Schuldenkrise: Österreich bietet Griechen Hilfe an

23.09.2011 | 18:22 |  STEFAN RIECHER (Die Presse)

Europas Sorgenkind hat Wien um Rat gebeten. Wirtschaftsminister Mitterlehner will nun eine Delegation nach Griechenland schicken, um Know-how weiterzugeben.

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Wien. Interessante Post, nämlich einen Brief aus Griechenland, bekam Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am 15. September: Die schwer verschuldeten Hellenen suchten in Wien um die „Etablierung einer soliden Kooperation“ an. Soll heißen: Österreich soll den Griechen helfen, die marode Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Mitterlehner ließ sich nicht zweimal bitten: „Wir stellen unser Know-how gerne zur Verfügung“, sagte er am Freitag.

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Konkret werde der Minister „schon bald“ ein Expertenteam ans Mittelmeer schicken, das den Griechen mit Tipps aushelfen soll. Dabei gehe es vor allem um Mitarbeiter der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS), der Österreich Werbung sowie der Austrian Business Agency. Alle drei Organisationen sind dem Wirtschaftsministerium unterstellt und haben eine Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Österreich zum Ziel.

Die Förderung der griechischen Wirtschaft sei laut Mitterlehner wichtiger als „ständig neue Sparprogramme“. Man müsse „den Schwerpunkt der Diskussion verlagern“, weg von den Sparbemühungen hin zur Ankurbelung der Konjunktur. Die Lage Griechenlands vergleicht der Wirtschaftsminister mit jener Deutschlands nach der Wiedervereinigung von 1990: „Damals sind Experten auch nach Ostdeutschland gegangen und haben ihr Know-how weitergegeben.“

Acht Banken herabgestuft

AWS-Chef Bernhard Sagmeister steht der Idee positiv gegenüber. „Wir könnten österreichische Unternehmen begleiten, wenn sie in Griechenland investieren wollen“, sagt er zur „Presse“. Die AWS beschäftigt 225 Mitarbeiter und vergibt jährlich Fördergelder von einer Mrd. Euro. Mehr als die Hälfte davon fließt in Darlehen für expandierende Firmen.

Zur Debatte stand im Sommer auch, dass die Industrieholding ÖIAG die Griechen bei der Privatisierung von Staatsvermögen unterstützen könnte. Der damalige ÖIAG-Chef Peter Michaelis bestätigte eine entsprechende Anfrage. Doch seither stocken die Gespräche: „Es gibt keine neuen Entwicklungen“, heißt es aus dem Büro des neuen ÖIAG-Chefs Markus Beyrer.

In Griechenland wird die Situation indes immer prekärer. Die Agentur Moody's senkte am Mittwoch das Rating für acht griechische Banken. Das Land steckt in einer tiefen Rezession und in Athen sorgten die beschlossenen Sparpakete diese Woche erneut für umfangreiche Proteste. Die Troika aus EU, EZB und IWF bezeichnet die Einsparungen als unumgänglich. Die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem 110 Mrd. Euro schweren Hilfspaket wird nächste Woche entschieden. Fließt das Geld nicht, ist Griechenland voraussichtlich im Oktober insolvent.

Darüber sprechen will Mitterlehner keinesfalls: „Eine Insolvenz kann keine Option sein“, sagt er. Wenn es – mit österreichischer Hilfe – gelänge, die Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen, könne Europas Sorgenkind „auf jeden Fall gerettet werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2011)

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52 Kommentare
 
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Schuldenkrise: Österreich bietet Griechen Hilfe an

Ein Land dessen Vertreter den absolut gleichen Unsinn betreiben (überbordende Verwaltung samt bester Gehaltsabschlüsse im öff Dienst) als Helfer anzufragen zeugt von ähnlichen Interessen und Problemen !
Ö hat ~ 20% Beamte, GR über 25%; in beiden Ländern überdurchschnittlich entlohnt.
GR sucht also um SChützenhilfe, weiteres Geld zu bekommen um wie bisher weiterwurschteln zu können; ähnlich Ö, welches allerdings wenigestens (noch) weit bessere wirtschaftliche Daten vorweisen kann.

Gast: Defender
24.09.2011 14:26
4

Ist dieser Herr Mitterlehner nur dazu da,

Steuergelder für Projekte auszugeben, die, wie der unsägliche Spritpreisrechner, von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind?

