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Telekom: Justiz weitet Kreis der Beschuldigten aus

26.08.2011 | 17:12 |  von Hedi Schneid (Die Presse)

Korruption. Telekom-Boss Ametsreiter stockt das Personal der Taskforce auf und lässt sie alle Zukäufe des Konzerns prüfen.

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[Wien] Es war, wie man so sagt, eine optimale Konstellation: Ein paar Manager in einem der größten Konzerne des Landes, ein landauf, landab bekannter PR-Profi mit exzellenten Kontakten in der Politszene und Politiker, die nicht abgeneigt schienen, sich ihren Einfluss versilbern zu lassen. Die Rede ist vom „System Telekom“, aus dem über den PR-Mann Peter Hochegger Millionen an Berater und Politiker flossen.

Ex-Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach dürfte nicht der einzige Politiker sein, den die Staatsanwaltschaft Wien im Visier hat. „Wir haben den Kreis der Beschuldigten ausgeweitet“, bestätigt der Sprecher der Behörde, Thomas Vecsey, der „Presse“. Konkret wollte er die Fragen nach Ex-Innenminister  Ernst Strasser, Ex-Vizekanzler und Ex-Finanzminister Wilhelm Molterer, dem ehemaligen ÖVP-Direktor Michael Fischer, dem ehemaligen FPÖ/BZÖ-Abgeordneten Klaus Wittauer und dem Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly (Gatte von Ex-ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat) nicht beantworten. „Die Causa ist so heikel, wir stehen erst am Anfang der Untersuchungen, ich kann dazu nichts sagen“, betont Vecsey.

Als Beschuldigte führt die Justiz in der Affäre um Honorare ohne plausible Gegenleistung – neben Gorbach – bereits Hochegger und die Telekom-Manager Rudolf Fischer und Gernot Schieszler. Letzterer hat mit einem umfassenden Geständnis, mit dem er Kronzeuge werden dürfte, die Ermittlungen richtig ins Rollen gebracht. Gegen Strasser läuft bei der Korruptions-staatsanwaltschaft ein Verfahren im Zusammenhang mit seiner Lobbyistenaffäre, sagt Vecsey.

Aber auch Telekom-Boss Hannes Ametsreiter will es jetzt genau wissen. Er setzt die von ihm gebildete Taskforce neu an. Sie konnte schon die Scheingeschäfte in Höhe von neun Millionen Euro von Rudolf Fischer, Schieszler und Hochegger zusammen mit anderen Malversationen nachweisen. Nun werden „alle Geschäfte des Konzerns im In- und Ausland“ geprüft, wie TA-Sprecherin Elisabeth Mattes sagt.

Von Bulgarien bis Weißrussland

Das betrifft zum einen diverse Immobiliengeschäfte, wie den Verkauf des TA-Hauses Schillerplatz 4 an die ÖBB. Den Deal tätigte die Frau des damaligen ÖBB-Chefs und Fischer-Freunds Martin Huber, Barbara Huber-Lipp. Zum anderen geht es um sämtliche Akquisitionen der TA, vor allem in Osteuropa. Im Mittelpunkt stehen die Käufe der MobilTel in Bulgarien, der Velcom in Weißrussland und der Zuschlag für das Handynetz in Serbien. Bei allen Deals diente der Investor Martin Schlaff als Türöffner. In Bulgarien und Weißrussland war er auch „Zwischenhändler“: Die TA kaufte von ihm und seinen Geschäftspartnern die Handynetzbetreiber.

Die TA ist aber auch in Kroatien, Slowenien, Mazedonien und Liechtenstein als Mobilfunker tätig. Außerdem kaufte sie Kabelanbieter in Kroatien und Bulgarien.

In Österreich  scheinen vor allen zwei Projekte prüfenswert: 2006 hat die TA den Telekomanbieter eTel um rund 90 Millionen Euro übernommen. Klaus Wittauer, der auch Telekom-Sprecher der FPÖ war, soll von der TA ein Beraterhonorar von mehr als 400000 Euro erhalten haben. Das Geld floss genau genommen von der eTel Austria. Der Übernahme stimmten damals die Wettbewerbsbehörden und der Telekomregulator ohne harte Auflagen zu, was die Konkurrenten der TA verwunderte.

