IHS-Felderer: EFSF-Hebelung Gefahr für Ratings

27.10.2011 | 15:13 |   (DiePresse.com)

IHS-Chef Bernhard Felderer sieht durch die Hebelung des Rettungsschirms eine Gefahr für AAA-Länder.

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IHS-Chef Bernhard Felderer sieht in der Hebelung des EFSF-Rettungsfonds auf 1 Billion Euro eine Gefährdung für die noch verbliebenen Triple-A-Ratings in Europa, also auch jenem für Österreich. "Die EFSF-Hebelung wird ganz schön angezogen, ich habe gehofft, das sie nicht kommen wird", sagte Felderer. Er geht davon aus, dass die EFSF-Garantien "in erheblichem Umfang in Anspruch genommen werden". Die Bankenrekapitalisierung berge gemeinsam mit dem 50 Prozent-Schuldenschnitt für Griechenland die Gefahr, dass es zu einer Beschränkung bei der Vergabe von Krediten komme.

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"Die Gefahr beim EFSF-Hebel ist die, dass die Finanzmärkte das nicht als Lösung akzeptieren und die Ratings der Staaten noch eher verschlechtert werden", sagte Felderer am Donnerstag gegenüber der APA. Die Gefahr bestehe, dass die Geberländer "mit in den Strudel" hineingezogen werden. "Wir haben da ganz grundsätzliche Bedenken", so Felderer.

Der IHS-Chef geht davon aus, dass der auf Österreich entfallende Garantierahmen von rund 22 Mrd. Euro "in erheblichem Umfang in Anspruch genommen wird". Das Rating sieht Felderer für den Fall gefährdet, dass die Finanzierung mit zusätzlichen Schulden erfolgen sollte. "Das tun wir, wenn wir den Hebel hinaufsetzen", so der IHS-Chef. Die Hebelung sei eine bedenkliche Maßnahme. Mit Spannung erwarte er, wie die Kapitalmärkte darauf reagieren werden.

Gefahr einer Kreditklemme

Die Bankenrekapitalisation sei grundsätzlich in Ordnung, findet Felderer. Wenn die Banken durch den 50 Prozent Schuldenschnitt für Griechenland-Anleihen viel Kapital verlieren, dann sei klar, dass viele Banken Kapital brauchen werden. In Österreich sei das aber nicht sehr viel. Da die Banken bereits schwere Lasten zu tragen hätten - Bankensteuern, Basel III - und jetzt eine neue Belastung dazu komme, sei zu befürchten, "dass wir einen Credit Crunch" (Kreditklemme) bekommen. Er hoffe aber nicht, dass das passieren werde. Wenn Banken überfordert werden, werden sie Aktiva verkaufen müssen und seien dann bei der Kreditvergabe restriktiver.

Fraglich sei, ob die Banken die Rekapitalisierung in so kurzer Zeit - bis Mitte 2012 - schaffen werden. Viele dürften das dazu nötige Geld nicht von den Kapitalmärkten bekommen, sondern sie müssten es dann von den Nationalstaaten bekommen. Das werde aber bei Ländern, die schon an der Kippe stehen, wie Griechenland, Portugal oder Italien, nicht möglich sein. "Im wesentlichen wird es vom EFSF kommen", glaubt Felderer. "Das ist keine gute Nachricht, der Verlust wird vergesellschaftet."

Ob der Schuldenschnitt für Griechenland richtig gemacht worden sei, werde sich an den Finanzmärkten in den kommenden Wochen herausstellen. Österreich komme bei den Hilfen für Griechenland, Portugal und Irland einigermaßen günstig davon.

(APA)

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5 Kommentare
Gast: Schuldenbertl
28.10.2011 21:36
0

Zahlen ohne ende

Es ist unglaublich was da so vor sich geht, ich denke unsere Abgeordneten wissen gar nicht worüber sie eigentlich abstimmen. Das wurde indirekt ja heute im Parlament bestätigt, dass Infos von der Website des deutschen Bundestages bezogen werden, da kann es ja nur berab gehen.

Gast: Mönch
27.10.2011 19:08
1

Hasst Faymann Österreich?

Wie kann die Regierung von Österreich dem zustimmen?

Wie kann das Parlament diesen Raubzug an der österr. Bevölkerung abnicken?

Warum werden die Schuldner (der Steuerzahler) vorher nicht gefragt, ob dieses Geld einfach so verschenkt werden darf?

Wem sind diese Politiker eigentlich verpflichtet?

Alle Macht geht vom Volke aus...heißt es in der Verfassung. Also hat Österreich ca. 300 Bewohner.

Schuldenabbau mit Schuldenausweitung funktioniert nur in den Gehirnen der Politiker. Meine Bank hat mir heute meinen Vorschlag von meinem Schuldenschnitt einfach abgelehnt. Ich frage mich warum, wenn das so ein gutes Geschäft ist.

Was haben die Österreicher der Regierung und dem Parlament getan, dass diese uns derart verraten und verkaufen.
Oder verstehen diese Funktionäre die Materie einfach nicht.
Diese Schulden auch von Österreich sind niemals rückzahlbar. Nur die Zinsen für diese Schulden kann Österreich nicht ohne drastische Schnitte bezahlen.
Neues Rating für Ö = C oder D (für Default).

Ist das noch eine Demokratie oder ist es bereits etwas anderes.

Danke Herr Faymann, das sie die Zukunft der österreichischen Bevölkerung zerstören.

Gast: Yvonne O
27.10.2011 18:09
4

Gratulation, Herr Faymann!


Mit diesem "Hebel" haben sie es geschafft, aus den 28.000 Millionen Euro österreichischen Haftungsgeld ganze 80.000 Millionen Euro zu machen.

ACHZIGTAUSEND MILLIONEN EURO!

Einfach so!

Das bedeutet für die ca. 2 Millionen Steuerzahler in Österreich: 40.000,- Euro pro Mann/Frau neue Schulden. Für Griechenland usw.

Und das sind nicht "nur Haftungen", davon wird erst mal der Schuldenerlass für Griechenland bezahlt. Wieviel sind denn 50% von 280 Milliarden Euro griechischer Staatsschulden?

140 Milliarden Euro ZUSÄTZLICH Griechenland geschenkt! Verbrechen zahlt sich eben doch aus!

Und was wird als nächstes passieren? Da ja niemand ernsthaft glauben kann, Österreich könne sich diese 80.000 Millionen Euro irgendwie leisten (damit erhöht sich ja unser Schuldenstand auf insgesamt 300 Milliarden Euro, geschätzt 100% BIP) werden die ach so bösen Realisten in den Ratingagenturen Österreich zurecht abstufen.

Und dann, lieber Herr Faymann? Twittern? Inserieren?

Gast: freund?
27.10.2011 17:03
2

und WARUM hat er das feigmann und consorten



nicht VORHER in die ohren GEBRÜLLT ????

Gast: Swiss
27.10.2011 16:41
4

"Wie konnte es dazu kommen?

Antwort: durch die Mitwirkung inkompetenter und korrupter Politiker, die die Spielregeln (“Gesetze“) zu Gunsten und zum Vorteil der Hochfinanz festlegten und festlegen. Damit haben die Regierungen die eigenen Bürger schutzlos der Macht und Willkür der Hochfinanz ausgeliefert. Das ist ein Verbrechen gegen das Volk, nämlich Hochverrat. " Die Lüge von der Euro-Rettung "

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