Schiefergas für 30 Jahre in Österreich – OMV will aber nur „ökologisch“ fördern

02.12.2011 | 17:17 |   (Die Presse)

Die im Weinviertel gefundenen Schiefergas-Vorkommen dürften „groß“ sein, sagt OMV-Chef Roiss. Die OMV will nun die Förderung des Feldes angehen. Die Investitionssumme dafür beziffert Roiss auf 130 Mio. Euro.

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Wien/jaz. Es ist ein Wort, das in den letzten Jahren in der Energiebranche für Aufsehen sorgt: Schiefergas. Damit wird Erdgas bezeichnet, das nicht in porösem Gestein, sondern in tausenden kleinen Gasblasen zwischen festen Felsen tief unter der Erde gefangen ist. Bekannt sind solche Vorkommen schon seit Jahrzehnten. Wirtschaftlich fördern lässt sich dieses Gas jedoch erst seit rund zehn Jahren. Seither gab es in den USA einen waren Boom, der Anteil an Schiefergas am Gesamtverbrauch stieg von nahezu null im Jahr 2000 auf nunmehr zehn Prozent und soll 2020 bereits ein Fünftel betragen.
Aber auch in Europa gibt es Schiefergas-Vorkommen. Eines davon befindet sich in der Gegend von Poysdorf im nördlichen Niederösterreich. Und wie jüngst bekannt wurde, will die OMV nun die Förderung des Feldes angehen. „Dieses Vorkommen könnte für Österreich künftig eine große Bedeutung haben“, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Denn wenn es möglich werde, das Gas zu fördern, könnte es den „Jahresverbrauch von Österreich – rund acht Mrd. Kubikmeter Gas – für 20 bis 30 Jahre decken“, so Roiss. Bis es so weit ist, würden jedoch mindestens noch zwei Jahre vergehen. Zuvor müsse die OMV noch weitere Probebohrungen durchführen und ein „neues Förderverfahren“ entwickeln. Die Investitionssumme dafür beziffert Roiss auf 130 Mio. Euro. Denn die Förderung werde nur dann gestartet, wenn es „ökologisch vertretbar ist“, so Roiss.

Kritik an Schiefergas-Förderung in den USA

Er bezieht sich dabei auf die heftige Kritik an der Schiefergas-Förderung in den USA. Um die Gasbläschen im Gestein zu öffnen, wird dort nämlich ein Gemisch aus Wasser, Sand und einer Reihe von Chemikalien mit hohem Druck in die Bohrlöcher gespritzt. Kritiker dieses „Fracking“-Verfahrens befürchten, dass die teils hochgiftigen Inhaltsstoffe der Mischung im Erdreich nach oben steigen und das Grundwasser verseuchen könnten. In einem Fall in Pennsylvania wurde dies bereits Realität. Die US-Umweltschutzbehörde EPA untersucht daher zurzeit in einer groß angelegten Studie die Folgen von „Fracking“.
Das Vorkommen in Niederösterreich liege mit 6000 Metern zwar wesentlich tiefer und daher viel weiter vom Grundwasser entfernt als jene in den USA, sagt Roiss. Dennoch will die OMV zusammen mit heimischen Hochschulen in jedem Fall ein neues umweltfreundliches Verfahren entwickeln. Die Chance, dass es schlussendlich möglich wird, das Vorkommen zu fördern, beziffert Roiss daher nur mit „20 Prozent“.
Doch auch wenn der Schiefergas-Boom an Österreich vorübergehen sollte, werde Gas künftig eine wichtigere Rolle bei der OMV spielen, bekräftigte Roiss seine Strategie für den heimischen Energieriesen. Derzeit gebe es in Europa zwar eine Überversorgung mit Gas, ab dem Jahr 2020 werden jedoch „bereits 150 Mrd. Kubikmeter Gas fehlen“. Daher will die OMV ihr Gasgeschäft in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
„Keine zentrale Bedeutung“ kommt dabei jedoch der Gaspipeline Nabucco zu, deren Errichtungskonsortium immerhin von der OMV angeführt wird. Das Projekt hakt zurzeit aufgrund fehlender Entscheidungen am Gas-Herkunftsland Aserbaidschan. So ist sich das Konsortium, das das für Nabucco und die Konkurrenzprojekte entscheidende Gasfeld Shah Deniz 2 entwickelt, noch immer nicht einig, mit welchem Pipelineprojekt es zusammenarbeiten will. „Die Konsortiumsteilnehmer von Shah Deniz 2 investieren dort 20 Mrd. Dollar. Die lassen sich in ihrer Entscheidung nicht davon antreiben, weil die OMV das will“, sagt Roiss. Er hofft auf eine Entscheidung im ersten Halbjahr 2012.

