägen im Zehnjahresvergleich unter dem Niveau von 2000 – und zwar um mehr als zwei Prozent. Der Wifo-Chef rechnet damit, dass die heimische Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren um rund zwei Prozent pro Jahr wachsen wird. Das wären hochgerechnet 22 bis 23Prozent.

 

Stifter für Soziales zur Kasse bitten

Kritik übte er auch an der österreichischen Bildungspolitik: In der Schule habe der Leitsatz „Politik raus, Autonomie rein“ zu gelten. Für die Unis fordert er, dass die Ressourcen besser genützt werden: „Die Unis sind vier Monate im Jahr leer, und ich will gar nicht davon reden, wie es dort zwischen 17 und 20 Uhr aussieht.“ Außerdem seien Studiengebühren von rund 500 Euro pro Semester notwendig.

Was die Forschungsquote betrifft, liege Österreich weit über dem EU-Schnitt: Österreich habe die Quote von 1,9Prozent im Jahr 2000 bis heute auf 2,8Prozent gesteigert. Bis 2020 sollen es 3,76 Prozent sein. Um die Finanzierung von Forschungsmitteln sicherzustellen, appellierte er an die heimischen Stifter: „Ein Bill Gates denkt an gar nichts anderes, als einen Teil seines Vermögens der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Nun bitte ich die hundert reichsten Österreicher, auch einen Teil ihres Geldes zu geben.“ Ein Prozent des Stiftungsvermögens solle für soziale Zwecke aufgewendet werden. Zunächst freiwillig – und nur, wenn das gar nicht ginge, müsse man über eine gesetzliche Verpflichtung nachdenken.

Auf einen Blick

Öffentliche und private Gläubiger sollten auf einen Teil der Forderungen verzichten – anders könnten die hoch verschuldeten EU-Länder um Griechenland und Irland ihre Haushalte nicht ins Reine bringen, sagt Wifo-Chef Karl Aiginger.

Zur Kasse bitten will der Wifo-Chef auch Stifter: Sie sollten ein Prozent ihres Vermögens für soziale Zwecke zur Verfügung stellen. Im Zweifelsfall kann er sich auch ein Gesetz dazu vorstellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2011)

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15 Kommentare

Schulden

Wenn man den Vorschlag mal beiseite lässt:

WO ist Österreich eigentlich WIE verschuldet und WANN muss das alles wieder zurückbezahlt werden?

Mehr dazu: http://zuwi.at/themen/staatsschulden/die-verschuldung-des-staates-osterreich-im-detail/

Gast: Penseur
18.01.2011 11:08
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Club-Med soll die EURO-Zone verlassen

Dieser rote Ezzes-Geber will also den Pleitemachern in Europa "aus Solidarität" noch etwas schenken und das sollen die Steuerzahler der solide wirtschaftenden Länder finanzieren.
Geschenke sanieren keinen Staatshaushalt auf Dauer. Das beste Beispiel dafür sind die jahrzehntelangen Forderungsverzichte gegenüber Entwicklungsländern, die die Misswirtschaft nur weiter ermutigt statt beseitigt haben.
Die Lösung kann nur darin bestehen, dass die Pleiteländer des "Club-Med" die EURO-Zone verlassen.
Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.

Österreich hat fast 200 Milliarden Schulden

und ist damit im Verhältnis höher verschuldet als Deutschland trotz der teuren Wiederverinigung. Und in dieser prekären Situation will Herr Aiginger einen Schuldennachlass für die "südlichen Hallodris". Auf wieviel Geld müssen wir dann verzichten? Wo sind genaue Zahlen? Wie sollen wir denn dann unsere Verluste wettmachen? Der Euro war zwar vielleicht eine gute Idee, doch die Praxis zeigt, dass er nun wohl eine Problemwährung ist und seine Rettung (wenn überhaupt möglich) enorme Geldsummen verschlingen wird, die uns dann fehlen. Wie sollen also die Schuldnerländer ihre Schulden wenigstens teilweise begleichen? Mit Sparmaßnahmen, die die Wirtschaft bremsen und soziale Konflikte bringen? Die Euroländer sind wirtschaftlich zu verschieden und viele von ihnen haben eine sehr "kreative Buchhaltung", die eine Rettung dieser Währung wahrscheinlich unmöglich machen.

Gast: Gast
18.01.2011 10:11
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Schuldenerlass

Heute gehe ich zu meiner Bank und werde dem Bankdirektor erklären dass er mir aus Solidarität einen Teil meiner Schulden erlassen soll, weil der Herr WIFO-Chef Aiginger mir das vorgeschlagen habe.

