Haircut-Folgen für Österreich

21.10.2011 | 18:39 |  WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Die direkten Kosten eines Schuldenerlasses für Griechenland wären gering. Der Staat wäre nicht betroffen. Die möglichen Folgen aber erheblich. Es müsste mit Kosten von bis zu 40 Milliarden Euro gerechnet werden.

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Wien. Ein Schuldenschnitt für Griechenland würde auch Österreich treffen. Allerdings wären die direkten Auswirkungen laut Harald Waiglein, dem Sprecher des Finanzministeriums, sehr gering. Der sogenannte „Haircut“ würde nämlich nach dem derzeit diskutierten Modell nur den Privatsektor treffen. Banken und Versicherungen, die griechische Anleihen besitzen, müssten auf bis zu 50 oder 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Staat, der Griechenland bisher 1,2 Milliarden Euro an Hilfskrediten zur Verfügung gestellt hat und sich an der nächsten Tranche mit weiteren 175 Millionen Euro beteiligt, wäre hingegen nicht betroffen. Heimische Geldinstitute bezifferten im Frühjahr ihre Forderungen an Griechenland noch mit 2,3Milliarden Euro. Ein Teil dieser Forderungen dürfte aber mittlerweile in den Bilanzen bereits abgeschrieben worden sein.

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„Griechenland selbst ist nicht das Problem. Das Problem sind die möglichen Folgen“, so Waiglein. Wenn also Griechenland einen Dominoeffekt auslöst, der letztlich zu einer Pleite mehrerer Staaten, darunter Italien, oder gar zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone führt, würde das Österreich deutlich stärker in Mitleidenschaft ziehen. Laut den vom Finanzministerium bereitgestellten Berechnungen müsste mit Kosten von bis zu 40 Milliarden Euro gerechnet werden.

Heikel sind auch die Folgekosten einer möglichen Pleite griechischer Banken. Da ein Schuldenschnitt die griechischen Institute schwer treffen würde, werden erhebliche Probleme im gesamten südosteuropäischen Raum erwartet. In Bulgarien haben griechische Banken einen Marktanteil von 30Prozent, in Albanien 35Prozent und in Serbien 15Prozent. Das sind Märkte, auf denen auch österreichische Institute engagiert sind. „Wenn die griechischen Banken in dieser Region umfallen, hätte dies auch gravierende Auswirkungen auf die österreichischen Banken“, heißt es in einem Bericht des Ministeriums.

Die österreichische Bevölkerung rechnet übrigens bereits mit negativen Auswirkungen: Laut einer am Freitag veröffentlichen Imas-Umfrage gehen 76Prozent der Österreicher davon aus, dass ihrem Land durch die Schuldenkrise ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen wird. 42 Prozent glauben, dass die Krise bereits Nachteile gebracht hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2011)

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4 Kommentare
Gast: gast45
23.10.2011 15:21
0

passt doch ..

wenn die banken verlieren, dann sehen sie wieder, das es doch ein risiko ist, staaten geld zu leihen, also werden die zinsen wie es sich gehört steigen.
also haben die staaten eben nicht mehr wie früher die möglichkeit kredite aufzunehmen, die sie nie zurückzahlen können, nur damit die beamteten wähler, die frühpensionisten usw. ihr kreuzerl an der richtigen stelle machen ..

mit einem wort, der jahrzehntelang durch die staaten manipulierte markt beginnt eben wieder zu funktionieren :-)

lebensversicherungskunden werden ihr blaues wunder erleben


Gast: pour le mérite
22.10.2011 13:02
0

Die EU samt Euro und Schengen ist ein einziges Desaster...

Raus, Raus, Raus aus diesem Irrsinn......

Gast: Reflector
21.10.2011 23:31
0

Der Herr Geheimrat des Säckelwarts seiner Exzellenz erklärt seinen Untertanen


Nein, das hat keine (direkten) Folgen, denn es trifft eh nur den privaten Sektor, ned woa.

Das FA trifft ja auch jährlich nur den privaten Sektor, ned woa.

Man muss ja schon unterscheiden zwischen direkt und indirekt, und Staat und Privat, ned woa.

Geschützte Werkstatt verpflichtet, ned woa.

Hat ja immerhin schon mei Opa die Sesserln hier warm gfurzt, mein Filius is ja auch schon untergebracht und lernts nun auch schon ganz schön, ned woa.

Ah, gehns Krise, dummes Geschwätz, gemma halt in Frühpension, ned woa.

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