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ÖBB: Teurer Wechsel von links nach rechts

28.01.2011 | 17:39 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Auf der Südbahn wird künftig rechts gefahren – obwohl ein internes Gutachten klar dagegen ist. Laut ÖBB sei die Umstellung notwendig, weil es ansonsten im Bereich Wien zu „Kapazitätsengpässen“ kommen würde.

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Wien. Auf der Straße kennt der Kontinentaleuropäer Linksverkehr meist nur von Urlauben in Großbritannien. Auf der Schiene sieht das jedoch noch anders aus. Da wird in einigen Ländern (Deutschland, Ungarn, Tschechien) vornehmlich rechts gefahren, in anderen (Italien, Schweiz, Belgien) fahren die Züge jedoch großteils auf der linken Seite. Und in vielen Ländern wird auf der Schiene sowohl links als auch rechts gefahren – dazu gehört auch Österreich.

Hierzulande fahren die ÖBB auf der Süd- und Nordbahn links, auf der West- und Ostbahn aber rechts. Bisher kein großes Problem, da es kaum Schnittstellen zwischen diesen Strecken gab. Ab 2012 wird das jedoch anders. Dann verbindet der Lainzer Tunnel und in weiterer Folge der Wiener Hauptbahnhof die beiden wichtigsten Strecken: Die West- und die Südbahn. Und ab dann soll auch auf der Südbahn – vorerst nur bis Gloggnitz im südlichen Niederösterreich – rechts gefahren werden.

 

Laut ÖBB andernfalls Kapazitätsengpässe

Die Umstellung sei notwendig, weil es ansonsten im Bereich Wien zu „Kapazitätsengpässen“ im Zugverkehr kommen würde, heißt es bei den ÖBB. Die Züge müssten dann nämlich „ausgekreuzt werden“ – also über Weichen von einem Gleis auf das andere wechseln. Die Kosten für die Umstellung beziffern die ÖBB mit 16Mio. Euro. Der Großteil davon entfällt auf das Legen neuer Gleise bei zwei Bahnhöfen (Brunn-Maria Enzersdorf und Baden). Knapp drei Mio. Euro kosten das Wechseln der Hinweisschilder und Maßnahmen „zur Verbesserung des Kundenkomforts“ entlang der betroffenen Strecke. Die Signalanlagen sind hingegen schon seit Längerem auf beidseitigen Betrieb ausgerüstet. Eine aus betrieblicher Sicht notwendige Ausgabe also.

Etwas anders liest sich die Sache in einem von den ÖBB eigens bei der Schweizer Infrastrukturberatungsfirma Basler+ Partner in Auftrag gegebenen Gutachten vom Dezember 2008, das der „Presse“ vorliegt. Demnach müssten bei einer Umstellung auf den Rechtsverkehr entlang der gesamten Südbahn nicht nur zwei, sondern 88Bahnhöfe umgebaut werden. Der Grund dafür ist, dass die meisten Bahnhöfe im südlichen Niederösterreich so gebaut sind, dass es in Richtung Wien lange Bahnsteige und große Wartehäuser gibt, da hier die Pendler in der Früh auf die Züge warten. In die Gegenrichtung gibt es nur kurze Bahnsteige und kleine oder gar keine Wartehäuser. Bei einem Wechsel des befahrenen Gleises müsste dies angepasst werden. Und dieser Umbau dürfte wesentlich höhere Kosten verursachen als die Weichen für das „Auskreuzen“ zwischen West- und Südbahn, so die Gutachter.

Aber auch aus betrieblicher Sicht sieht man bei Basler+Partner keine Vorteile durch den Wechsel von links nach rechts. So könnten die Züge zwar von Westen kommend durch den Lainzer Tunnel in den Hauptbahnhof einfahren, ohne zuvor „auskreuzen“ zu müssen. Dafür gäbe es durch den Rechtsverkehr an vielen anderen Stellen in Wien und Niederösterreich plötzlich Probleme. Die negativen Auswirkungen bei einer Beibehaltung der derzeitigen Fahrordnung seien daher „in Umfang und Anzahl geringer als bei einem einheitlichen Rechtsverkehr“, schreiben die Gutachter. Sie empfehlen daher eine „Beibehaltung der Fahrordnung wie heute“.

 

Kosten von bis zu 200 Mio. Euro?

