Schiefergas für 30 Jahre in Österreich – OMV will aber nur „ökologisch“ fördern

Die im Weinviertel gefundenen Schiefergas-Vorkommen dürften „groß“ sein, sagt OMV-Chef Roiss. Die OMV will nun die Förderung des Feldes angehen. Die Investitionssumme dafür beziffert Roiss auf 130 Mio. Euro.

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(c) REUTERS (KACPER PEMPEL)

Wien/jaz. Es ist ein Wort, das in den letzten Jahren in der Energiebranche für Aufsehen sorgt: Schiefergas. Damit wird Erdgas bezeichnet, das nicht in porösem Gestein, sondern in tausenden kleinen Gasblasen zwischen festen Felsen tief unter der Erde gefangen ist. Bekannt sind solche Vorkommen schon seit Jahrzehnten. Wirtschaftlich fördern lässt sich dieses Gas jedoch erst seit rund zehn Jahren. Seither gab es in den USA einen waren Boom, der Anteil an Schiefergas am Gesamtverbrauch stieg von nahezu null im Jahr 2000 auf nunmehr zehn Prozent und soll 2020 bereits ein Fünftel betragen.
Aber auch in Europa gibt es Schiefergas-Vorkommen. Eines davon befindet sich in der Gegend von Poysdorf im nördlichen Niederösterreich. Und wie jüngst bekannt wurde, will die OMV nun die Förderung des Feldes angehen. „Dieses Vorkommen könnte für Österreich künftig eine große Bedeutung haben“, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Denn wenn es möglich werde, das Gas zu fördern, könnte es den „Jahresverbrauch von Österreich – rund acht Mrd. Kubikmeter Gas – für 20 bis 30 Jahre decken“, so Roiss. Bis es so weit ist, würden jedoch mindestens noch zwei Jahre vergehen. Zuvor müsse die OMV noch weitere Probebohrungen durchführen und ein „neues Förderverfahren“ entwickeln. Die Investitionssumme dafür beziffert Roiss auf 130 Mio. Euro. Denn die Förderung werde nur dann gestartet, wenn es „ökologisch vertretbar ist“, so Roiss.

Kritik an Schiefergas-Förderung in den USA

Er bezieht sich dabei auf die heftige Kritik an der Schiefergas-Förderung in den USA. Um die Gasbläschen im Gestein zu öffnen, wird dort nämlich ein Gemisch aus Wasser, Sand und einer Reihe von Chemikalien mit hohem Druck in die Bohrlöcher gespritzt. Kritiker dieses „Fracking“-Verfahrens befürchten, dass die teils hochgiftigen Inhaltsstoffe der Mischung im Erdreich nach oben steigen und das Grundwasser verseuchen könnten. In einem Fall in Pennsylvania wurde dies bereits Realität. Die US-Umweltschutzbehörde EPA untersucht daher zurzeit in einer groß angelegten Studie die Folgen von „Fracking“.
Das Vorkommen in Niederösterreich liege mit 6000 Metern zwar wesentlich tiefer und daher viel weiter vom Grundwasser entfernt als jene in den USA, sagt Roiss. Dennoch will die OMV zusammen mit heimischen Hochschulen in jedem Fall ein neues umweltfreundliches Verfahren entwickeln. Die Chance, dass es schlussendlich möglich wird, das Vorkommen zu fördern, beziffert Roiss daher nur mit „20 Prozent“.
Doch auch wenn der Schiefergas-Boom an Österreich vorübergehen sollte, werde Gas künftig eine wichtigere Rolle bei der OMV spielen, bekräftigte Roiss seine Strategie für den heimischen Energieriesen. Derzeit gebe es in Europa zwar eine Überversorgung mit Gas, ab dem Jahr 2020 werden jedoch „bereits 150 Mrd. Kubikmeter Gas fehlen“. Daher will die OMV ihr Gasgeschäft in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
„Keine zentrale Bedeutung“ kommt dabei jedoch der Gaspipeline Nabucco zu, deren Errichtungskonsortium immerhin von der OMV angeführt wird. Das Projekt hakt zurzeit aufgrund fehlender Entscheidungen am Gas-Herkunftsland Aserbaidschan. So ist sich das Konsortium, das das für Nabucco und die Konkurrenzprojekte entscheidende Gasfeld Shah Deniz 2 entwickelt, noch immer nicht einig, mit welchem Pipelineprojekt es zusammenarbeiten will. „Die Konsortiumsteilnehmer von Shah Deniz 2 investieren dort 20 Mrd. Dollar. Die lassen sich in ihrer Entscheidung nicht davon antreiben, weil die OMV das will“, sagt Roiss. Er hofft auf eine Entscheidung im ersten Halbjahr 2012.

Baumgarten wichtiger als Nabucco

Zudem gehe es bei Nabucco nun weniger um wirtschaftliche als um politische Fragen, die auch in Brüssel, Moskau und Washington mitentschieden würden. Ausschlaggebend ist für Roiss daher vor allem, dass jene Pipeline, die schlussendlich gebaut wird, am heimischen Gasknotenpunkt Baumgarten endet, den die OMV zur wichtigsten Gasbörse Mitteleuropas ausbauen will. Daher sei die OMV auch am oft als Nabucco-Konkurrenz gesehenen russischen Projekt South Stream beteiligt.
Noch kaum Bedeutung haben bei der OMV alternative Energieformen. So arbeitet der Konzern zwar an Biosprit der zweiten Generation, Geothermie und Wasserstoff und verdoppelte die Forschungsmittel dafür auf 50 Mio. Euro. Dies sind jedoch immer noch nur rund zwei Prozent der Gesamtinvestitionen.

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