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Fehlspekulation: Bawag will 418 Millionen Euro von Linz

03.11.2011 | 08:50 |  Von Georgia Meinhart (Die Presse)

Linz geht in die Offensive und reicht Klage gegen die Bawag ein. Politiker der schwer verschuldeten Stadt halten die Franken-Wette für „rechtsunwirksam“. Für Linz geht es um Steuergelder von knapp 418 Mio. Euro.

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Linz. Am gestrigen Mittwoch um acht Uhr zehn übermittelten Rechtsanwälte der Stadt Linz dem Handelsgericht Wien die mit Spannung erwartete Klagsschrift in der Causa Linz gegen Bawag/P. S. K. Damit ist der Startschuss für eine rechtliche Auseinandersetzung gefallen, die voraussichtlich durch alle Instanzen gehen und ein höchstgerichtliches Urteil für den Umgang von Banken mit kommunalen Spekulationsgeschäften nach sich ziehen wird.
Für Linz geht es um Steuergelder in der Höhe von knapp 418 Mio. Euro. Das ist die Summe der Ausgleichsforderungen, die die Bawag nach der vom Gemeinderat im Oktober beschlossenen Kündigung des verlustreichen Franken-Spekulationsgeschäfts („Swap 4175“) zur Zahlung fällig stellt. Linz ist unklar, wie die Bawag auf die 418 Mio. Euro kommt. Denn das Institut konnte bislang keine Abrechnung vorlegen, betont Meinhard Lukas, Zivilrechtsexperte und Berater der Stadt in Sachen Swap.

Verlust frisst Stadtbudget auf

Immerhin lag der von der Bawag bezifferte Marktwert des Swaps Ende September bei rund 345 Mio. Euro – und das bei einem schlechteren Franken-Kurs als Ende Oktober, dem Zeitpunkt, als der Vertrag gekündigt wurde und die Schließungskosten berechnet worden sein dürften. Sollte die Abrechnung zeigen, dass die September-Bewertung der Bank zu niedrig angesetzt war oder die neue zu hoch, wäre dies „ein weiteres Argument einer Pflichtverletzung durch die Bawag“, sagt Lukas. Die Bawag hat die Vorlage der Abrechnung bereits in Aussicht gestellt.
Mit der Klage geht Linz nun in die Offensive. Den Streitwert legt sie mit rund 30,6 Mio. Franken (etwa 25,2 Mio. Euro) fest. Dabei geht es, im Gegensatz zum Gesamtwert des ursprünglich bis 2017 vereinbarten Franken-Deals, nur um dessen leistungsmäßigen Saldo – also die bisher geleisteten Zahlungen abzüglich der Leistungen, die von der Bawag erbracht wurden. Damit hält Linz die Gerichtskosten (1,2 Prozent des Streitwerts) mit rund 300.000 Euro gering. Denn die finanziellen Spielräume der einst reichen Industriestadt sind begrenzt. Auf eine Mrd. Euro ist das Minus durch kreditfinanzierte Investitionen und sinkende Bundesertragsanteile angewachsen. Im vergangenen Jahr fehlten 35,8 Mio. Euro in der laufenden Gebarung, im neuen Jahr werden es voraussichtlich 50 Mio. sein.
Rücklagen werden nun sukzessive aufgelöst und Investitionen empfindlich zurückgeschraubt. Im schlimmsten Fall könnte der drohende Verlust aus dem Swap (sollten die Schadenersatzforderungen der Bawag schlagend werden) bis zu zwei Drittel eines Jahresbudgets betragen.
Viel hängt nun für Linz vom Ausgang des Verfahrens ab. Die erste Tagsatzung wird für Jänner erwartet, ein definitives Ergebnis nicht vor 2015.
An der Argumentationslinie hat sich bis dato nichts geändert. Ebensowenig am Ziel: Das Geschäft soll als rechtsunwirksam erklärt werden. Sollte das Gericht dieser Auffassung nicht folgen, werde das Geschäft angefochten, jedenfalls aber wegen „Beteiligung an deliktischem Verhalten und sittenwidriger Schädigung“ Schadensersatz gefordert.

„Alle Grenzen überschritten“

Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ): „Alle gesetzlichen Grenzen, die es einzuhalten gilt, wenn man mit einer Gemeinde Geschäfte abschließt, wurden überschritten.“
Im Kern stützen sich die Anwälte von Linz auf folgende Argumentation: Das Geschäft sei unwirksam, weil es gegen die kommunalrechtlichen Organisationsvorschriften verstößt. Im Detail geht es darum, dass kein Gemeinderatsbeschluss vorlag, die Gemeindeaufsichtsbehörde das Geschäft nicht genehmigt hatte und es für die Bawag evident gewesen sein müsse, dass Finanzdirektor Werner Penn das Geschäft nie hätte abschließen dürfen. Dazu kommt der Vorwurf des Wuchers.
Die Bawag bestreitet das alles: Linz habe das Risiko gesucht und Ausstiegsangebote, die laufend unterbreitet wurden, abgelehnt.

