Telekom: Ametsreiter schießt gegen Schieszler

Nun gibt es auch Verdachtsmomente für Korruption bei Zukäufen in Osteuropa. Der Schieszler-Abgang 2009 stellt sich auch in anderem Licht dar.

Ametsreiter ortet einen Korruptionsverdacht bei Osteuropa-Käufen
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Ametsreiter ortet einen Korruptionsverdacht bei Osteuropa-Käufen
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (Hans Klaus Techt)

Im Skandal rund um die Telekom Austria geht nun Vorstandschef Hannes Ametsreiter in die Offensive und erhebt schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Telekom-Vorstand Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hat. Ametsreiter spricht in der "KronenZeitung" gar von einem "System Schieszler". "In dem Mann steckt kriminelle Energie", wird er zitiert. Die Telekom werde nun in den nächsten Monaten "gemeinsam mit den Behörden" die Zukäufe in Bulgarien (Mobiltel) und Weißrussland (Velcom) auf mögliche Korruption durchleuchtet, kündigte Ametsreiter an.

Bei beiden Zukäufen gebe es "Indizien" für Korruption, wird Ametsreiter zitiert. "Wir überprüfen jetzt alle unsere Akquisitionen". Ob Schieszler und Hochegger auch involviert gewesen waren, sei nicht bekannt. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Abgang von Schieszler nicht freiwillig

Schwere Vorwürfe erhebt Ametsreiter gegen Schieszler. Den Abgang des früheren Telekom-Festnetz-Finanzvorstands Mitte 2009 aus dem Unternehmen gibt es eine neue Version: "Schieszler hat Leistungsdokumente vorgelegt, die nicht schlüssig waren. Darauf haben wir uns umgehend von ihm getrennt, er ist nicht freiwillig gegangen", wird Ametsreiter zitiert. Kurz darauf hätten die internen Untersuchungen begonnen, die bis ins Jahr 2011 gedauert hätten.

In der offiziellen Telekom-Unternehmensmitteilung vom April 2009 hieß es zum Abgang von Schieszler, dieser sei "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten. Die Telekom bedankte sich "für seinen außergewöhnlichen Einsatz" und wünsche ihm "für seine weitere berufliche Laufbahn viel Erfolg".

Anwalt: Schieszler wird unter Druck gesetzt

Schieszlers Anwalt Stefan Prochaska sieht dieEntwicklung zwischen Telekom und seinem Mandanten mit großer Sorge. "Die Telekom spricht in dieser Causa offenbar mit zwei Zungen", so der Anwalt: Während die Unternehmenssprecherin einerseits das Interesse des Unternehmens an voller Aufklärung beteuere, werde sein Mandant durch die Klagsandrohung nun massiv unter Druck gesetzt. Dass Ametsreiter im "Krone"-Interview von einem "System Schieszler" spreche, weist der Anwalt ebenfalls zurück. Der Telekom-Boss versuche offenbar, die Glaubwürdigkeit seines Mandanten zu erschüttern, indem er diesen nun "persönlich diffamiere", so Prochaska. 

Schieszler soll 2004 in der Kursaffäre, bei der durch Aktienmanipulation der Telekom-Kurs hinaufgetrieben worden war, um 100 Telekom-Managern Bonuszahlungen von insgesamt neun Millionen Euro zu verschaffen, als in seiner damaligen Funktion als Vorstandsassistent eine Schlüsselrolle gespielt haben. Große Beträge aus dem stock option-programm hatte nicht Schieszler, sondern die damaligen Vorstände erhalten.

(APA)

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