Korruptionsaffäre: Der Telekom-Boss als gejagter Jäger

02.09.2011 | 18:23 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Der Druck auf Konzernchef Hannes Ametsreiter ist enorm. Ein dritter Vorstand wird ihn nicht entlasten, aber eine internationale Eingreiftruppe soll helfen.

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Er hat vor mehr als einem Jahr die interne Revision in Stellung gebracht, nachdem Gerüchte über Zahlungen der Telekom Austria über den Lobbyisten Peter Hochegger an Politiker und Parteien für Schlagzeilen gesorgt haben. Vor vier Wochen, als der Telekom-Skandal richtig hochgegangen ist, hat er „lückenlose Aufklärung" angekündigt und gelobt, dass „jeder, der sich fehl verhalten hat, zur Verantwortung gezogen wird". Jetzt steht Telekom-Boss Hannes Ametsreiter selbst unter schwerem Druck. Vor der von Aufsichtsratschef Markus Beyrer einberufenen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Freitag wurde sogar über einen Abgang von Ametsreiter spekuliert.

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Ametsreiter bleibt Konzernchef. Ihm zur Seite steht künftig nicht nur die hausinterne Taskforce, die schon etliche Scheingeschäfte der ehemaligen Telekom-Manager Rudolf Fischer und Gernot Schieszler mit dem Lobbyisten Peter Hochegger ans Tageslicht gebracht hat. Es wird ein Kontrollausschuss aus drei Aufsichtsräten gebildet, der sämtliche Aufräumarbeiten überwachen wird. Dieser wird eine unabhängige, international besetzte Truppe von Korruptionsjägern mit der Aufarbeitung sämtlicher Geschäfte und Zukäufe der Telekom in der letzten Dekade beauftragen. Außerdem wird unter der Vorstandsebene ein Compliance-Spezialist installiert, der auf die Einhaltung von Gesetzen und internen Regeln achten soll.

Die Bestellung eines dritten Vorstands, der Ametsreiter entlastet bzw. von ihm das operative Geschäft übernimmt, wie vor der Sitzung kolportiert, war dem Kontrollgremium offenbar zu „heiß". In dieser Konstellation wäre ein Abgang Ametsreiters nicht ausgeschlossen gewesen. Das wollte man in dem derzeitigen Chaos offenbar nicht riskieren. Zumal die Personalvertretung voll hinter dem Chef steht. „Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine Personaldiskussion", sagte Betriebsratschef Walter Hotz der „Presse". Der Konzern befinde sich ohnedies in Aufruhr. Ein neues Management würde das Gegenteil der gewünschten Beruhigung bringen.

Telekom: Wer alles die Hand im Spiel hat(te)

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Der Druck auf Ametsreiter von außen hält indes unvermindert an. Obzwar er beteuert, dass er nichts gewusst habe: weder von den Vorgängen rund um die Kursmanipulation, die 100 Managern in Summe neun Millionen Euro an Prämien gebracht hat, noch von den den dubiosen Honorarflüssen, die aus dem Konzern über Hochegger an Politiker und Parteien sowie andere Berater gegangen sein sollen.

Die Schatten der Vergangenheit kann Ametsreiter nicht ganz abschütteln. Kritiker gießen zudem Öl ins Feuer: Mit der sofortigen Rückzahlung des Bonus von 92.000 Euro, den Ametsreiter 2004 erhalten hat, nachdem per Manipulation die erforderliche Aktienkursmarke erreicht worden ist, sei es nicht getan. Es gehe um einen Neuanfang, um einen Schlussstrich unter die letzten zehn Jahre, fordern sie.

Ametsreiter war ab 2001 Marketing-Vorstand in der Handytochter Mobilkom, daneben hatte er diese Funktion ein Jahr (2005/06) auch bei der bulgarischen MobilTel inne. 2007 avancierte er zum Konzern-Marketing-Vorstand und folgte im April 2009 Boris Nemsic als Konzernchef nach. „Wenn jemand in einem System viele Jahre in gehobener Position tätig war, dann stellt sich die Frage, ob er der Richtige ist, dieses angeschlagene System aus der Krise zu führen", sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter zur „Presse". Die grüne Abgeordnete Gabriela Moser gibt Ametsreiter eine Chance: Er soll zeigen, dass er wirklich an einer umfassenden Aufarbeitung der Vergangenheit interessiert sei. Wenn das nicht geschehe, müsse er abgelöst werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2011)

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65 Kommentare
 
12

Rasch abgesetzt....

Die Frage, weshalb sich Boris Nemsic so auffallend rasch nach Russland abgesetzt hat, darf schon gestellt werden und soll in der gesamten Schieflage des Konzerens unter die Lupe genommen werden. Klar: auch für N. gilt die vielzitierte Unschuldsvermutung....