Die Vorgeschichte
2007 hat Linz zur Absicherung einer auslaufenden Kreditlinie über 195 Mio. Schweizer Franken (damaliger Kurs: 152 Mio. Euro) eine Kurswette mit der Bawag abgeschlossen. Durch den starken Franken ist der Wert dieses Swaps inzwischen auf mehrere hundert Millionen Euro – zusätzlich zur Kreditschuld – angewachsen.

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44 Kommentare
 
1 2
Gast: Der Gesetzgeber ist schuld!
04.11.2011 07:13
2 0

Man braucht ein Entmündigungsgesetz für Bürgermeister


Gast: Martin_S
03.11.2011 13:52
2 0

Also diese Zocker!

Sowas! Gierige Kapitalisten! Oha, sind SPÖ Politiker ??? hmjawiekommmadenndajetztraus ???

Antworten hogerwil
03.11.2011 18:20
1 0

Re: Also diese Zocker!

ja das kommt davon, wenn Idioten an der Quelle sitzen, gell?

Gast: f7Kein Bankenfreund .......
03.11.2011 12:04
2 0

.... aber man muss schon sagen--->

ein tolles geschäftsmodell ist das,wenns gut geht kassieren(in dem fall die gemeinde) u. wenns schlecht geht das geschäft als rechtsunwirksam erklären lassen ...... aber im beamtenstaat österreich kann einen eh' nichts mehr erschüttern!! wundere mich das es überhaupt noch so läuft in österreich,hat vielleicht wirklich mit dem etwas kühleren klima zu tun,den bei hitze wie in südeuropa,wer weiss wie dann .......... !?

Gast: Febobo
03.11.2011 11:13
0 1

papperlapapp

Die 400 Mio Euro sind doch nichts, wenn erst einmal die Zinsen für unser Griechenland-Engagement zu fließen beginnen, so wie es uns der Goder-Sepp und die Schotter-Mitzi versprochen haben, dann zahlen wir die Shculden der roten Bonzen mit einem Lächeln zurück. Mit dem Rest überziehen wir die Autobahnen mit Blattgold.

Zweite Möglichkeit ist wir gehen mit wehenden Fahnen pleite. Hoffentlich können wir uns dann noch die Politikerpensionen leisten...

Gast: Nordlicht
03.11.2011 10:00
4 0

Fehlspekulation

Sollte Linz schuldig gesprochen werden,müssen die zuständigen vor Gericht erklären, dass sie zu dumm waren um die Vertrage zu verstehen, die sie unterschrieben hatten. Dann ihnen nichts passieren. Dummheit kann nicht bestraft werden.
So hat einmal ein sozialistischer Finanzlandesrat in Kärnten argumentiert und ist freigesprochen worden. Damals ging es um einen Milliardenbetrag in Schillingen.

Gast: gast45
03.11.2011 09:04
3 0

wird spannend ..

solche fälle hat es in england schon vor 20 jahren gegeben .. man sieht .. bei uns kommt halt immer alles mit 20 jahren verspätung ..
In england hat übrigens die stadt gewonnen, ist allerdings englisches recht gewesen :-)
naja und das in den gemeinden nichtskönner sitzen ist schon klar .. woher sollen sie es auch können, wenn z.b in wien der finanzstadtrat die ehemalige lebensgefährtin des bürgermeisters ist .

Antworten Gast: Question_mark
03.11.2011 10:45
0 0

Re: wird spannend ..

die Brauner war die ehemalige lebensgefährtin des bürgermeisters ???

Antworten Antworten Gast: gast45
03.11.2011 14:26
1 0

Re: Re: wird spannend ..

ja . zur zeit als beide beim vsstö waren .. kommen sie jetzt auch ins grübeln ?? :-)

Antworten Gast: HVT
03.11.2011 10:09
2 0

Bei uns gilt, dass Gemeinden

es sich nicht immer richten können. Auch ein Geschäftspartner einer Gemeinde hat Recht auf Rechtssicherheit...

Gast: smilefile
03.11.2011 08:01
3 0

Der Euro,...



.....als Monokulturwährung, hat bloss die Geldmengen auf unvorstellbare Dimensionen aufgeblasen,....

€ 418.000.000,- rechnet das mal in Schilling um,....und dann denkt mal an Spekulation. Es grenzt an Landesverrat, meine Herren Bürgervertreter.

Guten Morgen,.. geht's noch,...

Gast: smilefile
03.11.2011 07:31
3 0

Hm...

Da werden sich aber die Amerikaner freuen,....und wie sieht das dann mit den Cross Border Leasing Verträgen aus?,...

Wäre interessant zu wissen, wer dafür dann zuständig und verantwortlich war?!

Blitzky
03.11.2011 04:23
5 1

Sollte in diesem Streit Linz obsiegen, dann ist das das Ende sämtlicher Swap-Geschäfte!

