Österreicher stellen Euro infrage

29.09.2011 | 18:17 |  WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Nur noch 37 Prozent sehen Vorteile in der Gemeinschaftswährung. Gebildete sind deutlich positiver eingestellt als weniger Gebildete. Eine gemeinsame europäische Wirtschaftslenkung wird mehrheitlich abgelehnt.

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Wien. Die Eurokrise hat die Österreicher tief verunsichert. Sie stellen die Vorteile der gemeinsamen Währung infrage und lehnen den von mehreren EU-Regierungen forcierten Lösungsansatz einer stärkeren Kontrolle der Mitgliedstaaten durch EU-Institutionen ab. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Europapolitik (ÖGFE), die der „Presse“ exklusiv zur Verfügung gestellt wurde, glauben nur noch 37 Prozent, dass Österreich von der Mitgliedschaft in der Währungsunion „eher profitiert“ hat. 48 Prozent sind der Ansicht, dass unser Land „eher nicht profitiert“ hat. Der Rest sieht keinen Unterschied zum Schilling.

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„Der zögerliche Umgang mit der Schuldenkrise hat derzeit einen negativen Einfluss auf das Meinungsbild der Österreicher zum Euro“, interpretiert Paul Schmidt, Generalsekretär der ÖGFE, das Ergebnis. Die repräsentative Umfrage, die von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft durchgeführt wurde, zeigt aber auch eine tiefe Kluft zwischen besser und weniger gut ausgebildeten Gruppen. Während 59 Prozent der Österreicher mit Hochschulabschluss noch immer eine positive Bilanz über den Euro ziehen, sind es bei jenen mit Pflichtschulabschluss nur 24 Prozent. 61 Prozent dieser Gruppe glauben „eher nicht“, dass Österreich profitiert hat. Schmidt sieht hier die Notwendigkeit, die Vorteile des Euro besser zu erklären. „Gerade als kleines und exportorientiertes Land profitieren wir massiv von der Währungsunion. Etwa 55 Prozent der österreichischen Exporte gehen in den Euroraum und sichern rund eine halbe Million unserer Arbeitsplätze.“ Obwohl nach wie vor viele Österreicher der Ansicht sind, dass der Euro eine höhere Teuerung gebracht hat, kann die Oesterreichische Nationalbank belegen, dass die durchschnittliche jährliche Inflationsrate in den ersten zwölf Jahren des Euro mit 1,8 Prozent unter jener in Schillingzeiten lag.

(c) DiePresse

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Mehrheit gegen Budgetkontrolle

Eine klare Absage erteilen die Österreicher – und zwar alle Bildungsschichten – einer stärkeren wirtschaftspolitischen Lenkung der EU, wie sie vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch von zahlreichen anderen Regierungen und den EU-Institutionen forciert wird. 58 Prozent der Österreicher sind dagegen, dass die EU Einfluss auf die nationale Budgetpolitik nimmt. 33 Prozent sind dafür. Abgelehnt wird mit deutlicher Mehrheit (66%) auch eine Einflussnahme auf die Lohn- und Kollektivvertragsverhandlungen. Ähnlich hoch ist die Ablehnung bei der möglichen Korrektur des heimischen Pensionssystems (64%). Jenes Drittel der Bevölkerung, das ein stärkeres Durchgriffsrecht der EU-Institutionen gegen nationale Fehlentwicklungen befürwortet, dürfte mit jenem ident sein, das sich für die Gründung eines europäischen Überstaats erwärmen könnte. Immerhin 30 Prozent nennen die „Vereinigten Staaten von Europa“ ein „passendes Modell“. 50 Prozent lehnen es ab (Rest: unentschlossen).

Schmidt sieht ein problematisches Spannungsfeld in der österreichischen Gesellschaft und verweist auf frühere Umfragen der ÖGFE, die stets den Wunsch nach mehr europäischen Lösungen ergeben haben. „Die große Mehrheit der Österreicher erwartet sich gemeinsame europäische Antworten auf globale Fragen, wie etwa Wirtschaftskrisen, Klimaschutz, internationale Kriminalität und Migration. Trotzdem reicht das Vertrauen in die gegenwärtigen EU-Strukturen zurzeit nicht aus, um einem weiteren Kompetenztransfer zuzustimmen. Die Menschen vermissen demokratische Kontroll- und Mitentscheidungsmöglichkeiten. Der Legitimitätsgedanke ist ihnen wesentlich näher als eine raschere und möglicherweise effizientere Entscheidungsfindung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2011)

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189 Kommentare
 
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Na und?

Wir Aliens stellen jedes nicht durch reale Ressourcen wertbesichterte, rein virtuelle (und damit real wertlose, nur durch den Glauben an es relevante) Transfermedium in Frage.
Speziell wenn dieses, wie heutiges Geld, beliebig auf alchemistischen Weise in seinem Wert manipulierbar ist, so, wie es Bankstern gefällt (Zinsen, Inflation, Deflation, Wechselkurse, ...).

