Kurssturz bei sicheren Staatsanleihen

18.01.2011 | 18:48 |  Andreas Kerschbaumer (Die Presse)

Österreich und Deutschland werden für die Schuldenkrise zur Kasse gebeten. Investoren erwarten für diese Länder höhere Risken, wodurch die Kurse der Anleihen fallen und einen jahrzehntelangen Aufwärtstrend brechen.

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Wien. Viele Besitzer von österreichischen und deutschen Staatsanleihen werden langsam, aber sicher zu den Geschädigten der Euro-Krise: Die Rechnung werden sie in Form von Kursverlusten auf dem Sekundärmarkt bezahlen, egal für welche Lösungsansätze sich die EU-Finanzminister demnächst entscheiden, um die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.

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Spätestens ab 2013 soll es für die Eurozone einen dauerhaften Rettungsfonds für bankrottgefährdete Euroländer geben. Bis dahin wird ein 750 Milliarden Euro umfassender Rettungsschirm für marode Staaten garantieren. Diesen Rettungsschirm wollen die EU-Finanzminister nun stärken, um bei den Investoren das Vertrauen in die Eurozone wiederherzustellen.

Dabei werden zwei Ansätze debattiert: Variante eins sieht vor, dass der Rettungsschirm auf 1,5 Billionen Euro erweitert wird. Dafür können sich die Europäische Zentralbank (EZB) und das politisch angeschlagene Belgien erwärmen. Variante zwei: Die „gesunden“ Länder – wie Österreich, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Finnland und Luxemburg – sollen stärker für andere Länder bürgen. Damit soll der Fonds auf dem Kapitalmarkt leichter und schneller zu Geld kommen, das er den hoch verschuldeten Euroländern zur Verfügung stellen kann.

 

Österreich-Anleihen brechen ein

Für welche Variante sich die EU-Verantwortlichen auch verständigen werden: Die finanziell besser dastehenden Länder werden zur Kasse gebeten. Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) will zwar verhindern, dass Österreich höhere Belastungen tragen muss. Die Investoren trauen ihm das aber offenbar nicht zu. Sie trennten sich zuletzt in größerem Stil von österreichischen Staatspapieren, wodurch die Anleihenkurse stark gesunken sind. Seit August ging der Wert für heimische Anleihen, die 2020 fällig werden, um 7,5 Prozent zurück. Das führte im Gegenzug dazu, dass die Rendite um 37 Prozent anstieg.

Die Rendite bei den auf dem Sekundärmarkt gehandelten Anleihen ergibt sich aus dem Kurs und dem Zinscoupon. Sinkt der Kurs bei gleichbleibendem Zins, steigt die Rendite. Das ist für jene Anleger ein Problem, die österreichische Staatsanleihen halten und diese vor Ende der Laufzeit verkaufen wollen.

„Die Diskussion, dass Länder mit einer besseren Kreditwürdigkeit für den Rettungsschirm stärker haften sollen, steht derzeit im Vordergrund. Das verunsichert die Investoren“, sagt Gottfried Steindl, Ökonom der Raiffeisenbank International (RBI). „Außerdem hat sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit den jüngsten Inflationsraten nicht zufrieden gezeigt. Er hat damit Spekulation ausgelöst, dass die EZB die Zinsen früher als geplant erhöhen könnte. So etwas drückt auch die Anleihenkurse“, fügt Thomas Steinberger, Geschäftsführer des Instituts für Quantitatives Assetmanagement (IQAM), hinzu.

 

Trendbruch bei Staatsanleihen

Für viele Experten werden sich die Anleger längerfristig auf Kursverluste bei sicheren Staatsanleihen einstellen müssen. Auch bessere Aussichten belasten die Anleihen: Sollte die Wirtschaft tatsächlich anspringen, würden sich viele Anleger von sicheren und niedrig verzinsten Papieren abwenden und höhere Renditen suchen.

Damit droht ein langer Trend zu brechen. In den vergangenen 30Jahren konnte man mit biederen deutschen Bundesanleihen durchschnittlich über sechs Prozent verdienen, wie der RexP-Index verdeutlicht. Der RexP ist ein Messinstrument für den deutschen Anleihenmarkt, ähnlich wie der ATX die Performance österreichischer Aktien misst. Seit September fiel der Index um vier Prozent ab. Das ist einer der größten Rückgänge seit Jahrzehnten und markiert das Ende eines Aufwärtstrends, der mehrere Dekaden anhielt.

Für Anleger, die Anleihen bei der Emission kaufen und dann bis zur Tilgung behalten, spielt der Kurs allerdings keine Rolle: Sie bekommen am Ende der Laufzeit auf jeden Fall 100 Prozent ausbezahlt – und trösten sich bis dahin mit den jährlichen Zinszahlungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19. Jänner 2011)

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97 Kommentare
 
12 3
Gast: gast
25.01.2011 20:02
0

fünf nach zwölf

Es wird zeit das wir mal aufstehen und der poltik die stirn und uns bedanken für das disatster was kommen wird.