Über die Kosten des Wechsels auf den Rechtsverkehr macht das Gutachten zwar keine genauen Angaben. Laut Eisenbahn-Experten liegen sie aber deutlich über den von den ÖBB offiziell genannten 16Mio. Euro. „Die Umstellung bedeutet Kosten in dreistelliger Millionenhöhe“, meint etwa Alfred Horn, Chefredakteur des Fachmagazins „Eisenbahn Österreich“. Er bezieht sich auf „ÖBB-interne Schätzungen“, in denen Zahlen von bis zu 200Mio. Euro kursieren sollen. Offiziell bestätigen wolle dies aber keiner der betroffenen Bahn-Mitarbeiter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)

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52 Kommentare
 
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Gast: eedoo
01.02.2011 09:18
0 0

Sinnloser Aufwand, der nur Nachteile bringt

Beim Bau des Lainzer Tunnels oder der Weichenhallte Hadersdorf hätte man ganz einfach ein Auskreuzungsbauwerk mitplanen und -bauen können, was sicher günstiger gekommen wäre als hunderte Kilometer Schienenstrecke umzurüsten.

Für die Fahrgäste hat es in erster Linie Nachteile - nicht nur das im Artikel beschriebene Fehlen von Wartehäusern, auch z.B. das praktische Umsteigen am selben Bahnsteig in der Station Handelskai ist dann nicht mehr möglich.

Gast: Ggrufti
30.01.2011 10:47
1 0

Probleme?

Dies sind offenbar Probleme, die dann entstehen, wenn man 3 Kopfbahnhoefe mit jeweils ueber 10 Gleisen auf einen Durchgangsbahnhof mit 10 oder 12 Gleisen zusammenstaucht. Wer hat da wohl abkassiert?

Vorauseilender Gehorsam wegen Regierungswechsel?


Unbedingt Architektenwettbewerb für die Stationen !

Man sollte beim erforderlichen Umbau der Stationen wegen der Wartehäuser einen internationalen Wettbewerb veranstalten. Möglicherweise könnten dann entlang der Südbahn sehenswerte Stationen entstehen - etwa wie die Otto-Wagner-Stationen der ehemaligen Stadtbahn in Wien.

Gast: Beobachterinininin
29.01.2011 22:27
2 0

STOP den Personenverkehr auf der Schiene

Das Automobil, dass Tuer zu Tuer flexibles Reisen ermoeglicht, ist mittlerweile ueber 100 Jahre existent.
Die Schiene bietet bei richtigem Management jedoch grosse Kostenvorteile fuer den GUETERverkehr. So wird z.B. in den ja ach so strassenfreundlcihen USA ein GROSSTEIL der Gueter auf der Schiene transportiert. Im voellig freien Wettbewerb.
Dafuer braucht es keine Wartehaeuseln, wohl aber Schienenanschluesse fuer frachtintensive Betriebe.
DAS waere einmal ein SINNVOLLES Infrastrukturprojekt, wo vieleicht einmal die Grueninnen sich nicht an der Baustelle anketten....

Antworten Gast: binvölligratlos
30.01.2011 23:27
0 0

Re: STOP den Personenverkehr auf der Schiene

Dann muss ich in Zukunft wohl als Nichtautofahrer per Autostop verreisen??

Ich bin

für das Einsetzen einer (Experten-) Kommission!

1 0

Re: Ich bin

Ich bin für die Absetzung der Bures bzw dafür, dass die Roten nie wieder (!) die ÖBB in die Finger kriegen!

Antworten Antworten Gast: eedoo
01.02.2011 09:26
0 0

Re: Re: Ich bin

Sie übersehen, dass es die schwarzblaue Koalition war, die durch die so genannte "Bahnreform" die ÖBB nachhaltig kaputt gemacht hat und die Kosten explodieren ließ.

Der größte Fehler von Minsterin Bures war es, den Koralmtunnelbau nicht zu stoppen - ein Bruchteil der Milliarden, die dort vergraben werden sollen, könnten an anderer Stelle die Servicequalität der Bahn deutlich erhöhen.

hm ...


Die Umstellungskosten betragen nur einen kleinen Bruchteil dessen, was über "Beraterverträge" in diverse Taschen abgezweigt wurde.

Gast: gast
29.01.2011 16:45
4 1

BEI DEN KOSTEN DARF AUCH EINE WILDE IDEE

geäußert werden :

schaffen wir die eisenbahn ab, asphaltieren die strecken, und ab gehts !

kostet sicher nicht ein zehntel, und erfüllt den zweck auch !

und pfeif auf den klimaschwindel, wir sind ja nicht al gore !

Re: BEI DEN KOSTEN DARF AUCH EINE WILDE IDEE

Da bin ich einmal ganz Ihrer Meinung!

Die ÖBB ist nicht sanierbar. Da sie auch sicher niemand geschenkt haben will, bleibt nur der Konkurs!

Gast: Alien (dauerzensuriert)
29.01.2011 15:57
1 0

Temporaere Loesung

Wie waere es, wenn man probeweise erst mal nur den Gueterverkehr umstellt. Dann wuerden sich viele unserer Probleme gleich in Rauch aufloesen...

