Schuldenkrise: Österreich bietet Griechen Hilfe an

Europas Sorgenkind hat Wien um Rat gebeten. Wirtschaftsminister Mitterlehner will nun eine Delegation nach Griechenland schicken, um Know-how weiterzugeben.

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(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Wien. Interessante Post, nämlich einen Brief aus Griechenland, bekam Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am 15. September: Die schwer verschuldeten Hellenen suchten in Wien um die „Etablierung einer soliden Kooperation“ an. Soll heißen: Österreich soll den Griechen helfen, die marode Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Mitterlehner ließ sich nicht zweimal bitten: „Wir stellen unser Know-how gerne zur Verfügung“, sagte er am Freitag.

Konkret werde der Minister „schon bald“ ein Expertenteam ans Mittelmeer schicken, das den Griechen mit Tipps aushelfen soll. Dabei gehe es vor allem um Mitarbeiter der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS), der Österreich Werbung sowie der Austrian Business Agency. Alle drei Organisationen sind dem Wirtschaftsministerium unterstellt und haben eine Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Österreich zum Ziel.

Die Förderung der griechischen Wirtschaft sei laut Mitterlehner wichtiger als „ständig neue Sparprogramme“. Man müsse „den Schwerpunkt der Diskussion verlagern“, weg von den Sparbemühungen hin zur Ankurbelung der Konjunktur. Die Lage Griechenlands vergleicht der Wirtschaftsminister mit jener Deutschlands nach der Wiedervereinigung von 1990: „Damals sind Experten auch nach Ostdeutschland gegangen und haben ihr Know-how weitergegeben.“

Acht Banken herabgestuft

AWS-Chef Bernhard Sagmeister steht der Idee positiv gegenüber. „Wir könnten österreichische Unternehmen begleiten, wenn sie in Griechenland investieren wollen“, sagt er zur „Presse“. Die AWS beschäftigt 225 Mitarbeiter und vergibt jährlich Fördergelder von einer Mrd. Euro. Mehr als die Hälfte davon fließt in Darlehen für expandierende Firmen.

Zur Debatte stand im Sommer auch, dass die Industrieholding ÖIAG die Griechen bei der Privatisierung von Staatsvermögen unterstützen könnte. Der damalige ÖIAG-Chef Peter Michaelis bestätigte eine entsprechende Anfrage. Doch seither stocken die Gespräche: „Es gibt keine neuen Entwicklungen“, heißt es aus dem Büro des neuen ÖIAG-Chefs Markus Beyrer.

In Griechenland wird die Situation indes immer prekärer. Die Agentur Moody's senkte am Mittwoch das Rating für acht griechische Banken. Das Land steckt in einer tiefen Rezession und in Athen sorgten die beschlossenen Sparpakete diese Woche erneut für umfangreiche Proteste. Die Troika aus EU, EZB und IWF bezeichnet die Einsparungen als unumgänglich. Die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem 110 Mrd. Euro schweren Hilfspaket wird nächste Woche entschieden. Fließt das Geld nicht, ist Griechenland voraussichtlich im Oktober insolvent.

Darüber sprechen will Mitterlehner keinesfalls: „Eine Insolvenz kann keine Option sein“, sagt er. Wenn es – mit österreichischer Hilfe – gelänge, die Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen, könne Europas Sorgenkind „auf jeden Fall gerettet werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2011)

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