Ein Jahr später stieg die TA bei Mass Response Service ein. Diese Firma, die unter anderem Televotings abwickelt, entpuppte sich als Verlustbringer. Der nun geplante Verkauf an die deutsche Digame – die größte Kundin der Mass Response – spießt sich.
Rudolf Fischer fädelte nicht nur den Mass-Response-Deal ein, sondern auch die glücklose Beteiligung der TA an der Buchhandelskette Libro, wo sie Millionen in den Sand setzte.

Gorbach dementiert Vorwürfe

Gorbach soll über Hocheggers Firma Valora 264000 Euro für eine Sekretärin erhalten haben. Im Gegenzug soll er die Universaldienstverordnung zugunsten der Telekom Austria geändert haben. Gorbach weist über seine Anwälte Achammer & Mennel alle Vorwürfe zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27. August 2011)

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101 Kommentare
 
12 3
Gast: kdoli
10.09.2011 14:14
0 0

telekom

nochmals: allen Schmiergeld und sonstigen üblen Provisionsempfängern nach gutem islamischen Recht: die rechte Hand abhacken...

Gast: pulli von Mainsdorf
28.08.2011 18:13
0 0

ich kenn keine Dellecom

und habe auch nie von der
dellechomm 3,7 Mio. € kassiert
wahr ist vielmehr ich habe nur 3,678.977 mio € gekostet.

Gast: will wissen
27.08.2011 23:49
2 0

Mitarbeiterstimmung der Telekom

Unglaubwürdig,unglaubwürdiger,Ametsreiter...
Der lächerliche Versuch des Herrn Ametsreiter, mit seinem gschaftlhuberischen Getue und Betroffenheitsblick blätternd in dicken Akten aufzuräumen, wirkt schon mehr als peinlich.
Es läßt sich nicht länger verheimlichen,dass sich in den Jahren der blau-schwarzen Regierung bei der Telekom ein übelriechender Ausscheidungshaufen gebildet hat,der naturgemäß viele Schmeißfliegen angezogen hat.
Diese sitzen heute in der zweiten ,dritten Reihe als Manager ,Bereichsleiter,etc. Ihre Erkennungszeichen sind unter anderem:
Halb und Viertelbildung,
Mangelhafte bis gar keine Menschenführung,Beratungsresistenz,
Mitarbeitervergrämer,Mitarbeitervertreiber,keinerlei Fürsorgepflicht gegenüber ihrer untergebenen Mitarbeitern,fehlen jeder Art von Moral und Anstand.
Krankmachendes Auftreten. Typische MOFs(Menschen ohne Freunde)eben.Deren hauptsächlichen schriftlichen und verbalen Ergüsse reduzieren sich auf wenige Worte.
Verkaufen,verkaufen,verkaufen.
Effizienz.
Verschieben,aufteilen von Mitarbeitern,alles nicht nachvollziehbar,und unlogisch.
Dadurch steigende Mitarbeiterunzufriedenheit.
Diese Liste ließe sich sicher um ein vielfaches erweitern.
Lieber Herr Hannes Ametsreiter,beginnen Sie endlich vor der eigenen Tür zu kehren,machen Sie endlich sauber im eigenen Haus,denn die gleichen Charaktere,die sehr bald vor den Richtern stehen werden,befinden sich wahrscheinlich nur ein paar meter von IhremSchreibtisch entfernt.
Handeln sie schnell.

Gast: F.M.I.
27.08.2011 18:54
1 3

Die Zeit von schwarz-blau war die reinste Sauerei!

6 Jahre unter diesem Schüssel hat Österreich wahnwitzig viel gekostet.

Re: Die Zeit von schwarz-blau war die reinste Sauerei!

Sind Sie so naiv, oder glauben Sie wirklich, unter rot-schwarz wäre nie etwas derartiges gelaufen?

ad.

Schillerplatz 4 könnte sich ja noch eine Nebenfront eröffnen, schließlich ist Arch. Wimmer - der Haus und Hofarch. der Wiener Sozis - ausführender Architekt, der auch beim Krankenhaus Nord und am Neubau das Hauptbahnhof mitarbeitet. bei dem Seeste - wie in dieser Zeitung zu lesen war - einer der Hauptinvestoren ist = Käufer vom Schillerplatz 4. aber das ist bestimmt alles nur Zufall - Leider.