Eine stabile, nachhaltige Ökonomie kann nur auf einem 100% durch reale Ressourcen (Ökologie und Rohstoffe) wertgesichertem Transfermedium basieren, zumindest in einer demokratischen Weltordnung, wo nicht 5% der Menschen 95% der Ressourcen kontrollieren und so über den Rest, die Nutzmenschen, herrschen.

neinneinnein...

nicht die "eurokrise" hat die österreicher verunsichert - sie sind verunsichert. waren sie immer und werden sie immer sein. verunsicherung ist unser kulturelles erbe. ein genetisches dogma. ein soziales gesetz. eine soziologische tätowierung.

fremde verunsichern uns.
wohlstand verunsichert uns.
konflikte verunsichern uns - frieden noch viel mehr.
wir sind so verunsichert, dass wir sicherheit bei den brandschatzern der fpö und der versteinerung der övp suchen.

nur in einem sind wir uns sicher.
wir sind unsicher.

Antworten Gast: TheDudesaysBS
01.10.2011 08:49
1

Re: neinneinnein...

kopf schütteln und einfach nur mit der flachen hand auf die strin klatschen.
mehr fällt mir zu diesem post nicht ein.

Man beachte den die ausführende Gesellschaft : Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Europapolitik (ÖGFE) - Schmidt sieht hier die Notwendigkeit, die Vorteile des Euro besser zu erklären.

Ich habe jetzt erst gesehen, wer die Umfrage durchgeführt hat. Auch : es sind nicht einmal die Fragen bekannt, auf deren Beantwortung diese Folgerungen beruhen.

Das Ergebnis darf stark bezweifelt werden. Dass derzeit noch soviele (und vor allem gut gebildete) Österreicher den Euro als Vorteil sehen, darf gründlichst bezweifelt werden.

Gebildet=Intelligent?

Ist eine Gender-,Soziologie-,Politologie-,QuatschstudentIn intelligenter als ein HTL-Ing?

Antworten Gast: wannabe?
01.10.2011 08:35
0

Re: Gebildet=Intelligent?

schauen's halt auf wiki nach, was die worte bedeuten, sie vorzeigeleuchte :)

definitiv.


Gast: fu hu
30.09.2011 18:38
2

man kann davon ausgehen, daß die europrofitbefürworter allesamt in privilegierten geschützten werkstätten absahnen

und es denen wurscht ist, oder sie gar keine ahnung haben, auf was für einen horrortrip die private wirtschaft samt arbeitnehmern gezwungen wurde.

natürlich haben diese privilegierten profiteure enorme vorteile, und werden, wie man ja schon sehen kann, mit zähnen und klauen dafür kämpfen und vor keiner lüge und vor keinem unrecht zurückschrecken, damit nicht nur den österreichern sondern allen euroeuropäern alles bis zum letzten hemd abgenommen wird, um weiter deren luxusgehälter und luxuspensionen und den verschwenderischen lebensstil zu finanzieren.

und natürlich finden es diese leute auch toll, daß niemand mehr diese finanzierungsvariante aka rettungsschirm beeinflussen oder gar beenden kann.
hauptsach, sie selber haben bis ans lebensende ausgesorgt. was mit den nichtprivilegierten wird ist ihnen vollkommen egal.

Was will man uns damit sagen ?

Dass jeder, der gegen den Euro ist gleichzeitig ungebildet sein muß, ein Trottel also ?

Gast: Kaufmann 1010
30.09.2011 18:17
0

Deutlich: Je dümmer die Menschen, desto mehr sind sie gegen den Euro


Siehe Umfrageergebisse nach Bildungsniveau.

Antworten Gast: ichbindumm?
30.09.2011 21:50
0

Re: Deutlich: Je dümmer die Menschen, desto mehr sind sie gegen den Euro

intelligenz hat nichts mit interesse zu tun! dh. auch jemand mit hauptschulabschluss kann hoch intelligent sein, solange man sich für sachen interessiert. alleine der artikel, statistik ist eine frechheit! man sieht ja auch was die vermeindlich "intelligenten" da so posten. viel spass in der inflation, ich habe mich abgesichert.

Antworten Gast: ahaaaaaa
30.09.2011 20:59
0

Re: Deutlich: Je dümmer die Menschen, desto mehr sind sie gegen den Euro

glaube nie einer statistik die du nicht selber gefälscht hast! ;)

Ich erspar' mir jährlich so zwischen 20.- und 30.- Euro ...

... an Wechselgebühren (Urlaub, Ausflüge, ..)

Da nehm' ich doch gern in kauf, daß ich jetzt halt mit mehr als 10.000.- Euro für dessen fragwürdiges Weiterbestehen hafte.


Bildungsfern

Wie die Ungebildeten von Akademikern in Politik und Wirschaft vertreten werden ist auch den bildungsfernen Schichten mitlerweile bekannt!

Diese Abgehobenen sollten schleunigst Geschichte lernen, zum Wohle aller!

Die Österreicher brauchen den Euro nicht "in Frage zu stellen" ...

... das hat der Euro mittlerweile schon selbst besorgt, und zwar gründlichst.

