OeNB-Nowotny kritisiert Bankenaufsicht

Der „Zeitdruck“ für die Banken könne noch zu erheblichen Schwierigkeiten führen.

Wien/Apa. Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank, kritisiert die europäische Bankenaufsicht scharf. Die europäischen Banken müssen bis Ende Juni 2012 ihr „hartes“ Kernkapital (dabei handelt es sich um besonders sicheres Kapital) auf neun Prozent aufstocken. Dafür brauchen die systemrelevanten Institute in Europa knapp 115 Mrd. Euro. Nowotny sprach in diesem Zusammenhang von „Zeitdruck“, der auf europäischer Ebene möglicherweise noch zu erheblichen Schwierigkeiten führen könnte. Es könne sein, dass man damit ein Problem löse und ein anderes verschärfe. Er hätte sich da mehr Koordination gewünscht, so Nowotny.

Den Berechnungen der EBA zufolge brauchen die drei österreichischen Großbanken Raiffeisen Zentralbank, Erste Group und ÖVAG 3,9 Mrd. Euro, um die Kernkapitalquote zu erfüllen. Das ist für Nowotny kein Problem: Er teile da den „Realismus“ der Finanzmarktaufsicht. Natürlich sei das eine Herausforderung, er gehe aber davon aus, dass dafür keine staatlichen Mittel nötig sein werden.


FMA wehrt sich gegen Kritik

Eine Kreditklemme infolge des „sehr ambitionierten“ Programms des Kapitalaufbaus sieht Nowotny nicht, wenngleich diese Gefahr nicht prinzipiell auszuschließen sei. Einen „nicht gerade positiven Effekt“ ortet er auf den Markt für Staatsanleihen.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) wehrte sich umgehend gegen die Kritik des Nationalbank-Gouverneurs: Sie sei nicht nachvollziehbar, so FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. Diese Maßnahmen seien im Rat der Aufseher der EBA diskutiert und beschlossen worden, und zwar im Beisein aller nationalen Notenbanken. Alle nationalen Bankenaufseher hätten das gemeinsam beschlossen, dazu stehe man nun auch gemeinsam.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2011)

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