Gast: Silver Eagle
19.01.2011 20:49
0

Wake-up call:

Jetzt Gold und/oder Silber kaufen. Vo mir aus auch noch Betongold. Wie offen muss es denn noch diskutiert werden, NIEMALS zuvor wurde das eigentlich Unaussprechliche derartig offen diskutiert: Staatsbankrotte, Haircuts, USA default.

Wieviele Signale brauchen die Bürger eigentlich noch?

Antworten Gast: garnicht
19.01.2011 23:46
0

Re: Wake-up call:

Die breite Masse versteht keine Signale und tut das, was das Regime in den Propagandamedien suggeriert.

Die breite Masse war daher in den letzten Wochen damit beschäftigt, Pensionszeiten "nachzukaufen".

Was so ziemlich das Allerdümmste ist, was man mit seinem Geld machen kann.

Gast: Gast
19.01.2011 20:10
1

Endlich

Baba Euro, hallo ???

Gast: Armer Österreicher
19.01.2011 17:20
1

Rating

Die Großen Rating Agenturen zweifeln am Triple A Deutschlands siehe Welt online

Gast: Gast20110119
19.01.2011 14:28
0

Gast20110119

Lieber Herr Kerschbaumer, bitte informieren Sie sich besser, bevor Sie soviel Blödsinn auf einmal schreiben. Danke

Hat nicht der deutsche Wirtschaftsdumme, äh

sorry Wirtschaftsweise Bofinger behauptet, die Spreads für die Triple A Staaten würden nicht steigen bei gemeinsamen Anleihen? Im Gegenteil die Spreads für diese Staaten steigen schon jetzt rapide. Die Aktion der EZB ist ins Leere verpufft, hat aber viel Steuergeld gekostet, nur damit man während der Finanzministerkonferenz kurzzeitig behaupten konnte, es habe sich alles beruhigt!

Gast: DI
19.01.2011 12:34
2

Frage

Können die Bürger langsam ernten, was die Totengräber gesät haben?

Gast: Fidel Gastro
19.01.2011 12:11
5

Es ist ein offenes Geheimnis,

... dass der Euro nichts anderes ist als Versailles 2.0 ...

Schweinebäuche gegen Österreich

Männer von Flake, der Einstiegszeitpunkt bei österr. Staatsanleihen ist gut und Schweinebäuche erreichen ihr Allzeithoch!

Die Schweizer


und die Österreichische Flagge sind gleich !

Einziger Unterschied: Wir haben ein Minus !


"Sie bekommen am Ende der Laufzeit auf jeden Fall 100 Prozent ausbezahlt "

Das ist eine sehr gewagte Aussage.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Staat bankrott geht.

Die Lunte brennt - oder: Der sichere Weg zum "Zimbabwe-Euro"!!

Hinter den Staatsanleihen stecken GELDSÜCHTIGE pseudodemokratische Bankenmachtgebilde (mit vom Volk gewählten Galionsfiguren), welche völlig legal (!) die Geldmengen unverschämt vermehren. (Vergleichen wir es mal mit den "Kapitalerhöhungen" bankrotter Firmen - siehe zuletzt AUA.)

Wer ist so BESCHEUERT, und kauft noch immer Staatsanleihen? Pensionskassen, Lebensversicherer und Banken!

Was bedeutet das für uns Staatsbürger?

UNSERE ERSPARNISSE WURDEN DEN STAAT ZUM VERPRASSEN IN DEN RACHEN GESTOPFT! SIE SIND FOLGLICH PLEITE! (Jetzt kann nur noch die EZB mit FALSCHGELD die Staatsanleihen monetisieren! Wenn dieser Schwindel auffliegt, bekommen wir den "Zimbabwe-Euro"! Statt Geldsackerln wird es dann die Geld-Schiebetruhen geben..... Ob die Laternenmasten soviel Last aushalten werden?)


Gast: Burgular
19.01.2011 09:14
5

Tja, das Märchen von "wir gründen einen harten Kern-EURO"

ist jetzt vom Tisch. War ja von Anfang klar, dass DE und AT nicht wirklich besser dastehen als Griechenland oder Portugal. Man werfe einen Blick in unsere Staatsfinanzen und weiß warum ...

Gast: Steuerzahler2000
19.01.2011 09:11
4

Wenn man sich den Verschuldungskurs des FM Pröll

ansieht, kann von "sicher" keine Rede mehr sein. Der häuft zurzeit die größten Staatsschulden aller Zeiten an.

Im Falle Österreich ist das nicht EU-verursacht sondern zu 95% hausgemacht


Wer die Tricks kennt, mit denen Österreich sich durchschummeln will (die jüngsten Pensionisten, die ältesten Studenten, die meisten Beamten, die höchsten Steuern...) und dabei keine einzige strukturelle Reform angeht wird sich nicht wundern, wenn Ö. bald im Fadenkreuz der Ratingagenturen steht. Und das völlig zurecht.

Kein Wunder

Ja bitte, wer hat denn wirklich gedacht, dass Haftungen für andere Staaten nicht auch auf Österreichs und Deutschlands Kreditwürdigkeit Auswirkungen haben würden? - Richtig: Niemand!!!
Aber es war unseren Eliten egal. Einfach vollendete Tatsachen schaffen. Weil dann ist eh alles alternativlos und man ist befreit davon, noch Entscheidungen treffen zu müssen.