Nichts gegen gebürtige Kroaten, aber seit ich seit Jahren regelmässig die Balkanländer (Ex-Jugoslawien) bereise und mehr als andere die Länder und Menschen kennengelernt habe, habe ich auf dem Gebiet Korruption das zehnfache Misstrauen, denn Österreich hat vom Balkan sehr viel gelernt - im negativen Sinne selbstverständlich!!!!!!!

Gast: Gast Nummer 8316
04.09.2011 20:55
0

Siemens war früher ein Elektronik-Konzern

Seit dem Skandal ist hat Siemens Compliance und ist in diesem Bereich überhaupt nicht mehr tätig, nur mehr im Ölgeschäft.

Was wird die A1TA - die beiden As links und rechts werden auch bald wegfallen - dann machen, wenn Compliance kommt und man nicht mehr Telekommunikation machen möchte?

Die Antwort wurde schon gegeben: Immobilienspekulation?

Cartels with Telecom Austria in CEE


How Telecom Austria is organizing cartels in CEE in interaction with banks and politicians.
It is done through mind control of regulators and managers through the new converging technologies.
I have been threatened from the company to participate in a cartel in Bulgaria.

http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries

Antworten Gast: Nastia
04.09.2011 19:15
0

Re: Cartels with Telecom Austria in CEE

Mind control of regulators: The Austrian regulators had very close relations with the A1 telekom austria and the university.

Threatened from the company: This is a common practise within the A1 telekom austria. However, this practise is also found in other technology-operated componies in Austria. Its common source is the Industriellenvereinigung.

Cartels with Telecom Austria in CEE


How Telecom Austria is organizing cartels in CEE in interaction with banks and politicians.
It is done through mind control of regulators and managers through the new converging technologies.
I have been threatened from the company to participate in a cartel in Bulgaria.

http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries

Gast: fugazi
04.09.2011 14:17
0

...

ich habs gezählt!

korruption ist nach nazi das häufigste wort in der presse!

;-)

aber bitte lasst euch euer österreich ja nicht wegnehmen!

Korruption wird definiert

als die Verletzung eines allgemeinen Interesses zu Gunsten eines speziellen Vorteils.

Damit ist die gesamte gegenwärtige politische Machine korrupt.

Denn es geht nur mehr um die Erlangung eines Vorteiles auf Kosten der Allgemeinheit.

Beamte, ÖBB, Feministen, Gewerkschaften...(you name it)

Alle sitzen in diesem Boot.

Diese Blutegel fallen ja nicht einmal vom (Abreist)Pferd ab wenn das tot im Bach liegt :-)

Steuerhinterzieher

Korruptionäre
korrupte Steuerhinterzieher
steuerhinterziehende Korruptionäre

femine ...

von Aufsichtsratschef Markus Beyrer einberufenen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung

tja, wenn ametsreiter den üblichen österreichischen affen gemacht hätte (nichts hören, nichts sehen, nichts sagen), dann hätte der über jeden verdacht irgendeiner parteipolitischen einflussnahme stehende beyrer ihm in dieser außerordentlichen ar-sitzung nicht sagen müssen: "einmal noch den mund aufreissen, ohne uns vorher zu fragen, und du fliegst...!"

Schlaff, Steindling, die gesamte SPÖ

zu verhaften würde reichen um Österreich von 90 % der politisch determinierten Korruption zu befreien.

Re: Schlaff, Steindling, die gesamte SPÖ

boris, der fanatische, blöde und blinde diener seines herrn....

Re: Re: Schlaff, Steindling, die gesamte SPÖ

Ich zähle nur eins und eins zusammen.

Das wird ja noch erlaubt sein - oder sind wir schon wieder so weit, das auch das bereits illegal ist?

Gast: Mafiabande
03.09.2011 15:58
7

Wo ist der Aufschrei

Es kann doch nicht sein das Beyrer und Konsorten sich selber prüfen. Da muss unbedingt verhindert werden. Hier sind die Medien gefragt. Das kann man doch nicht durchgehen lassen.Es reicht schon das die Justiz und das Innenministerium in ÖVP Hand ist von da ist schon nichts zu erwarten.

Irgendjemand in dem Land muss doch dem korrupten Filz Einhalt gebieten können.

Antworten Gast: Johann S
03.09.2011 16:14
2

Re: Wo ist der Aufschrei

Der internationale Einsatzverband wirds schon richten.

Die Telekom ist ein Selbstbedienungsladen

für (Ex-)Politiker und Manager mit angeschlossenem Telefonnetzbetrieb zur Tarnung

Korruption, private Bereicherung von Amtsträgern und Managern, gesetzwidrige Parteienfinanzierung und andere Sauereien treten regelmäßig dort auf, wo der Staat zum wirtschaftlichen Akteur im großen Stil wird, sei es als Auftraggeber, Unternehmer oder Financier.

verwunderlich

die gewerkschaft hat offensichtlich bereits tief die hosen heruntergelassen und sich sehr weit nach vorne gebückt, einfach nur mehr zum speiben.

Re: verwunderlich

ein routinemäßiges standard-bashing wann immer irgendwo "gewerkschaft" steht?

ich verstehe ihr bild einfach nicht:
beyrer kommt aus der vp-zentrale, um ametsreiter für sein 'auplaudern' des bestechungsskandal rauszuschmeissen. die gewerkschaft sagt dazu „Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine Personaldiskussion".

wo ist die runtergelassene hose und die gebückte haltung?

Also wirklich ...................

was fuer ein bild - die genossen mit den unterhosen unter den knien - weit nach vorne gebeugt - und einen grinser im gesicht - shame - :O))

ach ja - wie geht es eigentlich dem herrn in penthouse?? ..............

Cartels with Telecom Austria in CEE

How Telecom Austria is organizing cartels in CEE in interaction with banks and politicians.
It is done through mind control of regulators and managers through the new converging technologies.

http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries

uebersetzung

wir haben alle mitleid mit den opfern der kriege wenn die verbindungen der telekom abreissen und sich der chef daran bereichert, nur die presse nicht. das mieseste blatt in oesterreich mit den duemmlichsten journalisten...

Gast: Niederösterreicher
03.09.2011 12:19
1

Muß man die "Aufarbeitung" wirklich so stümperhaft

durchführen, bis das Image der Telekom irreparabel beschädigte ist, und zwar weit stärker, als die Schadenssumme beträgt?

Auch von dieser Seite her zeigt sich, daß der Staat sich von der Privatwirtschaft fern halten soll, weil das geschäftsschädigende , bestenfalls stümperhafte Verhalten von dilettantischen Politikern, die nur auf politische Vorteile aus sind, diese Betriebe nur wirtschaftlich schädigen (welchen Schaden der Steuerzahler letztllich zu tragen hat). Das klassische Beispiel dafür war die Verzögerung des AUA-Verkaufs, bis sie nicihts mehr wert war od. Umgekehrt das Schlechtmachen des Verkaufs der Alpe-Adria trotz des sehr günstigen Preises, bis die Bayer. LB mit einer Anfrechttungsklage drohte!

Re: Muß man die "Aufarbeitung" wirklich so stümperhaft

ich kann gern akzeptieren, dass ihnen auf grund ihrer politischen orientierung das motto "ja zu privat, nein zu staat" recht nahesteht.

schmunzeln lässt mich allerdings, dass sie um ihr motto zu verteidigen, sich ausgerechnet ein beispiel aussuchen, wo das genaue gegenteil ihrer aussage belegt wird.


"...von der Privatwirtschaft fern halten..."

Als die Telekom als Post-und Telegraphenverwaltung noch in 100%prozentigem Besitz des Staates war, unterlag sie der Kontrolle des Rechnungshofs. malversationen diese Ausmaßes wären unmöglich gewesen.
Erst durch die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes und der nachfolgenden Privatisierung konnte es zu diesen Auswüchsen an unverfrorener Selbstbereicherung kommen. Paradigmatisch dafür ist Heinz Sundt der als Fernmeldemonteurlehrling bei der Post-und Telegraphenverwaltung seine Karriere begann und als Generaldirektor der Telekom in Pension ging. Nur durch die Privatisierung gelang es ihm dies zu werden!

Gast: gast1526381
03.09.2011 11:58
2

unglaublich

dass dieser mann immer noch an der spitze der telekom steht. der hat jahrelang mit hocheggers agentur hochegger-pr und dem ableger davon "martrix" gepackelt, hat werbeetats an hochegger vergeben und sagt, er weiß von nichts. na geht's noch bitte?!? naja, typisch österreichische lösung halt.

Antworten Gast: Bohris
04.09.2011 17:54
0

Re: unglaublich

Da stand ja auch eine Leistung dagegen. Frage nur zu welchem Preis!? ;)

Gast: noch ein Gast
03.09.2011 11:51
2

Neusprech?

Bin ich der einzige, dem auffällt, dass durch die Bank in den News mehr und mehr Kriegsvokabular verwendet wird? Dieser Artikel ist ein schönes Beispiel:

"Eingreiftruppe"
"Revision in Stellung gebracht"
"Jäger wird Gejagter"
"Truppe von Korruptionsjägern"

Der Ton macht die Musik, wie man so schön sagt. Die Frage ist, was damit bezweckt werden soll.

 
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