Kampf um die Kaffeekapsel ist noch nicht ausgefochten

21.11.2011 | 17:43 |  Von Julia Kern (Die Presse)

Die heimischen Handelsriesen Spar und Rewe sind vor Kurzem mit ihren Nespresso-kompatiblen Kapseln in ein gut gehendes Geschäft eingestiegen. Nespresso könnte hierzulande aber noch gegen Nachahmer vorgehen.

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Wien. Es ist ein gut gehendes Geschäft, in das die heimischen Handelsriesen Spar und Rewe vor Kurzem mit ihren Nespresso-kompatiblen Kapseln eingestiegen sind. Nur bei der technischen Umsetzung gibt es mitunter noch Probleme. Die Kapseln beider Firmen fallen zum Teil wieder aus der Maschine, Spar hat sein Modell bereits überarbeitet. Offen ist zudem auch die Frage, ob Nespresso sich die Tatsache, dass die Konkurrenzkapseln mit seiner patentierten Kaffeemaschine funktionieren, in Österreich gefallen lassen wird.
Bis jetzt seien hierzulande keine rechtlichen Schritte unternommen worden, sagt Konzernsprecher Julian Liew. Der Hersteller der Rewe-Kapseln, Ethical Coffee Company, sei jedoch einer jener Konkurrenten, durch den man sich in seinem geistigen Eigentum verletzt sehe – und gegen den man in anderen Ländern bereits rechtlich vorgegangen sei. Klagen gibt es nach Angaben der Ethical Coffee Company in Frankreich und der Schweiz. Bei Casa del Caffè Vergnano, dem italienischen Lieferanten von Spar, würden „derzeit die juristischen Optionen geprüft“, sagte Liew zur „Presse“.
Ob in Österreich gegen einen der Produzenten eine Klage eingereicht werden wird, will er nicht sagen. In jedem Land gebe es andere Gesetze: „Wir müssen alle Optionen in jedem Land prüfen.“

Markteinführung wurde geprüft

Jean-Paul Gaillard, Chef von Ethical Coffee Company und gleichzeitig jener Mann, der das Geschäft von Nespresso aufgebaut hat, sieht sich auf der sicheren Seite: Man habe die Markteinführung in Österreich geprüft – dabei seien unter anderem das Wettbewerbsrecht, Urheberrechte und die Patente, die Nespresso in Österreich hat, unter die Lupe genommen worden. Außerdem vertritt Gaillard – ebenso wie Casa del Caffè Vergnano – den Standpunkt, das eigene Produkt sei in keiner Hinsicht mit dem Original zu vergleichen.
Das Hauptargument: Nespresso fülle seinen Kaffee in Aluminiumkapseln ab; die eigenen seien aus biologisch abbaubaren Materialien. Außerdem benötigen die „falschen“ Kapseln zum Brühen des Kaffees nicht die „Nadeln“, mit denen die Nespresso-Maschine das Original zum Brühen aufstößt.
Die Kapseln der Ethical Coffee Company sind mit einem papierartigen Häutchen bedeckt; die italienischen Kapseln verfügen über mikroskopisch kleine Löcher, durch die Wasser in die Kapsel eindringt.
Folgt man der Argumentation von Gaillard, könnten die Konkurrenzkapseln die Patente von Nespresso tatsächlich unberührt lassen. „Es gibt im Wesentlichen sechs relevante Patente auf die Kapseln“, sagt Gaillard. „Wir verletzen keines davon.“ Die Nestlé-Tochter führe ihre 1700 Patente (auf das gesamte System zur Kaffeezubereitung) lediglich an, um die Konkurrenz einzuschüchtern. Viele Rechte seien etwa in jedem Land, in dem die Firma tätig ist, extra geschützt. Laut Gaillard geht es bei den Klagen gegen sein Unternehmen jedoch gar nicht um die Kapseln, sondern darum, dass dafür die Kaffeemaschinen von Nespresso verwendet würden. Eine Bestätigung dafür gibt es seitens Nespresso nicht.
Unwahrscheinlich sind Klagen nicht, sagt ein Marktbeobachter. Gaillard, für den die Provokation des übermächtigen Konkurrenten mittlerweile zum Sport geworden ist, hat seine eigene Theorie: „Sie werden wohl nicht in jedem Land klagen, da ihnen sonst das Image des bösen Riesen anhaftet, der keine Konkurrenz duldet.“

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9 Kommentare
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Nespresso mit Chip

Das wird kein Problem für Nestlé sein, denke ich. Die nächste Generation Kaffeekapseln wird mit Chip sein. Die Hersteller von Computer-Druckern können das ja auch.

