Banken als Wissensvermittler: Eine Crux?

05.10.2011 | 13:07 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Die meisten Österreicher beziehen ihr Finanzwissen über den Bankberater. Kunden- und Eigeninteressen bilden allerdings ein Spannungsfeld.

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58 Prozent der Österreicher beziehen ihre Informationen zu Finanzthemen über ihre Bankberater. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Gfk-Studie. Jeder Zweite bezieht seine Informationen aus der Familie und dem Freundeskreis. Medien, Internet sowie vor allem Schule und Universität spielen hingegen eine wesentlich geringere Rolle. Das legt den Schluss nahe, dass Banken bei der Vermittlung von Finanzwissen eine besondere Rolle zukommt.

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Bereits 2009 hatte der Finanzexperte Gerhard Weibold darauf hingewiesen, dass die Finanzkrise den Banken die Chance biete, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen - damit Begriffe wie "Corporate Social Responsibility" nicht nur Schlagworte bleiben. "Wir wollen die Finanzwirtschaft aufrütteln, nicht nur darüber zu reden, sondern auch etwas zu tun", sagte Weibold damals. Doch was ist seitdem geschehen?

"Nationalbank ist keine Lobby der Banken"

Die Ergebnisse sind bislang überschaubar. Die Erste Bank hat bereits zum zweiten Mal eine Studie zum Wirtschaftswissen der Österreicher in Auftrag gegeben, die auch 2011 wenig zufriedenstellende Ergebnisse gebracht hat. Die Erste Bank setzt daher auf ihr "Sparefroh"-Projekt, das Kinder frühzeitig für Themen rund ums Sparen interessieren soll. Und die Bank Austria hat im Oktober 2009 ihre Wissensplattform "Mein Geld" gestartet.

Die österreichische Nationalbank hat im April 2011 ihre "Initiative Finanzwissen" vorgestellt, die den Österreichern Themen wie Budgetdefizite, Staatsverschuldung und Inflation näher bringen soll. "Die Nationalbank ist keine Lobby der Banken", betont Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny.

"Banken müssen Gemeinwohl nicht fördern"

Über die soziale Verantwortung der Banken herrscht branchenintern allerdings durchaus Unklarheit. "Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern", sagte etwa Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs im Jänner 2010. "Es ist unrealistisch und unberechtigt zu erwarten, dass Banken eine selbstlose Beziehung zu ihren Kunden haben, besonders auch bezogen auf die Kreditvergabe", betonte er damals. Die Geldinstitute würden der Gesellschaft am besten dienen, wenn sie unüberlegte Transaktionen und überzogene Risiken vermieden und Geld verdienten.

Anders sieht das Rainer Neske, Vorstand der Deutsche Bank AG. In einem Beitrag der Zeitschrift "die bank" schrieb er 2010 über die neue Legitimation der Banken: "Grundlegendes Wissen über Wirtschafts- und Finanzfragen muss breit in der Bevölkerung verankert sein. Wir halten die Wirtschaftserziehung an den Schulen deshalb für entscheidend und fördern mit qualifizierten Mitarbeitern die finanzielle Allgemeinbildung an unseren Filialstandorten. Über 1000 Referenten der Deutschen Bank stellen sich bereits heute zur Verfügung, um Schülern grundlegendes Finanzwissen zu vermitteln".

Kundennutzen steht nicht an oberster Stelle

Im Widerspruch zum Bild des kundenorientierten Bankberaters stehen aber aktuelle Studien, die diesen kein gutes Zeugnis ausstellen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter dem Titel "Bankberatung bringt nichts außer Kosten" schreibt. Demnach erzielen Anleger, die sich beraten lassen, nicht mehr Rendite als jene, die sich nicht beraten lassen. Hauptursache dürfte die falsche Anreizstruktur sein. Das Fazit: Für Anlageberater stehe der Kundennutzen nicht an oberster Stelle. Vielmehr sei es für sie attraktiver, durch den Verkauf von Anlageprodukten an den damit verbundenen Provisionen zu verdienen. Auch eine Untersuchung der deutschen Stiftung Warentest ergab in vielen Fällen eine "jämmerliche" Beratung, wie "DiePresse.com" berichtete. Sechs von 21 Banken wurden als "mangelhaft" bewertet. Ohne Abkehr von der "provisionsgetriebenen Beratung" werde sich daran nichts ändern.