Wo ist der denn angrennt?

Die Griechen brauchen jetzt einmal Geld, Geld und nochmals Geld - und zwar schnell. Und er kommt mit guten Ratschlägen daher. Da werden sie unter der Akropolis trotz aller Not nicht mehr so recht wissen, ob sie lachen, weinen oder sich verarscht vorkommen sollen... ;-)

Gast: Beuteburgenländer
24.09.2011 13:35
3

Korruption verbesserungswürdig

Ich denke auch, dass Österreich hier einiges Beitragen kann. In Griechenland scheint die Korruption eine Primitive zu sein. Mit unserem Know How können wir den Griechen zeigen wie es besser geht. Auch auf dem Gebiet der Parteienfinanzierung sind wir sicher Europameister. Des weiteren, wie man die Justiz aushungert und erfolgreich am Gängelband führt. Und dann die Gesetzgebung erst. z.B.: Unvereinbarkeit per Gesetz regeln. Bei Verstoß gibt es aber keine Sanktionen. Oder das Zwangskammerunwesen in die Verfassung aufnehmen. Und als Wirtschaftskammerpräsident auf offiziellen Reisen für die eigene Firma Aufträge keilen. Da reichen mir die restlichen 800 Zeichen nicht aus, was die noch von uns lernen können
lg

Gast: der kommentar
24.09.2011 13:24
0

schicken sie mensdorff und hochegger ????


wann wird sich unser Multi-Minister Mitterlehner (kurz MMM),

besinnen, noch andere Agenden zu haben, als ökonomische Frohbotschaften (quasi als Zeichen seiner ganz persönlichen Tüchtigkeit) zu verbreiten?

Haben wir schon den 11.11.2011?


Gast: der wiener
24.09.2011 13:03
4

"Wir stellen unser Know-how gerne zur Verfügung“

Und WIR, gelernte Österreicher u. arbeitenden Steuerzahler, wissen was das bedeutet:

Mir kenan wida blechen!

(Da redet ana von Know How, selbst nicht fertigwerdend mit der Rangordnung im eigenen Saustall und spechtelt schon wieder mit der Arbeitsleistung der Bevölkerung!)

Gast: ASVG-Sklave
24.09.2011 12:46
5

vermutlich läuft es genau anders herum:

Die Griechen werden der österreichischen Delegation zeigen, wo der Wahnsinn im Öffentlichen Dienst hinführt. Das haben nämlich Neugebauer, Adamovich & Co bis heute nicht begriffen.

Re: vermutlich läuft es genau anders herum:

Wenn Sie denn lernfähig wären.

Gast: Santa
24.09.2011 12:44
1

Auch Griechenland verfügt über nützliches Know How


Gast: ASVG-Sklave
24.09.2011 12:08
4

Ausgerechnet Österreich mit 200 Mrd. Schulden


und den selben Problemen eines parasitären und effizienzlosen Verwaltungsapparates - der nicht kostendeckend operiert- will die Griechen beraten.

Antworten Gast: ASVG-Sklave
24.09.2011 12:34
1

Re: Ausgerechnet Österreich mit 200 Mrd. Schulden


Der SPIEGEL: Ein Job beim Staat war in Griechenland wie ein Sechser im Lotto - bloß nicht so selten. Vetternwirtschaft und teure Wahlversprechen haben die Verwaltung aufgebläht, jetzt steht eine Radikalkur bevor.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787835,00.html


Das ist aber Interessant!

Warum die Griechen das machen verstehe ich nicht. Griechenland wird abstürzen. Das steht fest aber wen alle Griechenland dabei mitnimmt, wissen wir nicht. Jetzt kennen wir wenigstens einen Kandidaten. Österreich! Jetzt ist die Frage, welches Anliegen die Griechen dabei haben? Abstürzen ist in der Regel negativ. Aber kann auch positiv empfunden werden weil es der Anfang des Aufsteigens ist. Österreich aknn selbst entscheiden, welches richtig ist!

Gast: Kommissar Ehrlicher
24.09.2011 09:45
1

Konjunktur ankurbeln

An alle die sich da so künstlich aufregen, dass Griechenland ausgerechnet Österreich um Hilfe bittet, wo doch Österreich selbst ziemlich korrupt ist:
Eben genau deshalb. Griechenland ist mit Österreich in Größe, Bevölkerungsdichte, Landschaft (Gebirge) ziemlich ähnlich. Trotz der gewaltigen Korruption schafft Österreich es zu den AAA-Ländern zu gehören und der breiten Masse geht es gut. Ich glaube, Griechenland hat richtig überlegt.
Ich halte die Österreicher für ziemlich tüchtig. Sie schaffen es, trotz zum Teil schwieriger Ausgangslage zu guten Ergebnissen zu kommen.

