Studie: Konzerne mit Frauen im Vorstand erfolgreicher

18.01.2012 | 14:00 |   (DiePresse.com)

Unternehmen, bei denen auch Frauen im Vorstand sind, machen mehr Gewinn und Umsatz. Das ist das Ergebnis einer Studie von Ernst & Young.

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Unternehmen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern haben zwischen 2005 und 2010 deutlich mehr Umsatz und Gewinn erzielt als Firmen ohne Frauen in Führungspositionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young über 290 europäischen Großunternehmen. Frauen würden eine andere Diskussionskultur, Fragestellungen und Herangehensweisen in der Führungsebene etablieren, sagte Helmut Maukner von Ernst & Young.

Der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder bei europäischen Großunternehmen ist laut der Studie zwischen dem Jahr 2005 und 2010 von fünf auf acht Prozent gestiegen. 2005 hatten die untersuchten Unternehmen insgesamt 2.150 Vorstände, davon waren 103 Frauen. Bis 2010 stieg dann die Zahl der Frauen auf 178 von 2.262 Vorständen.
Ohne Rohstoff- und Energieunternehmen, die fast ausschließlich in alleiniger Männerhand sind, haben sich die untersuchten europäischen Großunternehmen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern zwischen den Jahren 2005 und 2010 bei Umsatz, Gewinn und Börsenwert deutlich besser entwickelt als Unternehmen ohne weibliche Vorstandsmitglieder:

  • Der Umsatz legte bei Frauen im Vorstand im Schnitt um 64 Prozent zu, im Vergleich zu 44 Prozent ohne weibliche Führungskräfte.
  • Der Gewinn legte in diesem Zeitraum bei den Unternehmen mit weiblichen Vorständen um 89 Prozent zu, aber nur um 67 Prozent bei Firmen mit einem rein männlichen Vorstand.
  • Der Börsenwert der untersuchten Unternehmen mit Frauen in der Führungsebene stieg um 58 Prozent, bei Firmen ohne Frauen im Vorstand um 52 Prozent.

Österreich und Deutschland Schlusslichter

In Österreich wurden von Ernst & Young sechs große börsennotierte ATX-Unternehmen unter die Lupe genommen. Nur drei Prozent der Vorstände waren bei diesen heimischen Unternehmen im Jahr 2005 und 2010 weiblich. Damit lag Österreich unter 15 untersuchten europäischen Länder an drittletzter Stelle. Noch niedriger ist der Anteil der weiblichen Vorstände nur in Deutschland und Luxemburg (jeweils 2 Prozent). "Österreich fehlt die Infrastruktur um Familie und Beruf vernünftig unter einen Hut zu bekommen", betonte Maukner.
Es müsste in Österreich eine flächendeckende Ganztagesbetreuung für Kinder ab einem Jahr und auch für Schulkinder angeboten werden. Österreich sei in diesem Bereich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern "weit hinten". Der Einführung einer Quote zur Erhöhung des Anteils weiblicher Führungskräfte kann der Ernst & Young-Experte wenig abgewinnen. "Quoten alleine helfen nicht, wenn die Rahmenbedingungen fehlen." Von den Unternehmen fordert Maukner eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Firmen müssten zeitliche Flexibilität für Familienverantwortliche ermöglichen

Im Vorzeigeland Irland stieg der Anteil der Frauen in der Führungsetage innerhalb des Untersuchungszeitraums von 10 auf 28 Prozent. In Irland seien viele internationale Konzerne aktiv, "die durchaus höhere Frauenquoten in Leistungsebenen" selber forcieren, erklärte Maukner. Auch Schweden hätte mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Karenz den Anteil von acht auf 15 Prozent nahezu verdoppelt.

Nur jede 50. Konzern hat Vorstandschefin

Frauen sind laut Studie im Vorstand meist für Personal oder Marketing zuständig: Im Jahr 2010 hatten 15 Prozent der untersuchten Unternehmen einen weiblichen Personalvorstand, bei 11 Prozent leitete eine Frau den Bereich Marketing. Einen weiblichen Finanzvorstand hatten nur 6 Prozent der Unternehmen. Nur bei jedem fünfzigsten Betrieb war eine Frau als Vorstandsvorsitzende tätig.

(APA)

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14 Kommentare

Und das soll wissenschaftlich sein?

* Zentrale Branchen werden nach Gutdünken ausgelassen
* Zu den anderen Unternehmen gibt es keinerlei Informationen - welche Branche, welche relative Größe etc.
* Gewinn- und Umsatzentwicklung auf 5 Jahre zu analysieren greift ziemlich kurz - das müsste E&Y eigentlich am besten wissen!
* Keine Angaben zu statistischer Signifikanz von Frauenanteil oder Ergebnissen

Und was passiert, wenn man den Anteil der Frauen tatsächlich signifikant erhöht (wie zB in Norwegen), sagt uns eine Studie der Universität Michigan:

"We find that the constraint imposed by the quota caused a significant drop in the stock price at the announcement of the law and a large decline in Tobin’s Q over the following years, consistent with the idea that firms choose boards to maximize value. The quota led to younger and less experienced boards, increases in leverage and acquisitions, and deterioration in operating performance, consistent with less capable boards.

Zufälle gibt es ?!