3 0

Korruption. Telekom-Boss Ametsreiter stockt das Personal der Taskforce auf und lässt sie alle Zukäufe des Konzerns prüfen.

völlig sinnlos, denn solange es keine wirkliche Gesetzgebung (Antikorruptionsgesetz das wenige Wochen nach Beschluss sofort wieder quasi aufgelöst wurde) gibt, kann und wird es auch keine interne gewschweige denn externe wirkliche Aufklärung geben dürfen, da zuviele darin verstrickt sind !

1 2

„Die Causa ist so heikel, wir stehen erst am Anfang der Untersuchungen, ich kann dazu nichts sagen“, betont Vecsey.

deshalb auch noch keine roten Namen bekannt gemacht werden dürfen ?
Von den anderen hier angeführten weiss man bereits länger, das deren Westen nie rein (weiss) waren und sind, dafür wurden einige (Molterer...) in höhere Sphären hinaufversesetzt.

Diese Fälle wären wahrscheinlich nie aufgeflogen, hätte die Telekom immer noch ihr Monopol und könnte so die Verluste natürlich wegen überzogenen Kosten einfacher kompensieren.

das system telekom ist gewöhnliche konspiration

"Eine Verschwörung ist eine heimliche Verbündung mit dem Zweck, einen Plan auszuführen, der ein selbstsüchtiges, verwerfliches Ziel verfolgt und dessen Umsetzung zum Schaden anderer geschieht oder der die Beseitigung tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände anstrebt. Eine Verschwörung beruht also nicht immer auf niederen Motiven, sie basiert jedoch stets auf Täuschung."

die staatliche geheimhaltung ist genau das gleiche, darf sich aber anders nennen.

wem es wohl nützt, das man "verschwörung" so negativ besetzt?

da kann ich ja froh sein bei der france telekom (also orange) zu sein

dort bringen sich jährlich ein paar mitarbeiter selbst um, weil deren effizienz gesteigert werden soll - aber wenigstens naschen da keine heimischen trüffelschweine mit.

Gast: WasWeißRauch
27.08.2011 12:29
4 0

Kreis der Beschuldigten

Und warum telefoniert ihn der ÖVP plötzlich niemand mehr miteinander?

Gast: Göstle
27.08.2011 12:16
8 0

Kann mir bitte jemand erklären

warum hier noch nicht von organisierter Kriminalität gesprochen wird? Immer der selben Personenkreis ist involviert und es dürfte wohl auch geheime Absprachen gegeben habe. Ich weiß man soll nicht vorverurteilen aber mir scheint gegen die Tierschützer (auch wenn ich diese nicht sehr symoathisch finde) lagen wohl weniger beweise vor als gegen die momentane FPÖ/ÖVP Gesellschaft (die roten haben genauso Dreck am Stecken aber momentan ballen sich die vergehen halt doch um ehemalige Schüssel Vertraute)
Als Unternehmer und Steuerzahler wächst bei mir die Wut und Verzweiflung.

Gast: taschenrechner
27.08.2011 12:02
7 0

jetzt wäre der bundespräsi am zug,

ein övp besetztes innen und justitzministerium soll övp leute aufklatschen lassen?nie und nimmer.
ist doch bezeichnend,dass mensdorff jahrelang rückendeckung vom innenministeriums erhält.

Eine Frage..

kann man als Steuerzahler eigentlich eine Klage gegen den Staat einbringen, wenn Steuergelder bewusst und mit Vorsatz vergeudet wurden.

Wenn, dann sollten alle steuerzahlenden Oesterreicher eine Sammelklage machen.

Man darf wohl noch ein bisschen traeumen am Samstagmorgen -:)

Antworten Gast: Achmmed & Mennel
27.08.2011 12:25
0 0

Re: Eine Frage..

Wir vertreten sie gerne,
auch gegen den Staat.

Re: Re: Eine Frage..

gegen Honorar oder wegen der staatsbürgerlichen Pflicht und dem Patriotismus honorarfrei?

