Die Folgen einer Griechenland-Pleite für Österreich

Schuldenabschreibung allein wäre für Österreich kein erhebliches Problem. Unabsehbar aber indirekte Folgen für Banken und Wirtschaft.

Schließen
(c) EPA (ARNO BURGI)

Wien. „Ich bin nicht mutlos“, sagt Maria Fekter (ÖVP). In einem Gespräch mit Journalisten zeigte sich die Finanzministerin optimistisch, dass Griechenland „mittelfristig wieder selbst Geld auf den Finanzmärkten aufnehmen kann“. Ihr Ministerium sieht im Fall eines Staatsbankrotts wegen der Schuldenabschreibung allein zwar kein erhebliches Problem für Österreich. Unabsehbar wären aber die indirekten Folgen für Banken und Wirtschaft. Fekter selbst bezeichnete die Hilfe für Griechenland deshalb auch als „alternativlos“.

Heimische Banken und der Staat haben derzeit Forderungen von insgesamt rund 4,6 Milliarden Euro (jeweils rund 2,3 Mrd. an Griechenland. Kommt es zu einem Ausfall von 50 Prozent, müssten rund 2,4 Milliarden Euro abgeschrieben werden, bei 70 Prozent 3,2 Milliarden. „Diese Vermögensverluste wären zwar systematisch nicht bedrohlich“, heißt es in einem Papier des Finanzministeriums. Sie würden aber beispielsweise das Kreditvergabepotenzial im Inland verringern. Bedrohlicher seien aber die „indirekten Folgen“. Denn die griechischen Banken sind stark in Südosteuropa engagiert. Da sie im Fall eines Staatsbankrotts die Hauptlast tragen müssten (siehe Grafik), würde dies auch Länder wie Bulgarien, Albanien oder Serbien treffen, in denen auch heimische Finanzinstitute etabliert sind. „Wenn die griechischen Banken in dieser Region umfallen, hätte dies auch gravierende Folgen für die österreichischen Banken.“

Wirtschaftsexperten warnen seit Wochen vor einer Kettenreaktion auf den Finanzmärkten. Die europäischen Banken halten derzeit etwa 220 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten griechischen Schuldentiteln. Könnte Athen bei einer Umschuldung nur einen Teil davon zurückzahlen, würde dies eine „größere Welle an Insolvenzen“ auslösen, warnen die Experten des Finanzministeriums. Problematisch sei, dass es bisher überhaupt kein Beispiel für einen Staatsbankrott in einem derart integrierten Wirtschaftsraum wie der Eurozone gebe.

Diese Gefahr würde sich potenzieren, wenn auch die beiden anderen Problemstaaten Portugal und Irland in eine Pleite schlittern würden. Dann könnte auch ein größerer Teil der heimischen Garantien von künftig 21,6 Milliarden Euro beim europäischen Rettungsfonds EFSF schlagend werden.

Fekter rechnet damit, dass die Euro-Finanzminister am Samstag in einer Telefonkonferenz die nächste Tranche von zwölf Milliarden Euro für Griechenland freigeben. Hält sich die Regierung in Athen weiterhin an die Sparvorgaben von EU und IWF, werde das Land bis 2014 gestützt. Insgesamt stellen die Europartner und der IWF bis dahin 195 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei sind laut Fekter auch die 110 Milliarden des ersten Hilfspakets eingerechnet.

 

„Geben Griechen noch etwas Zeit“

„Wir geben den Griechen noch etwas Zeit“, so Fekter. Neben der Finanzhilfe habe Österreich auch Hilfe bei den notwendigen Reformen geleistet. So seien beispielsweise griechische Finanzbeamte in Österreich geschult worden, um die Steuereintreibung zu verbessern. Griechenland brauche Reformen und eine konsequente Privatisierung, so Fekter. „Die wird wieder Investitionen und Wachstum bringen.“

Zu einer Beteiligung privater österreichischer Gläubiger am zweiten Hilfspaket für Griechenland nahm die Finanzministerin nur ausweichend Stellung. Die größte heimische Gläubigerbank sei die mittlerweile verstaatlichte Kommunalkredit. „Da kann ich also mit mir selbst verhandeln.“ Klarer antwortete Fekter auf die Frage, wann Österreich bei der Rettung Griechenlands das Handtuch werfen würde. „Wenn der IWF aussteigt, sind wir auch nicht mehr dabei.“

Der für die Währungspolitik zuständige Sektionschef im Finanzministerium, Thomas Wieser, wies darauf hin, dass Griechenland weiterhin unter Beobachtung stehe. Es werde Quartalsberichte geben, die darüber entscheiden, ob weitere Gelder freigegeben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2011)

Mehr zum Thema:

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen