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Ungarn plant „Banküberfall“

12.09.2011 | 18:08 |  von Matthias Auer und Josef Urschitz (Die Presse)

Heimische Banken müssen die Währungsverluste bei Fremdwährungskrediten in Ungarn teilweise schlucken. In Summe geht es um rund fünf bis sechs Mrd. Euro. Österreich will gegen das Gesetz kämpfen.

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Wien/Budapest. Österreichs Banken werden wohl einen Teil ihrer Fremdwährungskredite in Ungarn abschreiben müssen. Nicht, weil hunderttausende Ungarn angesichts des Höhenflugs des Schweizer Franken Probleme haben, ihre Schulden zu bedienen, sondern weil es Premierminister Viktor Orbán so will. Geht es nach der regierenden Fidesz, soll jeder der 1,3 Millionen Ungarn, die einen Euro- oder Franken-Kredit aufgenommen haben, nun den Kredit auf einen Schlag zu besonders günstigen Wechselkursen zurückzahlen können: 180 Forint je Franken und 250 Forint je Euro. Die Differenz zum tatsächlichen Wechselkurs (etwa ein Fünftel) „und alle Kosten“ sollen die Banken tragen.

Damit drohen den österreichischen Instituten Raiffeisen Bank International (RI) und Erste Group herbe Verluste. Sie gehören gemeinsam mit UniCredit und der OTB zu den größten Geldgebern im Land. In Summe geht es für Österreichs Banken um rund fünf bis sechs Mrd. Euro. Die Erste Bank alleine hat rund drei Mrd. Euro in Schweizer Franken an ungarische Privathaushalte vergeben, die RI etwa 1,6 Mrd. Euro.

 

„Bizarrer Schuss aus der Hüfte“

Am Montag waren die heimischen Banken noch in Schockstarre. Nach Bankensteuer und Robin-Hood-Tax für internationale Unternehmen legt Orbàn Investoren nun einen weiteren Stein in den Weg. Der Vorstoß war ein Schuss aus der Hüfte des rechtspopulistischen Regierungschefs und traf Banker wie Politiker diesseits des Neusiedler Sees denkbar unvorbereitet. Am späten Freitagnachmittag wurde der Plan erstmals vage angedeutet, am Montag wurde er vor dem Parlament bestätigt, in wenigen Wochen dürfte ihn Orbáns Zweidrittelmehrheit im Parlament durchwinken.

Die Banken bezahlen für die politische Willkür mit fallenden Aktienkursen: Erste und Raiffeisen stürzten am Montag um bis zu zehn Prozent auf Zweijahrestiefs ab. Dabei war auch am Montag noch unklar, wie der „nationale Aktionsplan“ genau aussehen wird. „Es ist bizarr genug, dass der Staat in privatrechtliche Verträge eingreift“, sagt Sandor Richter, Ungarn-Experte des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Immerhin bestehe Fidesz nun nicht mehr darauf, dass die Banken den Ungarn den Umstieg auf einen Forint-Kredit finanzieren.

Für den Fall, dass das Gesetz wie geplant beschlossen wird, rechnet der Ökonom allerdings nicht damit, dass viele Ungarn das Geld haben, die günstige Sofort-Rückzahlung auch zu nutzen. Das Gesetz werde der ungarischen Wirtschaft letztlich „schweren Schaden zufügen“, warnte der ungarische Bankenverband. Nicht zuletzt, weil sich Ungarn damit innerhalb der EU weiter isoliert.

 

Protestbrief von Fekter

In Österreich waren die Reaktionen empört. So kündigte Außenminister Spindelegger an, das Gesetz auf EU-Ebene mit allen Mitteln bekämpfen zu wollen. Er forderte die EU-Kommission auf, beim EuGH eine einstweilige Verfügung gegen das Gesetz zu beantragen. Finanzministerin Maria Fekter wehrte sich in einem Protestbrief an ihren ungarischen Amtskollegen gegen die geplante „Zwangskonvertierung“. Diese gefährde die Finanzmarktstabilität in ganz Europa. Die Banken geben sich jedoch bedeckt – schließlich stehen sie noch in Verhandlungen mit der Fidesz. Was Viktor Orbán von Kritik aus dem Ausland hält, ließ er allerdings jüngst auf der Jahresversammlung der ungarischen Diplomaten wissen: Man solle sich um die Kritiker nicht kümmern. Das behindere lediglich die „Entwicklung der gesunden Volksseele”.

Ungarn sorgt freilich nicht für das einzige Franken-Problem, das sich die österreichischen Banken in Osteuropa aufgeladen haben: Während der expansiven Phase wurden auch Länder wie Kroatien, Rumänien oder die Ukraine flächendeckend mit Fremdwährungskrediten versorgt. Dort ist das Problem in der Zwischenzeit zwar nicht gelöst, aber aufgeschoben. Es wurden Vereinbarungen getroffen, die in vielen Fällen auf eine „Streckung“ des Kredits hinauslaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2011)

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174 Kommentare
 
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Mutiger Schritt

Die ungarische Regierung versucht wenigstens, etwas für die eigenen Leute zu tun. Spindelegger und Fekter helfen halt lieber den Banken.

Gast: mascheee
13.09.2011 17:18
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wechseeell

wäre der kreditnehmer ausreichend!!!!!
über risiken
informiert würde niemand solche krediten aufnehmen.

Re: wechseeell

Das Risiko, dass sich der Wechselkurs nicht zu den eigenen Gunsten verändert? Als wenn man darüber nicht Bescheid wusste dann kann einem nicht mehr geholfen werden.

Gast: arme Banken
13.09.2011 14:46
0 0

Mir kommen die Tränen...

Solange die Banken genug Leute ausrauben können ist die Welt in Ordnung.

Gast: E9h
13.09.2011 14:25
0 0

Na Servas.

Im Vergleich zum Orban war der slowakische Meciar ein Ehrenmann mit Stil und Rechtstreue...

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Re: Na Servas.


ich finde auch, die bürger sollen zahlen, alles.

bank-konkurse

verspekulierte hedge-fonds

schulden-staaten

der steuerzahler soll doch zahlen.

wie kommt eine bank dazu???

frechheit.

Gast: Altemanze
13.09.2011 14:08
0 0

nur 1 kleine Frage;

WER druckt den ungarischen Forint?
.

Gast: ott 67
13.09.2011 12:05
1 0

Ein Schuss in beide Knie...

...das ahnungslose Volk applaudiert - und zahlt in Bälde die Rechnung für diesen Wahnsinn!

Gast: Orban
13.09.2011 11:34
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Dringend gesucht?

Konrad? Stepic? Treichl? Cernko?

Gast: Robert
13.09.2011 11:28
0 0

Verlustbeteiligung

Naja, erwähnen sollte man aber schon, dass die Banken die Verluste nicht einseitig, alleine tragen müssen:

Die Kurse zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme lagen zumeist viel niedriger, d.h. es kommt zu einer Verteilung des Risikos. In jener Zeit, als die meisten CHF-Kredite aufgenommen wurden, lag der Kurs so um 140, max. 150 Forint pro Franke. Jetzt zahlt man ca. 230 Forint für einen Franken. Bei einem fixen Währungskurs von 180 Forint pro Franken müssen die Kreditnehmer daher auch hohe Verluste einstecken.

Sicherlich bin ich kein Fan von staatlichem Eingriff in privatrechtliche Verträge, jedoch war bisher in Ungarn den Banken gesetzlich garantiert, dass sie bei erhöhtem Risiko bei einem Kreditgeschäft oder dann, wenn ein Risiko schlagend wird, einseitig den Kreditvertrag zu Ungunsten des Kreditnehmers ändern können.

Dass bisher also ein Gesetz die Banken zur einseitigen Vertragsänderung ermächtigt hat, damit sie möglichst wenig Risiken bei Kreditgeschäften auf sich nehmen müssen, hat merkwürdigerweise niemanden gestört und wurde dies nicht als "unerlaubter Eingriff durch staatliche Hilfe in privatrechtliche Verträge" oder als Verstoß gegen den Grundsatz "pacta sunt servanda" bewertet.

wenn das Gesetz schon bei Vertragsschluß existiert hat,

dann ist es auch kein Eingriff in bestehende Verträge. Daß ein Kreditvertrag einseitig angepasst werden kann, gibt es ja überall und das weiß man, wenn man einen solchen mit variabler Verzinsung unterschreibt.

Antworten Antworten Gast: Robert
14.09.2011 08:08
0 0

Re: wenn das Gesetz schon bei Vertragsschluß existiert hat,

Das ist mir klar, aber das ist halt der Unterschied zwischen "formeller (Vertrags-)Freiheit" und "faktischer (Vertrags-)Freiheit".

Denn faktisch hat man als Kreditnehmer keine andere Wahl, als der einseitigen Änderung - die ja die Ausnahme im Privatrecht ist - zuzustimmen.

Wie man es auch bewerten mag:
die Bank bewertet ein Risiko bei Vertragsabschluss. Der Kreditnehmer bewertet ein Risiko bei Vertragsabschluss. Die Bank darf bei jeder Kleinigkeit das Risiko neu bewerten. Der Kreditnehmer darf nicht einmal in Ausnahmefällen, wie bswp. Finanzkrise, das Risiko neu bewerten und den Kredit konvertieren und (den Großteil) immer noch - konvertiert - zurückzahlen.

Wenn das kein Ungleichgewicht ist...

Gast: vickerl
13.09.2011 10:59
2 0

bekannt

„Entwicklung der gesunden Volksseele” - kommt an des net bekannt vor?