Gast: gaxt12345123
27.08.2011 11:02
5 0

Ametsreiters weiße Weste

Also dass Ametsreiter von all dem nichts gewusst hat, glaubt er aber selbst nicht, oder? Immerhin war er Marketingboss bei der Telekom mit großem Einflussbereich und ständig in regem Kontakt mit Hochegger. Außerdem gab er nicht bloß einmal seinen Sanktus zu Hocheggers Tätigkeiten. Sich jetzt da als Saubermann zu präsentieren, ist zwar eine gute Taktik, es ist aber wohl nur mehr eine Frage der Zeit bis die dunklen Flecken auf seiner angeblich so weißen Weste zum Vorschein kommen. (natürlich gilt die Unschuldvermutung).

3 0

Re: Ametsreiters weiße Weste

Die Rolle Ametsreiters wird zunehmend suspekt. Einerseits hat er vom seinerzeitigen Deal porofitiert und hat genommen, dann wurde er Chef dieses Unglücksunternehmens und jetzt schlüpft er in die Rolle des Aufräumers. Ich denke, da paßt etwas nicht zusammen. Könnte es sein, dass A1 bald ohne ihn auskommen wird müssen?

Gast: g749+
27.08.2011 10:45
4 4

bei seiner antrittsrede

hat spindelegger noch angekündigt den schüsselkurs fortzusetzen das läßt tief blicken

Gast: frust_ösi
27.08.2011 10:31
4 0

der fisch

stinkt vom kopf weg

Antworten Gast: karpfen ohne hecht
27.08.2011 12:27
9 0

Re: der fisch

da stinkt nicht nur der fisch, da stinkt schon der ganze teich.

Gast: Der Oberlehrer
27.08.2011 10:24
8 0

Wie lange noch

Man fragt sich, warum es in diesem Land nicht schon lange zur Gründung einer vernünftigen neuen Partei gekommen ist. Dieses alte System ist korrupt und verrottet bis auf die Knochen. Mit Abstand am Saubersten sind sicherlich die Grünen, die aber wegen sonstiger Blödheiten leider auch nicht wählbar sind . Das Land erinnert an Italien unter Andreotti-Craxi. Diese Kriminellen hielten sich auch lange für unangreifbar, wie Teile unserer selbsternannten, dümmlichen und bei Auslandsauftritten richtig peinlichen Eliten. Auf Dauer wird dieses System aber auch eine Hofberichterstattung durch zahlreiche Medien, die schon an die Lobpreisungen Kil II Sungs erinnern, nicht retten.

3 1

Re: Wie lange noch

Man mag von den GRUENEN, was Korruption betrifft, eine hohe Meinung haben. Allerdings mußten sie sich noch niemals bewähren. Ist eine Partei erst einmal bei den Trögen angekommen wird die Versuchung riesengroß, und wenn ich einigen Grün-Funktionären so zuhöre, werde ich den Verdacht nicht los, dass die beklagenswerte Selbstbedienungsmentalität Politikern immanent ist. Leider!

Antworten Antworten Gast: oho
27.08.2011 12:02
2 2

Re: Re: Wie lange noch

natürlich haben sich die grünen schon bewähren können.
als partei hätten sie genauso firmengeflechte und korruptionsnetzwerke schaffen können.
den grünen eine "Selbstbedienungsmentalität" ala F,BZÖ,VP und SP ist anpatzerei ohne anlass.

Geh, bitte! Diese grünlackierten Kommunisten haben bisher nur noch keine Gelegenheit gehabt.....


Gast: Anti-Spindi
27.08.2011 10:15
12 0

ÖVP - einfach korrupt

Im Sommergespräch sagte Spindelegger, der Telekom-Skandal ist kein "ÖVP-Skandal".

Vielleicht sollte ich ihm helfen. Strasser war ÖVP-MINISTER und er steckt mitten in diesem Skandal. Grasser war für die ÖVP Finanzminister.

Also, Herr Spindelegger, belügen können Sie Ihre Parteikollegen. Uns diese Dreck aufzutischen, ist wahrlich ein Skandal.

 
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Hobbyökonom