Telekom-Chef Ametsreiter denkt nicht an Rücktritt

30.08.2011 | 19:14 |   (DiePresse.com)

Der Telekom-Chef gesteht in einem Interview einen "Verheerenden Imageschaden" durch Kursaffäre und Korruptionsvorwürfe ein.

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Telekom-Chef Hannes Ametsreiter betont, dass für ihn ein Rücktritt nicht in Frage komme. Er denke "überhaupt nicht" daran, sagt Ametsreiter dem "Kurier". Der Imageschaden für das Unternehmen durch die Kursaffäre und die Korruptionsvorwürfe sei jedoch "verheerend". Mit dem Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hat, werde nun doch noch eine Kooperation überlegt. Diese müsse aber im Rahmen des Aktiengesetzes erfolgen.

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Dass er selber Schieszler "kriminelle Energie" vorgeworfen habe, sei "eine emotionale Geschichte", erläutert Ametsreiter. Er habe Schieszler bereits im Jahr 2009 rausgeworfen, weil es bei einem Auftrag über 1,1 Millionen Euro an die MPA, das Beratungsunternehmen des Lobbyisten Alfons-Pouilly, keine Dokumentation der Leistungen gegeben habe. Ob Mensdorff-Pouilly die 1,1 Millionen Euro für das Polizeifunkgesetz bekommen habe, das wisse er nicht, so Ametsreiter.

Die Telekom hatte 2009 von einem Rücktritt Schieszlers aus persönlichen Gründen gesprochen und diesem in einer Unternehmensaussendung alles Gute gewünscht.

Ametsreiter belastet Ex-Manager

Den Vorwurf von Schieszlers Anwalt, die Telekom habe durch einen Knebelungsvertrag den Kronzeugen quasi mundtot machen wollen, weist Ametsreiter erneut zurück. Als börsenotiertes Unternehmen könne man nicht in einem Pauschal-Schadenersatz-Vergleich gegen 300.000 Euro auf das Geld der Aktionäre verzichten. Der Anwalt habe den Vertragsentwurf wieder zurückgezogen.

Ametsreiter belastet Schieszler und Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer: Die beiden hätten 16 Aufträge an die Valora (von Peter Hochegger, Anm.) unterschrieben. Die Telekom selber tue alles, um aufzuklären.

Druck aus der ÖVP?

"Auf mich persönlich hat niemand Druck gemacht", sagt Ametsreiter dem Kurier auf die Frage, ob er beim Aufräumen von der ÖVP behindert werde. Der grüne Abgeordnete Peter Pilz hatte den Vorwurf erhoben, dass der Kabinettschef von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) interveniert habe.

(APA)

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11 Kommentare
Gast: Werber
01.09.2011 09:13
1 0

Markentwert verbrannt....

Ich möchte auch wissen, wie viel Ametsreiter von den einzelnen Werbeagenturen casht. Er war ja damals beim Umbau der Telekom Austria zu "jet2web" schon im Marketing ganz oben, jetzt als Vorstandsvorsitzender hat er schon wieder einen mit viel Geld eingeführten Markennamen geändert.
Markenwert scheint der Marketingexperte ja gerne zu verbrennen -- ob es da, wie auch in anderen Unternehmen, zu Umwegsprovisionen kommt?

Gast: commetatore
31.08.2011 13:04
2 0

Lieber Herr Ametsreiter,

glauben Sie wirklich, dass alle leute "auf der Nudelsuppe" daherschwimmen?

Schon vor sieben Jahren hat jeder mit nur rudimentärem Verstand kommentiert, dass der Aktienkurssprung kein Zufall war, sondern dass nachgeholfen wurde.

Und Sie selbst waren "part of the game" - paßt ja schön dahin, oder?

Also wenn Sie auch noch so brav Ihr vor sieben Jahren kassiertes Geld wo deponiert haben; sollten Sie sich ja auch die Frage gestellt haben, wie es zu dem Kursanstieg kam.

An göttliche Fügung kann man da kaum glauben - und an Zufall erst recht nicht. Somit haben Sie hier schön mitgewirkt.

Ich frage mich da ja nur, wieso Sie jetzt erst Ihr Geld deponiert haben und nicht viel früher - und nicht viel früher Selbstanzeige gemacht haben.

Und Ihre jetzigen Manöver wirken dabei auch nur wie eine "Flucht nach vorne"....

Wenn Sie Herrn Schieszler brutal "kriminelle Energie" vorwarfen, haben alle "Mitkassierer" zumindestens auch ein Quentchen davon.

Und wenn Sie tatsächlich nichts geahnt, nichts von der Causa mitbekommen haben, frage ich mich, ob Sie tatsächlich für einen Topmanagement-Posten qualifiziert sind.

Übrigens, was ist mit Ihrem Vorgänger Nemsic? Ist er tatsächlich erhaben von jedem Verdacht? Von ihm hört man ja interessanterweise sehr wenig.