Baumgarten wichtiger als Nabucco

Zudem gehe es bei Nabucco nun weniger um wirtschaftliche als um politische Fragen, die auch in Brüssel, Moskau und Washington mitentschieden würden. Ausschlaggebend ist für Roiss daher vor allem, dass jene Pipeline, die schlussendlich gebaut wird, am heimischen Gasknotenpunkt Baumgarten endet, den die OMV zur wichtigsten Gasbörse Mitteleuropas ausbauen will. Daher sei die OMV auch am oft als Nabucco-Konkurrenz gesehenen russischen Projekt South Stream beteiligt.
Noch kaum Bedeutung haben bei der OMV alternative Energieformen. So arbeitet der Konzern zwar an Biosprit der zweiten Generation, Geothermie und Wasserstoff und verdoppelte die Forschungsmittel dafür auf 50 Mio. Euro. Dies sind jedoch immer noch nur rund zwei Prozent der Gesamtinvestitionen.

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37 Kommentare
 
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Segen oder Ausverkauf?

Warum werden im deutschen Nordrhein- Westfalen keine neuen Fracking-Bohrgenehmigungen mehr ausgestellt - ökologisch vertretbar oder nicht
Verlauf dokumentiert hier:
http://www.muensterschezeitung.de/gasbohrungen+in+nrw./

Dass diese oder andere Probleme beim Fracking in Österreich nicht auftreten werden bezweifle ich.
Auch in Österreich formiert sich schon Widerstand gegen den Ausverkauf des Landes.
http://www.weinviertelstattgasviertel.at !

Gast: Betroffener
15.01.2012 20:10
0

Man hat nur eine Heimat!!

Liebe Leute! Ich habe die Eure Kommentare gelesen, und da ich selbst ein Betroffener bin, möchte ich Euch sagen: "Man hat nur eine Heimat!" Ich Pilotprojekt zur Verfügung stellen, oder dadurch gar verlieren. Wenn jemand das haben/machen will, dann soll er doch mit der ÖMV Kontakt aufnehmen. Wir BETROFFENEN wären sehr froh, wenn wir unsere Heimat so behalten könnten, wie wir sie jetzt haben. Schön, sauber und sicher. Und das soll auch noch für unsere Nachfahren so sein. Schönen Abend - ein Betroffener!

Gast: fracking
06.01.2012 19:14
0

die wünsche der omv

das south-stream projekt soll aber in italien enden nicht im wünsch-dir-was baumgarten.

Hainburg II und zu viele andere Gedanken...

OMV: "die Förderung werde nur dann gestartet, wenn es „ökologisch vertretbar ist“

Was heißt ökologisch vertretbar"? Entweder etwas ist ökologisch bedenklich oder es ist es nicht. "vertretbar" bedeutet, dass man schlicht gewisse ökologische Schäden in Kauf nimmt.

"Kritiker dieses „Fracking“-Verfahrens befürchten, dass die teils hochgiftigen Inhaltsstoffe der Mischung im Erdreich nach oben steigen und das Grundwasser verseuchen könnten."

Was heißt "könnten"? Sie tun es, wie man es in den USA an unzähligen Fällen sehen kann. Dabei wurden und werden Große Flächen für Mensch, Tier und Pflanzenwelt regelrecht verseucht und dabei noch gigantische Mengen an CO2 freigesetzt.
Es existiert keine Fracking Methode, die die Umwelt nicht zerstört!
Das wird die OMV mit vergleichsweise mickrigen 130 Mio € in zwei Jahren auch nicht ändern können.
Hier handelt es sich lediglich um Beruhigungspillen, die verteilt werden um ein weiteres Hainburg zu verhindern. Wir werden sehen.

Das größte Gegenargument wäre jedoch ein wirtschaftliches. Würde man das Geld das zur Förderung von fossilen Brennstoffen buchstäblich „verheizt“ wird, in Erneuerbare Energien stecken, bräuchte man kein Gas mehr. Verrückt nicht war?
Ach so stimmt - geht nicht, dann würde die OMV nichts mehr dran verdienen. Denkt doch an die Armen Vorstände, die pro Kopf pro Jahr mit 2,03* Mio Euro weniger auskommen müssten!

