19.05.2013 20:33 Merkliste 0

Nicht unterbezahlt, aber unzufrieden

28.08.2011 | 18:26 |  WOLFGANG POZSOGAR (Die Presse)

Studie. Eine Erhebung im Auftrag der AK Oberösterreich zeigt, dass in der Baubranche die Arbeitszufriedenheit geringer als in vielen anderen Berufen ist.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kein allzu rosiges Bild von den Arbeitsbedingungen auf dem Bau zeichnet der von Ifes und Sora im Auftrag der AK Oberösterreich erhobene Arbeitsklima-Index. Er soll die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbelastungen im Beruf darstellen. Der Bau liegt dabei deutlich unter den meisten anderen Branchen.


Mehr Belastungsfaktoren

„Eine der Ursachen ist“, erläutert Daniel Schönherr, bei Sora für die Studie verantwortlich, „dass Beschäftigte im Bauwesen mit einigen Belastungsfaktoren deutlich stärker konfrontiert sind als die sonstigen österreichischen Arbeitnehmer.“ Dazu gehören Zeitdruck, schlechte Gesundheitsbedingungen sowie Unfall- und Verletzungsgefahr. „Nur 39 Prozent der Beschäftigten in der Baubranche glauben deshalb, mit 65 Jahren noch ihren derzeitigen Beruf ausüben zu können“, berichtet Schönherr.

In der Baubranche kennt man diese Probleme. Gegensteuern will man unter anderem durch verbesserte Ausbildung: „Heute wird bereits bei der Lehrlingsausbildung auf Maßnahmen zur Reduzierung der Unfall- und Verletzungsgefahr besonderer Wert gelegt“, erzählt Thomas Prigl vom Lehrbauhof in Guntramsdorf. Erhebungen zeigen laut Prigl bereits Erfolge: „Bei gelernten Bauarbeiten ist im Gegensatz zu ungelernten die Zahl der Unfälle in den letzten Jahren merkbar zurückgegangen.“ Körperliche Fitness spielt in der Ausbildung heute ebenfalls eine große Rolle: „Sportwissenschaftler unterrichten im Rahmen der Lehrlingsausbildung den ergonomisch richtigen Umgang mit schweren Lasten“, sagt Prigl. Ähnliche Aktivitäten gibt es für ältere Bauarbeiter zusammen mit der Auva direkt auf der Baustelle.


Entlohnung überdurchschnittlich

Einen gewissen Ausgleich für die Härte des Berufs im Baugewerbe bringe die überdurchschnittliche Bezahlung, meint Prigl. Auch die Gewerkschaft Bau Holz vertritt die Ansicht, dass es auf dem Bau faire Einkommen gebe. Sora ortet in der Studie punkto Einkommenszufriedenheit ebenfalls einen Vorsprung der Baubranche. „Das liegt aber daran, dass der Anteil an Teilzeitbeschäftigten im Bauwesen niedrig liegt als etwa im Handel oder der Fremdenverkehrsbranche“, relativiert Schönherr.


Wunsch nach Weiterbildung

„Spannend“ ist für Prigl, dass Beschäftigte im Bauwesen laut Sora-Studie einerseits unzufriedener mit den Weiterbildungsmöglichkeiten sind, andererseits auch tatsächlich meinen, weniger Weiterbildung zu erhalten. „Wir bieten ein starkes Aus- und Weiterbildungsangebot vom Facharbeiter bis zum Bauleiter“, entgegnet Pringl. Das werde von 25- bis 35-Jährigen bereits sehr gut angenommen, von den älteren aber weniger: „Unser Ziel ist, dass jeder Bauarbeiter alle zwei Jahre mindestens eine Woche Weiterbildung in Anspruch nimmt“, wünscht sich Pringl. Bessere Qualifikation könne nämlich ebenfalls zu höherer Arbeitsplatzzufriedenheit beitragen, ist der Lehrbauhof-Leiter überzeugt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

Hobbyökonom