Wien/Apa/Hie. Dieser Streit könnte das Ende einer Ära sein – und der Wegbereiter für eine neue. Die heimische Erste Group liegt im Clinch mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Diesem könnte jetzt das bekannte „S“-Logo zum Opfer fallen. Es ist das Aushängeschild der Erste Group Bank, ihrer Tochtergesellschaften und der österreichischen Sparkassengruppe. Eine mögliche Kandidatin für die Nachfolge ist – die Biene.
Hintergrund ist eine Auseinandersetzung über Lizenzgebühren zwischen der Erste Group und dem DSGV. Letzter hält die Rechte am roten „S“-Logo. Die österreichischen Sparkassen, wie auch die börsenotierte Wiener Erste Group, nützen das Logo über Lizenzen.
Dafür blättern die Österreicher derzeit jedes Jahr eine Million Euro hin. Die Erste hat an vier von 53 Sparkassen in Österreich die Mehrheit. Das sind auch jene Sparkassen, die das „S“ künftig nicht mehr tragen dürften.
Anstoß des Ärgernisses des DSGV war die Expansion der Erste Group in die Ukraine und nach Moldawien. Der Verband wirft der Bank vor, das Logo in den beiden Ländern ohne Lizenz zu nützen.
Der DSGV wollte daraufhin der Erste Group höhere Lizenzgebühren in Rechnung stellen. Wie die deutsche „Welt“ berichtete, wollte der DSGV die Expansion der Erste Group nützen, um mehr Geld in seine Kassen zu spülen. Angeblich soll es um eine Summe von zehn Millionen Euro gehen.
Der DSGV bestätigte, dass die Lizenzgebühren für Osteuropa neu verhandelt würden. Ums Geld gehe es dabei „unter anderem, wenn auch nicht in erster Linie“.
Die zehn Millionen Euro, so heißt es vom DSGV, seien aus der Luft gegriffen. Aber er bestätigte, dass es keine Einigung gegeben habe. Laut einem Gutachten, das der DSGV vor einiger Zeit erstellen ließ, soll der Markennutzungswert des Logos gar bei 50 Mio. Euro liegen, schreibt die „Welt“.
Nachdenken über Logo-Ersatz
Diese Zahl hat der DSGV nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert. Per Pressemitteilung hält er fest: „Der abgeschlossene Lizenzvertrag hat weiterhin Bestand. Er ist von keiner Seite gekündigt worden.“
Allerdings, so der DSGV weiter, habe man feststellen müssen, „dass die Marke durch die Erste Bank ohne entsprechende Vertragsgrundlage in mindestens zwei Ländern genutzt wird“.
Bald wird sich die Erste voraussichtlich ganz von ihrem derzeitigen Logo verabschieden. „Erste Group und Sparkassen denken über ein neues Logo nach“, teilte sie am gestrigen Montag mit. Nachgedacht wird über einen Ersatz des derzeitigen Logos bei der Erste Group, all ihren Töchtern sowie der österreichischen Sparkassengruppe. Ein „entsprechender Meinungsbildungsprozess“ solle zügig abgeschlossen werden.
„Besinnung auf die Wurzeln“
Im Mittelpunkt des Meinungsbildungsprozesses steht im Augenblick ein altbekanntes Sparkassen-Logo: die Biene. Michael Mauritz, Konzernsprecher der Erste Group, will sich aber noch nicht festlegen.
„Wir diskutieren im Moment um das Bienen-Sujet herum. Aber das heißt nicht, dass es das wird.“ Doch die Sympathie ist auf jeden Fall schon einmal da – und groß: „Es ist eine Möglichkeit, sich in diesem Zusammenhang einmal auf seine historischen Wurzeln zu besinnen“, sagt Mauritz.
Von der Erste wird die Biene seit dem Ende der 1990er-Jahre verwendet. Aber viele Sparkassen, haben sich schon davor des Sujets bedient.
Ab dem zweiten Quartal des kommenden Jahres könnte sie wieder auf 3300 Erste-Filialen – davon 1000 in Österreich – zu finden sein. Bis dahin soll der „Meinungsbildungsprozess“ nämlich abgeschlossen sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2011)
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