*http://derstandard.at/1322531387124/Plus-132-Prozent-Oesterreichs-Vorstaende-haben-2010-noch-mehr-verdient

Gast: GasGast
05.12.2011 14:12
1

Immer nur aufbringungsseitig zu denken, ist ein Rückschritt

Es geht hier (für mich) gar nicht darum, ob das Verfahren für die Schiefergasgewinnung letztlich ökologischer sein wird als in den USA (das glaub ich sogar), sondern darum, dass dies einmal mehr grundsätzlich der falsche Ansatz in der Energiepolitik ist. Selbst wenn daraus was werden sollte: Was sind schon 30 Jahre Gasunabhängigkeit?! Eigentlich lächerlich, wenn man systemisch denkt. Bezeichnender Weise investiert die OMV erschreckend wenig in alternative Energieformen bzw. Effizienztechnologie. DAS ist das Problem.
Man verlässt sich halt lieber auf ein vermeintliches Milliardengeschäft. Die paar Risken, die man damit eingeht... wen kümmert's. Die Gier ist wieder Mal größer und hinter den Kulissen werden über die Köpfe der Bevölkerung hinweg schon die Fäden gezogen - zum angeblichen Wohle der österreichischen Volkswirtschaft. Mit intelligenter Vorgehensweise hat das wenig zu tun. Aber was will man von den Entscheidungsträgern in diesem Land schon anderes erwarten.

Der Schärdinger

Das wird genauso ein Milliardengrab, wie der so hochgelobte Gang in den Osten!!!!!!!1

Re: Der Schärdinger

Nur das hier noch Tiere, Pflanzen und Menschen vor unserer Haustür drauf gehen können...

Re: Der Schärdinger

es wäre unverantwortlich es nicht zu probieren

Re: Re: Der Schärdinger

Man möge ja fast glauben Sie verdienen direkt oder indirekt Ihr Geld mit fossilen Brennstoffen...

Da werden die Grünen

aber fürchterlich weinen!

Einheimisches Erdgas für das Gaskraftwerk in Klagenfurt/Ebental.

Ökologisch?

Wenn es soweit kommen sollte, dann bitte wirklich ökologisch! Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Ich persönlich bin schockiert, traurig und grantig über die Vorgehensweise in den USA und kann nur hoffen, uns bleibt das erspart.
http://www.gaslandthemovie.com/

mehr Fachwissen, weniger Michael Moore "dokus"

dieser Film ist schön und gut, aber nicht mit Europa zu vergleichen, da vieel strengere auflagen und Gesetze.
deshalb ist auch Ölachisferabbau a la Kanada in Estland durch denEUbeitritt gestoppt werden.

wie ökologisch fracken?

hauptchemikalie wäre antialgenzeug, welches sie in höherer Konzentration in ihrem Schwimmbad haben. aber diese Chemikalie ist durch ein verfahren aus der Wasseraufbereitung, nämlich uv Bestrahlung, zu ersetzen.
teurer und nicht so wirkungsvoll, aber machbar.

Chemikalien um reibungsverlust zu minimieren? nimmt man 2 Pumpen mehr, wenn gewünscht...

Chemikalie zur Erhöhung der Viskosität, damit das Wasser den Sand tragen kann? schlimmstenfalls nimmt man stärke.

das war's an Chemikalien, welches ein fracfluid im gasmonopoly-pennsylvania innehatte!

Wasserverbrauch? ja. viel. warum frischwasser? weils niemanden kümmerte.
die OMV hat in ihrer neu errichteten wasserbehandlungsanlage (die alte ist schlicht alt) mehr als genug formationswasser zur Verfügung.

Re: mehr Fachwissen, weniger Michael Moore "dokus"

Übrigens heißt der Typ "Josh Fox" und nicht "Michael Moore" - nur so als Erinnerung, sie haben den Film ja offenbar gesehen...

Re: mehr Fachwissen, weniger Michael Moore "dokus"

Jedem, der nur ein bisschen versteht um was es hier geht, ist klar, dass Fracking - egal mit welcher "vertretbaren" Methode - große Risiken für die Umwelt und letztlich für uns Menschen birgt.

Erzählen sie mal einem Japaner heute wie sicher "eigentlich" Atomkraftwerke sind. Ja klar hier ist auch nur einer "wenigen" Störfällen passiert. Das hilft aber den tausenden Fischern nichts die jetzt in verseuchtem Wasser plantschen. Genauso wie es uns nichts mehr helfen würde wenn die neue so sichere, super umweltfreundliche von der OMV aus der Asche der Unwissenheit gezauberte und "ökologisch verträgliche" Methode schief geht.
Klar ist Atomkraft was anderes wie Schiefergas, aber verseuchtes Wasser, Boden und Luft, bleiben verseuchtes Wasser, Boden und Luft. Es macht keinen Unterschied wie man es verseucht und wie niedrig die Wahrscheinlichkeit ist - Ausnahmen bestätigen die Regel.

Re: Ökologisch?

jaja schockiert

und der strom kommt aus der steckdose, oder wie?

