Wien/Red. Manchmal ist es ganz einfach: Verbraucht ein Unternehmen weniger Energie und Material und spart dadurch Geld, klopfen ihm Umweltschützer und Investoren gleichermaßen auf die Schulter. Damit ist es mit den simplen Lösungen in Sachen Nachhaltigkeit aber auch schon wieder vorbei. Denn vieles, das unter dem inflationär verwendeten Schlagwort verstanden wird, lässt sich nur schwer fassen: Wie viel ist ein Baum wert, der nicht gefällt werden musste? Wie viel die Tatsache, dass ein T-Shirt ohne Kinderarbeit hergestellt wurde? Trotz einer Vielzahl an Ansätzen haben sich Ökonomen an diesen Fragen bisher die Zähne ausgebissen.
Der verantwortungsvolle Umgang mit Umwelt und Gesellschaft lässt sich kaum in Euro messen – und was sich nicht messen lässt, findet in der Unternehmensführung kaum Beachtung.
„Grünes Mäntelchen“ der Firmen
So bevölkern die Nachhaltigkeitsexperten vieler Firmen oftmals die Marketingabteilungen. Obwohl Staat, Lieferanten und Kreditgeber mittlerweile meist gewisse Nachhaltigkeitsstandards fordern, wird das Thema in der Öffentlichkeit seinen Ruf als grünes Mäntelchen der Unternehmen jedoch nicht los.
Das soll sich ändern: Am 32.Österreichischen Controllertag (siehe Infokasten) soll die Nachhaltigkeit aus der PR-Ecke mitten ins Zentrum der Unternehmenssteuerung geholt werden. Controller sind in ihrer Rolle der routinierten Vermesser und Garanten eines langfristigen Unternehmenserfolgs geradezu prädestiniert, neben der ökonomischen auch die ökologische und soziale Nachhaltigkeit in Kennzahlen zu gießen.
Stoff für angeregte Diskussionen wird es bei der Veranstaltung des Österreichischen Controller-Instituts, die in Kooperation mit der „Presse“ stattfindet, reichlich geben: Denn die Controller selbst wollen von ihrer neuen, grünen Aufgabe offenbar noch nicht allzu viel wissen. In einer aktuellen Umfrage der deutschen Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) zeigten sich nur 14 Prozent von 450 befragten Controllern überzeugt, dass das Thema Nachhaltigkeit stark in ihrer Verantwortung liege.
Der 32. Österreichische Controllertag findet am 26. und 27. Jänner im Kursalon Wien (1010, Johannesgasse 33) statt. Es spricht u.a. Timotheus Höttges, Finanzvorstand der Deutschen Telekom, zum Thema „Doing well by doing good“. Die Teilnahmegebühr beträgt 1290Euro (exkl. Ust). Anmeldung unter www.controllertag.at.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2012)
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