OeNB kaufte Ramschanleihen in Milliardenhöhe

26.05.2011 | 18:30 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Das Institut will wegen Finanzrisken die Reserven deutlich erhöhen. Die Umschuldung in Griechenland würde die Oesterreichische Nationalbank hart treffen. Profitiert hat die OeNB im Vorjahr vom Goldpreis.

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Wien. Eine Umschuldung in Griechenland würde die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hart treffen. Aus der am Donnerstag veröffentlichen Bilanz geht hervor, dass sich die OeNB im Vorjahr am umstrittenen Anleihenprogramm der Europäischen Zentralbank mit 2,3 Mrd. Euro beteiligt hat. Wie viel davon auf griechische Staatsanleihen entfallen, wollte OeNB-Chef Ewald Nowotny nicht sagen. Dem Vernehmen nach sollen es mindestens zwei Drittel sein. Beim Rest soll es sich um Wertpapiere der Problemländer Portugal und Irland handeln. Griechische Anleihen werden inzwischen als Ramsch eingestuft und gelten als unverkäuflich. Ein Schuldenerlass, wie ihn Experten befürchten, würde die OeNB hunderte Mio. Euro – möglicherweise sogar eine Mrd. Euro – kosten.

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Nowotny sagte, die Anleihenkäufe seien mittlerweile eingestellt worden. Er gehe nicht davon aus, dass das Programm in Zukunft wieder aktiviert werde. Für finanzielle Risken hat die OeNB mittlerweile Vorsorgen von 6,4 Mrd. Euro gebildet. Wegen höherer internationaler Verpflichtungen (wie der Teilnahme an Programmen der EZB und des Internationalen Währungsfonds) sollen die Rücklagen um zwei Mrd. Euro aufgestockt werden. Ursprünglich war geplant, dass dies in den nächsten zehn Jahren schrittweise erfolgen soll. Laut Nowotny wird nun mit dem Wirtschaftsprüfer diskutiert, dass die Anhebung schon früher passiert. Bereits 2010 flossen 300 Mio. Euro in die Risikorückstellung.

 

3,4 Mrd. Euro für den IWF

Als nicht korrekt bezeichnete der OeNB-Chef einen „Spiegel“-Bericht, wonach die Europäische Zentralbank neben griechischen Anleihen auch hoch riskante Wertpapiere – sogenannte „Asset Backed Securities“ – in der Höhe von 480 Mrd. Euro erworben hat, um griechischen, irischen und spanischen Banken zu helfen. Dies hätte bedeutet, dass die EZB zu einer Müllhalde für faule Kredite geworden ist. Die EZB kann nicht pleite gehen. Bei Geldbedarf müssen die nationalen Notenbanken einspringen. Erst im Vorjahr beschloss die EZB, ihr Grundkapital auf 10,8 Mrd. Euro fast zu verdoppeln. Die Einzahlung erfolgt in drei Schritten. Österreich hält einen Anteil am EZB-Kapital von 1,94 Prozent und muss mit knapp 100 Mio. Euro einspringen.

Neben der EZB will auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Mittel um 375 Mrd. Euro aufstocken. Laut OeNB-Geschäftsbericht werde sich Österreich daran mit bis zu 3,4 Mrd. Euro beteiligen. „Wir mussten beim IWF aber noch nie Wertberichtigungen vornehmen“, erklärte OeNB-Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek.

 

Bund bekommt weniger Geld

Wegen dieser Herausforderungen wird die Nationalbank in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich weniger Geld an den Staat ausschütten können. Im Vorjahr ist der Vorsteuergewinn des Instituts von 318 Mio. Euro auf 291 Mio. Euro gesunken. Davon erhielt Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) 269 Mio. Euro – 196 Mio. Euro als Dividende und 73 Mio. Euro an Körperschaftssteuer.