Re: Ökologisch?

Irgendwolche schafwollsockigen Ökofreaks haben immer was dagegen. Wen schert's.

Antworten Antworten Gast: hm?
05.12.2011 10:34
1

Re: Re: Ökologisch?

Und irgendwelchen egoistischen katpitalisten ist wieder mal aLles andere egal . BTW ob fracking gut oder schlecht ist tut bei einem fossilen energieträger sowieso herzlich wenig zu Sache. Co2 wird sowieso freigesetzt. Vl sollten wir die finanziellen Mittel eher in aktuellere Methoden der Energiegewinung stecken. Bei erfolgsaussichten von 20 % wäre das alle mal der sicherere weg ( vor allem in Zeiten dieser Finanzlage.) ... Und nur so das wir uns richtig verstehen "schafwollsockige ökofreaks " Kronen Zeitung lässt grüßen

Re: Re: Re: Ökologisch?

gas zu verbrennen ist sauberer als Öl - als übergangsmedium ist Gas durchaus brauchbar.

zudem ist es die einzige Energiegewinnung, die energieausfalle der erneuerbaren (Sonne, Wind) schnell genug kompensieren kann

Re: Re: Re: Re: Ökologisch?

Das Argument hören wir seit nunmehr 40 Jahren nur dass es vorher Öl statt Kohle geheißen hat. Die Technologien existieren seit Jahren, es fehlt schlicht der Wille etwas daran zu ändern.

Re: Re: Ökologisch?

Ich stehs mir nicht so auf vergiftetes und entzündbares Grundwasser. Wenn Sie mich deshalb als Ökofreak bezeichnen, bitte.

Re: Re: Re: Ökologisch?

es ist ein Unterschied, ob wie in den USA unfähige 5Mannunternehmen fracken oder ein mittelgroßer Konzern mit 50 Jahren Erfahrung in punkto Geologie der Gegend. Das Schiefergasreservoir hat man in den 70ern mit der Zistersdorf Übertief 1 + 2 schon erreicht und Produktionstests gemacht.

Erster Frack in Österreich: 1957.

Erste Artikel (hab 10 sekunden gesucht) über shale gas fracking: 1970

was genau ist daran jetzt neu und erschreckend unerprobt?

Re: Re: Re: Re: Ökologisch?

Also entweder haben Sie keinen blassen Schimmer um was es hier geht, oder Sie spielen die Situation bewusst herunter.
Die Firmen die in den USA Fracking betreiben heißen z.B. Encana (Seit 1880), Williams (seit 1908), Cabot Oil & Gas Corporation(seit 1989) oder Chesapeake (1989). Sie sind allesamt multinationale Konzerne und waren teilweise schon im Geschäft als der Begriff OMV vermutlich noch gar existiert hat. Glauben sie tatsächlich, dass diese Konzerne ihre Gegend schlechter kennen als die OMV unsere? Dann haben Sie mein vollstes Mitgefühl.

Nur weil es eine Methode schon seit 40 Jahren gibt und erprobt ist, heißt es noch lange nicht, dass sie unschädlich ist. Was soll also ein solch unschlüssiges Argument?

Gast: Pandah
03.12.2011 00:02
3

von dem Gas hat

nur die OMV was, von der immensen Umweltverschmutzung hat jeder was!

Re: von dem Gas hat

die Volkswirtschaft Österreich hat eine stark positive Handelsbilanz und ein seeeeeehr hohes Steueraufkommen

Re: Re: von dem Gas hat

Und das seeeeeehr hohe Steueraufkommen soll sich durch die vorbildliche OMV und ihre Schiefergasförderung so weit senken, dass wir unsere Kinder endlich ordentlich unterrichten können, wir unser Gesundheitssystem endlich wieder effektiv einsetzten können und es dann auch völlig wurscht ist, wenn jährlich 26 Milliarden (lt. aktuellem OECD Bericht und Rechnungshof) im Österreichischen Korruptionssumpf verschwinden. Sollen´s doch die Paar Netsch haben, wir haben ja unser Schiefergas!

Re: Re: von dem Gas hat

Und das seeeeeehr hohe Steueraufkommen soll sich durch die vorbildliche OMV und ihre Schiefergasförderung so weit senken, dass wir unsere Kinder endlich ordentlich unterrichten können, wir unser Gesundheitssystem endlich wieder effektiv einsetzten können und es dann auch völlig wurscht ist, wenn jährlich 26 Milliarden (lt. aktuellem OECD Bericht und Rechnungshof) im Österreichischen Korruptionssumpf verschwinden. Sollen´s doch die Paar Netsch haben, wir haben ja unser Schiefergas!

 
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