Auf die Idee Griechenland nicht kaputtzusparen, sondern die Wirtschaft anzukurbeln, hätten die Gläubiger schon früher kommen können.

Re: Sie schaffen es, ...

Wie Sie fast richtig sagen, ich würde es jedoch so formulieren:
Die Ö. schaffen es trotz der ausufernden Bürokratie und, großteils sinnlosen Bevormundung, noch (und darauf liegt die Betonung) zu halbwegs guten Ergebnissen zu kommen.

D.h. wie gut wären die zu erwartenden Ergebnisse im Fall von "etwas Rückzug der Bürokratie"!? Und das in Kombination mit "etwas geringeren Staatsausgaben", wegen weniger Bürokratie.
Man wagt gar nicht davon zu träumen.

Antworten Antworten Gast: ASVG-Sklave
24.09.2011 12:11
0

Re: Re: Sie schaffen es, ...


Auslagerung (ASFINAG etc) und Tourismus sind die einfache Begründung dieser Mythen.

Re: Konjunktur ankurbeln

Der Staat oder die Politiker haben noch keine Wirtschaft angekurbelt und netto noch keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen - ausser, sie schaffen sich selber ab. Das einzige was hilft ist, wenn der Staat sich massiv aus der Wirtschaft zurückzieht, Privatisiert, Steuern senkt, staatliche Funkionen streicht die fast alle der Markt besser erfüllen kann - aber genau diese Ratschläge sind von unseren Politikern mit Sicherheit nicht zu erwarten!

Re: Re: Konjunktur ankurbeln

Prinzipiell haben Sie Recht, nur die Politik hat leider doch auch neue, wenn auch unproduktive Arbeitsplätze geschaffen. Nämlich immer mehr Staats- und Gemeindebedienstete.

Aber genau das, überbordende Anzahl von "Staatsdienern" und deren Privilegien, ist ja eines der Probleme in GR. Und ob da Tipp's österreichischer "Staatsangestellter" zur Lösung beitragen, die, wenn überhaupt, erst in ferner Zukunft, wirksam werden könnte, darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher verneint werden.

Wenn´s ernst gemeint ist...

erfüllt´s den Tatbestand der gefährlichen Drohung. Oder will der Mitterlehner den korruptesten Staat Europas noch ein paar einschlägige Tipps geben? Fährt gar Hochegger, Meischi, Scheuch, Gorbach und Grasser als Experten hin? Fragen über Fragen....

Gast: Eierbär
24.09.2011 08:35
8

Von Österreich lernen, heißt siegen lernen

Also: Fakelaki ist PFUI GACK, weil Fakelaki heißt übersetzt kleiner Umschlag. In Österreich gibt es keine kleinen Umschläge. Da gibt es nur PR-Agenturen, die für eine Pressekonferenz schon mal einen Hunderter überwiesen bekommen. Also nix KLEINER Umschlag, sondern GROSSE Überweisung!

Gast: Biersauer
24.09.2011 05:30
0

Österreich als Herz - Lungen - Maschine für das ..

im Koma liegende Griechenland.
Soll wohl eine Stammzellen-Transplantation werden, sprich Frischzellenkur.

Der Österreich Unterricht

GR Frage:
"Wie mache ich ein Land kaputt und bleibe trotzdem wie das Fettauge auf der Suppe obenauf schwimmend ???"

AT Antwort:
" Ich tausche schön langsam die Bevölkerung aus "
BRAVO !!!

Re: Der Österreich Unterricht

Bevölkerungsaustausch Türken statt Griechen? Das funktioniert eher nur in Österreich und Deutschland.

Gast: Blankenstein Husar
20.12.2014 23:30
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Gute Idee!

Schickt Faymann und Fischer gleich als erste runter,

Die fühlen sich in diesem korrupten Saustall sicher pudelwohl....

endlich alle einer Meinung . . . zum Lachen

bis dato nur positive Bewertungen der Kommentare: Baguio, PH, Samstag 3:40 früh!

 
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