Laut dem vor Kurzem im Ministerrat verabschiedeten OeNB-Gesetz sind mindestens 90 Prozent des Gewinns an den Bund abzuliefern, was von Nowotny heftig kritisiert wurde. Als abgeschlossen bezeichnete der OeNB-Chef die Diskussionen über die Privilegien in seinem Haus. Am Dienstag hatten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) verlangt, Änderungen im Pensionssystem vorzunehmen. Hier sehe er aber „keinen Spielraum“, so Nowotny. Man habe alles rechtlich überprüfen lassen. „Was wir machen konnten, haben wir gemacht.“

Profitiert hat die OeNB im Vorjahr vom Goldpreis, der um fast 38 Prozent gestiegen ist. Der Buchwert des von der OeNB gehaltenen Goldbestands kletterte um 2,6 Mrd. Euro auf 9,5 Mrd. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2011)

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72 Kommentare
 
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Die Art, wie unsere Gesellschaft in den Abgrund geritten wird...

Um ein paar Hasardeuren ihren Reichtum abzusichern muss für spätere Gerichtsprozesse dokumentiert werden. Den Verantwortlichen gebührt ein Tribunal im Stile Nürnbergs.

Re: Die Art, wie unsere Gesellschaft in den Abgrund geritten wird...

Vollkommen richtig!

Die Todesstrafe für Korruption muss eingeführt werden.
Und es wird Todesurteile geben.

Eigentlich bin ich ja ein Gegner der Todesstrafe...

Aber manchmal tät´s einen schon jucken. Inhaftiert und enteignet gehören die Gauner aber jedenfalls.

die Müllhalde heisst EU

denn ohne diesem Geflecht wären solche Vorgänge gar nicht nötig, und Länder wie bspw unseres mit weniger Schulden belastet.

Ah, Ramsch?

Ich dachte das kriegen wir samt Superzinsen alles zurück! Angeblich ein tolles Geschäft! Oder vielleicht doch nicht?

Re: Ah, Ramsch?

ein tolles Geschäft nur für Banken samt deren Gehilfen, welche bekanntlich sehr gute Honorare dafür bekommen, weiterhin Unsinn zu verbreiten.

Gast: Adalbert M. Rohde
27.05.2011 22:57
10

Kapitale Sauerei

Der EURO ist wohl die kapitalste Sauerei, die den Völkern Mitteleuropas seit langem widerfahren ist. Die verantwortungslosen politischen Eliten gehörten dafür durch die Wolken geschossen.

Und dem Herrn Novotny kann ich nur raten, bitte bitte rasch ins Ausgedinge zu wechseln. Es wurde schon genug Schaden angerichtet.

Gast: noname
27.05.2011 18:27
12

EUdioten

Jetzt noch Serbien,Türkei in die EU und alles wird gut....
Wie ich nur jeden einzelnen Schweizer beneide.Dort hat das Volk tatsächlich noch was mitzureden, und siehe da, es funktioniert.

Wie damals die Kinder den Rattenfänger von Hameln folgen die Politiker und Banker Jean Claude Junkers

Die Frage drängt sich geradezu auf; sie zu stellen, muss daher auch erlaubt sein, ob man die im Zusammenhang mit Griechenland und den übrigen notleidenden Staaten des Euro-Raumes in Österreich handelnden Personen von Regierung und Nationalbank noch vernunftbegabt nennen kann.
Denn sie lassen offenbar nichts unversucht, uns dorthin zu bringen, wo die Griechen, die Portugiesen, die Isländer und bald auch, wie man hört, die Italiener heute schon sind.
Blindlings und ohne auch nur einen Gedanken an die Bedürfnisse des eigenen Volkes zu verlieren, folgen sie Jean Claude Junkers, der offenbar seinen Ehrgeiz daransetzt, ganz Europa ins Verderben zu führen, wie damals die Kinder den Rattenfänger von Hameln.
Während auf unseren Universitäten das Toilettenpapier zur Mangelware wird und unsere alten und siechen Mitbürger mehr dahin vegetieren müssen, als sie leben, gibt es aber auch in Österreich Politiker, die immer mehr werden und davon träumen, dass wir eigentlich auch Kroatien, Serbien, den Kosovo und andere Balkanstaaten in die EU aufnehmen sollten, und so noch mehr hungrige Mäuler stopfen müssten.
Gerade das aber fordern Politiker und Banker, die selbst nicht müde werden, sich die Krägen voll zu stopfen, wie das die Bauern mit den Gänsen im November tun. Ausgerechnet die aber behaupten von sich, Politiker oder Wirtschaftsfachleute mit Weitblick zu sein, wenn sie uns auspressen wie Zitronen, um die Griechen, Portugiesen usw. durchfüttern zu können.