Keine Lieben Grüße!

Re: Lieber Herr Ametsreiter,

Schon damals reichte ein Hendlhirn plus eine Hirnwindung mehr aus, um diese Machenschaften zu durchschauen.
Heute ist diese Hirnmasse Voraussetzung,um in manchen Bereichen des Konzerns zu reüssieren.
Dazu gehören wahrscheinlich auch Arbeitsverträge,wo von Managern eine gewisse Menge an Mitarbeiterabbau erwartet wird.Natürlich als Gehaltsbestandteil als Bonus....

Antworten Gast: zwickerl
31.08.2011 14:09
0 0

Re: Lieber Herr Ametsreiter,

sehr verehrter Herr commentatore:
sie möchte ich gesehen haben, wenn die FMA nichts findet aber sie selbst einen strafrechtlich relevanten Vorwurf vorbringen?
Das hätte sie wahrscheinlich um alle ihre Ersparnisse gebracht? usw.- auch Mut ist ein Sohn der Zeit in Österreich!
PS: wo bleiben die Rücktritte der Wiener-SPÖ Politiker im Zusammenhang mit der AKH Affäre betreffen die "Putzkolonne"? da hört man sehr wenbig?

Antworten Antworten Gast: commentatore
02.09.2011 07:05
0 0

Re: Re: Lieber Herr Ametsreiter,

Lieber Herr Zwickerl,

ich gebe Ihnen vollkommen recht; nur muss man sich fragen, wer die Akteure der FMA waren.

Aber - wo ich Ihnen noch mehr Recht gebe: Auffällig, dass nur bei schwarz-blau-orange was gefunden wurde u. die SPÖ quasi vor der "Heiligsprechung" stehen.

Ist Ihnen noch was aufgefallen? Dass einige Tageszeitungen (inkl. der Gratiszeitungen) sich gesamt nur auf die FPÖ gestürzt haben?

Oder ist das schon der vorauseilende Gehorsam bzgl. Presseförderung usw.

Langsam wird das alles sehr suspekt

0 1

Cartels with Telecom Austria in CEE


How Telecom Austria is organizing cartels in CEE in interaction with banks and politicians.
It is done through mind control of regulators and managers through the new converging technologies.

http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries

Gast: Tutenchamun
31.08.2011 00:19
2 0

Manager Boni jetzt auf ein Treuhandkonto überweisen

ist ungefähr genauso ehrenhaft, wie die Aussage von Scheuch, dass er von seinen Ämtern freiwillig zurücktreten wird, wenn er muss.
Das sind diese Marketing-Tricks der A1 Telekom. Was erhofft er sich davon? Eine geringere Strafe?

3 0

Ametsreiter

ist ein Segen.

Wenn er das durchzieht, dann kann sich die Regierung, WKO, Gewerkschaft und Kammern geschlossen um eine Staatsbürgerschaft in Israel bewerben.
Was ich weiß, geht der wahre Skandal so tief, das nicht mal die grünen unbeschadet davonkommen. Die 9 Millionen die derzeit in Diskussion sind, sind nur Trinkgelder - die wirklichen Schiebereien und Querverbindungen in die Parteien könnten nur öffentlich werden. Deswegen wehren sich auch alle gegen die Offenlegungspflicht der Partei Finanzierungen.

Wenn da ein externer Manager durchgreift, kriegen die Österreicher das was sie schon lange verdienen, eine völlig neue Regierung in der es keinen alten Zopf mehr gibt.

Antworten Gast: TT1
31.08.2011 12:48
1 0

Re: Ametsreiter

Sie haben recht. Es ist anzunehmen, daß die Geldwaschmaschine Hochegger/Mensdorff/Grasser/Meischberger/Strasser für alle Coleurs des Parlaments gearbeitet hat. Deswegen trennt sich Österreichs Justizminister NIEMALS vom Weisungsrecht. Österreich = Bananenrepublik.

Re: Der Zeitfaktor rettet die Grünen und die SPÖ ;-)

Denn vor über 10 Jahren wurde die Telekom Blau/Schwarz ...

Gast: Tutenchamun
30.08.2011 20:47
2 1

Amtsreiter steht an der Kippe

Ob er es schafft seinen Sellel zu halten bleibt fraglich. Ich denke er schafft es nicht. Wenn er es doch schafft dann ist er sehr geschickt.

Der grosse schaden für die Telekom liegt darin begründet, dass Amtsreiter kein Techniker ist. somit regiert die Politik. Amtsreiter kann niemals aus eigener Überzeugung glaubhaft machen, dass er neue Technologien promotet, ich glaube er weiss nicht einmal welche Technologien heute verwendet werden. Somit wird er ein Opfer der Spekulanten werden, wenn er nicht gleich zurücktritt.

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