AK: Schweizer Steuerquote ist höher als gedacht

01.04.2011 | 18:27 |   (Die Presse)

Ökonomen der Arbeiterkammer untersuchten die Vergleichbarkeit der Abgabenquoten. Ihr Fazit: Die OECD-Berechnungsmethode weise viele Unschärfen auf. Die Schweiz liegt im angepassten Ranking näher an Österreich.

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Wien/Gre. Österreich ist ein Hochsteuerland: Diese weitverbreitete Einschätzung hält die österreichische Arbeiterkammer (AK) für nicht gerechtfertigt. Das zeige sich etwa am Beispiel Schweiz: Offiziell liegt dort die Abgabenquote mit 29,3 Prozent um mehr als zehn Prozentpunkte unter der von Österreich mit 41,8 Prozent. Dabei biete die Schweiz ihren Bürgern ähnliche Leistungen wie Österreich. Um die Ursachen der Lücke herauszufinden, untersuchten AK-Ökonomen in einer Studie die Methoden der OECD-Berechnung.

Die Abgabenquote ist das Verhältnis von Steuern und Abgaben zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). In die Summe der Belastungen fließen alle Pflichtabgaben ein, für die es keine direkte Gegenleistung gibt. Deshalb fallen die österreichischen Sozialversicherungsbeiträge in die Wertung, die Schweizer Kranken- und Pensionsversicherung allerdings nicht. Dort werden die Versicherungen nämlich von Privatunternehmen angeboten. Die Bürger haben also die Wahl – aber auch die Pflicht zu wählen. Denn da wie dort ist die Versicherung gesetzlich vorgeschrieben.

 

USA ähnlich wie Österreich?

Die AK-Ökonomen adaptierten also die Berechnungen der OECD und berücksichtigten auch die Ausgaben für Gesundheit und Pensionen (Zahlen für 2006). Die Schweizer Quote erhöht sich so von 29,3 auf 38,2 Prozent. Für andere interessante Referenzländer wie die USA, Frankreich oder Schweden gibt es allerdings keine Zahlen zur Pensionsversicherung.

Studien-Koautor Otto Famy schätzt, dass man auf die bereinigte Quote der USA (33,8 Prozent) noch einmal gut zehn Prozentpunkte aufschlagen müsse, um zu einem realistischen Ergebnis zu kommen. Dann wären auch die USA im Bereich von Österreich.

Doch die Abgabenquote werde auch anders verzerrt. Kommunalgebühren für Wasser oder Müllabfuhr etwa bezieht die OECD nur mit ein, wenn die Abgaben den Marktwert der Leistungen zu einem gewissen Grad übersteigen – dann aber zur Gänze. In Ländern, in denen diese Dienste von Privaten angeboten werden, gehen ihre Kosten überhaupt nicht in die Quote ein.

Außerdem wirken sich Unterstützungsleistungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen ganz unterschiedlich auf die Quote aus, je nachdem, wie sie umgesetzt werden. Ein Beispiel: Absetzbeträge für Familien drücken die Abgabenquote. In Österreich werden Familien aber vor allem nachträglich durch Transferleistungen gefördert. Sie sind durch Steuern finanziert – was die Quote erhöht.

Genau einrechnen konnte die AK all diese Faktoren „mit vertretbarem Aufwand“ leider nicht. Laut Famy läge die heimische Abgabenquote bei „richtiger“ Berechnung aber nur im OECD-Mittelfeld.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2011)

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5 Kommentare

Grundwissen Statistik

Traue keiner Studie die Du nicht selbst gefälscht hast.

Gast: Vogel Strauss
02.04.2011 08:11
1

AK-Ökonomen ??

Ein Widerspruch in sich ...

Gast: UKW
01.04.2011 21:24
1

"Ökonomen der Arbeiterkammer"

HaHaHa!!!

Und meine Katze ist Universitäts-Dozentin.

Antworten Gast: Immanuel
02.04.2011 00:47
0

Re:

Wundert Sie, dass die linke Arbeiterkammer zu solch absurden Schlüssen kommt? Sie ist immer für eine Erhöhung des Staatsanteiles und tendenziell damit für noch höhere Steuern - und sollte eigentlich die ausgequetschte arbeitende Bevölkerung durch Heranführen von Netto- an Bruttolöhnen über verringerte Steuerbelastung vertreten! Ideologie liegt dieser seltsamen Gruppierung offenbar näher. Am Ende kommt noch heraus, dass Österreich ein Steuerparadies ist. ... Es gibt bekanntlich gewöhnliche Lügen, gemeine Lügen und Statistik!

Ich arbeitete lange genug in der Schweiz um zu wissen, wovon ich rede/schreibe: Die Steuer/-Abgabenbelastung dort ist mit der konfiskatorischen in Österreich überhaupt nicht zu vergleichen. Gerne sei zugegeben, das es dort weniger „Zwangsbeglückungen“ und auch weniger „Umverteilung“ (von Fleißigen zu faulen Hängematten-Akrobaten mit Transferleistungs-Kumulierung bei gleichzeitig multipler Steuer- und Gebührenbefreiung) gibt, und Förderungen (für Politikgünstlinge) gibt es dort offensichtlich sicher viel weniger.

Ein Beispiel für viele: Ein Schweizer antwortete mir auf meine Aussage, es gäbe bei uns Gratis-Schulbücher an allen Schulen, kopfschüttelnd: „Österreich muss ein sehr, sehr reiches Land sein. Bei uns wäre so etwas undenkbar!“

Antworten Antworten Gast: UKW
02.04.2011 21:59
1

Am Interessantesten finde ich, dass man von den AK-Bonzen nie ein schlechtes Wort über Beamte hört, obwohl diese in vieler Hinsicht privilegierte Gruppe, auch von den Zwansbeiträgen zur AK ausgenommen ist

In der Schweiz haben die Leute halt ihren Hausverstand noch nicht bei den Sozialisten abgegeben, unter welcher Parteifarbei sie sich auch bei uns verstecken mögen.

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