Antworten Gast: uabigboss
29.01.2011 17:53
0 1

Re: Temporaere Loesung

das ist so wiedersinnig wie -

hamma eine Autobahn aber auf der 3. Spur kommen die LKW entgegen weil wir halt mehr Platz brauchen

0 1

Auf der Südbahn wird künftig rechts gefahren?

"Was Wunder" - der zuständige Minister ist doch keiner Linker!

Wer

soll das bezahlen, wer hat das bestellt....
Genügen den Bahnkapazundern die Schulden nicht, müssen mit Gewalt neue gemacht werden?

Für was den ?

Wenn die Bahn immer mehr Güter VON DER SCHIENE auf die STRASSE verlagern.

Aber der ASVG-SKLAVE bezahlt es eh !

Vorsicht!

Zum ersten mal in der Geschichte der österreichischen Bundesbahn hat etwas keinen linken Hintergrund. Wenn das nicht schief gehen muss....


Gast: Ösi
29.01.2011 08:59
2 6

Wenn das nicht politisch motiviert ist??????

Da hat sicher die Scheuch-FPK mit ihrem Koran-Tunnel was zu tun damit!
Der Kern ist ein absoluter Umfaller! Unter einem Darabos würden wir noch Jahrzehnte auf LINKS abfahren!
Als nächstes kommen vielleicht noch gegenderte Toiletten, oder wie?

Genossen, wer in der ÖBB-Gewerkschaft hat auf RECHTS-Verkehr nicht gebührend geantwortet? hat uns das alles der unselige Kuckuckazka von der ÖVBäääh eingebrockt?

lg
Ösenpower

Gast: gepoppter
29.01.2011 08:42
1 2

Da ist eine Brüsseler Entscheidung zu begrüßen.

Um dem Wirrwarr ein Ende zu bereiten. Aktionen, mit der die Autoindustrie dacore ist, wie Licht am Tag, was ja ohnedies ein Schwachsinn ist, sind dann eher überflüssig. Rappelt auch auf, Ihr Gurkenkrümmungskontrolleure und vereinheitlicht wenigstens den Schienenverkehr. Links oder rechts. Rechts wäre besser, weil er dann mit den Töffiistengewohnheiten ident ist.

Antworten Gast: popper (nicht sir)
29.01.2011 11:31
1 1

Re: Da ist eine Brüsseler Entscheidung zu begrüßen.

Sehr geehrter Hr. Gepoppter,

anscheinend sind Ihnen Ihre Poppers nicht wohl nicht so gut bekommen sonst würden Sie wohl hier nicht so viel Wirrsinn Ihrer Tastatur entspringen. Für den Triebwagenführer ist es nämlich irrelevant ob links oder rechts; der kann die Spur sowieso nicht so wechseln wie Sie Ihre Ansichten.

Und übrigens: Es heisst d'accord von frz.: übereinstimmen. Furchtbar so was; Aufregen ist ja gut und schön aber mit so einer Formulierung stellen Sie sich als völlig inkompetent hin. Das können Sie doch nicht machen, was sollen denn die restlichen PosterInnen von Ihnen denken; die nehmen doch Sie als Ihren geistigen Führer an und dann werden Sie so von Ihnen enttäuscht.

Gast: GNessmann
29.01.2011 00:06
0 0

Ganz klarer Fall!

Es steht noch eine Tintenburg zu wenig im Land. Haetten wir eine mehr gehabt, dann haette es diese Links-Rechts-Konfusion ja nieeeeee gegeben!

langfristig verkehrssicherer

wenn man auch auf der Bahn auf einer einzigen seite fährt.
Man sollte daher langfristig generell auf eine Seite wechseln.

Re: langfristig verkehrssicherer

Ich denke, dass die Züge schon sehr bald vollautomatisch fahren werden. (Tun sie das eigentlich schon? Ich meine, macht der Fahrer wirklich noch alles selbst oder kontrolliert er nur?) Dann hat das so gut wie keinen Einfluss mehr auf die Verkehrssicherheit.

Antworten Antworten Gast: 1116
29.01.2011 08:43
2 3

Re: Re: langfristig verkehrssicherer

Der Triebfahrzeugführer ist für jedes KM/H und für jeden zurückgelegten Meter verantwortlich. Alles andere sind verbreitete Märchen ,die aus Unwissenheit entstehen. Oder werden beabsichtigt gestreut ,um diesen Beruf in den Keller zureden.

Gast: Nick
28.01.2011 23:49
2 1

Kreuzungsbrücke

Man könnte ja am Stadtrand, z.B. njach Liesinmg, einfach eine Überführung bauen, ein Gleis oben drüber, eines unten durch, und ein kreuzungsfreier Wechsel von rechts nach links wäre vollzogen. Da müsst man dann nicht die Strecke in ganz NÖ umbauen!

 
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Hobbyökonom