Westbahn will im ÖBB-Fahrplan aufscheinen

08.11.2011 | 18:10 |   (Die Presse)

Sollen Tickets in Zügen der ÖBB und der Westbahn gültig sein - unabhängig davon, wo sie gekauft wurden? Das fordert die Westbahn, die ÖBB warten noch zu.

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Wien/Stef. Einen Monat vor Betriebsbeginn der privaten Westbahn verschärft sich im Konkurrenzkampf mit den ÖBB die Tonart: Bei der staatlichen Bahn „fehlt die Gesprächsbereitschaft“, sagte Stefan Wehinger Montagabend in Wien. Der Westbahn-Chef fordert unter anderem, dass seine Züge in das Fahrplansystem der ÖBB aufgenommen werden. Außerdem sollen Bahnkunden, egal welches Ticket sie besitzen, sowohl mit der Westbahn als auch mit den ÖBB fahren können. Zwei Ideen, mit denen Wehinger bei den Bundesbahnen auf taube Ohren stößt.

Doch macht es nicht Sinn, dass die ÖBB dem neuen Konkurrenten den Zugang zum Fahrplansystem „Scotty“ verwehren wollen? Wehinger führt die öffentlichen Subventionszahlungen an die ÖBB ins Treffen: Exklusive Garantien und der Zahlungen für die ÖBB-Pensionisten schießen die Steuerzahler dem defizitären Unternehmen jährlich 2,4 Mrd. Euro zu. Nicht zuletzt deshalb sei auch das Fahrplansystem subventioniert, argumentiert Wehinger. Aus diesem Grund sei es nur recht und billig, würde seine Westbahn darin aufgenommen werden.

Vonseiten der ÖBB hieß es bis zuletzt, dass eine Aufnahme der Westbahn kartellrechtlich bedenklich und deshalb gar nicht möglich sei. Allerdings gab die Wettbewerbsbehörde mittlerweile zu verstehen, dass eine Aufnahme nicht zwingend gegen ihre Auflagen verstieße. „Wir müssen das erst juristisch klären lassen, deshalb können wir nichts dazu sagen“, teilte eine ÖBB-Sprecherin am Dienstag auf Anfrage mit.

Auch zur zweiten Forderung Wehingers, wonach Bahnkunden – unabhängig davon, bei wem sie ihr Ticket gekauft haben –, sowohl mit der Westbahn als auch mit den ÖBB sollen fahren können, will sich die Bundesbahn nicht äußern. „Das ist kompliziert, wir lassen das gerade prüfen“, heißt es aus dem Unternehmen. Tatsächlich ist unklar, wie Entschädigungen zwischen den beiden Anbietern für den Fahrkartenverkauf beziehungsweise den Transport geregelt werden könnten. „Wir haben kein fertiges Konzept dazu, sind aber gesprächsbereit“, sagt Wehinger.

 

„Eine katastrophale Optik“

Bei der Schlichtung der Streitigkeiten helfen soll die neue Chefin der Regulierungsbehörde Schienen-Control. Maria-Theresia Röhsler ist seit dieser Woche im Amt, sie kommt direkt aus dem Kabinett von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ). „Wir wollen keine Vorbehalte gegen die Dame haben“, sagt Wehinger. „Aber das ist doch unglaublich. Die Optik ist schlicht und einfach katastrophal.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2011)

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75 Kommentare
 
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Was man vom Wehinger

bis jetzt am meisten hört sind Klagen.
Bis jetzt hat er noch keinen einzigen Passagier transportiert, und greift aber permanent seine Mitbewerber an.
Warum sollten die ÖBB-PV AG Westbahnfahrkarten akzeptieren? Das ist wie wenn man den Spargutschein beim Billa einlösen möchte. Da würden sich alle die kein Vorteilscard besitzen ein westbahnticket kaufen und dann mit den schnelleren ÖBB-Railjets (Zeitersparnis ca 20min) fahren.
Er hatte als Chef des ÖBB-PV Gelegenheit genug zu zeigen was er kann. An dem Ergebnis knabbert die ÖBB noch heute.