Gast: Blankenstein Husar
30.09.2011 14:18
0

"Gebildete" und "weniger Gebildete"?

Wohl eher Verblödete und weniger Verblödete.....

Es gab auch immer wieder Umfragen ...

... wie sehr es die Schweizer bedauern, nicht zur EU zu gehören und Ausführungen, wie sehr ihnen das schadet.

Die sind ja jetzt wirklich zu bedauern : nicht in einem Boot mit Berlusconi-Italien, Griechenland etc. zu sitzen und nicht mit ihnen gemeinsam untergehen zu dürfen; nicht miterleben zu dürfen, wie andere über sie bestimmen sondern alles selbst entscheiden zu müssen.

Die tun mir wirklich leid, die Schweizer - deren Leben muss unendlich langweilig sein.


Sie stellen die Vorteile der gemeinsamen Währung infrage ...

Wie wäre es mit einer Gegenüberstellung von Vorteilen und Nachteilen ?

Vor der Euro-Einführung hatten wir eine stabile Währung und eine hervorragend laufende Wirtschaft, auch ein abgesichertes Sozialsystem.

Jetzt haben wir eine Währung, die jederzeit zusammenbrechen kann (und wahrscheinlich schon zusammengebrochen ist und nur noch durch Stützungsmaßnahmen aufrecht gehalten wird), wobei die Stützungsmaßnahmen das Budget mit in den Abgrund reißen.

Es ist ratsam, möglichst keine größeren Euro-Rücklagen anzulegen, da eine völlige Entwertung vorhersehbar ist.

Und da fragt man die Menschen, ob sie mehr Vorteile oder Nachteile sehen ?


Gast: keinAkademiker
30.09.2011 11:59
0

Ich habe keinen Hochschulabschluss,...

...aber was mir dieser Hr. Müller (Link unten), Finanzmarktprofi seines Zeichen, zu sagen hat klingt für mich doch sehr plausibel!

In wie fern er die "Wahrheit" sagt kann ich als ungebildeter Mensch NATÜRLICH nicht beurteilen, Fakt ist aber für mich, dass Politiker so gut wie nie die Wahrheit von sich geben, egel welcher couleur sie angehören.

Das Video ist auch für einen Laien interessant. :)

http://www.youtube.com/watch?v=zo3AI6rgqaU&feature=related

In diesem Sinne....
... ein dummes Volk regiert sich leichter.

Re: Ich habe keinen Hochschulabschluss,...

also wenns um Wirtschaft geht dann verlass dich lieber auf Dirk Müller als auf irgendeinen Politiker. Die lügen ja schon wenn Sie nur den Mund aufmachen!

Gast: die krone
30.09.2011 11:57
0

wir haben einfach zuviele leute

die ihre bildung und weltanschauung von krone, heute oder österreich lukrieren. die pisa studie sollte auf erwachsene ausgeweitet werden. da würden wir erst schlecht ausschauen...

Gast: pröller
30.09.2011 11:55
1

DEr slowakische Parlamentspräsident hat etwas interessantes angedeutet

nämlich dass die Slowakei aus dem Euro aussteigen könnte.
Das wurde ihm zumindest vom dt. Wirtschaftsminister nahegelegt, der die SChicksalsgemeinschaft mit Griechenland ausser Diskussion gestellt hat!!

Langfristig wäre dann also möglich, dass Polen, Slowakei, Tschechien, Schweden, Dänemark, Baltikum, Ungarn und Finnland (das ebenfalls ein AUsstiegskandidat ist) eine gemeinsame Währung annehmen.

Es stünde dann ein "Südblock", also Deutschland, Österreich, Frankreich, Griechenland, Spanien, Portugal - und langfristig Rumänien und Bulgarien die kaum dem NordOstblock anschliessen dürften, gegen den "Nordostblock".

Frage ist, welcher Währungsraum wäre zukunftsfähiger, wo wären die Transfers verkraftbar?

Eigenartig nur, dass die USA nicht darauf erpicht ist, mit Mexiko und Honduras eine gemeinsame Währung einzunehmen, und dorthin Milliarden-"Rettungen" zu verschicken...

Warum werden Gelder für solche Umfragen augegeben?

Manche tun noch immer so, als ob die Meinung der Österreicher Entscheidungsrelevant waere!

Entweder sind

die Österreicher ungebildete Tölpeln, oder die, die das behaupten, sind nicht so gscheit wie sie glauben ....

Die Finanzgangster haben uns Griechenland untergejubelt

Fakt ist, dass die damit was bezwecken wollten, nämlich genau das, was ihre Kumpane, die EU-Gangster, jetzt versuchen durchzudrücken: direkten Zugriff auf das Volksvermögen der Noch-Nationalstaaten. Einheitliche Wirtschaftsregierung, zentrale Finanzverwaltung, zentralgesteuerte Task Force, rein aus Zufall fallen mal 5000 Vögel vom Himmel ...
Also Orwell ist da ein kleines Licht dagegen.

Gast: nunjawieso
30.09.2011 11:33
0

Bitcoins - Eine neue Weltwährung?

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