Wien/Jaz. Es war der große Aufreger im Herbst 2008: Die Post-Führung präsentierte damals ihr Strategiekonzept für den liberalisierten Markt, das unter anderem auch den Ersatz von 1000 Postämtern durch private Post-Partner vorsah. Die Gewerkschaft tobte, und der damalige Infrastrukturminister Werner Faymann (SPÖ) untersagte der Post per Bescheid ein halbes Jahr jegliche Schließungen.
Inzwischen hat die Post ihr Konzept weitgehend durchgesetzt. Von insgesamt 1882 Geschäftsstellen wurden per September nur noch 643 von der Post selbst betrieben. Bis Ende 2012 soll es nur noch 500 eigene Filialen, in Summe aber 2000 Geschäftsstellen geben.
Der Rechnungshof hat sich die Veränderungen im Filialnetz der Post nun angesehen und fällt ein – für Rechnungshof-Berichte ungewöhnliches – weitgehend positives Urteil. So brachte die Umstellung von selbst betriebenen Postämtern auf Post-Partner nicht nur Einsparungen von rund 50.000 Euro pro Postamt und Jahr. Auch der Komfort für die Kunden wurde erhöht. Die Zahl der Filialen mit Öffnungszeiten nach 18:00 Uhr etwa nahm von 76 auf 159 zu; die Zahl jener, die auch am Samstag geöffnet haben, von 249 auf 619 Geschäftsstellen.
Kritik an dem Umstellungsprogramm übt der Rechnungshof lediglich in homöopathischen Dosen. So wurden bei den Schließungen von der Post anfangs nicht jene Filialen mit den größten negativen Deckungsbeiträgen ausgewählt, sondern vor allem Kleinstfilialen, deren Mitarbeiter aufgrund ihrer geringeren Zahl leichter an anderen Stellen wieder im Konzern zu integrieren waren. Dies erhöhte zwar die „Sozialverträglichkeit“ der Schließungen, die eingesparten Beträge hätten jedoch noch höher ausfallen können.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2011)
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