Gast: G09
27.05.2011 17:29
3

warum es eine sanfte umschuldung in einer währungsunion nicht gibt

Wenn Griechenland Konkurs anmeldet, Wolfgang Münchau hat in der FTD darauf hingewiesen, darf die EZB griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheit in ihren Refinanzierungsoperationen verwenden. Die alten Anleihen wären schließlich ganz offensichtlich im Default – und es ist unwahrscheinlich, dass ein Land, dass gerade 50 Prozent seiner Schulden gestrichen hat, in der Lage ist, neue Anleihen mit solider Bonität zu emittieren.
Würde die EZB diese Bonds minderer Qualität weiter akzeptieren, würde sie gegen den im Lissabonner Vertrag festgelegten Grundsatz verstoßen, wonach sie nur gegen angemessenes Collateral Geld verleihen kann (das ist die juristische Betrachtungsweise, in der ökonomischen würden sie monetäre Staatsfinanzierung beziehungsweise einen Ressourcentransfer von den reichen in die armen Länder betreiben).Mit anderen Worten: Jede wilde Umschuldung ohne solche Maßnahmen stößt Griechenland – und wahrscheinlich über die üblichen Ansteckungskanäle ganz Europa – in den Abgrund, wenn die EZB nicht ihre eigenen Regeln bricht. Ein Schuldenschnitt müsste also ZWINGEND von neuen Stützungsmaßnahmen für die griechischen Banken und den Staat begleitet werden, damit griechische Anleihen wieder die Sicherheitenanforderungen erfüllen. Es gibt in einer Währungsunion keine sanfte Umschuldung. (aus Zeitonline)
Die Notenbank muss sich also verweigern. Das bedeutet aber, dass automatisch das griechische Bankensystem bankrott ist, dessen Sicherheiten bei der EZB laut JP Morgan zu knapp 80 Prozent aus griechischen Staatsanleihen oder vom griechischen Staat gedeckten Papieren bestehen – und das natürlich noch stärker als bisher von der Notenbank abhängig sein wird, wenn die Umschuldung beginnt.

Was will man schon von einem SPÖ-Parteisoldaten mehr verlangen!

Mir ist dieser Genosse schon seinerzeit im Parlament als nicht gerade herausragende Intelligenzbestie aufgefallen!

Re: Was will man schon von einem SPÖ-Parteisoldaten mehr verlangen!

... "als nicht gerade herausragende Intelligenzbestie...."

Dann ist er also eine "Intelligenzbestie"? Möglicherweise schafft er es sogar 2 Sätzt ohne Beistrich- und ohne Logikfehler zu verfassen.

Re: Re: Was will man schon von einem SPÖ-Parteisoldaten mehr verlangen!

-

"Möglicherweise schafft er es sogar [" , "]

2 Sätzt [was?!] ohne Beistrich- und ohne Logikfehler zu verfassen."

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/23766198

Re: Was will man schon von einem SPÖ-Parteisoldaten mehr verlangen!

Der hat doch auch diesmal nichts anderes gemacht als ihm die Wiener Politik angeschafft hat. Und die hat gemacht, was die EU angeschafft hat. Pardon. Was in politischen Gesprächen überzeugend koordiniert wurde.

Sonst wär im Falle des Falles ein zweites Bankensicherungspaket fällig geworden. Jetzt haben's den Griechenlandschaden in einem Packerl zum Abhandeln.

Die Sauerei ist, daß man schon lang nimmer wagt, die Bevölkerungen richtig zu informieren, sondern regelrecht für blöd verkauft. Darum entscheidet auch im Fall Griechenland keiner wirklich - alle wissen, daß es aus ist. Aber die Verantwortung übernimmt keiner. Also warten sie, was passiert, und irgendwas passieren MUSZ.