Re: Kein Wunder

Ich bin auch der Meinung, daß unsere
Regierungsspitzen sich der Auswirkungen der eingegangen Haftungen durchaus bewußt waren und die Bevölkerung trotzdem falsch informiert haben. Aber auch wenn es sich dabei um Unwissenheit handelt, steigert sich damit nicht mein Vertrauen in die Regierung. Um die Österreicher und Österreicherinnen vor möglichen weiteren Entwicklungen und Belastungen zu warnen, poste ich seit einiger Zeit in unterschiedlichen Medien (z. B. http://mein.salzburg.com/blog/standpunkt/2011/01/mehr-spielraum-zum-handeln.html).

Ich habe diesen Weg gewählt, damit sollten sich meine Vorhersagen (z.B. höhere Zinsen für Österreich gibt es bereits, aktuell z. B. Portugal schlüpft nach Präsidentenwahl in den Schutzschirm) bewahrheiten später NIEMAND sagen kann, es hätte solche Warnungen nicht gegeben. Auch ist es eine Ausrede, daß der EINZELNE gegen zusätzliche Haftungen der Republik Österreich nichts machen, denn es gibt sehr wohl eine österreichische Partei die ein Volksbegehren für ein solches Haftungsverbot plant. Sollten die Österreicher und Österreicherinnen dieses Anliegen nicht entsprechend unterstützen, dann dürfen sie sich nachher auch nicht beschweren wenn sie später die Zeche (Belastungspaket wegen Schuldennachlässe für Wackelkandidaten) bezahlen müssen.


Re: Re: Kein Wunder

VB bringen nix, haben nur ein einziges Mal was erreicht. Schade um den Aufwand, die machen trotzdem was sie wollen.

Antworten Antworten Antworten Gast: gast
19.01.2011 15:17
0

Re: Re: Re: Kein Wunder


tja, bester, möglich, dann halt tunesien !

Gast: Herbert Wirtschaft
19.01.2011 08:08
0

???!!! Show oder dumm?

Welche Kosten hat der Staat Österreich, wenn die Kurse für Anleihen fallen? Österreich hat bei der Ausgabe Geld erhalten (100%) und mussam Ende der Laufzeit 100% zurückzahlen. Wo ist da ein Verlust?!
Entweder hat die Presse einen Journalisten von Österreich übernommen und lässt ihn Wirtschaftsartikel schreiben oder man geht langsam in die Richtung Gratiszeitung in der U-Bahn ....

Theorie und Praxis.

Theoretisch haben Sie recht. Doch funktioniert die REALITÄT leider so nicht.

Der Staat nimmt zumeist nur deshalb neues Geld auf, damit er ALTE KREDITE zurück zahlen kann. Somit erhält der Staat (je nach laufendem Kurs) zwar z.B. 90% des Nominalbetrages - also ganz sicher KEINE 100% - muss aber jährlich anfallende Zinsen und zu Ende der Laufzeit 100% zurückzahlen!

Kurz VOR Ende der Laufzeit größerer Tranchen MUSS der jeweilige Staat NEUE STAATSANLEIHEN auflegen, DAMIT DAS BETRUGSSPIEL weiter läuft!

Bis dato hat dieser MEGABETRUG nur deshalb so gut geklappt, da die WAHRE INFLATIONSRATE so ca. 10% betragen hat, während uns maximal 2% VORGELOGEN wurden!

SOMIT BEZAHLTEN WIR STAATSBÜRGER DIE RECHNUNG FÜR DEN STAAT UND DIE BANKEN IM HINTERGRUND!

Sobald die Kaufkraft der Bevölkerung betrugsbedingt nachlässt (der irreale Traum vom "ewigen Wachstum"), bricht dieses Kartenhaus in sich zusammen.

Der Staat hat also am Ende der Laufzeit zwar laut Papier 100% zurück bezahlt - doch waren diese "100%" nur noch ein Bruchteil des Wertes von vor z.B. 10 Jahren.

Re: ???!!! Show oder dumm?


Sie haben offenbar überhaupt keine Ahnung !

SPÖ oder ÖVP Funktionär ?


Antworten Antworten Gast: Herziger
19.01.2011 09:12
2

Eigentor?

Sie wissen wohl nicht, wie eine Anleihe funktioniert?

Der Kurssturz spiegelt die Bonität wider

ist aber auch im Kontext zu erzielbaren Renditen zu sehen. Faktum ist jedoch, daß sich Österreich an den diversen Rettungsschirmen beteiligt, und somit mittelfristig selbst ein Kanditat für die Inanspruchnahme derartiger "Hilfe" sein wird. Hierfür sind die unfähigen Politker - seit Vranitzky und Mock - in die Pflicht zu nehmen. Es wird aber am letztlich fatalen Ende für diesen Euro mit anschliessender Währungsreform für die Bevölkerung leider nichts mehr ändern.

Antworten Gast: Frage
19.01.2011 08:32
0

Re: Der Kurssturz spiegelt die Bonität wider

Was der Vranz nicht Banker? ;)

 
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