Hoffentlich geht das gut aus. Wenn nicht, dann berichte ich morgen über das Ergebnis meiner Unterhaltung aus einer der psychiatrischen Kliniken.

Also, Freunde, drückt mir die Daumen.

jetzt zeigt sich die Wahrheit

hats damals nicht geheissen, dass wir durch hohe Zinsen noch von den Griechen profitieren werden? aber schon damals wusste jeder dass wir dieses Geld nie mehr wiedersehen.

Und jetzt kommt ja noch dass nur 5-6 Länder für den ganzen "Rettungsschirm" haften sollen, dass heisst alle putzen sich an Österreich ab - das wird uns ohne Zweifel entgültig ruinieren.

Wie ich schon öfter erwähnt habe: je länger es den Euro gibt, desto mehr müssen wir zahlen.

bis wir finanziell tot sind.

Gast: Biersauer
18.01.2011 05:28
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Herr Aiginger ist wohl verrückt geworden!

Wie kann allgemein die Schuldnerei noch belohnt werden!
Er fordert das Ausquetschen der Fleissigen und dann möchte er die Belohnung für Schuldner und Faule.
Sowas kann man nicht ernst nehmen.
Wenn ein Schuldner von sich aus unfähig ist deinen Verpflichtungen nachzukommen, dann muss ein Kuratel dafür sorgen, in diesem Fall ein Kuratorium für Schuldenabbau durch Fleiß und Sparsamkeit, Herr Aiginger!

Re: Herr Aiginger ist wohl verrückt geworden!

Sehr geehrter Herr Biersauer, vielleicht ist Prof.Dr. Aiginger nicht verrückt geworden, aber das Wirtschaftsforschungsinstitut ist unter seiner Führung zu einer sozialistisch-marxistischen Forschungsinstitution geworden, Stephan Schulmeister und Margit Schratzenstaller-Altzinger sind nur zwei Exponenten dieser für den Richtungswandel in die linke Ideologie veranwortichen Personen. Und Präsidium und Vorstand des Wirschaftsforschungsinstitutes glänzen fast nur mit rot-schwarzem Proporzvertretern,
da ist nicht mehr viel besseres zu erwarten!!

Antworten Antworten Gast: Penseur
18.01.2011 11:20
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Re: Re: Herr Aiginger ist wohl verrückt geworden!

Sie haben vollkommen recht. Besonders Stephan Schulmeister ist ein roter wirtschaftswissenschaftlicher Dilettant und Scharlatan.
Seine Theorie der Unabhängigkeit von Real- und Finanzwirtschaft ist Humbug.
Die Finanzwirtschaft existiert nicht abgelöst von der Realwirtschaft sondern ist deren Spiegelbild und Äquivalent.
Aber durch pseudowissenschaftliches Geschwafel versucht er das immer wieder an den Mann zu bringen.
Das Motiv ist klar:
Es soll geleugnet werden, dass die Unterschiede der Länder und Völker an wirtschaftlicher Leistungskraft entscheidend sind und die Finanzkrise angeblich durch die von ihm dämonisierten "Finanzmärkte" verursacht wurde. Die reagieren aber nur als Folge und sind nicht Ursache.

So viel Forderungen auf einmal,

Zunächst, möchte er keine Steuererhöhungen und fordert im gleichen Satz neue Steuern. Nun, sind ja keine Steuererhöhungen.
Dann möchte er Studiengebühren, ok.
Dann bemängelt er die Investitionen, übersieht aber, dass durch die kalte Progression viel weniger Geld den Haushalten zur Verfügung steht als früher und die Börse in Wien seit 2007 ausgeblutet wird.
Und Österreich stand einmal gut da, aber tut dies schon länger nicht mehr, dank seiner Schulden.
Insgesamt ist er also eher eine Lachnummer.

Gast: gast
17.01.2011 22:45
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die sorgenkinder



sollen sich brausen, nachdem sie auf unsere kosten lang genug in saus und braus gelebt haben !

nette leute, kein thema, aber nicht SOO nett, daß wir ihnen weiteres geld schenken müssen !

Der Herr Dr. Aiginger

Diese absolute Fehlbesetzung im "sozialpartnerschaftlichen" WIFO hatte in 1986 eine "wissenschaftliche Studie" über die österreichischeen Stahlindustrie verfasst in der er schrieb, jener weitere Schilling in diese (wichtige) österreichische Industrie wäre eine totale Fehliinvestitione!