Denn dann würde jeder Gewinner fleißig einkassieren, jeder Verlierer aber behaupten, er hätte alle Grenzen gegenüber seiner Frau, seiner Familie, des Anstandes etc. überschritten, was die Bank hätte wissen müssen.......

Antworten Gast: Wurkas
03.11.2011 10:11
1 0

Auweia.

Linz hat bekanntlich viele Swaps abgeschlossen. Da die anderen der Stadt Gewinne bringen, wäre eine Nichtigkeit der Swap Verträge mit Zahlungen der Stadt Linz in Millionenhöhe verbunden...

10 0

jetzt wird die schuld wieder bei der bank gesucht

die sollte bei den stadtverwalten gesucht werden, die geld ausgeben, dass sie nicht haben und versprechungen machen, die sie nicht einhalten koennen

Gast: was jetzt
02.11.2011 23:56
1 0

Bawag will 418 Millionen Euro von Linz oder Linz will 418 Millionen Euro von der Bawag?


myzypresse
02.11.2011 23:39
4 0

Dürfte ich bitte Gutachter sein

Für einige Millionen an echt hart verdienter Gage, bei diesem Streitwert, würde ich glatt ein halbes Jahr schlaflose Nächte geben.
Ja Trollvotteln soweit die Akademiker reichen, vom Mehrfachmagister in Linz bis zur Bank selber.
Leute, Idioten bestimmen wo es lang geht.
Hoffentlich kommen nicht noch größere in Form der StracheJünger und Scheuchs daher, aber die derzeitigen müssen zwingend eine Watsche bekommen.

Gast: Hr. Korrektor
02.11.2011 22:43
0 0

Titel?

Wer verklagt hier eigentlich wen?

Antworten Gast: schlaumeier753
03.11.2011 08:20
0 0

Re: Titel?

jedenfalls "klagt" und nicht "verklagt"

Antworten Antworten Gast: Pfefferkorn
03.11.2011 08:49
0 0

Re: Re: Titel?

@schlaumeier: Danke, dass wenigstens Sie das erkennen. "Verklagen" ist eine Unsitte, die aus Deutschland importiert wurde. In Österreich klagt man oder wird geklagt.

Gast: Hanibal L.
02.11.2011 22:37
3 0

na haben die ehemaligen genossen falsch beraten^^.

aber egal, schaun wir mal was da in wien so alles im argen ist, wird sicher auch lustig.

16 0

War nicht Dobusch

bereits Bürgermeister als die Stadt diesen Deal abschloss? Nach seiner Argumentation hätte er dieses Geschäft gar nicht abschliessen dürfen für das er jetzt die BAWAG verantwortlich macht.

Wie wärs mit Rücktritt wenn man dermassen Scheisse baut?

Antworten hw007
03.11.2011 02:00
2 0

Re: War nicht Dobusch

Zahlen tuts entweder der kleine Sparer oder der Steuerzahler, man sollte den Linzer Stadtvätern danken.
der Wähler denkt sich: die andern sind auch nicht besser und macht wieder sein Kreuzerl. mir soll's egal sein!


Antworten Antworten myzypresse
03.11.2011 06:40
0 2

Re: Re: War nicht Dobusch

viele machen dort ein Kreuzerl, wo sie selber profitieren, sei es ein Job, oder ein öffentlicher Auftrag.
Heute hätten sie mehr Möglichkeiten oder und wenigstens die Grünen könnten sie ungeniert ankreuzerln, ohne schlechtes Gewissen zu haben, dass schlimme Banden am werken sind.

2 1

Re: Re: Re: War nicht Dobusch

Ja, freilich - die *guten* Grünen, die kein Wässerchen trüben können.
Unter denen ginge es uns keinen Deut besser, davon bin ich überzeugt. Wären halt nur andere Gesetze und Verbote, die doof sind.
Das Einzige, was man heutzutage tun kann, ist, ungültig wählen. Und damit meine ich nicht, dass man gar nicht hingeht, sondern das man ungültig wählt.

Antworten Antworten Antworten Antworten myzypresse
03.11.2011 07:46
0 2

Re: Re: Re: Re: War nicht Dobusch

ich verstehe die Argumente, aber größere Dummheiten und Sinnlosschulden ohne Nachhaltigen Nutzen fürs Allgemeinwohl könnte man wohl kaum mehr machen.
Und man darf die Grünen nicht unterschätzen und etwas mehr Stärke von der Basis täte der Demokratie sicher gut.
Bevor man es nicht probiert hat und nachdem die herkömmlichen Parteien überhaupt nicht lernfähig sind, sondern immer ärger werden in ihren Verfehlungen und ihrer Abgehobenheit, ihrem Stillstandsverhlaten - gibts in Österreich keine andere Partei für mehr Demokratie und Menschlichkeit.
Und bis zu einer Größenordnung, dass es auch da wieder permannet angewandte Doofheiten gibt, ist es sowieso ein langer Weg.

 
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