Antworten Gast: Anton Aushecker
23.11.2011 20:17
0

Re: Was man vom Wehinger

metropolis ist wohl ein gewerkschaftlich geschulter ÖBB-Bediensteter.
Würde er seine rosarote Brille abnehmen, könnte er sehen, dass der Vergleich mit den Spargutscheinen mehr als hinkt: Denn weder Spar noch Billa sind vom Staat jährlich mit mehreren Milliarden Euro alimentiert. Insofern bestünde allein schon daraus ein moralisch-rechtlicher Anspruch.

Abgesehen davon aber, steht im Berichts nichts darüber geschrieben, dass Wehinger fordert, dies auch kostenlos tun zu dürfen. Wie ist denn das mit sämtlichen Tarifverbünden geregelt? Da gibt es ja auch Ausgleichszahlungen für den Ticketverkauf, das Marketing und die Beförderungsleistung.

Man wird wohl von den ÖBB im Staatseigentum verlangen können, dass sie sich diesbezüglich für den Mitbewerb öffnen, genauso wie auch beispielsweise die Telekom Austria (jetzt A1) verpflichtet ist, die letzte Meile vom Wählamt zum Kundenanschluss auch an Mitbewerber zu vermieten. Entgeltlich.

WIR SIND BEAMTERREICH, im GEWERKSCHAFTERREICH ....

und das bedeutet weitestgehend Denkverbot.

Daher wird die Westbahn einen ähnlichen Kampf gegen die ÖBB haben, wie sie Lauda gegen die AUA hatte. Nämlich Schmutzig, trotzig und mit privilegierter Manier die Pappn vollgepfropft mit Staatsgeldern.

Triple AAA, heißt
A-Anrüchig
A-Anakronistisch
A-A***partie


Gast: öffifahrer
09.11.2011 14:48
2

westbahn

Musste vor einigen Tagen von Wien nach Wels fahren; da es kurzfristig war, konnte ich auch kein 9,--€ Ticket mehr bekommen; Normalpreis bei den ÖBB für diese Strecke ist 33,70 €(!).
Es ist auch seltsam, dass man die Sparschiene
innerhalb Österreichs nicht beim Schalter oder Automaten kaufen kann, sondern nur im Internet.
Bei der "Westbahn würde das Ticket 16,90 € kosten und man könnte es auch im Zug kaufen.
Bin dann eben mit dem Auto gefahren, was auch schneller war....
Und die ÖBB können eigentlich über die "Westbahn" froh sein, denn dadurch werden einige (unnötige) railjets für die Südbanh frei, obwohl sie dort auch nciht schneller sind als herkömmliche IC.
Und so nebenbei sind die DB ICEs um einiges bequemer als die railjets, bei denen in der 2.Klasse nicht einmal die Sitze verstellbar sind. Dafür haben die railjets eine "Premiumklasse", die fast keiner benützt.
0ffenbar gibt es bei den ÖBB wirklich eine Abteilung, die sich mit der Vertreubung von Passagieren befasst.

Railjet

Für den Railjet mit seinen nicht verstellbaren Sitzen und der relativ unnötigen Premium-Klasse darfst du dich beim Wehinger bedanken. Der hat den damals als ÖBB-Personenverkehr-Chef gekauft.
Er hat hat auch bei den ÖBB das Rauchverbot eingeführt, und bei seiner STRABAG-Bahn baut er wieder einen Raucherbereich ein. Wobei, damit kann er mir eh gestohlen bleiben.

Antworten Gast: Lalalaraffi
09.11.2011 23:06
2

Re: westbahn

Erstens mal wenn mans drei Tage vorher bucht dann bekommt man das 9 Euro ticket einfach und warum sollte sich die ÖBB das gefallen lassen von der Westbahn - und wie beteiligen sich die? Und die Sparschiene, nun ja da gibts ja nur ein kleines Kontingent.

Antworten Gast: SebastianSchw
09.11.2011 18:51
1

Re: westbahn

Bitte vorher überlegen, worüber man schreibt, bevor man einfach so drauf losplappert:

Zum ersten: Es werden keine Railjets für die Südbahn frei, weil die Westbahn GmbH dazukommt - das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun. Der Railjet kommt auf die Südbahn, weil man zu viele davon bestellt hat, und die nun irgendwo einsetzen muss. Und da die Lieferungen der Railjets noch nicht abeschlossen sind, werden es derzeit immer mehr.
Zum zweiten: Auch auf der Westbahn fährt der Railjet derzeit (noch) nicht schneller als ein herkömmlicher IC oder EC mit den gleichen Halten - die aber inzwischen fast alle durch Railjets ersetzt wurden.