Gast: freund?
18.01.2012 17:36
4 0

A GSCHICHTL, ODER ???



wer soll DAS denn glauben?

vielmehr wird es so sein, daß großkonzerne, die als 'erfolgreich' gelten, in vorauseilendem gehorsam quotentanterln installieren, um öffentliche aufträge zu bekommen.

Gast: HamburgerX
18.01.2012 17:03
1 0

Eine Frechtheit, wen wollt ihr für dumm verkaufen?

Eine absolut unseriöse Herangehensweise, einmal, weil bestimmte Branchen außen vorgelassen werden. Denn genau darin kann schon der Knackpunkt liegen. Es gibt immer Branchen-Zyklen. Wenn Branchen gut laufen, für die sich Frauen mehr interessieren, dann sind natürlich die mehr weiblichen Vorstände in gut laufenden Unternehmen anzutreffen.

Das könnte über viele verschieden Zeiträume ausgeglichen werden, aber der willkürliche Zeitraum von 2005-2010 macht die Ergebnisse dann endgültig wertlos.

Übrigens mit dieser Art von Studienmethodik kann man (ernsthaft) auch nachweisen, dass dort, wo mehr Störche leben, auch mehr Babys geboren werden.

Antworten Gast: powidl
19.01.2012 08:46
0 0

Re: Eine Frechtheit, wen wollt ihr für dumm verkaufen?

Das ist eine Ernst&Young "Studie". Was denken Sie denn, wie wissenschaftlich die arbeiten?

Da kommen immer politisch oder gesellschaftlich gewünschte Ergebnisse raus.

Hier geht's um große Prüf- und Beratungsaufträge im staats(nahen) Bereich!

schwachsinn !

und warum sind dann deutsche und österreichische firmen am weltmarkt gefragter bzw. erfolgreicher !

die studie wurde wahrscheinlich von soeiner gen der ges törten em anzen erstellt!

"Österreich und Deutschland Schlusslichter"

Schlusslichter würde ich sie nicht nennen ...

Mich würde interessieren, wie es in Unternehmen aussieht, die ausschließlich von Frauen geführt werden.
[sarcasm]Die hatten wahrscheinlich gleich einen dreifachen Anstieg.[/sarcasm]

Gast: was wirklich zählt, ist intuition
18.01.2012 16:22
0 0

denn man kommt mit der logik alleine nicht zum ziel


Antworten Gast: freund?
18.01.2012 17:38
0 0

Re: denn man kommt mit der logik alleine nicht zum ziel



RICHTIG !!

gutes beispiel : angela merkel, die einfach so, aus dem bauch, alternativlos billionen nach griechenland und consortes verpfeffert !

intuition, halt !

Gast: böse Zunge
18.01.2012 16:14
7 0

Ansichtssache

Böse Zungen könnten das Ergebnis vielleicht so interpretieren:

Die erfolgreichen Unternehmen können es sich leisten, Frauen im Vorstand zu haben. Also nicht erfolgreich wegen den Frauen, sondern trotz der Frauen!

Das heißt jetzt keines Wegs, dass ich gegen Frauen in Führungspositionen bin, ganz im Gegenteil! Es soll derjenige/diejenige die Stelle bekommen, der/die die bessere Ausbildung und Qualifikation hat.

Das soll nur zeigen, wie dämlich solche Studien und Untersuchungen sind.

6 0

Quote

Wenn es so ist, wird es so kommen. Ganz OHNE Quote.

Zum Unterschied von einer gerechten Obsorge, die in den Händen von Politikerinnen liegt.

Gast: fup
18.01.2012 15:33
4 0

Funktionierender Markt für Kinderbetreuung

Die hier vorgestellte Untersuchung ist methodisch fragwürdig. Wie ist der Ausschluss der Rohstoff- und Energieunternehmen zu rechtfertigen? Wie hoch ist die Standardabweichung, sind die Ergebnisse signifikant?

Die Schlussfolgerungen sind völlig falsch. Eine wissenschaftliche und in einem fachmagazin publizierte Studie aus den USA (für besonders interessierte: Henrekson/Stenkula 2009) hat nachgewiesen, dass gerade das staatliche Kinderbetreuungsangebot den Markt für Kinderbetreuung zerstört und daher angelsächsiche Länder trotz niedrigerer Frauenerwerbsquote einen signifikant höheren Frauenanteil in Managementpositionen haben. (Mittleres Management - bislang überall ohne Zwangsquote - mit einbezogen)
Die Managerinnen in z.B. Irland können sich nämlich auch Kindermädchen leisten, die während eines dienstlichen Auslandsaufenthalts auf die Kinder schauen. Eine Betreuuungsform, die z.B. in den skandinavischen Hochsteuerländern und auch bei uns bedeutend schlechter gestellt ist. (Stichworte: Subvention von Betreuungseinrichtungen, Sachleistungen statt Geld)

Und Frauen die nicht mal auf Ihre eigene Kinder selbst schauen sind offenbar deutlich skrupelloser als Männer und deshalb möglicherweise erfolgreicher ?!


Her mit der Männerquote

wird es bald heißen, wenn sich das herumspricht!
Im Öbrigen, ich war sachon immer der Meinung, daß Frauen die besseren Menschen sind....*lol*

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