Da hier eigentlich ziemlich scheußliche Erfahrungen mit dem Ersatzstoff gemacht wurden, müssen die Nachahmer selbst ziemlich dumm sein. Das kostet man doch, bevor man sowas auf den Markt bringt. Idealerweise durch Leute, die schon einmal Kaffee getrunken haben ;-)

Nespresso ist eine geniale Sache und der Kaffee schmeckt wirklich sehr gut in Anbetracht der so simplen Handhabung. Für mich ist das nichts, weil ich dafür zu viel Kaffee trinke - ich wäre an den teuren Kapseln schon verarmt -, aber für Haushalte in denen zwei, drei Tassen am Tag getrunken werden ist das genial.

Ein Preisvorteil von nur 10-20% für die Nachahmung wäre sogar dann, wenn die Qualität vergleichbar wäre zu klein. Das müsste also gleich gut sein und zumindest 30% weniger kosten.

Antworten Gast: karl aller
22.11.2011 12:19
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Re: Nespresso mit Chip

1 Chip pro Wegwerfkapsel wär aber Wahnsinn...

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Re: Re: Nespresso mit Chip

Ich hatte mir einmal ausgerechnet, dass 1kg Kaffee in Nespresso-Kapseln etwa 80 Euro kostet. Da kann man sich auch eine Menge Chips dafür kaufen, die kosten ja fast nichts mehr.

Es kann natürlich auch sein, dass die auch heute schon erkannt werden. So wie bei Computer-Druckern. Da wird zwar gedruckt, aber in halber Auflösung beispielsweise.

Bei Kaffee könnte es so sein, dass die Maschine das erkennt, zwar den Kaffee macht, aber das Wasser beispielsweise mit weniger Druck oder niedrigerer Temperatur durchschickt. Dann schmeckt der einfach nicht gut, egal wie gut der Kaffee in den Kapseln auch ist.

Haben den Kaffee zu Hause

Eines der Hauptprobleme scheint zu sein, dass die Kapseln nicht dicht sind, darum sind sie extra in Folie eingepackt damit sie nicht ausrauchen, nur zu dumm, das man nicht innerhalb von 2 Tagen 10 Kapseln trinkt.

Das andere und wohl gravierendes Problem ist, dass er einfach nicht schmeckt, hat nichts mit gewöhnt sein zu tun, ausser man meint gewöhnt nach etwas beserem aber jeden den ich blind verkosten lies meinte irgendwas stimme mit nespresso nicht weil der kafee so grauslich sei, als ich die leute aufklärte es sei von merkur gewesen kam der Aha effekt

und ganz ehrlich 10-20% nur weniger für eine so viel minderwertige Ware? Der Kafee verschwindet so oder so schnell wieder aus den Regalen

Re: Haben den Kaffee zu Hause

danke für die Info
somit komm ich nicht in Versuchung den "billigeren" Kaffee auszuprobieren
ein Ärgernis bleibt mir also erspart - danke

Gast: S. Cat
21.11.2011 21:15
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eigene Produkt sei in keiner Hinsicht mit dem Original zu vergleichen.

Einmal das Konkurrenzprodukt probiert (der Altersgeiz läßt grüßen). Kapsel fällt durch, Hebel der Maschine läßt sich nur mit äußerster Kraftanstrengung niederdrücken. Das Gebräu wird nach kürzester Zeit farblos, schmeckt und riecht, wie Katzenpisse. Nie wieder! Qualität hat eben ihren Preis.cc

Heute probiert.

Schmeckt wie Filterkaffee und die De Longhi hat Mühe, das Wasser durchzupressen.

Es bleibt bei dem einen Versuch.

Re: Heute probiert.

Geht mir auch so. Nicht trinkbar!

1700 Patente nur für eine

bescheuerte Kaffemaschine? Und da wundert sich noch jemand, warum wirkliche Innovationen immer seltener werden?

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