Auch "Die Presse" schrieb zu der Problematik unter dem Titel "Eigeninteresse stattt objektiver Beratung": "Bankmitarbeiter verkaufen beispielsweise gerne Bausparverträge mit hohen Darlehenssummen, da ihre Provisionen daran gekoppelt sind. Bei einer Lebensversicherung kassiert der Berater oft mehr als 1000 Euro sofort. Hinzu kommt eine Bestandsvergütung für die gesamte Laufzeit".

Lobbyisten im Lehrerzimmer?

Abseits der Bankenbranche warnt der österreichische Wirtschaftspädagoge Josef Aff davor, dass es ein Problem sein könnte, "wenn einzelne Firmen über die Materialien den Schülern ihre Philosophie vermitteln". Entsprechende Fälle aus Österreich sind bislang aber nicht bekannt.

In Deutschland sieht da die Situation schon anders aus. Die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb unter dem Titel "Wirtschaftsunterricht: Lobbyisten im Lehrerzimmer": "Viele Schulen unterrichten Wirtschaft. Doch Lehrmaterialien und Lehrerbildung werden von Wirtschaftsverbänden dominiert".

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16 Kommentare

bank berater beraten nicht

sie verkaufen die bankprodukte

Gast: auch ein gast
07.10.2011 20:38
0

Manche vertrauen noch immer Banken ?

Manche Banken ,
wie z.B. die Oberbank ,
in der Kunden von einer
spielsüchtigen Angestellten abgezockt wurden ,
das Geld nahm zugegeben die nun verurteilte Angestellte ,
halten sich sogar nach
offensichtlichem Hintergehen der Kunden
an den Kunden schadlos
und pfänden z.B. eine Kundin auf das Existenzminimum
für Geld , das die Angestellte genommen hat .

Gast: Hans im Glück
07.10.2011 08:51
1

"Nationalbank ist keine Lobby der Banken"

Sie ist viel schlimmer!!!

Sie ist die Lobby der Politiker und des Papiergeldes.


Gast: saleslady
06.10.2011 19:44
0

naja ..

dafür gibt es eben die salesmanagerin ..businessanzug, mit in der regel kurzer rocklänge den feschen wollford strümpfen und high heels ..

und es funktioniert auch :-)

.. siehe die diversen stadträte und bürgermeister, aus linz, st pölten, wien usw, die gezeigt haben, dass sie trotz ihres alters noch a schneid drauf haben und selbstverständlich nicht als alte deppen erscheinen wollten, die keine ahnung haben was ein swap, ein straddel, oder ein deltahedge ist ..

Gast: international_
06.10.2011 19:07
1

beratung?

lassen sie sich vertrauensvoll von ihrem bankberater beraten! sie wissen dann wenigstens, bei welchem produkt gerade ein veraufswettbewerb läuft oder wo eine gute verkaufsprovision zu lukrireren ist.

Gast: analyst01
06.10.2011 13:50
2

Henry Ford

"Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh."

ein paar lehrreiche Videos gibt's aber schon online:

http://video.google.com/videoplay?docid=-2550156453790090544

http://video.google.com/videoplay?docid=-515319560256183936


Gast: langonione
06.10.2011 13:43
0

Kundennutzen steht nicht an oberster Stelle

Ich bin noch nie so schlecht beraten worden, wie bei "meiner Bank."

Gast: petersson
06.10.2011 13:42
0

"Nationalbank ist keine Lobby der Banken"

Und warum bekommt eine Zentralbank wie die EZB dann die schlechten Kredite der Banken?

Eine Notenbank muss sich um die Währung, nicht die Banken kümmern!

Antworten Gast: Hans im Glück
07.10.2011 08:54
0

Re: "Nationalbank ist keine Lobby der Banken"

Wir brauchen keine Nationalbank.

Die Banken brauchen sie.

Nach dem Motto

"End the Fed!"

sag ich

"Schaft die EZB und ihre Töchter ab!"

Gast: Betrachter
06.10.2011 13:30
1

Sicherheit. Vertrauen. Miteinander. Zukunft.

"damit Begriffe wie "Corporate Social Responsibility" nicht nur Schlagworte bleiben"-
bei Banken gibt es aber gerne aus dem Nichts geschaffene, zusammenhanglose Schlagwörter:

wie bei der Raika: Slogan ~ Sicherheit. Vertrauen. Miteinander. Zukunft.

