Wien/Jaz. Mit Verwunderung hat E-Control-Chef Walter Boltz die politische Diskussion in Folge der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima beobachtet: „Die dabei aufgekommenen Idee, dass Österreich gar keinen Strom mehr importieren soll, ist unsinnig. Gerade erneuerbare Energieträger können nur im Rahmen eines EU-weiten Netzes funktionieren“, sagt Boltz. So müssten etwa die heimischen Pumpspeicherkraftwerke für überschüssigen Windstrom aus Deutschland zur Verfügung stehen. Ansonsten würde diese Technologie teurer werden. „Nationale Lösungen wie die Energie-Autarkie eines Landes sind daher zum Scheitern verurteilt.“
Ein gutes Beispiel dafür sei die Abschaltung von sieben alten AKW in Deutschland: „Seither importiert Deutschland rund 2000 Megawatt mehr aus Frankreich.“ Und dieser Strom werde ebenfalls in Atomkraftwerken produziert. Sinnvoll ist laut Boltz hingegen das deutsche „Netzbeschleunigungsgesetz“, mit dem der Ausbau der Hochspannungsleitungen schneller vorankommen soll: „Es geht hier nicht um ein Drüberfahren über Anrainer-Interessen.“
Heizungspumpen auch im Sommer
Es gebe aber noch viele andere Möglichkeiten, um Genehmigungsdauern zu verkürzen. So könnten Verfahren eine gesetzliche Maximaldauer haben. Wird sie von der Behörde nicht eingehalten, springt das Verfahren automatisch auf die nächste Instanz.
Die wichtigste Maßnahme, um die Abhängigkeit von Atomkraft zu verringern und die Klimaziele zu erreichen, ist laut Boltz aber mehr Energieeffizienz: „Wir müssen zumindest das jährliche Stromverbrauchswachstum von rund zwei Prozent endlich stabilisieren.“ Vor allem bei Haushalten und Gewerbebetrieben sieht er große Potenziale – etwa die Millionen Heizungspumpen, die oft auch im Sommer durchlaufen, obwohl die Heizung abgedreht ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2011)
In Zahlen Die Erfolgsstory des sozialen Netzwerks
Top 10 Die meistverkauften Autos der Welt
Kreativ Die verrückte Welt der Werbung
Bis 2015 Die aussichtsreichsten Aktien
QUIZ Kennen Sie sich in in der Wirtschaft aus?
