Telekom Austria: Gute Geschäfte unter Freunden?

In den letzten Jahren stand der Konzern immer wieder in Verdacht, zweifelhafte Geschäfte abgewickelt und fragwürdige Provisionen gezahlt zu haben. Der Ruf der Telekom Austria wurde dabei schwer beschädigt.

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Telekom – (c) FABRY Clemens

Wien. Wie sagte schon der Großvater von Niki Lauda, einst Präsident der Industriellenvereinigung? Er wünsche über seinen Enkel auf den Wirtschaftsseiten der „Presse“, und nicht auf den Sportseiten der „Krone“ zu lesen. Telekom-Austria-Boss Hannes Ametsreiter, der ab und an auch auf Societyseiten auftaucht, muss sich derzeit keine Sorgen machen, zu selten in den Wirtschaftsseiten aufzutauchen.

Allerdings geht es dieser Tage nicht um spektakuläre Zukunftsprojekte. Vielmehr ist der Konzern, der jahrelang als Vorbild für den Umbau vom schwerfälligen Monopolisten zum modernen Technologietreiber galt, in den Ruf einer Gelddruckmaschine für ausgewählte Manager und deren Freunde gekommen. Die Kursaffäre, die 100 Managern im Jahr 2004 einen Bonus verschaffte, ist nicht der einzige Grund, warum Ametsreiter Aufräumbedarf und die Justiz Ermittlungsbedarf hat. In den letzten zehn Jahren stand der Konzern immer wieder in Verdacht, zweifelhafte Geschäfte abgewickelt und fragwürdige Provisionen gezahlt zu haben.

Je tiefer die Staatsanwaltschaft gräbt und je mehr die nunmehr Beschuldigten auspacken, desto wahrscheinlicher ist, dass auch andere Transaktionen auf deren Plausibilität abgeklopft und möglicherweise zu Fällen für die Justiz werden – so sie es nicht schon sind.

Schieszler legte Geständnis ab

Fest steht, dass eine kleine Gruppe von Personen für große Fragen sorgt. Dazu zählt PR-Mann Peter Hochegger: Er hat viele Jahre – offiziell über seine Firma Hochegger.com – für die TA gearbeitet. Aber nicht nur: Über seine Firma Valora und die zypriotische Astropolis liefen ebenfalls lukrative – mutmaßlich inoffizielle – Aufträge. Hocheggers Partner in der TA waren Rudolf Fischer und Gernot Schieszler. Fischer war Chef der Festnetzsparte und Mentor von Schieszler, der Controller und dann Finanzchef im Festnetz war.

In der Führungsetage saßen in diesen Jahren neben Fischer Heinz Sundt, Stefano Colombo und Boris Nemsić, der Sundt als Konzernchef folgte. Inwieweit auch sie in mutmaßliche Malversationen verwickelt waren, ist Sache der Justiz. Wegen der Kursaffäre wird gegen Fischer, Schieszler, Sundt, Colombo, Hochegger und den Euro-Invest-Banker Johann Wanovits wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Schieszler hat ein umfassende Geständnis abgelegt, wie die „Presse“ in Erfahrung brachte und sich als Kronzeuge angedient.

Hochegger, Fischer und Schieszler arbeiteten eng zusammen. 16 Aufträge über neun Mio. Euro hat die TA laut internen Untersuchungen zwischen 2004 und 2008 ausgemacht – ohne dafür plausible Leistungsbeweise zu finden. Die Rechnungstitel lauten auf „Screening osteuropäischer Telekom-Unternehmen“, „Lobbying Beamtenagentur“ oder die Gründung eines Private-Equity-Fonds auf Zypern.

Hochegger war nicht der einzige Berater, über dem sich das Füllhorn der TA öffnete. Die TA hat auch Belege des Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly gefunden, dem ein Honorar von 1,1 Mio. Euro gezahlt wurde. Diesem dürfte Hochegger den Kontakt zur Telekom verschafft haben. Dass Fischer auch seinem Freund und Golfpartner, dem ehemaligen IBM-Chef Ernst Nonhoff lukrative Berateraufträge zugeschanzt haben soll, ist bisher nicht erwiesen. Gerüchte darüber kursieren im Konzern seit Langem.

Zu Fischers Freunden gehört auch Ex-ÖBB-Chef Martin Huber. Dessen Ehefrau Barbara Huber-Lipp kaufte 2006 von der TA das Wiener Innenstadtobjekt „Schillerplatz 4“ um 5, 8 Mio. Euro. Ein Jahr später verkaufte sie das Haus um das Doppelte an die Baufirma Seeste, die einer der Großinvestoren beim neuen Wiener Hauptbahnhof ist. Fischer saß damals nicht nur im Vorstand der TA, sondern auch im Aufsichtsrat der ÖBB.

Auch bei anderen Immobilien-geschäften werden Unregelmäßigkeiten vermutet. Die TA hat eine Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft eingebracht. Ob auch jenes Telekom-Gebäude in der Wiener Nordbergstraße dazu gehört, das die Porr kaufte und in das später die Wirtschaftsuni einzog? Vermittelt hat das Geschäft ein gewisser Walter Meischberger. „Wo war meine Leistung“, lautete seine inzwischen legendäre Frage an den Immobilienmakler Ernst Karl Plech. In dem Telefonat, das die Staatsanwaltschaft im Zuge der Buwog-Affäre abhörte, ging es um die dafür kassierte Provision von 708.000 Euro.

Bulgarien und Weißrussland

Hochegger soll auch beim Kauf der bulgarischen MobilTel aktiv gewesen sein. Laut seiner Aussage sollte er dafür sorgen, dass die Raiffeisen Investment AG das Mandat als Investmentbank bekommt. Hocheggers Valora hatte einen Vertrag mit der Raiffeisen Centro Bank.

Der MobilTel-Kauf wurde allein schon wegen des Preises von 1,5 Mrd. Euro heftig kritisiert. Spekuliert wurde aber vor allem über die Rolle des Investors Martin Schlaff, zumal er in mehreren Deals den „Vermittler“ spielte – und dabei gut verdiente. Die MobilTel gehörte Michail Chernoy, einem schillernden Geschäftsmann zwischen Wladiwostok und dem Nahen Osten. Bulgarien verwies ihn des Landes. Chernoy versuchte die MobilTel an den Diamantenhändler Lew Lewajew zu verkaufen, wurde aber nicht handelseins. In die Bresche sprang 2002 Schlaff. Dass die TA am Balkan expandieren wollte, war auch Schlaff bekannt. Er bot der TA die MobilTel im Jahr 2003 um eine Mrd. Euro an – das war der TA offiziell zu hoch. Drei Jahre später klappte es – für 1,5 Mrd. Euro.

Nur wenig später sollte der Coup in Serbien wiederholt werden. Schlaff kaufte die Mobtel dem serbischen Mogul Bogoljub Karić ab. Die TA unterlag zwar bei der Auktion der Telenor. Die Österreicher bekamen aber die dritte serbische Handylizenz – viel billiger und nicht ganz ohne Hilfe von Schlaff, wie man munkelte.

Der dritte Schlag gelang in Weißrussland: Auch auf diesem heißen politischen Terrain diente Schlaff als Türöffner. Die TA kaufte ihm und seinem syrischen Geschäftspartner Id Samawi 2007 um 1,4 Mrd. Euro die MDC ab. Schlaff lukrierte einen Besserungsschein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2011)

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