Gast: Joes World
13.09.2011 10:59
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Orban Konzept

Auf den ersten Blick gilt das ganze wie ein Scherz. Aber vergessen wir nicht: am meisten leiden darunter die ungarischen Banken. Das gute an diesem Konzept: endlich zahlen diejenigen für die Probleme der Krise, die diese verursacht haben: die Banken. Und nicht der Mittelstand. D.h. der kleine Häuslbauer.
Vielleicht ein Konzept für ganz Europa?

Antworten Gast: Heinereiner
13.09.2011 16:27
1 0

Die Banken haben Ungarns schwere Wirtschaftskrise

nicht verursacht, diese Krise ist hausgemacht.

Re: Orban Konzept

Sie übersehen, dass die Banken nicht nur Fremdwährungskredite vergeben. Es ist doch engstirnig zu glauben, dass sich die Banken das gefallen lassen. Die nehmen das Geld wo anders wieder ein.

Aktionäre werden ihr Vermögen eher bewahren

Was auch immer jetzt passiert. Die Geschichte zeigte eines - mit Sachwerten konnten Vermögen über alle Krisen hinweg am besten erhalten werden! Jetzt (seit Jahren) kommt die Zeit der Entschuldung und es wird zu riesigen Verwerfungen kommen!

www.anleitung-zum-reichtum.com

Gast: Cashier
13.09.2011 10:40
0 0

BA BA Banküberfall

und die österreichischen Steuerzahler können dann
mitsingen : "Na gut, dann zahl ich halt was ein".

Ganz im Ernst

Egal ob Orban rechts oder links ist, wenn er den Banken mal ein wenig Macht abschneidet ist das genau richtig. Die haben unwissenden Kunden Kredite aufgeschwatzt von denen die gar nicht wissen konnten, dass die so unglaublich viel teurer werden würden - und fahren jetzt fette Profite ein.

Wirklich erbärmlich aber sind unsere Politiker, die sich auf Seiten der Banken stellen anstatt auf Seiten der Ungarn welche von den Banken in die Armut getrieben werden.

Antworten Gast: Wutbürger
13.09.2011 18:25
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Re: Ganz im Ernst

"Egal ob Orban rechts oder links ist, wenn er den Banken mal ein wenig Macht abschneidet"

...dann ist er links. Rechte lehnen die Planwirtschaft ab.

Antworten Gast: Jarloslaw Mumbek
13.09.2011 16:30
1 0

Die Banken konnten das aber auch nicht wissen.

Das Geschäft wurde in allen EU-Staaten betrieben, aber nur in Ungarn wurde es zum großen Problem, weil die unfähigen Regierungen den Forint auf Talfahrt gesandt haben. Tschechenkrone und Sloty stehen zB super da. Die Tschechen und die Polen haben daher auch keine Probleme mit der Bedienung von Eurokrediten... Und die unfähigen Ungarn wollen jetzt die Banken für ihre eigenen Unfähigkeit bluten lassen.

Antworten Gast: Dr. Alois Windbrechtinger
13.09.2011 11:17
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Re: Ganz im Ernst

Liebe Minniemouse
Ihr Nickname bezieht sich wohl auf Ihr wirtschaftliches Verständnis. Wenn durch willkürliche Gesetze in Ungarn die Aktienkurse österreichischer Banken fallen, dann trifft das am stärksten die Österreicher (Pensionsfonds, Menschen die in Aktien investiert haben etc.) Ihr Banken bashing ist daher ziemlich sinnentleert und geht völlig am Thema vorbei, dass nämlich eine populistische Rechtsregierung alle Regeln des zivilisierten Zusammenlebens in Europa negiert.

Antworten Antworten Gast: Mickeymouse
13.09.2011 11:52
0 0

Re: Re: Ganz im Ernst

Nur so ein Gedanke...
Ich glaube, die Ungarn verstehen unter "Regeln des zivilisierten Zusammenlebens in Europa" nicht, dass sie die Österreicher und deren Vermögen beschützen oder vermehren müssen...


Antworten Gast: Histi
13.09.2011 10:56
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Re: Ganz im Ernst

Viel Ahnung von der Wirtschaft haben Sie nicht, oder?

Gast: Freitags
13.09.2011 10:31
1 1

Die ungarische Abwärtsspirale...

...erhält durch Orban extreme Dramatik. Einem Ertrinkenden zu sagen, dass sein wildes Herumschlagen nur das Ertrinken beschleunigt, ist in der Regel sinnlos. Er wird dadurch nur noch aggresiver und ertrinkt noch schneller.

andersrum

Wenn sich die Frankenkurs weiter vorteilhaft entwickelt hätte, hätten dann die Kreditnehmer die Hälfte ihres Vorteils den Banken gegeben?

Wohl eher nicht!

Jeder der spekuliert muss sein Resiko selber tragen.


 
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