- Stimmt aber gar nichts davon!
Vertrauen: Vertrauenin die Bankenkompetenz dank Bankenkrise gegen Null.

Sicherheit- bin ich sehr skeptisch betreff einer Lagensicherung in einer "allgemeinen Kreditkrise"- und da soll man dann noch sparen?- wohl ein Scherz, oder?

Miteinander: ist das Abwetzen der faulen Kredite in der Krise gemeint- dass die Allgemeinheit diese tragen darf? oder das alleine handeln und Boni kassieren, aber dann von allen retten lassen? - ist das das Miteinander?- darauf verzichte ich!

-Zukunft: nur wenn Banken das eigene Geschäftsmodell mit dem Geld aus dem nichts überdenken und dem Kunden gegenüber fair agieren, diesem nicht wesentliche Informationen, zB bei der Kreditvergabe vorenthalten!



Ja die gewollte Verblödung des Volkes

Ist schnell im Vormarsch der Grundstock dafür wird schon im Kindergarten gelegt den Rest besorgen,TV, stupide PC Spiele und ein Großteil der Erzeuger der Nachkommen.

Gast: MAMALEONE
06.10.2011 11:23
2

SPRUCH

"Das denken ist die schwerste Arbeit die es gibt, darum machen es die Wenigsten".
Henry Ford

Die Bequemlichkeit lässt die Leute zu geistigen Zombies verkommen.
Vordenker in der Politik, in der Medizin, im Finanzwesen.....

Gast: radius
06.10.2011 10:50
0

Die Menschen müssen lernen, zu differenzieren, nicht jedem bunten Blatt Glauben zu schenken.

Bedenklich ist, wenn Bildungseinrichtungen den Kindern einimpfen, wie seriös doch Banken seien. Wurde zu unserer Kinderzeit so gemacht.

Diese eingeimpfte Vertrauensseligkeit von seiten der Schule und Politik ist sehr gefährlich, dass Banken sich im positiven Licht positionieren, ist den Banken oder Unternehmen wohl kaum vorzuwerfen.

Re: Die Menschen müssen lernen, zu differenzieren, nicht jedem bunten Blatt Glauben zu schenken.

Nun, daß man Banken bei Beratung vertrauen kann, ist leider schon lange Geschichte!

Es ist leider so, daß jetzt jeder Berater in der Bank Abschlüsse machen muß denn sonst ist er weg vom Fenster. Sein erstes Interesse wird natürlich sein ein Geschäft abzuschließen und das ist in erster Linie günstig für die Bank. Ob auch der Kunde dann was davon hat liegt an der Seriösität des Instituts!

Diese Wahrheit muß man eben auch wissen!

58 Prozent der Österreicher beziehen ihre Informationen zu Finanzthemen über ihre Bankberater.

Das spricht nicht gerade für unser Bildungssystem.
Es kann doch nicht sein, dass man Wirtschaft studieren muss, nur um Grundkenntnisse im Finanzwesen zu erlangen. Da spreche ich noch nicht davon, dass man Bilanzen verstehen muss und jede Annuitätenrechnung mit dem Taschenrechner aus dem Kopf schafft.

Was haben die Leute heute für Finanzwissen?
Sie wissen wo man eine Kredit bekommt und lassen sich fast alles von einem Bankverkäufer einreden. Rsikoanalyse, was ist das? Viele denken wirklich, dass all diese Finanzprodukte nur deshalb existieren, um ihnen den Wohlstand zu sichern. Das ist einfach naiv.

Ich habe in meinem Leben noch niemals eine Anlageberatung einer Bank in Anspruch genommen und bin damit recht gut gefahren.
Den weltweiten Börsencrash 2000-2003, die Finanzkrise 2008 und auch die Fortestzung der Finanzkrise werden ich (hoffentlich) gut überstehen.

Wichtig ist, keine hohen Schulden zu haben. Alles andere ist verschmerzbar, so lange man gesund ist.

Gast: Kibietz
06.10.2011 08:52
1

Der arme Hund der sich von Banken beraten lässt

kann sein Geld gleich verbrennen. Banken und Versicherungen wollen nur unser Bestes - unser Geld!

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