Und nachher waren's die "Experten, die gesagt haben", man "konnte" nicht anders.

Manche tun auch geheimnisvoll um sich nicht als Trottel zu outen. Ab und zu ein kleiner Lachgickser und die Allwissenheit ist unterstrichen!


Altpapierhändler! Vom Goldklumpen, wie Hans im Glück, zum Altpapierballen! Ein Genie der Herr Governatodl.


Re: Altpapierhändler! Vom Goldklumpen, wie Hans im Glück, zum Altpapierballen! Ein Genie der Herr Governatodl.

warum wohl hat man den öffentlichen Pranger abgeschafft, und sogar das gesamte Justizsystem (begonnen unter Broda) aufgeweicht ?

Gast: Steuerzahler1
27.05.2011 15:22
11

Rücktritt

Bitte treten Sie sofort zurück Herr Nowotny!!

Gast: jajajajajajaja
27.05.2011 14:45
10

die leistungstraeger sollten mal die leistungserbringen fragen, ob sie deren geld verramschen duerfen

mit fremden geld kann man leicht zocken. zahlen muessens eh die leistungserbringer.

das Volk hat das Recht zu erfahren, wieviele Ramschpapiere die NB kaufte

unter einer solchen Führung aber wird dies weiterhin nicht geschehen, und werden wir weiter belogen und bet.rogen werden.

Gast: Orson Wells
27.05.2011 13:36
13

Kriminell

Kleine Straftäter landen vor Gericht. Wirtschaftskrimminelle läßt man laufen und behängt sie mit Orden. Das ist Österreich (Bananien).

Gast: Bank12
27.05.2011 13:18
1

Grundbuch

wenn eine ordentliche Bank Kredit gibt, würde sie sich im griechischen Grundbuch absichern!

Re: Grundbuch

Grundbücher gibt es nicht überall auf der Welt, siehe Athen.

Antworten Antworten Gast: ASVG-Sklave
27.05.2011 14:49
0

Re: Re: Grundbuch


metaphorisch. Verstehst?

Gast: jojoeh
23.11.2014 13:08
12

auch die ÖNB mit nowotny -SPÖ, spekuliert mit milliarden steuergeldern in den casinobanken. dafür bekommen die nationalbanker riesige gehälter und unglaubliche zusatzpensionen- natürlich bezahlt von den steuerzahlern, eh klar.

schon wieder ein gut mit steuergelder versorgter SPÖ Funktiönär. nowotny-spö, hat in den letzten jahren zu dem totalen euro und finanzchaos geschwiegen und immer nur schöngeredet. jetzt ist es raus, auch die ÖeNB hat milliardenramschpapiere und spekulierte damit mit österreichischen steuergeldern. die gesamte finanzbranche, mit ihren politischen versorgungspolitikern hat uns in diese schlimme sackgasse geführt. das eurochaos in griechenland ist nur ein vorgeschmack auf das was noch kommt. der totale ausverkauf des volksvermögen, der staatlichen pensionen und interessen der arbeitnehmer und steuerzahler. und mitten drrin in diesem casinospiel die öst. nationalbank mit SPÖ Politiker nowotny. einfach nur mehr zum weinen, wie uns die medien, die best bezahlten und versorgten finanzexperten(wie Nowotny......) und viele politiker für dumm verkaufen.

Re: auch die ÖNB mit nowotny -SPÖ, spekuliert mit milliarden steuergeldern in den casinobanken. dafür bekommen die nationalbanker riesige gehälter und unglaubliche zusatzpensionen- natürlich bezahlt von den steuerzahlern, eh klar.

da würde man sich ja sofort den ÖVP Finanzexperten Grasser und den FPÖ Experten Haider zurück wünschen.

Nebenbei bemerkt - sie werden es sicher nicht glauben, aber die SPÖ regiert nicht die EU. Eher im Gegenteil - derzeit herrschen dort die Schwarzen. Drum haben wir ja solche Probleme.

 
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