Bei der Kritik zum Komfort vom Railjet stimme ich zu.

Interessantes Detail am Rande ist aber: Zur Zeit der Bestellung der Railjets war der Herr Wehinger ÖBB-Chef. Ob da ein Zusammenhang besteht, darüber darf jeder selbst für sich spekulieren

Bei der Kostenstruktur der ÖBB

... könnte sogar Novotny ein Konkurrenzunternehmen erfolgreich führen.
Und an die ÖBBler im Forum: Hört auf, unser Steuergeld zu nehmen und bezahlt wie andere Betriebe auch Eure Steuern, dann könnt Ihr machen, was Ihr wollt.
Solange Ihr unser Geld nehmt (noch dazu in Form von Zwangsabgaben) solltet Ihr uns gegenüber etwas leiser treten!

Sorry, aber das ist ein schlechter Scherz

Der Westbahn-Chef hat nichts zu fordern. Er soll sich am besten schleichen. Ich frage mich immer, wie viel Schmiergeld er wohl bezahlt hat um sich die lukrativste Strecke rauszupicken.

Ende

Warum ist in Österreich alles so kompliziert?

In Deutschland gibt es viele Privatbahnen, die online im DB-Kursverzeichnis aufscheinen. Auch kann man dort mit Fahrscheinen der Privatbahnen Züge der DB benützen. Nur bei uns stellt man sich dagegen. Auch in der Schweiz gibt es ein solches Abkommen zwischen der SBB und den Privatbahnen. Würden die Verantwortlichen in Österreich über ihren Tellerrand hinaus schauen und sich an den internationalen Gepflogenheiten orientieren, sie könnten viel lernen. Aber nein, das macht man nicht und stellt sich stur. So aber wird man keine neuen Kunden finden, die umweltbewusst die Bahnen nützen wollen, aber durch die Sturheit der Verantwortlichen davon abgehalten werden. Klimaschutz? Das Wort kennt man in Österreich gar nicht.

Antworten Gast: Matador
09.11.2011 14:34
1

Re: Warum ist in Österreich alles so kompliziert?

Ja, allerdings nicht bei allen Privaten, sondern nur bei denen, die für dieses Service auch BEZAHLEN.

Gast: franzi2
09.11.2011 11:56
5

beim wehinger brennt der hut

die "westbahn" wird der flop des jahres:

1. ein großspurig angekündigter taktfahrplan, der nicht zustande kommt, denn wehinger will natürlich nur zu den Spitzenzeiten fahren, dann ist tabula rasa...
2. Doppelstockzüge,viele Halte, 15 min langsamer als der railjet..bitte wer soll damit fahren ?
3. eine Finanzierung, die langsam, aber sicher wackeln muss ( man denke an die exorbitanten Anlaufkosten, die meiner Meinung nach nie verdient werden können).
4. ein groß angekündigtes, eigenes tarifsystem, das nun schiffbruch zu erleiden droht und mit dem man plötzlich beim ständig attakierten Konkurrenten ÖBB Unterschlupf finden möchte
5. ein dreister Wehinger, der meiner Meinung nach von allem Anfang an geplant hatte mit seiner Schnapsidee "private Westbahn"endgültig unter den Fittichen der ÖBB zu landen und damit in letzter Konsequenz dem Steuerzahler zur Last zu fallen, denn niemand braucht zwischen Wien und Salzburg die Schweizer Züge. Schon jetzt sollen die IC der ÖBB teilweise äußerst schwach ausgelastet sein.
6. Wie bei so vielen "Privatisierungen" soll daher dann auf Kosten der Steuerzahler kräftig abgezockt werden.

Antworten Gast: SSKM
09.11.2011 12:34
2

Re: beim wehinger brennt der hut

ÖBB Angestellte sollen arbeiten, nicht während der Dienstzeit Schmähpostings verfassen - es sei denn, sie werden von der ÖBB dazu bezahlt.

ÖBB= Österreich brennt wie blöd.

Re: Re: beim wehinger brennt der hut

stimmt, eisenbahner arbeiten täglich zwischen 8 und 16 uhr. dazwischen fährt kein zug. gilt für alle.