So, so, so "wissenschaftlich" ist der Herr Dr. Aiginger - der zuvor noch nie einen Betrieb von innen gesehen hatte - weil seine völligen Fehleinschätzungen kein Journalist mehr aufgreift. Der lebt nur vom Balsam des milden Vergessens, was er vor ein paar Jahrren verzapft hatte.
Im Übrigen sind heute - nach der Privatisierung- die beiden großen österreichischen Stahlfirmen voestalpine und Böhler-Uddeholm nicht nur international höchst wettbewerbsfähige Firmen, zahlten sogar in der Krise noch verdienete Dividenden, ihre Mitarbeiter bekommen Spitzenlöhne - ja, und wann hat der Herr Dr. Aiginger diese seine - unter vielen anderen - größte Fehleinschätzung öffentlich eingestanden?
Ach so, nach seiner "Studie" hatte er einen Aufsichtsratssitz in deer ÖIAG bekommen...

Durchgeknallt

Diese Lachnummer an der Spitze des einstmals ordentlichen WIFO ist nun wieder einmal völlig duichgeknallt. Na ja, irgend wo in EU-ropa wird er sich schon ein noch fetteres Pösterl erhoffen . Wie so viele der EU-hörigen "ExpertInnen" und -PolitikerInnen.
Die unterliegende Logik des Herrn Aiginger: Wer in der EU am besten und längsten lügt - wird am Ende "solidarisch" belohnt. Und dafür müssen die dummen Steuerzajher jener Länder aufkommen (DE, AT, NL, FR), die sich als EU-fromm hatten (angeblich) anlügen lassen.
Griechenland genau so wie Portugal haben sich unter sozialistischen Regierungen 2001 mit dreist zusammen gelogenen Statistiken in den Euro "hinein gelogen". Das ist ein Faktum.

Mit ihrer Mitgliedschaft beim Euro haben sie noch und nöcher Staatsschulden aufgenommen um ihre überbordenden Staatshaushalte, vor allem "Staatsbedienstete" - bei GR weiß man bis heute noch immer nicht wie viele es tatsächlich sind! - zu finanzieren. Das taugte den jeweiligen Regierungen (ob sozialistisch oder konservativ ist gleichgültig).
Ach ja, die sozialistische portugiesige Lügenregierung war unter Guterres auch der "Vorreiter" bei den "Sanktionen der EU" gegen Östereich in 2000! Dafür "drehten" der deutsche SP-Kanzler Schröder in Kumpanei mit den SPD-EU-Kommissar Verheugen (einem besonderen Falotten) in 2004 eine EU-Untersuchungen über die griechischen Lügen-Rechenwerke ab...

Ja, ja und der Herr Aiginger redet für diese Ganoven jetzt von "notwendiger Solidarität".

Gast: gast
17.01.2011 20:52
1 0

wo sind die restlichen kommentare?



hat die wieder ein linker, pickliger, pizzafressender praktikant diniert ?

Gast: 1. Parteiloser
17.01.2011 19:00
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Der Mensch muss dumm sein!

Die stabileren Euroländer, also die Euroländer mit AAA Rating, sollen den kranken Länder bei der Entschuldung helfen und die Schulden auf sich nehmen.

Wie das mit der Verfassung vereinbar ist und mit den Menschengrundrechte, damit hat er sich sicher nicht auseinandergesetzt. Dafür gibt es mit Sicherheit gar keine demokratische Legitimation und freiwillig würden die Menschen der besseren Länder die Schulden sicher nicht auf sich nehmen.

Es scheint auch so zu sein, dass der Hr. Aiginger nicht erkennen kann, dass sogar Frankreich schon in 2-3 Jahren auch offizielle die Schuldenschallmauer von 100% des BIP schaffen wird, mit den ausgelagerten Schulden wurde das ja schon geschafft.

Auch am Beispiel Österreichs, wenn man die ausgelagert Schulden und die Leasingfinanzierung berücksichtigt, wurde die 100% des BIP Schallmauer wahrscheinlich schon durchbrochen.

Ich will damit sagen, dass die stabileren Länder einfach nichts mehr zusätzlich stemmen können, dieser Lösungsvorschlag des Hr. Aiginger einfach nur dumm ist und einem Chef eines Wirtschaftsforschungsinstitutes einfach nur maximal unwürdig.

Es ist auch so, dass die Länder der Eurozone mit knapp 10.000 Mrd. Euro in der Kreide stehen. Um zu Korrigieren bräuchte es eine Entschuldung um ca. 50%. Die Banken und Versicherung können aber niemals 5.000 Mrd. Euro abschreiben, weil diese sofort in die Insolvenz müssten.

Die Zinsen müssen runter und dann keine Defizite mehr!

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Der Experte

Ist nur zum Kren reiben.

Hobbyökonom