Gast: unhold
09.11.2011 11:33
4

speisekarte

das is ja fast schon so, wie wenn ein würstlstand in der nähe des steirerecks darauf bestehen würde, seine miesen "haß'n" beim luxuswirtn auf die speisekarte schreiben wollte!

möglicherweise bin ich ja zu naiv...

... aber meiner Ansicht nach gibt es bestimmte Betriebe die durchaus in Hand des Staates sein sollten um einen freien Staat zu gewährleisten.

Dazu gehört die Post (hier meine ich den Brief/Paketversand und nicht sonstige Angebote) dazu gehört auch (ein) Fernsehsender/Radio und dazu gehört definitiv auch die Bahn.

Dass das ganze nur funktionieren kann in einer Demokratie die nicht von Korruption zerfressen ist, ist mir durchaus klar.

Aber wozu die privatisierung der Bahn führen kann hab ich in England erlebt und da sage ich nur: NEIN DANKE!

Auch wenn ich ganz großer Fan der freien Marktwirtschaft bin, denke ich ist es auch der Job des Staates,d afür zu sorgen, dass manche Sachen erledigt werden.

Was genau bringt uns eine "private" Westbahn jetzt?

Re: möglicherweise bin ich ja zu naiv...

Schauen Sie bitte in die Schweiz, dem Musterland des öffentlichen Verkehrs und der Demokratie. Dort funktioniert ein Nebeneinander und ein Miteinander der Bahnen sehr erfolgreich und mustergültig. Warum soll es so etwas nicht in Österreich geben? Auch gibt es dort viel weniger Korruption als bei uns. Die Zulassung von Privatbahnen ist ürigens ein EU-Gesetz, das jedoch von Österreich aufgrund einer verkrusteten Genossenpolitik gerne negiert wird.

Re: möglicherweise bin ich ja zu naiv...

Auch ich stimme absolut zu

++

Antworten Gast: Johann S
09.11.2011 12:22
2

Re: möglicherweise bin ich ja zu naiv...

Absolute Zustimmung.

Das englische Desaster sollte uns Mahnung sein.

Gast: Matador
09.11.2011 11:12
4

Der Gipfel des Absurden.

VW fordert, dass auch Ford-Händler den nächsten Golf anbieten sollen...

Die neue Westbahn wird ein Bauchfleck der Sonderklasse. Bei dem Management...

Antworten Gast: Hans Goebl
09.11.2011 16:15
0

Re: Der Gipfel des Absurden.

Wenn es das Wirtschaftsministerium als seine Aufgabe ansieht, einen Spritpreisrechner für verschiedenste Tankstellenketten zur Verfügung zu stellen, sollte ein gleichwertiges Informationsangebot doch auch für den öffentlicen Verkehr machbar sein.

Gast: Hans Goebl
09.11.2011 09:29
3

für die Kunden

auch der ÖBB wäre eine alle möglichen Verkehrsträger beinhaltende Fahrplanauskunft natürlich ein Vorteil. Es gibt durchaus sinnvolle Anschlüsse z.B. frühmorgens mit Westbahn bis Wels und mit ÖBB weiter Richtung Schärding / Passau.

Gast: joseph
09.11.2011 09:28
3

fordert

herr w. von der westbahn fordert !!! und vermisst gespraechsbereitschaft seitens oebb.

warum soll die konkurrenz gespraechsbereitschft zeigen ?

da koennte man auch verlangen dass billa die hofer-produkte in der werbung anbietet.

Antworten Gast: Denkerr
09.11.2011 10:37
3

Nix verstanden Seppi

ÖBB ist geschützte Werkstätte und wird von UNS finanziert, daher Wettbewerbsverzerrung. Bei Billa, Hofer aber auch Merkur u.a. trifft das nicht zu.

Antworten Antworten Gast: joseph
09.11.2011 15:05
3

Re: Nix verstanden Seppi

ich bin gegen geschuetzte werkstaetten mit sonderpensionsregeln, aber wenn die westbahn das system oebb benutzen will, wird auch die westbahn vom steuerzahler (UNS) mitsubventioniert.

Gast: joseph
09.11.2011 09:14
4

haselsteiner

herr haselsteiner wollte, wie manch kleiner bub, unbedingt eine eisenbahn und jetzt jammert sein management dass die konkurrenz nicht mitspielt.

 
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